Hans Merensky. Geologe und Mäzen. Platin, Gold und Diamanten in Afrika, von Eberhard W. Machens.

Hans Merensky. Geologe und Mäzen. Platin, Gold und Diamanten in Afrika, von Eberhard W. Machens. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung; Stuttgart, 2011; ISBN 9783510652693 / ISBN 978-3-510-65269-3

Hans Merensky. Geologe und Mäzen. Platin, Gold und Diamanten in Afrika, von Eberhard W. Machens. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung; Stuttgart, 2011; ISBN 9783510652693 / ISBN 978-3-510-65269-3

Prof. Dr. Eberhard W. Machens ist der Autor der 2011 erschienenen Biographie des genialen deutschen Geologen, Prospektors und Bergbauunternehmers Dr. Hans Merensky (1871-1952), dem Südafrika die bedeutendsten Entdeckungen an Diamanten-, Platin- und Phosphatvorkommen zu verdanken hat.

Eberhard W. Machens  

Diamanten im Namaqualand

Die innere Erregung, die Merensky nach dem Tischgespräch im distinguierten Londoner Herrenclub nicht mehr losließ, hatte eine weit zurückliegende Ursache. Im Jahre 1908 waren in Deutsch-Südwestafrika, in den Dünen der Kolmanskuppe, oberhalb der Lüderitzbucht, Diamanten gefunden worden. Der Fund als solcher, aber auch die Art der Fundstelle, hatten Aufsehen erregt. Die Diamanten lagen nämlich lose verstreut in den Dünensanden, so dass man sich ihre Herkunft nicht so recht erklären konnte. Ein primäres Gestein, aus dem sie herausgewittert sein konnten, war weit und breit nicht zu sehen, und irgendwelche Flüsse, die diese Steine herantransportiert haben konnten, gab es in diesem ariden Gebiet auch nicht. Man musste also annehmen, dass die Steine vom Meer angespült worden waren. Man stellte sich vor, dass die Diamanten vor sehr langer Zeit (im Miozän) aus dem Inneren des Kontinents zunächst zum Meer und danach durch küstenparallele Strömungen nach Norden, Richtung Lüderitzbucht, transportiert und dann an der Küste abgelagert worden seien. Man bezeichnete das als die „Flusstheorie". Die Frage, wie die Diamanten in die Dünensande der Kolmanskuppe gekommen waren, blieb dabei jedoch unbeantwortet. Merensky fand die Antwort und entwickelte dabei eine ganz eigene Vorstellung über den Ablauf der Geschehnisse. Er glaubte, dass die primären Lagerstätten im Atlantik gelegen hätten und dass die Steine durch Meeresströmungen, die aber anders verliefen als die heutigen, in den Küstenbereich verfrachtet und dann durch Sturmfluten an Land geworfen worden seien. Da die Kolmanskuppe hoch über dem heutigen Meeresspiegel liegt, musste sich das Ganze vor 10 Mio. Jahren ereignet haben, zu einer Zeit, als der Kontinent noch nicht so stark herausgehoben war wie heute. Merensky hatte die Fundstellen auf der Kolmanskuppe sehr genau untersucht. Er war tagelang auf den Knien durch die Dünen gerutscht, hatte Hunderte von Sandproben unter der Lupe geprüft und dabei beobachtet, dass sich dort, wo Diamanten gelegen hatten, im Sand winzige Splitterchen von Austernschalen befanden. Das waren Bruchstücke der Ostrea prismatica, einer in warmen Gewässern lebenden Austernart. Sie ist heute noch bei Durban an der Küste des Indischen Ozeans zu finden, nicht aber an der südafrikanischen Atlantikküste. Dort wird die Temperatur des Meeres nämlich durch den von Süden kommenden kalten Benguelastrom bestimmt. Merensky entwickelte also die Theorie, dass die Diamanten - zu einer Zeit, als die Konfiguration des Kontinents noch anders war als die heutige - von einer warmen Meeresströmung herangetragen und zusammen mit Austernschalen an die Küste geworfen worden waren, wo sie „Muschelbänke" oder „Strandwälle" bildeten. Später wurden die Strände herausgehoben und von wandernden Dünen verschüttet. Dabei wurden die nicht sehr widerstandsfähigen Austernschalen durch die sich bewegenden Sandkörner allmählich zerrieben. Übrig blieben die harten Diamanten und winzige Austernbruchstücke. Das Wichtigste war aber Merenskys Schlussfolgerung. Er war überzeugt, dass unter den Dünen, die sich von der Lüderitzbucht 280 km weit bis zum Oranje-Fluss und darüber hinaus nach Namaqualand erstreckten, noch an vielen Stellen intakte Muschelwälle mit Austernschalen und Diamanten erhalten sein mussten. Sie zu finden war jedoch schwierig, denn sie lagen unter riesigen Sandmassen tief vergraben. Merensky hatte für diese Zusammenspülung von Diamanten und Austern den Begriff Austernlinie (Oyster Line) geprägt. Im Januar 1909 publizierte er seine Ideen in den Transactions of the Geological Society of South Africa. Danach hat er immer wieder versucht, diese Theorie in persönlichen Gesprächen und in Vorträgen bekannt zu machen, doch bisher hatte das niemand ernst genommen. Merensky traf Anfang November 1926 in Johannesburg ein und begann sofort mit der Vorbereitung seiner Prospektionskampagne. Wie sich herausstellte, waren zu diesem Zeitpunkt schon an die tausend Sucher ins Namaqualand geströmt bzw. befanden sich auf dem Weg dorthin. (...)

Die ist ein Auszug aus dem Buch: Hans Merensky. Geologe und Mäzen. Platin, Gold und Diamanten in Afrika, von Eberhard W. Machens.

Titel: Hans Merensky. Geologe und Mäzen
Untertitel: Platin, Gold und Diamanten in Afrika
Autor: Eberhard W. Machens
Verlag: Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung
Stuttgart, 2011
ISBN 9783510652693 / ISBN 978-3-510-65269-3
Kartoneinband, 17x25 cm, 271 Seiten, 35 Abbildungen

Machens, Eberhard W. im Namibiana-Buchangebot

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