Weiße, Schwarze, Mischlinge, Coloureds, Afrikaaner, Afrikaner, Africans, Europäer und Eingeborene im südlichen Afrika

Weiße, Schwarze, Mischlinge, Coloureds, Afrikaaner, Afrikaner, Africans, Europäer und Eingeborene im südlichen Afrika.

Weiße, Schwarze, Mischlinge, Coloureds, Afrikaaner, Afrikaner, Africans, Europäer und Eingeborene im südlichen Afrika.

Bereits in den 1960er Jahren machten sich Fachleute des publizierenden Gewerbes darüber Gedanken, wie die unterschiedlichen Bevölkerungs- und Herkunftsgruppen im südlichen Afrika korrekt und unverwechselbar bezeichnet werden könnten. Die Begriffe im südlichen Afrika im südlichen Afrika Weiße, Schwarze, Mischlinge, Coloureds, Afrikaaner, Afrikaner, Africans, Europäer und Eingeborene standen damals wie heute in einem Spannungsfeld von beanspruchter Deutungshoheit, Meinungsführerschaft, ideologisch und durch Political Correctnes geprägten sowie aus praktischen Gründen erwogenen Bezeichnungen.

Der in Südafrika und Südwestafrika tätige Schweizer Journalist Dr. Hans Walter Hartmann (1905-1982) hatte 1968 einen interessanten und aufklärenden Aufsatz über über solche sprachliche Unsicherheiten geschrieben. Seine Zuordnungen und Begründungen sind auch heute noch zutreffend.

Wie es in historisch orientierten Werken üblich ist, werden Namen von Staaten und Territorien, Amtsbezeichnungen von Persönlichkeiten immer so benannt, wie sie im betreffenden Zeitpunkt üblich waren. So wird Union für die Südafrikanische Union von 1910 bis 1961 und Republik für die Republik Südafrika von 1961 an verwendet. Obwohl die Bezeichnung Nichtweiße nicht schön ist, läßt sich nicht darauf verzichten. Nicht-Europäer zu sagen, wie es in Südafrika geschieht, ist nicht ganz zutreffend, denn die "Europäer" sind nicht alle von Europa. Auch "weiße" Gebiete zu schreiben - die es in Südafrika gar nicht gibt, weil sich in allen Siedlungen, ob nur in Bauernhöfen oder Großstädten, Nichtweiße befinden -, ist nicht richtig, aber auch dieser Ausdruck ist unvermeidlich, um schwerfällige Wortbildungen zu vermeiden. Der Ausdruck weiße Gebiete wird nur verwendet, um auszudrücken, daß es sich nicht um Reservate handelt, die ausschließlich für Schwarze bestimmt sind. Auch "weißes Kapital" wirkt seltsam, aber man drückt damit aus, daß Weiße Kapital für die Entwicklung nichtweißer Gebiete zur Verfügung stellen. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich bei der Benennung der Südafrikaner holländisch-deutscher-französischer Abstammung. Wir sprechen hinsichtlich der Staatsangehörigkeit nur von Holländern, solange die holländische Herrschaft im Kap dauerte; also bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Vorläufer des Großen Treck werden als Treckburen und die holländisch-deutsch-französischen Nachkommen bis 1910 als Buren bezeichnet. Danach sind sie afrikaansprachige oder englischsprachige Südafrikaner. Noch schwieriger wird es, wenn man vom Afrikaner spricht. Die englischsprachigen Zeitungen verwenden "Africans" für Schwarze und "Afrikans" für die weißen Afrikaanssprachigen. Afrikaans ist aber auch die Hauptsprache der Mischlinge. Afrikaanssprachige denken, wenn sie vom Afrikaner sprechen oder schreiben, nicht an Afrika, sondern an sich selbst. Der Ausdruck Afrikaner gilt aber auch für die Schwarzen Afrikas und ist daher in einem Buch über Südafrika irreführend. Früher wurde im deutschen Sprachgebrauch oft, um den Buren zu bezeichnen, das Wort Afrikander gebraucht, doch setzte sich das leider nicht allgemein durch. (Die Bezeichnung Afrikander gilt heute nur noch für eine südafrikanische Rinderrasse, die berühmten Zebu-Rinder.) Wir benützen daher absichtlich das Wort Afrikaaner, in dem mit einem Doppel-A angedeutet wird, um was es sich handelt. Afrikaanse Dichter, afrikaanse Literatur - dies dürfte sich schon eingebürgert haben, besonders nachdem eine Autorität wie Peter Sulzer in seiner Anthologie der jüngsten germanischen Literatursprache 'afrikaans' als Eigenschaftswort und Umstandswort seinen Platz zugewiesen hat. Auch Sulzer verwendet für den afrikaanssprachigen weißen Südafrikaner die Bezeichnung 'Afrikaaner', die sich hoffentlich einbürgern wird. Nicht genug damit, gilt es noch die Begriffe Mischlinge und Bantu zu erklären. Die Mischlinge in Südafrika werden auf englisch "coloureds" - womit in Amerika die Schwarzen gemeint sind - und auf afrikaans "kleurlinge" bezeichnet, also in beiden Sprachen als "farbig". Das kann jedoch irreführend sein, so daß wir durchwegs den Ausdruck Mischling verwenden. Im Zusammenhang mit der Herzverpflanzung in Kapstadt durch Prof. Ch. Barnard war off in europäischen Zeitungen von einem "Mulatten" zu lesen, womit der Mischling gemeint war, dessen Herz Dr. Blaiberg erhalten hat. Mulatten gibt es in Südafrika (Mischung Schwarz-Weiß) heute kaum mehr. Mischungen mit Hottentotten und Buschmannsfrauen waren ohnehin keine Mulatten. Die Eingeborenen werden auf englisch "Natives", auf afrikaans "Naturelle" genannt. Da aber auch ein Weißer als "Eingeborener" bezeichnet werden kann, wenn er in Südafrika geboren ist, und weil die Schwarzen mit der Zeit "Native" als erniedrigend empfanden, ging man unter Verwoerd dazu über, Native durch Bantu zu ersetzen. Über das Wort "Kaffer", das einst gang und gäbe war, sind die Schwarzen heute schockiert. Während man im 19. Jahrhundert noch selbstverständlich von Kaffraria, von Kaffern-Kriegern und Zulukaffern sprach, wäre dies für einen Schwarzen heute beleidigend; aber trotzdem spukt das Wort noch herum und ist von Englischsprachigen als Schimpfwort "bloody Kaffir", von Afrikaans-sprachigen sowie von Deutschen in Südwestafrika immer noch gelegentlich zu hören, obwohl man damit jetzt nicht mehr ausschließlich Schwarze meint. Wir schreiben abwechselnd von Schwarzen, Eingeborenen oder nennen in den besonderen Fällen die Namen der Stämme, verwenden jedoch, wenn auch etwas widerstrebend, die nun offiziell geltende Bezeichnung Bantu. Wir vermeiden es auch, von Engländern zu sprechen, soweit es sich nicht um die ersten und späteren Einwanderer handelt. Es gibt in Südafrika selbstverständlich britische Staatsbürger; wer jedoch einen südafrikanischen Paß besitzt, ist ein englischsprachiger Südafrikaner und kein Engländer mehr. Es gibt daher für uns keine englische Presse in Südafrika, sondern nur eine englischsprachige. Warum soll man einen Graben noch einmal aufreißen, der 1910 mit Mühe und Not zugedeckt wurde?

Der Beitrag "Weiße, Schwarze, Mischlinge, Coloureds, Afrikaaner, Afrikaner, Africans, Europäer und Eingeborene im südlichen Afrika" stammt aus dem Buch  Südafrika. Geschichte, Wirtschaft, Politik: Eine undogmatische und intelligente Wertung der Geschichte, Wirtschaft und Politik Südafrikas (Hans Walter Hartmann, 1968).


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