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Unter Buschleuten auf der Farm Otjiguinas

Unter Buschleuten auf der Farm Otjiguinas

Von den Sitten und Bräuchen der Hain//omn und deren Schamanentum
Schatz, Ilse
13849
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Unter Buschleuten auf der Farm Otjiguinas

Autorin: Ilse Schatz
Selbstverlag
4. Auflage, Tsumeb 1996
ISBN: 99916-712-9-3
Broschur, 15x21 cm, 46 Seiten, 8 sw-Fotos


Hinweis:

Der Bestand dieses beliebten Büchleins der Begründerin des Museums von Tsumeb neigt sich dem Ausverkauf zu. Es ist keine Neuauflage geplant und wir raten interessierten Kunden daher, die Bestellung beizeiten zu tätigen.


Aus der Einleitung:

Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, werde ich mich kurz vorstellen.

Ich bin am 14. Februar 1929 in Grootfontein geboren und habe die meiste Zeit meines Lebens auf einer Farm verbracht. In meiner Jugend lebte ich auf Farmen im Grootfonteiner Distrikt, wo die Sprache der Schwarzen vorwiegend Otjiherero war.

Später heiratete ich einen Farmer und wohnte dann auf der Farm Otjiguinas, welche an den Otjikotosee grenzt.

Hier lebte ich unter den Hain//omn-Buschleuten, deren schwierige Sprache ich nie gelernt habe. In diese muß man, wie meine Kinder, hineingeboren werden oder ein Sprachgenie sein.

Viele Buschleute, die ja wie alle Schwarzen sehr sprachbegabt sind, konnten Otjiherero sprechen und zum Glück auch der dort wohnende Medizinmann. Als Farmersfrau hat man einen engen Kontakt zu seinen Mitarbeitern und deren Familien.

Waren sie krank, so kamen sie zu mir. Wurde ein Baby geboren, so mußte die Missis dabei sein. Je älter ich wurde, um so mehr interessierten mich deren Sitten und Gebräuche.

Zu Anfang unserer Ehe, als die Kinder noch klein waren, hatte ich wenig Zeit um mich näher mit solchen Dingen zu befassen.

Dazu hatten wir immer ein gastfreies Haus und bekamen viele Gäste und was letzteres heißt, kann wohl nur eine alte Südwesterin beurteilen.

Da hieß es schnell Brot und Kuchen backen, Butter herstellen u.s.w., denn in dem alten Holzkohlenkühler hielten sich die Lebensmittel nicht so lange frisch.

Heute greift man da einfach in die Tiefkühltruhe, die es damals noch nicht gab. Zum Einkaufen fuhren wir 30 km nach Tsumeb. Der Zustand mit "Wenig Zeit" änderte sich dann in den 60er Jahren, als Otjiguinas durch schlechte Regen kaum noch Weide hatte und mein Mann mit einem Teil des Viehs nach Farm Nagusib und Sandhup zog.

Es kam dann oft vor, daß ich abends die Buschleute tanzen und singen hörte. Schliefen die Kinder fest, so trieb mich die Neugierde zu den Buschleuten, um zu sehen, was sie so trieben. Ich schlich mich im Dunkeln in deren Nähe, aber dem geschulten Gehör und Auge eines Buschmanns entgeht ja nichts. Sofort hörte der Tanz und Gesang auf, wenn sie mich entdeckt hatten. Meist ging ich dann sofort enttäuscht wieder nach Hause, um sie nicht zu stören.

Manchmal setzte ich mich auch einfach zu ihnen hin, in der Hoffnung, daß sie weitermachten, es war aber immer vergebens. Fragte ich den Medizinmann /Garugu //Khumob danach, so antwortete er mir:  "Missis du bist weiß, du verstehst mich und meine Dinge doch nicht". Er war jahrelang unser Ziegen- und Schafwächter und hatte sich den Namen JOEL zugelegt.

Jahre später, als die drei größeren Kinder schon in der Schule und damit im Heim waren, und nur noch das Nesthäkchen Frank zu Hause war, hatten wir wieder eine große Dürre. Dieses Mal zog mein Mann mit dem Vieh weiter weg und zwar in die Notweide im Mangettiblock hinter Tsinsabis und so saß ich mit dem Baby Frank oft wochenlang alleine auf Otjiguinas. Inzwischen hatte ich im Haushalt einen sehr begabten Hain//omn-Jüngling namens //horogu !Kariseb.

Dieser war auf Otjiguinas geboren, besuchte einige Jahre in Tsumeb die Schule und hatte sich auf den Namen GUSTAV taufen lassen. Er sprach perfekt afrikaans und wir zwei verstanden uns gut. Mit ihm eröffnete ich auf Otjiguinas eine kleine Buschmannschule, deren Lehrer er dann war. In dieser Aufgabe ging er vollends auf. Ihn fragte ich viel nach deren Sitten und Gebräuche. Er verriet mir auch immer, welche Zermonien von seiten des Medizinmannes stattfanden.

Eines Tages erzählte er mir: "Heute abend heilen drei Medizinmänner Kranke". Die Neugierde trieb mich abends wieder zu ihnen hin und als /Garugu mich sah, bot er mir nach fast 20 Jahren, kommentarlos einen Baumstumpfen als Sitzgelegenheit an und fuhr fort mit seinen Zermonien. Von dem Tag an, lud er mich immer zu seinen Heilungszermonien oder anderen Handlungen ein.


Aus "Die Hain//omn":

Während der Zermonien und Heilungen, die grundsätzlich nachts stattfanden, saß ich immer nur still dabei, um sie nicht zu stören. Stellte ich dann am Tage dem Medizinmann Fragen, so überhörte er einfach die Fragen und antwortete nicht.

Also versuchte ich es mal anders und besuchte ihn abends allein in seiner Hütte, denn ich hatte bald herausgefunden, daß er über solche Dinge nicht am Tage sprach, sondern nur in seiner Hütte an seinem heiligen Feuer und auch nur, wenn wir zwei alleine waren. Zwischendurch ging er immer mal nach draußen, um eventuelle Lauscher zu vertreiben. Kamen mein Mann oder unsere Kinder dazu, so wechselte er sofort das Thema.

Anfangs war ich der Meinung, was ich auf der Siedlung so sah und hörte, seien die allgemeinen Sitten und Gebräuche der Hain//omn-Buschleute. Ich kam aber bald dahinter, daß von "allgemein" gar keine Rede sein konnte. Das kam daher, daß die Buschleute ja nie ein gemeinsames Volk mit einem Oberhaupt waren, sondern sie lebten in Sippen mit Sippenältesten und diese bestimmten die Sitten und Gebräuche ihrer Sippe.

Unsere Hain//omn stammten von Namutoni, Otjikoto, Tsumeb, Guinas und Bobos. Selbst bei diesen verschiedenen Sippen konnte ich nichts verallgemeinern und das nahm mir oft den Mut. Zum Beispiel sagte mir ein Hain//omn, der von Otjikoto stammte, auf meine Frage: "Wie beerdigt ihr euere Toten? [...]