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Vom Krämerbuben zum Brotmillionär

Vom Krämerbuben zum Brotmillionär

Lebenserinnerungen eines oberbayrischen Bäckermeisters und Unternehmers in Südafrika und Namibia
Kappelsberger, Sepp
23504
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Vom Krämerbuben zum Brotmillionär

Autor: Sepp Kappelsberger
Maurus-Verlag
Miesbach, 2008
ISBN 978-3-940324-01-6
Broschur, 17x25 cm, 396 Seiten, zahlreiche sw-Fotos


Beschreibung:

Raimund Feichtner: Mangfall-Bote (Oberbayerisches Volksblatt) vom 19.10.2008

Das Leben des "Mister Roggenbrot"

Viele drängt es im Alter von ihrem Leben zu erzählen, Rückschau zu halten auf gute und schwere Zeiten. Auch Sepp Kappelsberger hat das getan, und er ist einer, der wirklich viel zu erzählen hat.

Geboren am 15. September 1926 als erstgeborener Sohn der Landwirts- und Krämereheleute Josef und Elisabeth Kappelsberger, verbrachte er daheim eine glückliche Kindheit, erlernte das Bäckerhandwerk.

Er machte einen schrecklichen Krieg mit, zog dann in die Fremde, nach Südafrika, und schaffte es, mit viel Arbeit zu Wohlstand zu kommen.

Im Alter setzte er sich hin und schrieb im Verlauf von acht Jahren seine Lebensgeschichte nieder. Jetzt hat er sie als Buch herausgegeben.

„Vom Krämerbuben zum Brotmillionär" hat er es mit leichter Ironie genannt. Es ist kein Buch mit literarischen Ansprüchen.

Sepp Kappelsberger, der auch in Südafrika, wo er seit 1951 lebt, ein bayerisches Original geblieben ist, schreibt, wie er redet. Sein Herz, sein Kopf sind nach einem ereignisreichen Leben voll.

Die Geschichte und die Geschichten seines Lebens sprudeln aus ihm heraus und haben auf 396 eng beschriebenen Seiten Platz gefunden.

Ungeordnet und etwas sprunghaft, wie bei einer mündlichen Erzählung, dabei ebenso immer voller Begeisterung und sehr detailliert schildert er offen und ehrlich sein Leben, aber auch die Zeit, in der er lebte und wie sie ihn prägte.

Wohl behütet wuchs er in Harthausen auf. Er erzählt, wie er mit fünf Jahren dank des Geschicks eines Rosenheimer Arztes und eines Chirurgen einen Blinddarmdurchbruch überlebte.

Er erzählt von der Verführung durch die Nationalsozialisten als Kind und Jugendlicher, von der Weitsichtigkeit und vom privaten Widerstand seines Großvaters.

Von den harten aber schönen Lehrjahren als Bäcker in München, von noch härteren Jahren beim Arbeitsdienst und als Flakkanonier, später als Panzergrenadier, vom chaotischen Ende des Krieges und von Monaten harter amerikanischer Gefangenschaft und schließlich von einer glücklichen Heimkehr nach Harthausen.

Kappelsberger übersteht die ersten Nachkriegsjahre gut als Bäcker bei der amerikanischen Besatzungsarmee in Bad Aibling. Später arbeitet er in München, bildet sich fort, macht seinen Meister. Schließlich drängt es ihn in die Fremde.

1951 vermittelt ihm die Bäckerinnung München einen Arbeitsplatz bei einem deutschen Meister in Pretoria. Mit einer 28-tägigen Schiffsreise geht es von Venedig nach Durban. Sepp Kappelsberger schrieb auch damals schon gerne. So kann man seine Reise in seinen damaligen Tagebuchaufzeichnungen miterleben. Eigentlich wollte er nur seinen dreijährigen Arbeitskontrakt erfüllen, aber er blieb in Südafrika.

Erst auf sich allein gestellt, kämpfte Kappelsberger sich mit harter Arbeit und Glück und dann auch mit steter Hilfe seiner Frau Joan durch. Da seine Frau Joan keine Kinder bekommen konnte, hatte das Paar 1956, das jüngste von neun Kindern seiner verwitweten Schwester, den siebenjährigen Bernhardt adoptiert. Er lebt heute in Kapstadt.

Sepp Kappelsberger erzählt in den folgenden Kapiteln von seiner Arbeit als Bäcker, später als' Reisebäckermeister, bei der er Bäckereien in Südafrika beriet und belieferte, vom Kauf seiner eigenen „Wrensch Town Bäckerei" und schließlich vom großen Erfolg, die er damit hatte, bis er schließlich in Kapstadt zu „Mister Rye Bread", „Mister Roggenbrot", wurde.

140 Angestellte und Arbeiter beschäftigte er in seiner Großbäckerei. Später hatte er auch eine Firma für Bäckereimaschinen, bis er sich im Alter zurückzog und die Firmen verkaufte.
Kappelsberger erzählt von seiner 92-tägigen Jungfernfahrt mit der Queen Elizabeth II, aber auch wie er in den internationalen Medienrummel geriet.

Vor seiner Bäckerei wurden zwei Kundinnen totgefahren. Eine davon war die Spenderin für die erste gelungene Herztransplantation von Professor Barnard im nur einen Kilometer entfernt liegenden „Groote Schuur Hospital".

Eher am Rande berichtet Sepp Kappelsberger mit Liebe von seiner ersten, jetzt bereits verstorbenen Frau Joan, einer Engländerin, aber auch seiner zweiten Frau Gerda, einer geborenen Niederländerin, mit der er einen angenehmen Lebensabend verbringt, im Sommerhalbjahr in Harthausen, im Winterhalbjahr in Kapstadt. Nie hatte Kappelsberger seine Kontakte in die Heimat abgebrochen, immer hatte er sich um die Daheimgebliebenen gekümmert.

Kappelsberger selbst blieb bei allem wirtschaftlichen Erfolge ein bodenständiger gradliniger Bayer. So sagt er, ihm sei die Fremde zur Heimat, die Heimat, aber nie zur Fremde geworden.


Inhalt:

Vorwort
Die schöne Kindheit und Schulzeit - 1926 bis 1941
Die harte Bäckerlehre in München - 1941 bis 1943
Arbeitsdienst, als Flak-Kanonier zum Endsieg - 1943 bis 1945
Als Panzergrenadier von Brügge, über Nimwegen, Arnheim ins Elsass
Bis zum bitteren Ende und Gefangenschaft - 1945
Der Krieg ist aus, endlich Daheim - 1945/1951
Ins goldene Land, nach Südafrika - 1951
Im schönen fremden Pretoria - 1951/1955
Reisebackmeister, 11 gute Jahre - 1955/1966
Wrensch Town Bäckerei, die brillante Milchkuh
Erntezeit, goldene Jahre, Zerfall, Sunset


Auszug:

„Darf ich Südwest bearbeiten?“, die Frage stellte ich im April.

Ja, es sei einen Versuch wert, aber nur mit Flugzeug, die wichtigsten Punkte Upington, Windhoek, Walvis Bay, Keetmanshoop. Diese Orte hatten SAAir Flugverbindung. Mit dem Auto wäre es zu riskant.

So flog ich im Mai 1956 nach Südwest, hatte schon viel gelesen über die immer so schillernd geschilderte ehemalige deutsche Kolonie. Es gab vier Kunden im Land, die kauften Eiweiß je 6 bis 12 lbs im Jahr. Aus England kam jedes halbe Jahr eine Werbebroschüre „Besser Backen mit Steins Produkten" einige Rezepte dazu. Daher kannten diese Kunden den Namen und Produkte.

Windhoek mein erster Besuch, die Kunden freuten sich, dass da einmal ein Vertreter kam, dass es gerade ein echter Urbayer war, überraschte. Ich grüsste mit echtem bayerischen „Grüss Gott und Pfuid' Gott". Kein „Juten Tach, Tschüss oder gar Tschau". Es kam an, die wussten, woher ich war, mochten mein bayerisch, wenn sie auch oft sagten, sie verstehen mich schwerlich: „Herr, wie war doch der Name? Sepp heiße ich!"

Es war leicht, auf diese biedere Art bei den Menschen anzukommen. Ich wohnte immer im Continental Hotel, es war das teuerste, sehr zum Erstaunen der Kunden, dass ich mir das leisten konnte. Lud die Bäckereibesitzer mit den Gesellen, alles Deutsche, zum „Braai" Grill auf der großen Terrasse des Hotels abends ab 18 Uhr ein. Sie kamen gerne um zu sehen, wies im Conti läuft, das war, für die Gesellen zumindest, ja viel zu teuer.

Ich bekam bescheidene Bestellungen Fett fürs Brot, das kennt der Deutsche nicht. Hier gab es die Fuchtel, den „Wheat Board", nicht. Ich fuhr mit der Bahn nach Walvis Bay, im Abteil rauhe Fischer mit viel Alkoholkonsum, eklig, die kamen zur Fischsaison nach Walvis Bay, wilde Typen. Es hieß immer, der Fischer, der in den südafrikanischen Häfen rausgeflogen ist, der geht nach Walvis Bay.

Die Spitzkoppe das Wahrzeichen der Namib in seiner pristinen Schönheit war eine Entschädigung. Es wehte der gefürchtete Ostwind in Walvis Bay, der brachte feinsten Namib Sand, der überall eindrang, eine Glocke über die Stadt legte, schwüle Hitze, mittags war das Hemd völlig ruiniert. Es stank nach Fischmehl und Öl (Lebertran), aber die Stadt war in einem Geldrummel, es war die Hochkonjunktur der Fischerei, Pilchards, hundert tausende Tonnen und der „Snoek", ein Barracudafisch, der die Pilchards jagt, ein delikater Fisch, besonders geräuchert.

Dazu der Hafen-Bahnausbau, eine kleine im Wüstensand und am Meer versteckte, zum Teil auf Stelzen wie Pfahlbauten, boomende Stadt. Es gab keine Teerstrassen, das waren alles Salzstrassen.

Die Kaiser und Apollo Bäckerei waren schnell gefunden, leider, die Herren waren um die Zeit 10 Uhr früh nur an der „Atlantik Hotelbar" anzutreffen. Da wurde feste geknobelt, wie in allen deutschen Bars im Lande, das Spiel beherrsche ich heute noch nicht. Diese Bäckerkollegen mit „Drinks" zu versorgen und bei dem Trubel versuchen, Bestellungen zu schreiben. Das hat sich in all den Jahren in Walvis Bay nie geändert.

Die lachten mich lauthals aus, als sie hörten, dass ich Bäcker bin, nun als Verkäufer durchs Land zog, da war ich nun wirklich ein bemitleidenswerter doofer Bayer: „Ja, ich müsste doch verrückt sein, ich könnte doch 70 bis 80 „Ffundt" leicht vadienen, un nich mit so'nem Jelumpe durchs Land ziehen müssen.

Dat icke doch einige Runden ausjeben konnte, war erstaunlich. Als sie hörten, ich suche einen Lift (Anhalter) nach Swakopmund, waren sie wirklich über meine Blödheit erstaunt, ohne Wagen und Fahrer durchs Land zu loofen. Sie werden wohl jedacht haben, det kannste nur 'nem doofen Bayern zumuten. Zwölf Uhr war dann der Barspuk vorbei, die Meesta und Jesellen heim zum Essen, das war nur um die Ecke.

Der größte, „Apollo", lud mich ein zum Mittagessen. Da lernte ich nun seinen Haushalt und alle deutschen Jesellen kennen. Frau, Sohn und Tochter, ein Ausfahrer, der „uff da Werft" also im Hinterhof in ein paar Zimmern hauste mit Frau und Tochter, beede mit im Jeschäft. Dort waren auch die Jesellenbuden. Das Essen, für so ne jrosse Meute jekocht, war ausjezeichnet.

Er sprach im Büro mit mir ganz im Ernst, ich sollte bei ihm für 80 „Ffundt" anfangen, meine Reisetasche wegschmeißen und er wird dat Jeschäft abjeben, ich könnte es dann haben. Er zieht sich auf alle Fälle aufs Fischen zurück. Ob ich Lust hätte, heute Nachmittag mit ihm, in seinem Boot rausfahren und mit ihm fischen. Dat icke ooch noch Meester war, verdutzte ihn völlig. Ich soll mir dat jut übalejen, bist verheiratet, besprich's mit deiner Frau, die kann im Jeschäft sein, das wäre doch ein Leben. Mit jutem Jeld und nich' da mit Jelumpe rumloofen.

Wir holten meinen Koffer von der Bahn und er fuhr mich ans Ende von Walvis Bay auf die Salzstrasse nach Swakopmund. Schüttelte den Kopf über den verrückten Bayern, wünschte mir einen frühen Anhalter, sollte ihn anrufen aus Kapstadt, wenn ich's mir überlegt hätte und fuhr zum Fischen. Jahre später kaufte ich mit einem Partner doch noch seine Bäckerei, nicht um nach Walvis Bay überzusiedeln, sondern als gutes Investment. Davon noch zur rechten Zeit.

Schnell kam einer, der mich nach Swakopmund mitnahm und beim „Grünen Kranz" absetzte, ich lud ihn zu Drinks ein. Die Bäcker schliefen nun, da konnte ich erst wieder nach 16 Uhr anklopfen. Der Wirt fragte mich: „Suchst das Strandcafe, deinen bayerischen Kumpel, den Schmied Hans?" Nachdem ich mich im Zimmer erfrischt hatte, marschierte ich am deutschen Kriegerdenkmal vorbei zum Strandcafe. Es wurde für die im Herero und Witbooiaufstand gefallenen Soldaten in Form eines kaiserlichen Marineinfanteristen errichtet, dahinter die ehemalige Kaserne.

Da traf ich jetzt den Hans, die Hermine, seine sehr junge hübsche Frau, die Köchin Frau Berger, den Konditor Horst Kuhnert, all diese Leute würde ich noch oft in Kapstadt, sogar später in Oberbayern immer wieder treffen. Das wussten die und ich noch nicht, wie unsere Wege sich noch kreuzen würden.

Der Hans war grad dabei, einen neuen Bretterboden in der Küche zu legen, unglaublich, so etwas gab's damals noch. Jetzt war die Saison aus, da musste er die Bretterbude, was sich Strandcafe nannte, reparieren. Er pachtete es von der Stadt und war selbst im Stadtrat als zweiter Bürgermeister, von Beruf war er Ingenieur. Sie waren erst einige Jahre im Lande. Die Frau konnte gut kochen, sie kam aus dem Gastgewerbe in Bad Tölz, noch blutjung, von einer unberührten Schönheit gegen den viel älteren narbigen Hans.

Wir fanden uns und waren Freunde, echte Oberbayern im fernen, fremden Land. Kuhnert, ein Konditormeister, höchstens 26 Jahre, ein Bäckermeistersohn aus Schwaben, der überhaupt von unseren Produkten nichts wissen wollte. Dem ich Jahre später erst eine Stelle, hernach ein Konditorei-Cafe in Kapstadt vermittelte. Es endete leider mit seinem Selbstmord, bis dahin ist aber noch viel Zeit.

Nach 16 Uhr zur „Putensens Bäckerei", Kaffee mit dem „Alten Pute", wie er genannt wurde, und seiner Frau. Traf dann die Gesellen beim „Dampfein", die bekamen wenig Hefe aus der Union (das Hefegesetz), oft halb verdorben in der Hitze. Die Brötchen waren so gut in Südwest, weil sie noch lange Fermentierzeiten hatten. Nur der Gärprozess gibt Brot seinen echten Geschmack, heute kaum noch möglich, Zeit ist Geld. Schnell ab zum andern Bäcker, der war in Urlaub in Deutschland.

Das Geschäft führte ein Bäckerehepaar Behrens, nette, kürzlich eingewanderte Leute, sie wurden sehr gute Kunden, eine der ersten, denen ich einen Ofen verkaufen konnte, als sie sich Selbständig machten. Zurück zu Schmieds, quatschen, früh 6 Uhr ging der Zug ab nach Windhoek.

Der Aufenthalt in Okahandja reichte, um dem Bäcker, gegenüber dem Bahnhof kurz zu sehen. Von Windhoek, ging's mit der Dakota nach Keetmanshoop, eine trostlose Wüstenstadt. Zur Klöckner und Stemmers Bäckerei, über Upington Rückflug nach Kapstadt. Resultat, Umsatz ganze £ 225, das konnte die Kosten nicht decken, meine Firma wertete es aber als einen Erfolg, die sahen weiter.

In Südwest hätte ich nicht leben wollen gegen das grüne, schöne Kapstadt. Es nahm zu viel Zeit in Anspruch und ich sah zu wenige Bäckereien, immer auf den Flug/Zug wartend. Telefonierte die anderen Bäcker an, so dass sich die Hotelvermittlung wunderte, wie ich stets an der Strippe hing und nichts zu teuer war. Alle Bäcker meinten, ja, kommen Sie doch mal hierher, Grootfontein, Tsumeb, Outjo, Otjiwarongo, Gobabis, Rehoboth, Mariental, Lüderitz, wie wäre das zu schaffen, doch alles potentielle, wenn auch kleine Kunden.

Durch viel Demonstrieren und Vergabe von Rezepten, in denen oft keines unserer Produkte zur Anwendung kam, schaffte ich mir freundliche Anerkennung, und mein Umsatz wuchs.
Die Mühlen Sasko und Bokomo, beide Burenkoops, kauften damals alles, was eine Lizenz hatte Brot zu backen, auf.

Meist kamen Manager rein, die zwar die Buchführung kannten, meist in Stellenbosch als nachgeborene Burensöhne ein Bachelor Degree erreicht hatten und in den Staatsdienst gingen, oder zu halbstaatlichen Unternehmen wie Escom für Elektrizität, Gesundheits-, Arbeits-, Maschinen-, Bantu-, Kontroll Bords-Inspektoren wurden, das nächste waren die Boeren Koops.

Ein riesiger Staats- und Halbstaatsapparat. Diese Manager galt es zu überzeugen. Vom Backen wussten sie nichts, waren so ihren Angestellten ausgeliefert, meist Farbige und Schwarze, diese beherrschten die praktische Arbeit. Von Fach Chemie, Materialkunde wussten die absolut nichts. Ihre Fertigkeiten waren erstaunlich, viele hatten nie eine Schule besucht, wenn, dann 4 oder 6 Klassen, es waren die Jahre 1955 bis 65.

Der Standard dieser Arbeiter war auf dem Niveau der Vorkriegszeit, als Südafrika ein Farmland war. Erst die Kriegs- und Nachkriegszeit brachten Industrie und Arbeitsplätze für Schwarze und eine große Zuwanderungs-Explosion in die Städte.

Demonstrieren und backen in den Betrieben war sehr schwer, weil der Besitzer es wollte, die Arbeiter natürlich sofort auf negativ schalteten. Der will uns was zeigen, als ob wir unseren Job nicht kennen, dem werden wir schon Fallen stellen und aus unserer Bäckerei rausjagen. Dazu die primitive Ausstattung, wie oft war der Anschlagkessel zum Tortenböden- oder Rührkuchenherstellen leck.

Das Kleinzeug wie Messbecher, Gewichte gab's nicht, man wog mit Teigteilen, die man aus einem Pfund sich selbst austariert hatte. Paletten, Sägemesser, wenn eins da war, musste man es suchen. Ich hatte einen Satz Gewichte, alle Kleingeräte stets selbst dabei. Nun hatte man die Zutaten auf zum Teil eigenem Gerät abgewogen und gemessen, dann in den verbeulten Kessel gegeben.

Der hatte ein kleines Loch, da warnte einem keiner, ja, nun lief ein Teil der Eier-Wasser-Soße schon am Boden rum, jetzt zeigte man, wo der leckte, drückte ein Stück Mürbteig rein, um es abzudichten. Nun musste man das Rezept ausbalancieren. Das geschah stets unter zynischen Schmunzeln der Mannschaft. Da bin ich oft aufgesessen, bis man alle deren Tricks standhalten konnte. […]