Der 1. Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1914-15, Band 1, von Historicus Afrikanus

Der 1. Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1914-15, Band 1, von Historicus Afrikanus.

Der 1. Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1914-15, Band 1, von Historicus Afrikanus.

Diese Studie, die in vier Bänden erscheinen wird, untersucht, für die Jahre 1914 und 1915, die Ereignisse, die der 1. Weltkrieges in Deutsch-Südwestafrika auslöste. Der Auszug enthält das Vorwort von Prof. Dr. Volker Lohse.

Historicus Afrikanus  

Als der 1. Weltkrieg ausbrach, übermittelte die Großfunkstation in Nauen bei Berlin am 4./5. August 1914 drahtlos über die Funkstation Kamina in Togo die Kriegserklärungen nach Lüderitzbucht: „Krieg mit England, Frankreich und Russland". Gouverneur Dr. Theodor Seitz (1863-1914) erklärte daraufhin am 6.8. für das Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika (DS WA) den Belagerungszustand und ordnete am 7.8. die Allgemeine Mobilmachung an. Auch fern der alten Heimat brach daraufhin eine Art „Augustfieber" mit großer Begeisterung und spontanen Kundgebungen aus; die deutschen Männer drängten zu den Fahnen. Und das, obwohl in DSWA wie in den anderen deutschen Schutzgebieten keine Truppe vorhanden war, die mit einer großen, europäisch ausgebildeten und modern ausgerüsteten Kriegsmacht wie sie Briten und Buren zur Verfugung stand, erfolgreich hätte kämpfen können. Die Schutz- und Polizeitruppen in den deutschen Kolonien sollten nach Berliner Verständnis der Bekämpfung von einheimischen Stämmen dienen und darin hatte sie Erfahrungen; aber in/ für DSWA waren selbst diese Erfahrungen nicht weiter entwickelt, nicht aktualisiert worden. Man war seit 1884 in der deutschen Regierung der Auffassung, dass mit einem Krieg gegen europäische Mächte in den Schutzgebieten nicht zu rechnen sei; dazu trug eine Fehleinschätzung der Kongo-Generalakte vom 26. Februar 1885 (RGBl. S. 215) und vor allem des britischen Willens, sich daran zu halten, wesentlich bei.

Reichsregierung und Reichstag waren den kolonialen Sicherheitskräften gegenüber knauserig. Das schildert der Autor anschaulich und genau. Dazu steht nicht im Widerspruch, dass das deutsche Kaiserreich vermutlich die einzige Kolonialmacht war, die insgesamt mehr Geld in die Schutzgebiete „steckte", als es aus ihnen „herausholte" - man hatte in Berlin eben andere koloniale Präferenzen. So fehlten auch bei der relativ noch am besten ausgestatteten Kaiserlichen Schutztruppe für DSWA und erst recht bei der Landespolizei von DSWA bei Ausbruch des 1. Weltkriegs ausreichende moderne Waffen und Ausrüstungsgegenstände z. B. Kraftfahrzeuge, Flugzeuge, schwere Artillerie ... und selbst der bekannte Schutztruppenhut war in einem modernen Gefecht nur hinderlich. Nach dem Krieg konnte man ihn dann allerdings bei Treffen und Paraden in Deutschland als exotisches Uniformstück publikumswirksam tragen.

Den Briten (und den südafrikanischen Buren (= Boers = Afrikander = Afrikaaner)) waren die seit 1908 zunehmend an Bedeutung gewinnenden Diamantenfunde bei Kolmanskuppe bekannt. Die wertvollen Funde sorgten wesentlich für den Ausgleich des Schutzgebietsetats. Es wäre naiv zu glauben, die glitzernden Bodenschätze hätten die britischen (und burischen) Invasionsgedanken nicht beflügelt. Auch in den letzten Jahren vor Kriegsausbruch, als Folgen der deutschen (Regierungs-) Schaukel-Außenpolitik, „des deutschen Sonderwegs" und der „Einkreisungspolitik" der potenziellen Kriegsgegner sogar der deutschen Öffentlichkeit und den Medien, erst recht aber dem Reichskanzler, den Mitgliedern der Regierung und des Reichstags (MdR) mehr und mehr bewusst wurden, rüstete man die Sicherheitskräfte in den deutschen Schutzgebieten nicht auf, wollte sie in DSWA sogar verkleinern.

So musste in den 11 Kriegsmonaten im Feld und in der Etappe in DSWA von den nur 2171 aktiven deutschen Unteroffizieren und Mannschaften in dem 825 000 km2 grossen Schutzgebiet mit offenen Grenzen viel improvisiert werden. Diese kleine Streitmacht wurde zwar bei Kriegsbeginn auf ca. 3000 Kämpfer und 2000 Mann in der Etappe aufgestockt, ihr standen aber etwa 35000 Mann modern ausgestattete Unionstruppen gegenüber. Dabei kam dem Gouverneur und den Kommandeuren der Schutztruppe, zuerst Oberstleutnant Joachim von Heydebreck und - nach dem 12. November 1914 — Major/Oberstleutnant Victor Franke, entgegen, dass die Truppe weitgehend aus deutschen Soldaten (ergänzt durch wenige Buren und noch weniger eingeborene Hilfswillige / Hilfskräfte) bestand, die sich nach Kräften bei der Landesverteidigung einsetzten.

Den Tod des Kommandeurs v. Heydebreck nach einem Unfall (?) am 9.11.1914 bei der Explosion von Gewehrgranaten in Kalkfontein-Süd hinterfragt der Autor nicht weiter. Von den dramatischen Monaten insgesamt zeichnet er, grundsätzlich chronologisch (Ausnahme: die Naulila-Strafexpedition), ein informatives und abgerundetes, farbiges Bild. Eher negativ wirkte, dass lange vor Kriegsbeginn (seit 1905/06), dann 1911 und zuletzt auch im Zusammenhang mit der Diskussion um das Wehrgesetz für die Schutzgebiete vom 22. Juli 1913 (RGBl. S. 610), zwischen dem Generalstab in Berlin, dem Gouvernement in Windhuk und dem Kommandeur der Schutztruppe also schon seit dem Kommando von Oberstleutnant Ludwig von Estorff über den Fall eines deutsch-britischen Krieges und seine Auswirkungen auf DSWA diskutiert wurde.

Dabei erörterte Eventualitäten führten dann zu dem Bericht des Kommandos der Schutztruppen im Reichskolonialamt (= Kolonialministerium - d. Verf.) an den Generalstabschef Helmuth von Moltke vom 13. Januar 1914, dessen restriktive, hinhaltend-defensive Ideen die Strategie der beiden Schutztruppenkommandeure negativ beeinflussen sollten; die handelten gewiss in pflichtenetischer Tradition Immanuel Kants aber zu wenig energisch, zu phantasielos und zu plangläubig.Das Ziel der deutschen Abwehrmaßnahmen waren primär britische Soldaten - anders formuliert: angestrebt wurde die weitestmögliche Schonung der Buren. Deutscherseits hoffte man, dass der Zorn der Buren gegen die Briten nach dem verlorenen Burenkrieg (1899-1902) groß genug wäre, sich auf die Seite der Südwester zu schlagen. Das Burenfreikorps (Andries de Wet), die Meuterei von Oberstleutnant Solomon Gerhardus Maritz und der Burenaufstand in der Südafrikanischen Union waren aber unbedeutend: Die Buren blieben zerstritten.

Die Mehrzahl der Buren hatte sich in der Zwischenkriegszeit mit den Briten und ihrer weitgehend geschickten Versöhnungs- und Integrationspolitik (Pax britannica) arrangiert und glaubte deren antideutschen, vor Lügen nicht zurückschreckenden Propaganda. Nicht wenige ehrgeizige Buren sympathisierten offen mit den Briten. Die deutsche Haltung wird in dem Tagesbefehl des Gouverneurs vom 15. September 1914 deutlich, nach dem der Krieg gegen die Engländer und nur gegen die Engländer bis zum Äußersten zu fuhren sei. Das Werk Der I. Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1914/15 wird in vier Bänden veröffentlicht. In diesem ersten Band erörtert der Autor den Kriegsausbruch und die Mobilmachung, die Nakab- und die Liebenbergaflare, den südafrikanischen Angriff auf DSWA, das Gefecht von Sandfontein und die Verteidigung der Südgrenze, d. h. von Anfang August bis Dezember 1914.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Der 1. Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1914-15, Band 1, von Historicus Afrikanus.

Buchtitel: Der 1. Weltkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1914/15, Band 1
Autor: Historicus Afrikanus
Glanz & Gloria Verlag
Windhoek, Namibia 2011
ISBN 978-99916-872-1-6 Namibia
ISBN 978-3-941602-70-0 Deutschland
Broschur, 15x21 cm, 170 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen, Kartenskizzen

Afrikanus, Historicus im Namibiana-Buchangebot

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