SWAPO und die Menschenrechte: Terror gegen Zivilisten

SWAPO und die Menschenrechte: Terror gegen Zivilisten.

SWAPO und die Menschenrechte: Terror gegen Zivilisten.

SWAPO und die Menschenrechte (1986): Nicht nur die PLAN-Soldaten befinden sich in einer ausweglosen Situation, auch Zivilisten leiden unter Terror-Methoden der SWAPO.

Dazu sagte Edward Aoxamub 1986: "Zunächst möchte ich erzählen, wie junge Leute aus unserem Land zur SWAPO gelangen können. Wir in Namibia haben eine sehr hohe Rate an Analphabetismus und Ungebildetheit, darum gibt es sehr ansprechend organisierte Propaganda in unserem Land. So wurden wir früher eingeladen zu politischen Versammlungen, zu Partys, man lockte uns mit freiem Essen und Trinken. Wenn du Student bist, geben sie (die SWAPO) dir Literatur aus dem Ostblock. Und sie weisen dich auf unsere aktuelle ökonomische Situation hin. Uns wurde gesagt, daß die Produktionsmittel gleichmäßiger verteilt werden müssen. Das ist das Hauptargument, mit dem man benebelt wird und weswegen man dann zur SWAPO geht. Denn in unserer Situation - wir wurden besetzt und unterdrückt von den Kolonialmächten - macht es sehr glücklich zu hören, daß es angeblich Wege gibt, unsere Ressourcen selbst zu verwerten und gerechter zu verteilen. Das ist also einer der Gründe, warum so viele Kinder und junge Leute, mich eingeschlossen, zur SWAPO gehen.

Also: nicht jeder, der nach Sambia oder in eine andere SWAPO-Zentrale geht, ist SWAPO-Mitglied. Viele, die dort hingehen, sind keine registrierten Mitglieder. Sobald du aber dieses Land verlassen hast, propagiert SWAPO: Das ist eines unserer Mitglieder! Nun, der Hauptgrund, weswegen man dieses Land verläßt, ist die Hoffnung auf Bildung und Erziehung. Wir haben hier bekanntlich sehr geringe Möglichkeiten, eine Universität zu besuchen oder wenigstens zu höheren Schulen zu gehen. Und darum ist die Möglichkeit, das Land zu verlassen und seine Ausbildung fortzusetzen,  sehr verlockend.
So war es auch bei mir: In einer Gruppe von ungefähr 25 Mann gingen wir durch Nord-Namibia und überquerten die angolanische Grenze - das war 1974. Es gab damals ein Abkommen zwischen Portugal und der OAU. Darin ging es nicht nur um SWAPO-Mitglieder, sondern es war gesagt worden, jeder Flüchtling, egal von welcher Partei oder wer auch immer er sei, sollte Angola durchqueren dürfen.

Doch dann brachte uns die SWAPO nach Neu-Lissabon. An diesem Ort wurde uns klargemacht, daß wir uns mit der SWAPO zu identifizieren hätten. Wir sollten Dokumente vorlegen, die unsere SWAPO-Mitgliedschaft beweisen würden. Wir hatten natürlich keine. Wir hatten aber trotzdem immer geglaubt, SWAPO sei eine gute Sache, darum waren wir jetzt sehr erstaunt, daß Leute kamen, die uns praktisch zwangen, uns der SWAPO anzuschließen. Es kam noch ein anderes Problem hinzu: ich bin ein Damara, ich gehörte damit zu den wenigen Nicht-Ovambos. Und deswegen kam sofort Mißtrauen auf, von beiden Seiten, weil wir Nicht-Ovambos nicht dem trauten, was die Ovambos sagten, und die Ovambos nicht dem trauten, was wir sagten. Darum entschieden die Ovambos einfach, wir seien von Südafrika als Spione geschickt worden.

Wären wir damals in Sambia gewesen, wo die SWAPO praktisch staatliche Autorität hat, wären wir eingesperrt worden. In Angola ging das damals nicht. Aber weil wir Angola durchqueren wollten, sollten wir in SWAPO-Lagern zuvor "rehabilitiert" werden, und dann eingeteilt werden für Militärerziehung und sonstige Ausbildung innerhalb der SWAPO. In den Lagern war die Situation wirklich schrecklich. Ich machte Erfahrungen mit ihnen 1975, 1976, 1977, und 1978 war ich ebenfalls kurz dort, weil Freunde von mir dort eingesperrt waren. Ich kann also sagen, ich habe genaueste Erfahrungen mit diesen Camps gemacht. Und wir durften sie nicht verlassen. Aber mir gelang es schließlich zu fliehen.

In den Lagern, in denen wir "rehabilitiert" werden sollten, wurden wir mit vielen Problemen konfrontiert, etwa mit der katastrophalen medizinischen Versorgung, es gab nie genug Medizin, mit dem Ernährungsproblem und mit dem Problem der ideologischen Beeinflussung im Sinne des Kommunismus. Zum Problem der medizinischen Versorgung: Krank zu werden in den Lagern ist eine Sache. Von einem Arzt untersucht zu werden, eine ganz andere. Dann vom Arzt ein Rezept zu bekommen, ist wieder ein Problem für sich - aber praktisch völlig unmöglich ist es, die verschriebene Medizin zu erhalten. Die Lager sind keine Plätze, wo Menschen leben können. Es sind lediglich Plätze, wo Leute festgehalten werden für Propagandazwecke und um Geld von der internationalen Welt für die SWAPO einzubringen. Denn die Welt spendet fleißig, wenn sie hört, daß dort so und soviele tausend SWAPO-Flüchtlinge in Lagern auf Versorgung warten.

Die Menschen werden wie Werkzeuge benutzt von einer kleinen Gruppe der SWAPO-Führer. Ich weiß, daß viele SWAPO-Führer die Hilfsgüter für diese Lagerinsassen abfangen und an die Behörden in Sambia, Tansania oder Angola verkaufen. Viele Hilfsgüter des Roten Kreuzes, vor allem Kleiderspenden, können wiedergefunden werden in öffentlichen Geschäften, zum Beispiel in Lusaka. Das gleiche gilt für Medizin. In den Militäreinheiten gibt es auch zahlreiche Probleme zum Beispiel mit Soldaten, die nicht an die Front wollen oder die mit zu wenig Munition in den Kampf geschickt werden. Denn auch Munition wird verkauft an die sambischen oder angolanischen Behörden. Es ist ja bekannt, daß die angolanische Regierung derzeit dringend Waffen benötigt.

Die SWAPO ist also sehr wichtig für Sambia und Angola, weil beide Länder in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind. Unsere Leute werden in den Camps in Sambia und Angola festgehalten, damit diese beiden Länder von der Welt Hilfsgüter bekommen. Darum wünschen diese beiden Länder auch keine Lösung der Namibia-Frage, bevor ihre eigene wirtschaftliche Situation stabilisiert ist. Darum muß ich sagen: Die SWAPO ist keine Antwort auf unsere Probleme. Ich habe gesehen, wie Leute in den SWAPO-Lagern erschossen wurden. Ich habe Leute in den SWAPO-Lagern gesehen, die ohne irgendein Gerichtsverfahren eingesperrt waren. Ich habe dort kleine Kinder wegen medizinischer Mängel sterben gesehen. Hinzu kommt das für unsere Leute ungewohnte Klima: lange Regenzeiten, Sumpfgebiete mit Moskitos. Darum gibt es in den Camps auch eine sehr hohe Kindersterblichkeit. Aber niemand darf das erzählen, sonst wird er erschossen   oder eingesperrt.

Rund um die Lager stehen bewaffnete SWAPO-Wächter. Versucht jemand zu fliehen, hat der einzelne Posten das Recht,  ihn abzuknallen. Einige Frauen müssen sich den SWAPO-Leuten hingeben, es gibt Fälle von Vergewaltigungen. Natürlich, Vergewaltigungen gibt es nicht nur in SWAPO-Camps, das kommt überall vor. Aber in den Lagern geschieht es häufiger, weil dort Männer teilweise seit Jahren ohne Frauen leben. Und Frauen sind gezwungen, sich den SWAPO-Leuten hinzugeben, um Lebensmittel für sich und ihre Kinder zu bekommen. Es gibt Mißhandlungen und Bestrafungen. Leute, die gegen die Vorschriften verstoßen oder sich gegen die SWAPO äussern, werden mit harter Zwangsarbeit bestraft, tagelang. Oder sie werden geschlagen. Wer gegen die Regeln verstößt, kann geschlagen oder erschossen oder eingesperrt werden.

Edward Aoxamub gelang schließlich die Flucht aus dem Lager. Über Sambia, Zaire, Kamerun, Liberia und Ghana, wo er sich um weitere Ausbildung bemühte,kam er schließlich, am 15. Januar 1986, nach SWA/Namibia zurück. Zuvor hatte er sich von Monrovia mehr als ein Jahr lang um ein Visum bemüht, das er für die Rückkehr in den südafrikanischen Machtbereich benötigte. Er ist sicher, daß die von ihm eingeschalteten UNHCR-Büros auf Weisung der SWAPO die Visaanträge zurückhielten, weil die SWAPO Angst habe, er würde nach seiner Rückkehr über seine Erfahrungen berichten. Der 32jährige lebt heute in Windhuk/Katutura. Seine genaue Adresse möchte er aus Sicherheitsgründen nicht angeben.

Dies ist ein Auszug aus einer 1986 veröfentlichten Dokumentation der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt a. M.: SWAPO und die Menschenrechte.

Buchtitel: SWAPO und die Menschenrechte
Untertitel: Augenzeugenberichte und Dokumente aus Angola, Sambia und SWA/ Namibia
Herausgeber: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte Deutsche Sektion e.V.
Frankfurt am Main, 1986
ISBN 3-89248-007-9


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