Ein Bielefelder Missionar als Pionier in Namibia. Tagebuch und Briefe des F. H. Vollmer, Hochanas 1853-1866, von Walter Moritz

Ein Bielefelder Missionar als Pionier in Namibia. Tagebuch und Briefe des F. H. Vollmer, Hochanas 1853-1866, von Walter Moritz.

Ein Bielefelder Missionar als Pionier in Namibia. Tagebuch und Briefe des F. H. Vollmer, Hochanas 1853-1866, von Walter Moritz.

Das Tagebuch und die Briefe des F. H. Vollmer bewogen Walter Moritz zu seiner Arbeit über den Bielefelder Missionar der ein Pionier in Namibia und von 1853 bis 1866 in Hochanas tätig war.

Walter Moritz  Franz Heinrich Vollmer  

Jonker Afrikaner

Am Oranjeufer wohnte ein kleiner Häuptling, der über eine mit Gewehren bewaffnete Mannschaft gebot. Er hieß Jonker Afrikaner. Sein Vater, Jager Afrikaner, hatte in der Nähe von Kapstadt gewohnt. Später hatte er mit seinen Leuten bei einem Farmer als Arbeiter im Dienst gestanden. Da der Farmer ihn ungerecht behandelte, hatte er seinen Herrn und seine Familie umgebracht. Mit dem gesamten Vieh des Farmers und dessen Gewehren war er an den Oranje gezogen, wo ihn die Polizei des Kaplandes nicht erreichen konnte. Auf seinen Kopf setzte daher die Regierung einen Preis von 200 Pfund. Am Oranje führte er ein schlimmes Räuberleben. Er raubte Vieh und handelte dafür von gewissenlosen Händlern Gewehre ein. Mit den Gewehren rüstete er seine Mannschaft aus und dehnte seine Raubzüge weiter aus. 1811 beraubte er die Missionsstation Warmbad und zerstörte sie. Sein Name war der Schrecken des Namalandes. In seinem hohen Alter bekehrte er sich und wurde Christ. Von nun an war sein Leben und Verhalten ein völlig anderes. Namaland kam wieder zur Ruhe. Nach Jager Afrikaners Tode (1821) gewann sein Sohn Jonker einen großen Teil des Stammes für sich. Sein Bruder wurde Häuptling des andern Stammesteiles. Nun suchte Jonker für seine Leute eine Heimat mit Wasser und Weideland. Er fand keins. Da fing auch er an, ein Räuberleben zu führen. Immer gefährlicher wurde er für die Eingeborenen auf beiden Seiten des Oranje. Nicht die Anzahl seiner Männer, sondern die Anzahl der Gewehre, über die er verfügte, machten ihn unüberwindlich. An diesen Jonker Afrikaner wandte sich um 1830 der Häuptling der Roten Nation und bat ihn um Hilfe gegen die Herero. Er versprach ihm Wohnsitze und Weideland nach freier Wahl, wenn er die Herero aus dem Namalande verjage. Jonker Afrikaner kam. Seinen Gewehren konnten die Herero nicht widerstehen. Wer nicht entfloh, den streckte die Kugel nieder. Jonker nahm die herrenlosen Rinderherden als willkommene Kriegsbeute und wanderte mit ihnen einige Jahre im Namalande umher, bis er sich endlich mit seinem Stamm an den Quellen von Windhuk niederließ. Das geschah um das Jahr 1840.

Ein schlimmer Friede

Jonker hatte sich nicht etwa in Windhuk niedergelassen, um fortan die Herero und Nama auseinanderzuhalten oder die Nama vor neuen Ungerechtigkeiten der Herero zu schützen. Im Gegenteil. Er war sich seiner Macht bewußt geworden und versuchte, sich zum Oberhäuptling der Namastämme zu machen. Oasib, der Häuptling der Roten Nation, hatte viel zu leiden unter Jonker. Den andern Stämmen ging es nicht besser. Hatten sie bis dahin in steter Furcht vor den Herero leben müssen, so mußten sie jetzt vor Jonker zittern. Windhuk aber hatte Jonker aus dem Grunde zum Wohnsitz gewählt, weil er dort den nach Norden zurückgewichenen Herden der Herero am nächsten war. Er hoffte, von Windhuk aus durch seine Mannschaften soviel Rinder rauben zu können, als er für Gewehre und Pulver, für Kleider und Schnaps, für Kaffee, Zucker und andere Dinge benötigte. Einige Händler wohnten bei ihm und waren gern bereit, ihn mit allem zu versorgen. Jonker zahlte mit geraubten Rindern. Nicht fern von Windhuk liegt Okahandja, seit alten Zeiten der Sitz bedeutender und reicher Hererohäuptlinge. Dort wohnte ein reicher Emporkömmling namens Tjamuaha, dessen Sohn Maharero hieß. Dort wohnte auch der reiche und mächtige Kahitjene. Diese beiden entschlossen sich, lieber in Abhängigkeit von Jonker zu geraten, als eines Tages von ihm beraubt zu werden. Sie schlossen daher Frieden mit Jonker. Jonker versprach, ihre Rinderkrale nicht anzutasten. Sie versprachen, ihm ihre junge Hereromannschaft zu geben und nach Windhuk zu ziehen. Jonker versah die jungen Herero mit Gewehren und bildete sie im Schießen aus. Maharero, Tjamuahas Sohn, wurde der Führer der Truppe. Dieser Friede wurde zu Weihnachten 1842 geschlossen. Wenige Wochen zuvor hatten sich die beiden Missionare H. Hahn und Kleinschmidt bei Jonker niedergelassen und die Missionsarbeit unter seinem Stamm begonnen. Unter dem Einfluß dieser beiden Männer war Jonker eine Zeitlang friedlich. Dann aber hielt es ihn nicht länger. Jonker hatte bei den Händlern Schulden gemacht: tausend Rinder schuldete er ihnen. Woher sollte er sie nehmen? Neue Raubzüge in das Hereroland erfolgten. […]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Ein Bielefelder Missionar als Pionier in Namibia. Tagebuch und Briefe des F. H. Vollmer, Hochanas 1853-1866, von Walter Moritz.

Buchtitel: Ein Bielefelder Missionar als Pionier in Namibia
Untertitel: Tagebuch und Briefe des F. H. Vollmer, Hochanas 1853-1866
Autor: Walter Moritz
Reihe: Aus alten Tagen in Südwest, Band 15
Selbstverlag
Werther, 1999
ISBN 9991650016
Broschur, 15x21 cm, 72 Seiten, 24 sw-Fotos, 2 Karten

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