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Verantwortung und Verurteilung

Verantwortung und Verurteilung

Befunde und Berichte zur Deutschen Kolonialgeschichte, Band 3
Steffan. A.W. (Hg.):
13002
neu

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Verantwortung und Verurteilung

Untertitel: Verantwortung und Verurteilung der im Geiste der Kolonialzeit begangenen Taten und Untaten der Urgroßväter
Herausgeber: Prof. Dr. A.W. Steffan
Befunde und Berichte zur Deutschen Kolonialgeschichte 2. Jg; Band 3/2002
Windhoek; Wuppertal, 2002
Broschur, 16x23 cm, 95 Seiten, zahlreiche sw-Abbikldungen und Fotos


Beiträge:

- Steffan, A.W.: Christliche Mission und Kolonialismus im Zusammenwirken und Widerstreit
- Kirschnereit, K.: Kritische Überlegungen zu einem Schuldbekenntnis der VEM
- Steffan, A.W.: Zum Sprachenstreit im Unterricht der Missionsschulen
- Jäger-Lümmen, A.: Die Sprachenfrage im damaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika
- Steffan, A.W.: Deutschsprachige Fremdtümelei – vor hundert Jahren und heute
- Damman, E.: Christliche Mission im ehemaligen Deutsch-Ostafrika
- Haupt, W.: Deutsches und deutsch-chinesisches Missions-Schulwesen in Kiautschou
- Matzat, W.: Die deutsche Kaiserliche Gouvernements-Schule Tsingtau
- Apitzsch, W.: Leben und Wirken des Landeshauptmanns Reinhold Kraetke
- Steffan, A.W.: Beheben von Fehlern oder Beharren auf wahrheitswidrigen Angaben
- Apelt, W.: Buchbesprechungen


Aus dem Beitrag „Christliche Mission im ehemaligen Deutsch-Ostafrika“ von Ernst Damman:

Einleitung

Ostafrika war bis in das 19. Jahrhundert für die meisten Europäer ein unbekanntes Gebiet. Als einzige hatten sich etwa seit dem Jahre 1500 die Portugiesen an einigen Plätzen im heutigen Kenya (Malindi, Mombasa, Insel Pate) niedergelassen. Aber im 18. Jahrhundert mußten sie sich dort überall vor den Arabern zurückziehen. Diese waren schon an manchen Plätzen Ostafrikas, wie das griechische Buch "Periplaus des Erythrae-ischen Meeres" aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zeigt, ansässig geworden. Die Portugiesen mußten sich fortan auf ihren Besitz in Mocambique beschränken.

Es sind m.E. zwei Tatsachen, die das Augenmerk vieler Europäer auf Ostafrika richteten. Eine war die Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1870, wodurch die Schiff-Fahrt vom Mittelmeer und von der Türkei nach Ostafrika erheblich verkürzt und gefördert wurde. Auch manches deutsche Schiff fuhr von Italien nach Ostafrika. Der andere Grund war, daß sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Interesse des Sultans von Oman (Südarabien) stark auf Ostafrika richtete. Bis dahin standen die arabischen Besitzungen an der ostafrikanischen Küste nominell unter der auf Pate herrschenden Nabhan Dynastie. Diese wurde unter dem Sultan von Oman, SAYYID SAID, immer mehr verdrängt. Die Residenz des Sultans wurde 1840 von Oman nach Sansibar verlegt. Schließlich mußte sich der Vertreter der Nabhan auf das kleine Witu im Norden des jetzigen Kenya am Tana zurückziehen.

Sansibar, schon vorher ein Zentrum arabisch-afrikanischen Handels, gewann wirtschaftlich und politisch erheblich an Bedeutung. Dies wirkte sich auch auf das Sansibar gegenüber liegende ostafrikanische Küstengebiet aus, So wurde z.B. der größere Anteil der in anderen Ländern geschätzten Gewürznelken auf Sansibar und der dazu gehörigen Insel Pemba angebaut. In der Stadt Sansibar eröffneten bereits in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Hamburger Finnen Hansing & Oswald Filialen.

Die zu behandelnden Gebiete:

Zu Deutsch-Ostafrika gehörten auch die beiden Länder Ruanda und Burundi. Sie wurden durch den sogenannten Versailler Vertrag im Jahre 1919 als Mandatsgebiet an Belgien übergeben und 1964 zu selbständigen Staaten. In beiden Gebieten wurde bereits in der deutschen Zeit mit der Missionsarbeit begonnen. Auf der Insel Sansibar begannen 1863 die Väter vom Heiligen Geist, eine katholische Organisation, mit der Missionsarbeit. Ihnen folgten 1864 Anglikaner von der Universitäten-Mission (UMCS). Sie errichteten auf dem ehemaligen Sklavenmarkt die ansehnliche Kathedrale. Von den Anglikanern ist besonders Bischof E. STEERE bekannt geworden, der sich als Bibelübersetzer und Afrikanist einen Namen erworben hat.

Von deutschen Missionen arbeitete nur die Bethel-Mission 1886/87 kurze Zeit auf Sansibar. Wahrscheinlich waren deutsche Politiker sogar erfreut, daß sich außer diesem kurzen Versuch der Bethel-Mission keine andere deutsche Missionsgesellschaft auf Sansibar betätigte. Auf die Weise konnte man auch darauf hinweisen, daß Deutschland, wie später im Helgolandvertrag ausdrücklich erklärt wurde, kein Interesse an Besitz oder Einfluß an Sansibar habe.

Vorkoloniale Missionsanfänge:

An der Küste nördlich des Rovuma und auf den vorgelagerten Inseln gab es keine Christen aus der portugiesischen Zeit. Der erste Missionar, der sich mit den ostafrikanischen Küstenländern beschäftigte, war der deutsche Missionar J. L. KRAPF (1810-81). In Basel ausgebildet, war er zunächst im Dienst der Britischen Kirchenmission (CMS) in Äthiopien tätig. Dortige Schwierigkeiten veranlaßten ihn, 1844 nach Ostafrika zu gehen, um dort unter den Galla (Oromo) zu arbeiten.
Erstaunlicherweise erlaubte ihm der zuständige muslimische Sultan von Sansibar, SAYYID SAID, in der Nähe von Mombasa seine Missionsarbeit zu beginnen. So wirkte er zwar nicht unter Galla, sondern unter Kamba und Suaheli. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte hat er ein umfangreiches Schrifttum in afrikanischen Sprachen geschaffen. Bereits 1850 erschien seine Grammatik des Suaheli.

Aber schon früh ging sein Blick über seine Wirkungsstätte im heutigen Kenya hinaus. Im Jahre 1849 machte sein Mitarbeiter REBMANN eine Forschungsreise an den Kilima-Ndscharo, wobei er im Mai 1849 als erster Europäer den schneebedeckten Kibo erblickte und dafür auch bei manchen Geographen ungläubiges Kopfschütteln erregte. KRAPF selbst besuchte m.W. auch als erster Europäer die Landschaft Usambara und besuchte deren König in Wuga. Noch 1933 zeigte man mir die Stelle, wo KRAPF angeblich sein Zelt aufgeschlagen hatte. Und dann machte er eine Schiffsreise von Mombasa aus über die größeren und kleineren Häfen des jetzigen Tansania. Eingehend hat er über diese Reise berichtet, wobei er bereits Gedanken für künftige Missionsmöglichkeiten ins Auge faßte. Dazu kam es aber zu seinen Lebzeiten nicht mehr.

Immerhin dehnten die katholischen Väter vom Heiligen Geist 1875 ihre Arbeit von Sansibar auf das Festland aus. Sie wählten Bagamoyo als ihren ersten Standort. Dieser Platz war in mancher Beziehung günstig. Er lag an einem Platz gegenüber von Sansibar, also dem damaligen Brennpunkt des Schiffsverkehrs in jener Gegend. Außerdem war Bagamoyo Ausgangspunkt einer Karawanenstrecke ins Inland. Von hier ans wurden die im Inneren von Arabern erbeuteten Sklaven zum Verkauf nach Sansibar verschifft. Die Missionare benutzten diese Gelegenheit, Menschen freizukaufen und auch mit Einwohnern aus dem Inland in Verbindung zu kommen. Auf diese Weise entstand schnell eine christliche Gemeinde. Die Universitäten-Mission gründete 1875 auf dein Festland in Magila (Südost-Usambara) eine Station, von wo sich das Christentum über die Bondei ausbreitete. Zeitweilig arbeiteten sie auch unter Bischof POTTER im Süden am Fluß Rovuma.

Es würde zu weit führen, alle Missionsversuche aufzuzählen, die vor der Besiedlung durch Deutschland gemacht wurden. Ich nenne hier nur die Britische Kirchenmission (CMS), die, vielleicht angeregt durch KRAPF, sich Uganda als Missionsziel wählte. [...]