Jambo! Afrika wango, von Christian Rittberger

Jambo! Afrika wango, von Christian Rittberger.

Jambo! Afrika wango, von Christian Rittberger.

Jambo! Afrika wango ist ein sehr persönlicher Lebensbericht des Jägers und Reisenden Christian Rittberger in Namibia und Tansania.

Christian Rittberger  

Afrika, ein erster Besuch: (...) Ich konnte schon längere Zeit meine Unruhe nur mit Mühe unterdrücken, jetzt aber stockte mir der Atem! Die motorisierte Treppe, die uns auf dem Flughafen in Lissabon auf dem Flug nach Windhuk den Ausstieg während einer Tankpause ermöglicht hatte, entfernte sich langsam aber stetig von unserer Boing 747 der South African Airlines. Und wir - der Graf, Günther und ich - die wir auf dem Weg zur Jagd in Südwestafrika waren, saßen im Flughafenrestaurant, beobachteten den Flugplatz unter uns und verkosteten bereits die dritte Flasche Mateus. Lächelnd meinte der Graf, dass die nächste Maschine schon in zwei Tagen hier in Lissabon zum Weiterflug nach Windhuk bereitstehen würde. Das alles hätte seine Ordnung! Und Günther war dabei, eine weitere Flasche Mateus zu bestellen und begann von der Altstadt Lissabons zu schwärmen. „Mach' Dir keine Sorgen, der Lois ist ja bei meiner Frau! Der sorgt sich schon um sie, bis auch wir in Windhuk sind!" Ich war, vorgewarnt, auf vieles gefasst! Das aber ging mir zu weit! Für solche Eskapaden war auch meine am Gehalt eines Majors orientierte Reisekasse nicht gerüstet. „Nun, denn", meinte der Graf, als er meine Verzweiflung erkannte, „dann lasst uns eben versuchen, die Maschine noch zu erreichen." Der Graf schaffte es. „Welcome on board", meinte die Stewardess der SAA, als sie die Tür öffnete, nachdem die Treppe, mit der wir vom Flughafengebäude zu unserem Jumbo zurückgebracht wurden, wieder am Flugzeug angedockt hatte.

Strafende Blicke von Mitreisenden, wohl vornehmlich Deutschland zuzuordnen, paarten sich mit dem zustimmenden Gegröle braungebrannter Naturburschen, als wir die Maschine betraten und mit geröteten Gesichtern unsere Plätze aufsuchten. Später erfuhren wir, dass es sich dabei um Karakulschaffarmer handelte, die von einem Ausflug nach Europa zurückkehrten, zurück nach Südwestafrika. Die Frau von Günther ignorierte uns einfach, sie hatte sich ihren Teil wahrscheinlich schon gedacht. Bei Lois, einem jagdlichen Faktotum von Günter, der hilflos grinste, wurde ich den Verdacht nicht los, dass er von allem wusste und das Ganze eine abgekartete Sache war. Heute, nach vielen, vielen Jahren mehren sich bei mir, dem Spielverderber, Zweifel am Sinn meines Verhaltens; der Gedanke, dass damals zwei Nächte in Lissabon mit Mateus und Fado zwei Nächte in Südwestafrika hätten ersetzen können, greift immer mehr.

Die Maschine nahm Fahrt auf, hob ab und flog gen Süden. Damals, 1975, 15 Jahre vor der Unabhängigkeit Südafrikas, durften Maschinen der SAA Land von Schwarzafrika nicht überfliegen, mit Ausnahme von Südwest- und Südafrika, natürlich. Der Flug führte daher weit auf den Atlantik hinaus. Erst an der Mündung des Kunene, dem Grenzfluss zwischen Angola und dem damaligen Südwestafrika, konnten die Maschinen wieder Festland des afrikanischen Kontinents überfliegen und direkten Kurs auf ein Ziel in Südwest- oder Südafrika nehmen. Die Maschinen waren für diese extremen Langstreckenflüge eigens umgerüstet, das zusätzliche Gewicht gereichte den Passagieren zum Vorteil, die Anzahl der Passagiere lag weit unter dem Üblichen, das Platzangebot war enorm.

Zur Auswahl des Menüs vom abendlichen Dinner wurden eigens für den Flug gedruckte Speisekarten ausgegeben; alkoholische Getränke waren frei, die südafrikanischen Weine so gut wie heute! Die Stimmung an Bord war gut! Eine Stewardess, die mich für einen Whisky als Schlummertrunk „zu sich" geholt hatte, als die Mehrzahl der Menschen an Bord zur Ruhe übergegangen war, weckte mich am sehr frühen Morgen. So war es mir möglich, noch vor dem großen Andrang die doch sehr kleine Toilette für eine Katzenwäsche zu nutzen. Die Geräusche im Flugzeug waren leicht zu identifizieren! Das leise und melodische Klicken an Bord kam von geleerten Weinflaschen, die am Boden leicht hin- und herrollten und gegeneinander stießen. Insbesondere aus dem Bereich, den die Karakulschaffarmer einnahmen, klickte es.

Auch auf dem Boden hatten es sich Passagiere bequem gemacht, auch Frauen, und schliefen entspannt. Ja, damals ...! Aufregung kam auf, als die Maschine, vom Piloten angekündigt, die Mündung des Kunene erreichte, der Schwarze Kontinent lag unter uns. Von Schwärze war allerdings nichts zu erkennen, die von mir so geliebten Gelb-, Braun-, und Ockertöne bestimmten das Land. Erst im Vorjahr, lange Zeit nach meiner ersten Reise nach Südwestafrika, bereiste ich wieder einmal das südlich vom Kunene liegende Kaokoveld, das wir nun überflogen - und erfüllte mir erneut einige Träume. Der VW-Bus, den wir uns für die Tage in Südwest geliehen hatten, stand am Flugplatz bereit. Lois, der mit Erfahrung in Afrika aufwarten konnte, übernahm das Fahrzeug und brachte uns, den Linksverkehr blendend meisternd, zügig nach Windhuk, in unser Hotel, das „Kalahari Sands."

Das Abenteuer Südwestafrika konnte beginnen, - den Spuren Hans-Otto Meissners, eines Freundes und Ordensbruders von Günther im Deutschen Ritterorden, sollte wenigstens in Teilen gefolgt werden. Hans-Otto Meissner trug mit seinem Buch Traumland Südwest sicher viel zur Popularität Südwestafrikas und des späteren Namibias bei, sein Buch war auch uns ein Wegweiser. Das Ziel der Fahrt am nächsten Morgen hieß Karibib. Dort sollten wir Herrn Dr. Berger treffen, den Eigentümer der Farm am Erongogebirge, auf der wir jagen sollten. „Wir haben hier in Südwest bis 15.00 Uhr Farmersruhe! Bitte respektieren Sie das!" Das war die sehr resolute Antwort von Dr. Berger am Telefon, nachdem wir angerufen und mitgeteilt hatten, dass wir in Karibib angekommen wären! Wir reagierten etwas betroffen, nur der Graf fand das erheiternd und schon gar nicht negativ.

Wir mussten auch gar nicht bis 15.00 Uhr in dem kleinen Restaurant warten, das einem kleinen Guesthouse angeschlossen war. Schon um 14.00 Uhr kam ein sehr freundlicher Herr auf uns zu und stellte sich als Dr. Berger vor. Günther wunderte sich, dass uns Dr. Berger überhaupt gefunden hatte. „Naja, jetzt sagen Sie mir mal, wo Sie sonst in Karibib hätten sein können!" Da hatte er recht, der Dr. Berger. Wo sonst? Es gab ja damals nur dies' eine Guesthouse mit dem einzigen Restaurant am Platze. Zwangsläufig übernachteten wir auch in diesem Guesthouse, da es erst am nächsten Tag auf die Farm gehen sollte. Der Nachmittag und der Abend verliefen sehr kurzweilig. Dr. Berger erzählte von Afrika, von Südwest, unter anderem auch von Jahren als Praktikant auf einer Schaffarm.[...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Jambo! Afrika wango, von Christian Rittberger.

Buchtitel: Jambo! Afrika wango
Autor: Christian Rittberger
Verlag: J. Neumann-Neudamm AG
Melsungen, 2010
ISBN 978-3-7888-1368-0
Kartoneinband, 17x24 cm, 224 Seiten, 79 Fotos

Rittberger, Christian im Namibiana-Buchangebot

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