Fortschrittliche Landwirtschaft in Südwestafrika, von Dr. J. F. Warning (1975)

Fortschrittliche Landwirtschaft in Südwestafrika, von Dr. J. F. Warning (1975)

Fortschrittliche Landwirtschaft in Südwestafrika, von Dr. J. F. Warning (1975)

In diesem Beitrag von 1975 bespricht der aus Deutschland stammende Dr. J. F. Warning, die Veränderungen der Landwirtschaft in Südwestafrika seit Anfang der 1950er Jahre.

23 Jahre intensiver Tätigkeit im Dienst der Landwirtschaftsabteilung der S.W.A. Administration, die später dem Departement van Landbou Tegniese Dienste angegliedert wurde, ermöglichen mir rückschauend einen Überblick über die Entwicklung und den Fortschritt des landwirtschaftlichen Sektors innerhalb des genannten Zeitraumes. Wenn man im Zusammenhang mit Südwestafrika von Landwirtschaft spricht, so meint man Viehzucht, denn Klima und Vegetation haben alle bisherigen Bemühungen um sonstige landwirtschaftliche Betriebszweige, was es auch immer sei, zunichte gemacht. Die ehemaligen Maisfelder im Norden des Landes, die hin und wieder gute Körnerernten brachten, liegen brach, nachdem man sich davon überzeugt hat, dass selbst in den Gegenden mit relativ hohen Niederschlägen kontinuierliche Erträge nicht zu erreichen sind. Man wechselte deshalb zum Futteranbau über, doch auch die Resultate, die auf diesem Gebiet erzielt wurden, erwiesen sich bisher als unökonomisch.

Eine Zukunft scheint lediglich der Anbau von geeigneten, d.h. an unsere harten klimatischen Umstände angepassten Futtergräser zu haben, die genügend Blattmasse produzieren, um eine befriedigende Heuernte zu garantieren. Unter diesen wird heute an erster Stelle das sogenannte Blaue Büffelgras (Cenchrus Ciliaris) genannt. Vorerst aber ist und bleibt die „natürliche Weide", die bodenständigen Gräser, Futterbüsche, Sträucher, sowie die Blätter gewisser Baumarten die einzige wirklich zuverlässige Futtergrundlage für unsere Nutztiere, unter denen die Rinder und die Karakulschafe den Hauptgewinn abwerfen. Daneben spielt heute auch die Ziegenzucht bereits für die Fleischversorgung und bis zu einem gewissen Grade auch im Zuge der Buschbekämpfung eine beachtliche Rolle. Der sogenannte boerbok, eine in Südafrika entwickelte, hervorragende Fleischziege, ist unter den kärglichsten Bedingungen noch in der Lage, das dürftige Futter in eine hohe Schlachtausbeute schmackhaften Fleisches umzusetzen.

Für die Rinderzucht steht, wie die Karte zeigt, nur etwa ein Drittel der Gesamtfläche des für weisse Siedler und Farmer verfügbaren Gebietes zur Verfügung. Die verbleibenden zwei Drittel können nur durch Schafe und Ziegen genutzt werden. Die Qualität der Weide verhält sich umgekehrt proportional zur Niederschlagsmenge, d.h., daas der Futtergehalt der Gräser und Büsche mit dem nach Westen und Süden abnehmenden Regenfall zunimmt, während die Futtermasse jedoch leider weniger wird. Der Bestockungskoeffizient verringert sich dementsprechend in südlicher und westlicher Richtung so drastisch, dass sich die Rinderhaltung in Gebieten unter 300 mm Jahresniederschalg praktisch von selbst erübrigt. Infolge der Bemühungen um eine bessere Erkenntnis der wesentlichsten Grundlagen für eine erfolgreiche Nutztierhaltung sind in den vergangenen 25 Jahren sehr beachtliche Fortschritte auf dem Gebiet der Tierzucht in Südwestafrika erzielt worden.

Dies bezieht sich sowohl auf die ausgedehnten Versuche unserer Regierungsfarmen zur Ermittlung der anpassungsfähigsten und somit geeignetsten Rinderrassen (Omatjenne Versuch), als auch auf ein intensives Studium der Lebensbedingungen der hier vorhandenen Gräser und sonstigen Futterpflanzen. Die Regierung hat beträchtliche Gelder für derartige Versuchszwecke sowie für die sinnvolle und fachgemässe Erschliessung der landwirtschaftlichen Nutzflächen aufgewendet, die zu einem grossen Teil in Form von Subsidien für Wasser- und Kampanlagen ausbezahlt wurden und den Farmern damit die Möglichkeit zum Aufbau einer gesicherten Existenz gegeben haben. Auf dem Gebiet der Karakulzucht ist eine stetige Aufwärtsbewegung zu verzeichnen, die nach Ansicht der Fachleute in der Entwicklung der sogenannten flachen Locke ihren Ursprung hat.

Von dem beachtlichen Aufschwung, den die Ziegenzucht im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts genommen hat, wurde bereits berichtet. Der grösste Erfolg ist aber sicherlich darin zu sehen, dass es im Ablauf der beiden letzten Jahrzehnte gelungen ist, ein den internationalen Ansprüchen gerecht werdendes Fleischrind zu produzieren, das sich hinsichtlich der Qualität und des Gewichts seines Schlachtkörpers mit den besten der Welt zu messen vermag. In diesem Zusammenhang sind die Gebrauchskreuzungen aus Doppelnutzungsrassen mit Zebus besonders hervorzuheben, wobei das Höhenfleckvieh einerseits und was m.o.w. autochtone Afrikanerrind wie auch der Bramahne (Gudzerat - Zebu) heute die bedeutsamste Rolle spielen. Während früher die Milcherzeugung noch in einem gewissen Ansehen stand, ist diese nahezu vollständig durch die Fleischproduktion verdrängt worden und wird praktisch nur noch dort ausgeübt, wo die Haltungsbedingungen den Anforderungen, die heutzutage an einen modernen Milchbetrieb gestellt werden, genügen.

Aus den vorbenannten Gründen ist es verständlich, dass die Regierung ein wachsames Auge darauf hält, dass die natürliche Weide als wertvollster Bestandteil jeglicher Produktion nicht durch Überstcckung und ihre Folgeerscheinungen (Erosion) beeinträchtigt wird. Welche Bedeutung diesem Punkt beigemessen wird, kommt durch das Bodenerhaltungsgesetz zum Ausdruck, das seit 1971 auch in Südwestafrica zur Anwendung gelangt ist und das empfindliche Strafen für diejenigen vorsieht, die um materialistischer oder anderer Gründe willen der Weidezerstörung Vorschub leisten. Die landwirtschaftlichen Beamten sind heute so weitgehend spezialisiert, dass sie ihrer wichtigen Aufgabe, der Beratung und Betreuung der Farmer, in vollem Umfang gerecht werden können.

Autor: Dr. J. F. Warning (1975)

Fortschrittliche Landwirtschaft in Südwestafrika, von Dr. J. F. Warning, war ein Beitrag im SWA Annual 1975 / SWA Jaarboek 1975 / SWA Jahrbuch 1975.


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