Denkst Du manchmal noch daran? Erinnerungen und Farmgeschichten aus Südwest, von Marga Vaatz

Denkst Du manchmal noch daran? Erinnerungen und Farmgeschichten aus Südwest, von Marga Vaatz. Selbstverlag Familie Vaatz. Namibia, 2017. ISBN 9780620116442 / ISBN 978-0-620-11644-2

Denkst Du manchmal noch daran? Erinnerungen und Farmgeschichten aus Südwest, von Marga Vaatz. Selbstverlag Familie Vaatz. Namibia, 2017. ISBN 9780620116442 / ISBN 978-0-620-11644-2

Das Kapitel 'Erlebt zu haben!' aus Marag Vaatz' Memoiren 'Denkst Du manchmal noch daran? Erinnerungen und Farmgeschichten aus Südwest' beschreibt auf unheimliche, gleichzeitig realistische und witzige Weise, menschliche Sinneswahrnehmungen im Zusammenhang mit einer Schlange im Zimmer bei Nacht.

Marga Vaatz  

Das 1907 aus Natursteinen gebaute alte Haus auf Düsternbrook drohte auseinanderzubrechen. Um es zu erhalten, mussten wir einen neuen Flügel anbauen. Fünf Handwerker und ein Vormann wurden in den beiden ersten Zimmern des Nebengebäudes behelfsmäßig untergebracht. Mein Mann und ich schliefen im letzten Zimmer. Ein schmales Durchgangskämmerlein, das unser Schlafzimmer mit einem der beiden anderen. Räume verband, wurde zum Kinderzimmer für Johann, drei Jahre, und Katrin, fünf Jahre alt. Es war ein glühend heißer Novembertag. Edgar war mit Katrin nach Windhoek gefahren, um Zement zu holen. Um 10 Uhr abends, Farmers Mitternacht, wünschte ich unseren Handwerkern eine gute Nacht. Mit einem brennenden Kerzenstümmelchen sah ich noch einmal nach Johann, der süß in seinem niedrigen Gitterbettchen schlief. Die Verbindungstür zu dem einen Zimmer der Handwerker war von ihrer Seite abgeschlossen, die andere Tür des Kinderzimmers zu unserem Schlafzimmer und meine Tür, die auf die Veranda führte, standen weit offen, um jeden Luftzug einzufangen, der Kühlung versprach. Aus bleiernem Schlaf tauchte ich mühsam hoch. Johann queste. purst. Ohne mein Kerzenstümmelchen zu bemühen, nahm ich das Glas Wasser vom Nachttisch und tappte im Dunkeln zu ihm hinüber. Gierig leerte er es, drehte sich um und schlief weiter. Schlaftrunken wankte ich zurück. Plötzlich ein Geräusch direkt neben meinem Fuß. Sofort erstarrte ich zu einer Salzsäule, wie Lots Weib, zu einer hellwachen Salzsäule, wenn es so was gibt. Was war das? Ein Gürtel, der auf dem Boden lag? Kann von sich aus kein Geräusch machen. Schlange? Schlange! Angespannt lauschte ich in die Dunkelheit. Nichts. Das Rascheln war aber aus der Richtung unseres Schlafzimmers erfolgt. Was tun? Zunächst brauchte ich Zeit zum Überlegen. Kurz hinter mir musste die Benzinkiste stehen, die Katrin als Nachttisch diente. Mit einem einzigen langen Stelzschritt kletterte ich hinauf. Ich konnte die drei jungen Männer rufen, die nebenan schliefen. Sie hatten Taschenlampen, ich nicht. Wenn sie die Tür aufschlössen und ins Zimmer stürmten, wäre die Schlange längst durch die offene Veranda Tür ins Freie entwischt. Mich aber sahen sie als splitternackte Venus auf der Kiste sitzen! Ich konnte mir ihr Erstaunen, ihr Entzücken und dann das homerische Gelächter in jeder Bar in ganz Südwestafrika vorstellen, in der die Geschichte von der „angeblichen Schlange im Schlafzimmer" in den nächsten 50 Jahren, saftig ausgeschmückt, die Runde machen würde. Dann lieber Schlange! Wieder tastete ich mit den Ohren den Zementfußboden vor mir ab. Nichts regte sich, nichts. Irgendwie musste ich die Todesstrecke von ca. vier Metern bis zu unseren Betten überwinden. Wenn man auf den Nägeln der Zehen gehen kann, dann bin ich in jener Nacht auf den Nägeln meiner Zehen gestelzt, jeder Schritt kostete eine Überwindung. Bei jedem Schritt dachte ich: jetzt, jetzt schlägt sie die Giftzähne in meinen Fuß. Jede Südwester Schlange warnt nur einmal. Dann schlägt sie zu. Meine Warnung hatte ich weg. Wann schlug sie zu? Der letzte Schritt war mehr ein Sprung auf das Bett meines Mannes. Und etwas Nacktes, Kaltes klatschte auf meinen Fuß. Ich erfror bis ins Mark. Hier hatte sie auf mich gewartet, das Biest! Tausend Gedanken schössen durch meinen Kopf. Geliefert! Tot mit 39 Jahren! Und meine Kinder noch so klein! Aber irgendeine Wahrnehmung wollte sich durch diese Angstgedanken ins Bewusstsein drängen. Ich hatte keinen Biss gespürt! Nein, ich hatte ganz bestimmt keinen Biss gespürt. Vielleicht war es eine harmlose Schlange, die genauso erschrocken war wie ich? Mit zittrigen Händen riss ich ein Streichholz an und das sanfte Licht der kleinen Kerze leuchtete auf. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Denkst Du manchmal noch daran? Erinnerungen und Farmgeschichten aus Südwest, von Marga Vaatz.

Titel: Denkst Du manchmal noch daran?
Untertitel: Erinnerungen und Farmgeschichten aus Südwest
Autorin: Marga Vaatz
Genre: Memoiren
Selbstverlag Familie Vaatz
Namibia, 2017
ISBN 9780620116442 / ISBN 978-0-620-11644-2
Broschur, 15 x 21 cm, 360 Seiten, zahlreiche Fotos

Vaatz, Marga im Namibiana-Buchangebot

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