Eine Flugreise über Südwestafrika und Südafrika 1934, Teil 2: Landung in Johannesburg-Germiston, Rand Airport

Eine Flugreise über Südwestafrika und Südafrika 1934. Landung in Johannesburg-Germiston, Rand Airport.

Eine Flugreise über Südwestafrika und Südafrika 1934. Landung in Johannesburg-Germiston, Rand Airport.

Dies ist der zweite Teil des Fluges, den die unbekannte Autorin 1934 von Südwestafrika zum Rand Airport in Johannesburg, Südafrika beschreibt.

Teil 2: Die Maschine liegt so ruhig in der kalten Morgenluft, daß mir jetzt erst klar wird, daß der gestrige Flug unruhig und bewegt war. Jetzt läuft nicht das leiseste Rucken durch die Flügel, die mattsilbern glänzend sich unter mir breiten. Links strahlt vom noch dunkeln Himmel groß und klar der Morgenstern! Er zieht meine Blicke immer wieder zu sich und ich summe die schöne alte Melodie: „Wie schön leuchtet uns der Morgenstern" vor mich hin. Wenn der Motorlärm nicht wäre, würde ich ganz vergessen, daß ich im Flugzeug bin; ich könnte denken, im Boot über einen dunkeln See zu gleiten, ohne Ruderschlag, aber wenn ich dann den Kopf einmal zum geöffneten Fenster hinausbiege, und der eisige Luftzug mich packt, dann weiß ich wieder, daß wir mit 150 km durch die Luft rasen. Ganz unmerklich läßt sich allmählich die Erde unter uns als grauer Schatten erkennen, sacht hebt sich der Horizont ab und ein stärker werdender heller Schein zeigt den Osten. Es ist eine ganz unwirkliche Stimmung, die mich gefangen hält; man kann es nicht beschreiben, nur fühlen, und ich weiß, daß ich dieses Fliegen in den Sonnenaufgang hinein bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Sehr schnell wird es dann licht um uns, und durch den Dunst, der leider den Horizont verhüllt, hebt sich unerwartet rasch die Sonne in aller Glorie. Schon werfen unten die Bäume Schatten, ich sehe die Gestalt unseres Flugzeugs über die Erde huschen, und es ist wirklich Tag! Wir sind inzwischen über den Karasbergen angekommen, die wir in einer halben Stunde überfliegen.

Dann liegt wieder weite Ebene vor uns, ganz vereinzelt mal eine kleine Farm, die ich kaum erkenne. Wir haben herrlichen Rückenwind und kommen sehr schnell vorwärts. Ich bin ganz erstaunt, als schon nach zweieinhalb Stunden ein dunkler Streifen vor uns auftaucht; der Oranje, der schöne breite Strom, an dem Upington liegt, unser nächster Landeplatz. Um halb neun Uhr schon liegt es uns zu Füßen, wir fliegen noch ein paar Kurven über den Oranje und die endlos lange Eisenbahnbrücke, die ihn überquert, erinnert mich an unseren 24stündigen Aufenthalt vor zweieinhalb Jahren, als das Hochwasser die Brücke überflutete und wir nicht darüber konnten. Jetzt sieht dort alles so friedlich aus, die Ufer zu beiden Seiten von grünen Feldern umgeben, so fruchtbar und beinahe europäisch.

Wir landen auf dem schönen kreisrunden Flugplatz, es wird getankt, Post abgegeben, und schon nach 20 Minuten geht's wieder in die Höhe. Der Kurs wird jetzt direkt nach Osten genommen, eine Weile folgen wir noch dem Oranje und seinen Gartenkolonien, dann geht's wieder nur über graue Ebene dahin. Das vom Hotel mitgegebene Frühstück wird eingenommen, und ich fange wieder zu lesen an. Da schreckt mich die Stimme des Piloten auf: „Strauße!" Ich finde die Tiere rasch mit meinen Augen und der Leica. Ich habe wirklich viel zugelernt im Sehen; hab' ich doch die ersten Strauße, die ich auf einem Flug nach Okahandja sah, zuerst für Perlhühner gehalten, weil ich die Entfernung unterschätzte und ihre langen Hälse einfach nicht sah. Vorbei - weiter! Ein Höhenzug, die Langen Berge, mit der merkwürdigen weißen Sanddüne, die ihnen vorgelagert ist, wird überflogen. Ich vertiefe mich wieder in mein Buch.

Da taucht der Vaal-Fluß vor uns auf und bald darauf, nachdem wir ihn überflogen, ruft der Pilot: „Wir sind in 20 Minuten in Kimberley!" Bald liegt auch, sauber und hübsch, Kimberley vor uns, und ich sehe nun zum ersten Mal die berühmte alte Mine, „the biggest hole in the world", die, außer Betrieb seit 1916, halbvoll Wasser steht. Ich nehme sie mit der Leica, zuerst aus großer Höhe, dann noch einmal, als wir sie tiefer überfliegen. Auf dem Flugplatz sind wir schnell und glatt gelandet und gleich von Menschen umgeben, die diensteilig mit ihrer Treppe herbeieilen, über die wir bequem zu Boden steigen, Wir erfahren, daß die Imperial Airways Maschine, mit der ich nach Johannesburg weiterfliege, schon in einer halben Stunde ankommt.

Ich sehe mir auf dem schön eingerichteten Flugplatz alles an, höre bei dem deutschen Flugplatzleiter den ersten Radiolautsprecher meines Lebens; da hört man schon das Brausen des großen Flugzeugs über dem Platz, das, aus Kapstadt kommend, kurz vor ein Uhr landet. Es ist ein riesiger 4motoriger Hochdecker mit großer Kabine für 9 Passagiere. Einige Passagiere und der Pilot steigen aus und alles begibt sich in das kleine Restaurant zum Lunch, und gebratenes Hähnchen, Salat und Obst, alles schmeckt herrlich. Um halb zwei Uhr soll die große Maschine starten; mir tut's ordentlich leid, mich von unserem Junkers-Vogel zu trennen, aber es ist doch sehr interessant, zum ersten Mal in einem so großen Flugzeug zu fliegen. Und nun vor allem die herrliche Aussicht, in drei Stunden schon in Johannesburg zu sein! Da kann ich das Einsteigen gar nicht mehr erwarten.

Mit mir steigen noch 6 Passagiere ein, darunter 2 Herren aus Kimberley, die direkt nach London fliegen. Der Start geht glatt und schnell steigt die große Maschine auf 1500 m Höhe. Ich sehe noch einmal hinunter in die Tiefe, und da es wirklich nur aussieht wie eine genaue Generalstabskarte, so winzig klein, und außerdem die Gegend kaum anders ist als die heut Vormittag überflogene, schließe ich ruhig die Augen, ohne zu befürchten, etwas zu versäumen. Die rasche Folge der Erlebnisse hat mich müde gemacht. Die Motoren brummen mich schnell in Schlaf, im Halbbewußtsein habe ich noch einmal das Gefühl, auf einem Dampfer zu sein, der in die See stampft, dann bin ich weg und habe schließlich 2 Stunden fest geschlafen.

Beim Aufwachen weiß ich zuerst gar nicht recht, wo ich bin; dann sehe ich die anderen Passagiere interessiert aus den Fenstern spähen - schon taucht Johannesburg auf! Ein Herr steht knipsbereit mit seinem Apparat am offenen Fenster. Die weißen Schutthalden der Minen breiten sich unter uns aus. Nun schweben wir über der Riesenstadt; kaum ist ihr Ende zu erkennen. Dann machen wir einen Bogen, gehen tiefer und kurven über dem Flugplatz von Johannesburg-Germiston, dem „Rand Airport". Mir klopft das Herz vor Freude, weil ich weiß, da unten steht meine Schwester und wartet auf mich! Um halb fünf Uhr sind wir gelandet und nach einem fröhlichen Wiedersehen fahren wir gemeinsam zur Stadt. Beim Erzählen ziehen wieder alle Bilder und Empfindungen des Fluges an mir vorüber, und schon freue ich mich auf den Rückflug, der mich ebenso schnell und sicher nach Windhuk zurückbringen soll. (Ende)

 


Empfehlungen

Flug zum Limpopo. Abenteuer in Portugiesisch Ostafrika

Flug zum Limpopo. Abenteuer in Portugiesisch Ostafrika

1960: Flug mit der Dornier DO 28 V1 (D-IBOB) von Hannover zum Limpopo in Portugiesisch Ostafrika, dem heutigen Mosambik.

Freedom Flight

Freedom Flight

Two South African pilots touch down on each continent of the world on the longest expedition ever flown in microlights

Fliegen ohne Angst

Fliegen ohne Angst

Fliegen ohne Angst ist ein tatsächlich bewährter Praxis-Ratgeber von Reise Know-How zum Abbau von Flugangst.

Der fliegende Pater in Afrika

Der fliegende Pater in Afrika

Der Vollblut-Pilot Pater Paul Schulte OMI erzählt in seinem Buch "Der fliegende Pater in Afrika", wie es seit 1927 zur technischen Modernisierung der katholischen Mission in aller Welt und besonders Südwestafrika kam.