Im Bunde der Dritte, von Giselher W. Hoffmann und Attila W. Hoffmann

Im Bunde der Dritte, von Giselher W. Hoffmann und Attila W. Hoffmann.

Im Bunde der Dritte, von Giselher W. Hoffmann und Attila W. Hoffmann.

Den ersten Roman Im Bunde der Dritte schrieb Giselher W. Hoffmann mit seinem Bruder Attila W. Hoffmann: Parallel zur berüchtigten Skelettküste liegt Südwestafrikas letztes Paradies: das Damaraland. Gewaltige Tierherden ziehen seit Jahrhunderten über Steppen und Hügel dieser zeitlosen Einöde. Doch der Frieden täuscht: Wilderer haben es auf die Elefanten und Nashörner abgesehen!

Giselher W. Hoffmann  

Der Tod lauerte im Schatten eines Felsens. Schweigend ragten zu beiden Seiten die Steilwände einer Schlucht zum weissglühenden Himmel empor. Das farblose Sonnenlicht vermochte der Schlucht jedoch keine Wärme zu schenken. In der dämmrigen Tiefe blieb es stets unheimlich und kalt. Dort unten erklangen jetzt geisterhafte Schritte. Sand knirschte leise unter schleichenden Sohlen, und sacht kullerten Steine über den harten Boden. Dann war es wieder still. Hinter dem Felsen starrten bernsteinfarbene Augen hervor. Finster verfolgten sie jeden Schritt, den der Mensch in der Tiefe näher kam. Mit jeder Sekunde wuchs das Gefühl einer drohenden Gefahr. Bald lebte es überall, in jeder Felsnische, hinter jedem Strauch dieser zerklüfteten Schlucht. Das Raubtier presste sich tiefer auf das rauhe Gestein.

Voller Zorn und Angst wartete es auf den Menschen, den es töten wollte. Instinktiv spürte das Tier, dass es den Mann mit einem einzigen fürchterlichen Hieb seiner Pranken zerfetzen musste, wenn es am Leben bleiben wollte. Viele Opfer würde der Löwe nicht mehr schlagen. Er war im Laufe der Jahre alt und langsam geworden. Am meisten plagten ihn der Hunger und die Wunden, die ihm der Mensch geschlagen hatte. Die Muskeln zitterten entkräftet unter der vernarbten Haut, die seinen ausgemergelten Körper überspannte. Scheusslich sahen die spitzen Rippen hervor, und sein einst so praller Magen war eingefallen und schlaff. Mächtig war eigentlich nur die Mähne geblieben.

Schwarzblond stand ihm das verfilzte Haar vom knochigen Schädel ab. Früher hatte er die Mähne aufgestellt und mächtig gebrüllt. Da waren die anderen Löwen ehrfurchtsvoll vom König zurückgewichen. Heute nützte sie ihm nichts mehr, denn er brauchte sich nicht mehr zu behaupten. Seine Weiber und das wildreiche Jagdgebiet hatte er einem kräftigeren, geschmeidigen Löwen überlassen müssen. Dem alten Löwen war nur ein Gegner geblieben, der jedoch grausamer war, als alle anderen zusammen. Das war der Hungertod.

Nächtelang war er, vor Hunger und Einsamkeit dumpf brüllend, durch die Wüste gestrichen. Sie war gnadenlos und schenkte ihm nichts. Nur hier und da ein paar Zebras, aber die waren zu schnell. Und hinter ihm waren die Hyänen. Hässliche Gestalten, die geduckt auf seiner Spur gingen. Jede Nacht vernahm der Löwe ihr grausiges Gelächter, als wären sie schon voller Schadenfreude, dass der König bald sterben würde. Früher war er auf sie losgegangen und hatte sie mit seinen gewaltigen Pranken vertrieben. Doch heute war alles anders. Das winselnde Pack war immer nähergekommen. Der Löwe schleppte sich weiter durch die Wüste. Er wurde schwächer und wütender. Nur hin und wieder fand er Aas an einer Wasserstelle. Faulige Reste, die andere Löwen zurückgelassen hatten. Doch der Hunger blieb und wurde grösser.

Eines Nachts wehte aus weiter Ferne ein blökender Ruf über die schweigende Wüste. Es klang fremd, wie aus einer anderen Welt. Misstrauisch hob er den Kopf, lauschte und witterte. Da erklang erneut der Ruf des fremden Tieres. Das Raubtier verstummte. Ungehört verhallte sein klagendes Gebrüll zwischen den roten Hügeln. Der Löwe war wieder zum Jäger geworden. Ein lautloser, todbringender Schatten, der neugierig dem blökenden Ruf entgegenschlich. Am frühen Morgen erreichte er eine Wasserstelle. An dem schlammigen Ufer entdeckte er die blökenden Tiere. Sie sahen wohlgenährt auf ihren hohen stelzigen Beinen aus. Ihre Waffen waren weitabstehende Hörner, die der Löwe noch nie bei anderen Tieren gesehen hatte. Doch er kümmerte sich nicht darum. In seinem Magen nagte der Hunger, der ihm alle Vernunft raubte. Ganz dicht schlich er sich an das Wasser heran.

Mit einem schnellen Satz landete er auf dem Rücken eines Rindes. Es war nicht schwierig das Tier zu töten.Viel leichter als ein bockendes, um sich keilendes Zebra. Der Löwe schlug grollend die rechte Pranke in die weichen Nüstern und riss den Kopf mit einem Ruck zu sich herum. Das Genick zersplitterte wie ein trockener Ast. Röchelnd brach das Rind am Ufer zusammen. Die Herde stand für ein paar Sekunden wie erstarrt. Zu plötzlich war die lautlose Raubkatze zwischen ihnen aufgetaucht. Jetzt warfen sie die Köpfe hoch und galoppierten in wilder Panik davon. Der Löwe würdigte ihnen keinen Blick mehr. Gierig kniete er sich neben die noch zuckende Beute und riss ihr mit den Fangzähnen die Bauchdecke auf.

In wenigen Stunden hatte er den dampfenden Pansen und die beiden Keulen verschlungen. Gesättigt strich er sich mit der Zunge über die bluttriefenden Lefzen. Um den Rest wollte er sich am Nachmittag kümmern. Nachdem er seinen Durst gelöscht hatte, markierte er seine Beute, indem er in der Nähe urinierte. Dann wankte er mit hängendem Bauch auf den nächsten Khoribusch zu. Seit vielen Tagen war er das erste Mal wieder zufrieden. Die einsamen Nächte und der Groll gegen die erbarmungslose Natur waren vergessen. Hechelnd kroch er unter den schattenspendenden Busch.

Doch er war kaum eingedöst, als er Stimmen hörte. Helle, schrille Stimmen, die aufgeregt näherkamen. Der Löwe hob erbost den Kopf. Verwundert bemerkte er zweibeinige, schwarze Gestalten, die schreiend auf seine Beute zurannten. In seine witternde Nase stieg der penetrante, widerliche Geruch von Schweiss, Rauch und Leder. Die Menschen waren ihm fremd. Er fürchtete sie nicht, aber er hasste sie, denn sie wollten einem hungrigen Löwen die Beute wegnehmen. Brüllend sprang er hinter dem Busch hervor. Die Mähne aufgeworfen und die Zähne gebleckt, jagte er auf die Gruppe zu. Die Gestalten warfen sich kreischend herum und rannten wie Rinder davon.

Zufrieden wandte sich der Löwe ab. Er war wieder der König in einem neuen Reich. Schon am folgenden Tag musste er sich wieder behaupten. Auf dem Weg zu seiner Beute sah er sich plötzlich einem weissen Mann gegenüber. Sofort stiess der Löwe ein tiefes Gebrüll aus. Doch der Mann rannte nicht davon wie die Rinder oder die Schwarzen. Er stand nur da und hob einen glänzenden Gegenstand an die Schulter. Im nächsten Augenblick gab es einen peitschenden Knall, und der Löwe verspürte einen gewaltigen Schlag in seinem Pansen. Erschrocken schlug er mit der Pranke nach dem schneidenden Schmerz.

Im gleichen Moment krachte es erneut. Ein grausamer Schmerz durchzuckte seine linke Pranke. Im Löwen erwachte Furcht. Er warf sich herum und flüchtete in wilder Panik in die Wüste. Hinter ihm krachte es ununterbrochen. Gesteinsplitter flogen ihm an die Flanken. Immer weiter rannte er und immer schneller. Völlig entkräftet entdeckte er die schützende Schlucht, und er kletterte suchend über die Felsbrocken, bis er eine schattige Stelle fand, von wo aus das felsige Tal zu übersehen war. Hier wollte er seine Wunden lecken und auf den Menschen warten, den er töten musste. Jetzt lag das Raubtier hinter dem Felsen und machte sich lautlos zum Sprung bereit. Der Jäger war bis auf zehn Schritte an ihn herangekommen. Häufig blieb der Mann lauschend stehen. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Im Bunde der Dritte, von Giselher W. Hoffmann und Attila W. Hoffmann.

Buchtitel: Im Bunde der Dritte
Autoren: Giselher W. Hoffmann; Attila W. Hoffmann
Selbstverlag: Giselher W. Hoffmann; Attila W. Hoffmann
Erstauflage, Windhoek, Namibia 1983
ISBN 0-620-07296-2
Originalbroschur, 13x20 cm, 223 Seiten

Hoffmann, Giselher W. im Namibiana-Buchangebot

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