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Weiße Göttin der Wangora

Weiße Göttin der Wangora

Mit dem Afrikaforscher Hans Schomburgk geht die Autorin 1913 auf eine Expedition nach Togo.
Gehrts, Meg
06-0025
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Autorin: Meg Gehrts
Deutscher Taschenbuch Verlag
München, 2004
Broschur, 12x19 cm, 288 Seiten, 1 Karte


Verlagsankündigung:

Die Hamburgerin Meg Gehrts, 22 Jahre alt, erlebt das Abenteuer ihres Lebens: Mit dem Afrikaforscher und Filmemacher Hans Schomburgk geht sie 1913 auf eine Expedition nach Togo, damals deutsche Kolonie. Die beiden drehen dort Dokumentarfilme und, erstmals in der Geschichte des noch jungen Kinos, Spielfilme, mit Meg als Hauptdarstellerin.

In ihrem Reisebericht ›Weiße Göttin der Wangora‹, der 1914 in London veröffentlicht wurde und erst 85 Jahre später auf deutsch erschien, erzählt die Autorin mit erfrischender Offenheit von den ungewöhnlichen Dreharbeiten und von ihrer Neugier auf die Menschen in Afrika, besonders die Frauen, deren Leben sie mit einer für die damalige Zeit bemerkenswerten Aufgeschlossenheit schildert.

Meg Gehrts (1891-1966), geboren als Hamburger Kaufmannstochter, war »Zufallsschauspielerin«, heiratete 1922 den Filmemacher Hans Schomburgk. Nach der Trennung von ihm einige Jahre später schlug sie sich zunächst mit Verlagsarbeiten durch und arbeitete dann für die Ufa als Cutterin. Nach dem Krieg war sie für den Sender Freies Berlin tätig.


Aus "Von London nach Lome":

Schauspielerinnen, die wie ich auf Kinoproduktionen spezialisiert sind, werden in ihrem Beruf nicht selten mit den sonderbarsten Vorschlägen konfrontiert; somit sind wir nicht leicht zu überraschen und aus der strengen, berufsmäßigen Ruhe hervorzulocken, die wir alle, mehr oder weniger erfolgreich, zu kultivieren suchen.

Als mir jedoch Anfang letzten Sommers vorgeschlagen wurde, eine Reise ins Innerste Afrikas zu machen, in ein Gebiet, das niemals zuvor von einer weißen Frau betreten worden war, um dort die weibliche Hauptrolle in einer Reihe von Sequenzen über das Leben der Afrikaner zu spielen, war ich ausnahmsweise, das muß ich gestehen, vollkommen verblüfft.

Auch die Tatsache, daß die geplante Expedition von dem bekannten Jäger und Afrikaforscher Major Hans Schomburgk, F. R. G. S.*, (* Fellow ofthe Royal Geographie Society (Die Anmerkungen sind von der Übersetzerin)) finanziert und geleitet werden sollte, beruhigte mich nicht völlig. Ich zögerte lange. Doch dann reizte mich die Aussicht, für eine Weile den Staub der Städte von meinen Füßen zu schütteln und mit unverdorbenen Naturkindern in ganz neuer Umgebung ein einfaches Leben zu führen, und ich willigte schließlich ein; so nahm ich - ganz gegen den Rat meiner Verwandten und Freunde - den Job an.

Meine Entscheidung wurde in hohem Maße beeinflußt davon, daß ich vor einiger Zeit Major Schomburgk kennengelernt hatte, der wie ich ein gebürtiger Hamburger war. Auch wenn er in England, außerhalb wissenschaftlicher Kreise, nicht so bekannt sein mag wie in Deutschland, kann er sich doch, wenn er will, zu Recht als einen der erfolgreichsten lebenden Afrikaforscher und Großwildjäger bezeichnen; und da sein Name in diesem Buch einen recht herausragenden Platz einnehmen wird, mag eine kurze Beschreibung seiner Person und seiner Arbeit hier angebracht sein.

Er ist dreiunddreißig Jahre alt, mittelgroß und eher schmal gebaut, besitzt jedoch trotzdem beträchtliche Körperkräfte. Die letzten sechzehn Jahre seines Lebens also seit er ein siebzehnjähriger Bursche war hat er fast ausschließlich mit Jagen, Kämpfen und Forschen in Afrika verbracht. Er spricht Englisch, als ob es seine Muttersprache wäre, und diente in der Natal Mounted Police ebenso wie im letzten Burenkrieg, wofür er mit einer Medaille mit vier Ordensspangen ausgezeichnet wurde. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß er als Jäger für seine Tapferkeit in ganz Afrika berühmt ist. Nicht weniger als dreiundsechzig ausgewachsene Elefanten sind seinem Gewehr zum Opfer gefallen, und einmal erlegte er vier große Stoßzahnträger mit vier Schüssen, zwei rechts und zwei links.

Zweimal hat er Afrika durchquert. Seine abenteuerlichste Reise, die fünf Jahre dauerte, führte ihn von den Victoria-Fällen nach Angola, Portugiesisch-Westafrika, von dort zurück durch den Kongo-Freistaat, Nordrhodesien und Deutsch-Ostafrika, bevor er schließlich in Daressalam, nicht weit von Sansibar, ankam. Während dieser ganzen Zeit sah er weder eine Eisenbahn, noch schlief er in einem Haus aus Stein. Ein ganzes Jahr lang erforschte er die Quelle des Sambesi im Walunde-Land, das noch nie zuvor von Weißen besucht worden war; und während dieser Expedition fing er in einer Falle einen ostafrikanischen Elefanten und brachte ihn lebend nach Europa, ein Kunststück, das bereits oft versucht, niemals jedoch vollbracht worden war.

Er war auch der erste weiße Mann, der lebende Artgenossen des seltenen Zwergflußpferds fing, ein Tier, das in seiner ursprünglichen Umgebung so überaus rar und scheu ist, daß seine Existenz bis vor relativ kurzer Zeit von den meisten Afrikaforschern und Jägern bestritten wurde. Major Schomburgk wußte es jedoch besser, denn er hatte dieses Miniaturlebewesen auf einer seiner frühen Reisen in das westafrikanische Hinterland gesehen; und 1911 gelang es ihm, nach unendlichen Schwierigkeiten und auch einigen Gefahren, nicht weniger als fünf lebende Exemplare zu fangen und, was noch bemerkenswerter ist, sie vom Landesinneren zur Küste zu bringen, von wo sie sicher nach Europa verschifft wurden. Zwei von ihnen sind nun im Londoner Zoo, wobei eines der Tiere ein Geschenk des Herzogs von Bedford ist, der es wiederum von Carl Hagenbeck kaufte, in dessen Auftrag Major Schomburgk arbeitete; die anderen drei befinden sich im New Yorker Zoo. Alle fünf »Pygmäen«, das sei noch erwähnt, wurden auch dem Kaiser vorgeführt, der großes Interesse an den seltsamen kleinen Kreaturen zeigte und dem Fänger herzlich zu seinem Erfolg gratulierte.

Zusätzlich zu den genannten Tieren entdeckte und benannte Major Schomburgk auch zahlreiche weitere bis zu dem Zeitpunkt unbekannte Arten des afrikanischen Tierreichs, unter anderem eine seltene neue Büffelart, den Bubalus Schomburgki. Dies war auch nicht die erste Filmexpedition, die er im westafrikanischen Hinterland organisiert und angeführt hatte. Kaum drei Wochen, bevor er sich erstmals an mich wandte mit dem Angebot, als Hauptdarstellerin (und einzige Frau) mit nach Togo zu gehen, war er von einem ähnlichen Unternehmen zurückgekehrt, das er im Hinterland von Liberia und Togo geführt hatte. Jenes aber war keineswegs erfolgreich gewesen; unter anderem aus dem Grunde, so teilte er mir mit, daß das mitgenommene Fotomaterial nicht tropentauglich war. Außerdem hatte sich sein Kameramann als unfähig erwiesen. Das Ergebnis bestand am Ende darin, daß das in die Finanzierung der Expedition gesteckte Geld praktisch zur Gänze verloren war. [...]