Ein Kamelritt in der Kalahari

Ein Kamelritt in der Kalahari: Joachim von Heydebreck, Inspekteur der Landespolizei von Deutsch-Südwestafrika, führte 1908 Dromedare als Reittiere für die sog. Kamelreiterkompanien ein.

Ein Kamelritt in der Kalahari: Joachim von Heydebreck, Inspekteur der Landespolizei von Deutsch-Südwestafrika, führte 1908 Dromedare als Reittiere für die sog. Kamelreiterkompanien ein.

Dieser kurze Bericht über einen Kamelritt mit der Schutztruppe in der Kalahari, deutet die Strapazen an, denen die Kamelreiter auf ihren Patroullienritten und Einsätzen ausgesetzt waren.

Ein größerer Ritt in der Kalahari kann nur auf Kamelen unternommen werden. Die in der Kalahari stehende Schutztruppenkompagnie ist daher mit Kamelen versehen. Eine Reise auf dem Rücken der Tiere beschreibt uns ein Feldwebel von dieser Kompagnie: Der Marsch in die Steppe wird angetreten. Am Reitsattel werden die Lebensmittel und das Wasser für eine Woche angebracht, die Lebensmittel in den Packtaschen, das Wasser in besonderen Gefäßen. Auch Packkamele werden mitgeführt. Sie tragen die Lebensmittel für noch eine Woche. Die Kamele bekommen in dieser Zeit kein Wasser. Sind Tsamas vorhanden, so werden sie zerschnitten und den Reittieren vorgeworfen. Die Märsche werden meist in der Nacht zurückgelegt. Die Kamele gehen in der Nacht sehr sicher, dazu auch schneller als am Tage. Bei Sonnenuntergang wird gesattelt. Darauf marschiert man vier bis sechs Stunden. In einer Stunde kann man sechs bis zehn Kilometer zurücklegen. Man darf die Tiere aber nicht zu sehr antreiben, da sie dann bald versagen. Nach dem Marsche wird abgesattelt; das Kamel wird an den Vorderbeinen gespannt. Mit großem Behagen legt es sich nieder und kaut das am Tage aufgenommene Futter wieder. Nach einigen Stunden wird der Ritt fortgesetzt. Kein Wort wird gesprochen. Von der Abteilung ist auch am Tage wenig zu sehen. Die braune Uniform des Reiters und das braune Fell des Tieres heben sich von dem rotbraunen Dünensande kaum ab. In Gedanken, vielleicht auch etwas müde, sitzt der Reiter auf seinem Tiere. In der Ferne heult eine Hyäne, und ein aufgescheuchter Nachtvogel flattert schreiend zum nächsten Busch. Der Marsch ist sehr anstrengend. Die Hitze am Tage und die Kälte in der Nacht sind viel größer als in der übrigen Kolonie. Jeder freut sich, wenn endlich der Befehl gegeben wird: „Halt! Absatteln!" Alle recken die steifgewordenen Glieder. Die Kamele suchen sich nun ihr Futter, und die Reiter stellen ihre Kochgeschirre ans Feuer. Nur zwei Liter Wasser am Tage bekommt jeder. Da muß sparsam gewirtschaftet werden. An Waschen ist dabei nicht zu denken. Die Müdigkeit nach dem anstrengenden Marsche macht sich schnell fühlbar. Unter einem riesigen Kameldornbaume sucht sich ein jeder sein Lager. Die Sonne steht fast senkrecht über ihnen. Auch die Kamele suchen Schutz vor den versengenden Strahlen. Alles schweigt und schlummert. Nur die Wache schreitet um das Lager, um es vor feindlichen Überfällen zu schützen.

Anmerkung: Als Joachim von Heydebreck 1908 zum Inspekteur der Landespolizei von Deutsch-Südwestafrika ernannt wurde, leitete er den Aufbau der berittenen Landespolizei und führte ägyptische Dromedare als Reittiere für die neu geschaffenen Kamelreiterkompanien ein. Dieser kurze Artikel stammt von Bernhard Voigt.


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