Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien, von Wolfgang Reith

Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien, von Wolfgang Reith. Glanz & Gloria Verlag, Windhoek, Namibia 2015. ISBN 9789991690902 / ISBN 978-99916-909-0-2

Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien, von Wolfgang Reith. Glanz & Gloria Verlag, Windhoek, Namibia 2015. ISBN 9789991690902 / ISBN 978-99916-909-0-2

Aus seinem Buch 'Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien' berichtet Wolfgang Reith im folgenden Kapitel über die Kraftfahrabteilung der Kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika.

Wolfgang Reith  

[...] Nachdem im Juli 1905 zwei weitere „Troostsche Kraftwagen" (Lkw) geliefert worden waren, ordnete Ende des Jahres Kaiser Wilhelm II. persönlich die Gründung einer Kraftfahrabteilung an, deren Auftrag darin bestand, Versuche mit Personen- und Lastwagen zu unternehmen und deren Verwertbarkeit in Deutsch-Südwestafrika zu testen. Die Abteilung stand unter der Leitung von Hauptmann Georg Graf von Stillfried und Rattonitz, der zuvor Chef der 1. Feldkompanie gewesen war, zwischenzeitlich (1905/06) aus gesundheitlichen Gründen in Deutschland verbracht hatte und im April 1906 nach Südwestafrika zurückgekehrt war. Zur Einrichtung des „Automobildienstes" hatte er zwei Kraftfahrzeuge „samt Bedienpersonal" mitgebracht, einen Personenkraftwagen der Gasmotorenfabrik Benz 8t Co., Mannheim, mit einem 28-PS-Motor, sowie einen Lastwagen der Daimler Motoren-Gesellschaft mit einem 24-PS-Motor, dem im November des Jahres zwei weitere baugleiche Typen folgten. Während der Zusammenbau des Lkw noch auf sich warten ließ, traf der Pkw am 23. Mai in Windhuk ein und war fünf Tage später betriebsbereit. Am 3. Juni bewältigte er problemlos die Strecke nach Rehoboth, am Tag darauf ging es zurück nach Windhuk (insgesamt 440 Kilometer). Hauptmann von Bosse bewältigte im Juli die Strecke von Kub bis Windhuk in 16 Stunden, und der Reichstagsabgeordnete Johannes Semler benutzte für seine Fahrt aus dem Süden des Landes nach Windhuk im Oktober desselben Jahres ebenfalls streckenweise diesen Pkw. Schon bald stellte sich heraus, dass die Kühler dem Klima nicht genügten und vergrößert werden mussten. Für die Lastautomobile wurden überdies Seilwinden mit einem 100 Meter langen Stahltau angefertigt und an den Fahrzeugen befestigt, mit denen sie sich im Falle eines Steckenbleibens im Sand selbst herausziehen konnten. Während der Pkw mit Luftreifen, Pneus, wie man damals sagte, der Firma Continental Compagnie, Hannover, ausgestattet war, deren Lebensdauer mit 3000 Kilometern angegeben wurde, fuhren die Lastwagen, die einige Zeitlang regelmäßig für Pferdetransporte zwischen der Bahnstation Karibib und dem Pferdedepot Okawayo eingesetzt waren, auf Eisenrädern. Gleichwohl empfahl man, die Leistung der Lkw-Motoren in Zukunft auf 60 bis 80 PS zu erhöhen. Der Pkw, der auch zum Übernachten eingerichtet war, bot Platz für zwei weiße Fahrer, einen Schwarzen als Bedienung und vier Passagiere. Außerdem konnten drei Zentner Gepäck mitgenommen werden. Der Treibstoff einschließlich Reserve reichte für 500 Kilometer, darüber hinaus bemühte man sich, das Netz der Benzinstationen im Lande rasch auszudehnen. Die Lebensdauer des Wagens wurde mit 60.000 Kilometern angegeben, die Anschaffungskosten betrugen 19.000 Mark. Im November 1906 begab sich Hauptmann Graf Stillfried mit sechs weiteren Personen und acht Zentnern Gepäck in dem Pkw auf die Reise nach Keetmanshoop und von dort aus weiter nach Aus, um die Strecke zwischen den beiden letztgenannten Orten auf die Eignung zum Befahren von Automobilen zu überprüfen. Bei Bewährung des Tests sollten nämlich zwei der vier gerade in Lüderitzbucht eingetroffenen Lastwagen, zwei waren für das Gouvernement bestimmt, zwei für Oberleutnant Troost, als Transportmittel im Anschluss an die bis Kubub fertiggestellte Bahnstrecke zwischen dort und Keetmanshoop eingesetzt werden. Während seines Besuches in Deutsch-Südwestafrika im Juli/August 1908 legte der Staatssekretär des Reichskolonialamts, Bernhard Dernburg, zusammen mit dem Mitglied des Aufsichtsrates der „Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft" (AEG), Walther Rathenau (später Reichsaußenminister in der Weimarer Republik), sowie dem Eisenbahn-Bauinspektor Hermann Schlüpmann in diesem Pkw, den ihnen die Schutztruppe eigens dafür zur Verfügung gestellt hatte, die 600 Kilometer lange Strecke von Keetmanshoop über Berseba nach Gibeon und danach von Maltahöhe über Rehoboth nach Windhuk in vier Tagen zurück, wofür ein Reiter zwölf Tage benötigt hätte. Zwischen Gibeon und Maltahöhe hatte man wegen der schlechten Wegstrecke eine Eselskarre benutzt, was zwei Tage in Anspruch nahm, während das Auto ohne die Passagiere über Mariental und Kub nach Maltahöhe fuhr (ca. 360 Kilometer). [...]

Dies ist ein Auszug aus 'Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien', von Wolfgang Reith.

Titel: Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien
Untertitel: Die Anfänge des motorisierten Verkehrswesens
Autor: Wolfgang Reith
Genre: Eisenbahngeschichte
Verlag: Glanz & Gloria Verlag
Windhoek, Namibia 2015
ISBN 9789991690902 / ISBN 978-99916-909-0-2
Broschur, 15 x 21 cm, 143 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Reith, Wolfgang im Namibiana-Buchangebot

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