Dar es Salaam, Tanga und Tabora: Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885-1914), von Jürgen Becher

Dar es Salaam, Tanga und Tabora: Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885-1914), von Jürgen Becher.

Dar es Salaam, Tanga und Tabora: Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885-1914), von Jürgen Becher.

Gouverneursgebäude, 1898. Aus: Dar es Salaam, Tanga und Tabora (Jürgen Becher).

Gouverneursgebäude, 1898. Aus: Dar es Salaam, Tanga und Tabora (Jürgen Becher).

Europäer-Wohnhaus in Dar-es-Salam, Schelestraße, Ecke Stuhlmannstraße, 1908.

Europäer-Wohnhaus in Dar-es-Salam, Schelestraße, Ecke Stuhlmannstraße, 1908.

Als ein wichtiges Ergebnis seiner Arbeit, Dar es Salaam, Tanga und Tabora: Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885-1914), stellt Jürgen Becher fest, daß es kontextuale Zusammenhänge zwischen dem kolonialen Stadtentwicklungsprozeß und dem gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Rahmen, der durch die europäische Kolonialmacht gesetzt wurde, gab.

Jürgen Becher  

Geleitwort von Ulrich van der Heyden

[...] Es stellte sich insbesondere heraus, daß die Übernahme bestimmter Funktionen, Stadtentwicklung und -wachstum entscheidend stimulieren konnten. Die wichtigsten dieser Funktionen waren administrative Funktionen als Kolonial- oder Bezirkshauptstadt, Handelsfunktionen als Warenumschlagplatz sowie infrastrukturelle Funktionen als Hafen und/oder Eisenbahnknotenpunkt. Das Modell der Kolonialstadt, in der historischen Urbanisierungsforschung als eigenständiger historischer Typ der Stadtentwicklung eingeordnet, bildet einen wichtigen methodischen Ausgangspunkt für die Untersuchung. Der Autor weist nach, daß Dar es Salaam und Tanga unter deutscher Kolonialherrschaft diesem Typ zugeordnet werden können, während die Transformation Taboras zu einer Kolonialstadt erst nach 1907 begann. Es ist ein besonderes Verdienst des Autors, daß er für die Bearbeitung dieser spezifischen, verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen berührende Thematik, nicht an den in Archiven deutscher Missionsgesellschaften lagernden Akten vorbeigegangen ist, sondern - im Gegenteil - für seine Fragestellungen gezielt befragt hat. Und wie das Ergebnis zeigt, mit Erfolg. Der Schwerpunkt der Quellenauswertung lag zwar auf den Akten der Kolonialadministration im Bundesarchiv in Potsdam und im Nationalarchiv Tansanias in Dar es Salaam. Doch bildete auch der umfangreiche Bestand des Archivs des Berliner Missionswerkes (ehemals Berliner Missionsgesellschaft) einen beträchtlichen Teil der Quellenbasis. Seit 1903 unterhielt die Berliner Missionsgesellschaft in Dar es Salaam und in den nahe gelegenen Orten Kisserawe und Maneromango Stationen. Aus dem schriftlichen Nachlaß über die Arbeit innerhalb der Synode Usaramo, dem Netzwerk der drei Stationen, vor allem aus den Berichten und Tagebüchern der Missionare sowie aus den Anweisungen und Briefen des Missionshauses in Berlin an die Missionare in Ostafrika, entstand ein umfangreiches Quellenkorpus. Der Autor nutzte dieses als wichtige Materialbasis für die Untersuchung der Entwicklung Dar es Salaams, insbesondere aber für die Analyse der sozialen und ethnisch-kulturellen Struktur der afrikanischen Stadtbevölkerung. Die Analyse der Stadtentwicklungen in der Kolonie Deutsch-Ostafrika hat wiederum bewiesen, daß der Informationsgehalt der Missionsakten in bezug auf Kultur, Lebensweise und soziale Situation der afrikanischen Bevölkerung im Vergleich zu anderen schriftlichen Quellen wesentlich ergiebiger ist. Eine Erklärung dafür sieht der Verfasser sowohl im erstrebten Ziel der Missionsgesellschaften, die "eingeborenen Heiden" zum Christentum zu bekehren, als auch in der weitgehend idealistischen Haltung der Missionare zu ihrer Aufgabe. Beides bewirkte, daß sie sich intensiver mit Kultur und gesellschaftlichen Strukturen der afrikanischen Bevölkerung auseinandersetzen, als dies etwa Offiziere, Kolonialbeamte oder andere Europäer taten. Nicht zufällig waren oftmals Missionare die ersten Europäer, welche die Sprache der einheimischen Bevölkerung ihres Missionsgebietes erlernten. Es muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß das bevorzugte Tätigkeitsfeld der Missionsgesellschaften der ländliche Raum war. Die Missionierung in Städten galt als ungleich schwerere und letztendlich als undankbare Aufgabe. Aber, und die vorliegende Arbeit ist dafür sichtbarer Beweis, selbst Regionen und Themen, zu denen die Missionare keinen oder nur wenig direkten Bezug hatten, waren Gegenstand ihrer Berichterstattung aus Afrika und stellen somit eine wichtige Quellenkategorie dar, die mehr Beachtung verdient. Mit seiner Dissertation hat Jürgen Becher indes eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig die Einbeziehung von »Missionsquellen" für viele, scheinbar völlig von der eigentlichen Tätigkeit der europäischen Missionare abgehobene Themen, wie der Kolonialgeschichte oder spezieller Fragen zur Geschichte afrikanischer Völker und Kulturen ist. Die Relevanz der missionarischen Quellen erstreckt sich jedoch nicht nur auf Afrika. Jürgen Becher trägt mit seinem Buch dazu bei die weltkulturgeschichtliche Bedeutung missionarischer Quellen für die akademische Fachwelt bekannt zu machen, und sie im Interesse der Völker zu nutzen, um deren Willen die Missionare seiner Zeit den Weg nach Übersee beschritten haben. Es entspricht der Spezifik geschichtswissenschaftlicher Werke, daß sie oftmals über den relativ engen Kreis der Akademiker hinaus Bedeutung für die politische Diskussion der Gegenwart haben und dadurch hilfreich bei der Gestaltung der Zukunft sein können. Diese Bedeutung möge auch diesem Band des missionsgeschichtlichen Archivs zuteil werden.

Dies ist ein Auszug aus der Studie: Dar es Salaam, Tanga und Tabora: Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885-1914), von Jürgen Becher.

Titel: Dar es Salaam, Tanga und Tabora
Untertitel: Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885-1914)
Autor: Jürgen Becher
Studien der Berliner Gesellschaft für Missionsgeschichte, Band 3
Franz Steiner Verlag
Stuttgart, 1997
ISBN 3515067353 / ISBN 3-515-06735-3
ISBN 9783515067355 / ISBN 978-3-515-06735-5
Broschur, 193 Seiten, 17 x 24 cm, 13 Karten, 11 Abbildungen, zahlreiche Tabellen

Becher, Jürgen im Namibiana-Buchangebot

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