Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner (Nachdruck), von Viktor Lebzelter

Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner (Nachdruck), von Viktor Lebzelter. Peter's Antiques. Swakopmund, Namibia 1996. ISBN 9991670580 / ISBN 99916-705-8-0

Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner (Nachdruck), von Viktor Lebzelter. Peter's Antiques. Swakopmund, Namibia 1996. ISBN 9991670580 / ISBN 99916-705-8-0

Bildauszug aus Viktor Lebzelters Studie 'Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner. Wissenschaftliche Ergebnisse einer Forschungsreise nach Südwestafrika in den Jahren 1926-1928

Bildauszug aus Viktor Lebzelters Studie 'Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner. Wissenschaftliche Ergebnisse einer Forschungsreise nach Südwestafrika in den Jahren 1926-1928

Aus seinem Forschungsbericht 'Eingeborenenkulturen von Südwestafrika', im vorliegenden Fall handelt es sich um einen Nachdruck des raren Originals, beschreibt Viktor Lebzelter seine zwischen 1926 und 1928 gemachten Beobachtungen bei den verschiedenen Gruppen von Buschmännern, die er in Südwestafrika, Angola und Südafrika antraf.

Viktor Lebzelter  

DIE !KUNGBUSCHMÄNNER

ZUR CHARAKTEROLOGIE

Die Buschmänner sind untereinander dem Charakter nach ebenso verschieden wie die Angehörigen irgendeines anderen Volkes. Schon die verschiedenen Habitustypen weisen darauf hin. Ich möchte Individualcharakteristiken bei der relativ kurzen Zeit, die ich mit den einzelnen zusammen war, keine übermäßige Bedeutung zubilligen. Der Charakter eines Volkes, wenn man von einem solchen sprechen kann, äußert sich in der durchschnittlichen konventionellen oder traditionellen Art des Reagierens unter verschiedenen Bedingungen, welche trotz der physisch bedingten Charakterunterschiede doch eine gewisse generelle Einheitlichkeit aufweist. Da ich bei den anderen Buschmannstämmen weniger eingehende Beobachtungen machen konnte, bringe ich hier alles, was ich im Gegenstande beobachtet habe. Neuen Eindrücken gegenüber verhält sich der Buschmann zunächst ziemlich uninteressiert. Die Neugier ist gering. Wohl haben einmal zwei !Kungbuschleute von mir eine eingehende Erklärung des Motors verlangt und geduldig angehört. Als ihnen einmal ein Amerikaner ein Grammophonkonzert gab, hörten sie dieses mit sichtlichen Wohlgefallen an, es fiel aber keinem ein, über das Wesen dieser Sache eine Frage zu stellen. Die Buschmänner von heute zumindestens glauben nicht, daß sich in den Maschinen der Europäer irgendeine Zauberei verberge. Europäische Instrumente lernen sie ziemlich rasch gebrauchen, insbesondere das Gewehr wird ihnen rasch vertraut. Dornan berichtet ja auch von einer großen Zahl improvisierter Gewehre, welche die Buschmänner adaptiert hatten. In neuer Umgebung ist der Buschmann seinem ganzen Wesen nach blasiert und kühl beobachtend. Anpassungsfähig ist er in hohem Grade. Die Buschmädchen, die manche Farmer zu Konkubinen haben, spielen ganz geschickt Hausfrau. Im Ovambolande nehmen sie rasch die Lebensgewohnheiten und die Wirtschaftsformen der Bantu an. Am Lehrerseminar in Oonipa ist ein Ongandjerabuschmann als Lehrer tätig. Er besitzt einen kleinen, nett gehaltenen Kraal nach Ovamboart und hat sich außerdem eine Ziegelrundhütte gebaut, in der er seine „Bibliothek" aufbewahrt. Auf den Farmen halten sie selten lange aus, hauptsächlich aber wohl, weil ihnen die Nahrung nicht bekommt. Anderen Menschen gegenüber sind die Buschmänner im höchsten Grade mißtrauisch. Jeder Bewaffnete, dem sie begegnen, gilt von vornherein als Feind. Fremde Stammesgebiete darf der Buschmann nur unbewaffnet betreten. Selbst am Rande der Farmzone ist das gegenseitige Mißtrauen so groß, daß ein Buschmann, der als Bote auf eine Farm geschickt wird, in deren Bereich eine andere Sippe sitzt, den Fahrweg, der als eine Art neutrale Zone gilt, nicht zu verlassen wagt. Nähern sich zwei fremde bewaffnete Buschleute einander, so legen sie zunächst auf Sichtweite die Waffen ab, um sich dann erst zu begrüßen. Kommt ein Buschmann zu einer Werft oder zu einem Farmhause, so legt er in einer gewissen Distanz die Waffen ab und setzt sich dann nieder und wartet geduldig, eventuell stundenlang, bis er gefragt wird. Ein ausgesprochenes Rassenempfinden ist nicht deutlich. Alles, was nicht zur eigenen Sippe gehört, wird als fremd, eventuell feindlich angesehen, es sei denn, daß gemeinsame Verfolgung ein Solidaritätsempfinden unter allen Verfolgten aufkeimen läßt. Dagegen haben sie ganz deutlich eine Art Menschheitsempfinden, d. h. sie glauben nicht, daß sie die eigentlichen Menschen sind, und sind z. B. überzeugt, daß im Himmelshause die Menschen aller Rassen Aufnahme finden. Das Verhalten den Verwandten gegenüber ist durch zahlreiche Sitten geregelt, im allgemeinen aber selbst der Frau und den Kindern gegenüber gemessen und fast zeremoniell. Aufdringlich ist der Buschmann niemals. Von den übrigen Völkern werden die Buschmänner als Ganzes verachtet, im einzelnen aber gefürchtet, nicht zuletzt auch von den Weißen. Die Buschmänner kennen diese Einstellung und verhalten sich dementsprechend. Auf fremde Ansichten gehen die Buschmänner schwer oder gar nicht ein. Die Mission hat bei ihnen auch keinen nennenswerten Erfolg zu verzeichnen. Dagegen erfassen sie durchschnittlich rascher die Absichten anderer als die gewöhnlich oberflächlicheren Schwarzen. Sie geben infolgedessen auf die an sie gestellten Fragen kurze und präzise Antworten. Bei Fragen, die sie nicht beantworten wollen, schweigen sie. Man muß allerdings im Verkehr mit ihnen beachten, daß sie bei geistiger Arbeit sehr rasch ermüden und dann keine Antwort mehr geben, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie bereits zu müde sind. Freigebig sind die Buschmänner nicht. Einen Fremden an der Mahlzeit teilnehmen zu lassen, sowie ihm auch von dem vorhandenen Wasser zu geben, ist allerdings eine glatte Selbstverständlichkeit. Von ihrem personellen Besitz an Waffen, Schmuck, Fellen usw. geben sie aber sehr selten etwas als Geschenk ab. Erhalten sie selbst Geschenke, so zeigen sie sich deutlich erfreut. [...]

Dies ist ein Auszug aus der Studie: Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner (Nachdruck), von Viktor Lebzelter.

Titel: Eingeborenenkulturen von Südwestafrika
Untertitel: Die Buschmänner. Wissenschaftliche Ergebnisse einer Forschungsreise nach Südwestafrika in den Jahren 1926-1928
Autor: Viktor Lebzelter
Verlag: Peter's Antiques
(Original: Verlag Karl W. Hiersemann, 1934)
Swakopmund, Namibia 1996
ISBN 9991670580 / ISBN 99916-705-8-0
Broschur, 21 x 29 cm, 105 Textseiten, 39 Textabbildungen, 12 Lichtdrucktafeln

Lebzelter, Viktor im Namibiana-Buchangebot

Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner (Nachdruck)

Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner (Nachdruck)

Das Werk 'Eingeborenenkulturen von Südwestafrika: Die Buschmänner' ist die wissenschaftliche Ausarbeitung einer Forschungsreise Viktor Lebzelters nach Süd- und Südwestafrika in den Jahren 1926-1928. Dies ist ein Nachdruck.

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