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![]() Autor: Paul Graetz
Noch heute ist es nicht alltäglich, das südliche Afrika von Daressalam in Tansania nach Swakopmund in Namibia mit dem Auto zu durchqueren - um wieviel abenteuerlicher, ja fast undenkbar war ein solches Unterfangen im Jahr 1907, als die Automobiltechnik noch in den Kinderschuhen steckte und von Straßen im heutigen Sinne keine Rede sein konnte? Der 32-jährige Paul Graetz wagte damals diese sensationelle Reise. 1910 wurde sein Bericht (mit zahlreichen Fotos im damaligen technischen Standard) erstmals veröffentlicht, der sich heute noch genau so spannend liest wie einst. Jahrzehntelang vergriffen, erinnert dieser Faksimile-Nachdruck an die kühne, abenteuerliche Unternehmung vor 100 Jahren, die auch ein Stück Automobilgeschichte darstellt. Paul Graetz starb 1968 im Alter von 93 Jahren. Im Auto quer durch Afrika?
Das Buch spricht II. Morogoro-Mpapua III. Mpapua-Tabora IV. Tabora-Tanganjika Nordost-Rhodesia. VI. Chambesi-Serenje VII. Serenje-Brokenhill Nordwest-Rhodesia. Von Nordwest-Rhodesia nach Süd-Rhodesia. X. Bulawayo-Johannesburg. XI. Palapye Road-Pottletle-River. XII. Pottletle-River-Rietfontein Nord. XIII. Deutsch Süd-West-Afrika. XIV. Windhuk-Swakopmund
Nachdem wir uns mit neuen Differentialwellen versehen, starteten wir am 25. April mittags froher Hoffnung gen Swakopmund; vorbei an den grossen Eingeborenenwerften Windhuks ging es in flotter Fahrt gen Brakwater, der ersten Station hinter Windhuk. Da fühlte ich plötzlich, am Steuer sitzend, einen Ruck durch den Wagen gehen. Im gleichen Augenblick huschte das linke Hinterrad am Auto entlang und legte sich vor das Auto. Als ich mich umsah, war ich nur noch allein im Wagen, mit heftigen Schmerzen in der Magengegend, wo mich das Steuerrad getroffen. Der neben mir sitzende Oberleutnant von Finck war kopfhalster über das linke Vorderrad, die im hinteren Wagen sitzenden Herren Lierfeld, Gould und der Kapboy Wilhelm ebenfalls im hohen Bogen in die Geographie geflogen. Keiner von uns hatte ernsten Schaden genommen. Der linke Arm der Hinterachse war gebrochen, er schien wie mit einem Messer abgeschnitten. Gould stand sinnend und nickte mit dem Kopfe und sagte nur mit seinem englischen Akzent langgedehnt: „Oas!" Sofort wurde die Achse herausgenommen, und es ging nach Windhuk zurück, wo uns durch die liebenswürdige Vermittlung des Oberleutnants Lutter eine Geschützachse zur Verfügung gestellt wurde, aus der wir uns eine Automobilachse drehten. Zwei Tage später, am 27. April, konnten wir von neuem starten, diesmal einige Kilometer begleitet von dem Windhuker Truppenautomobil. Am selben Tage erreichten wir ohne jede Panne Okahandja, eine grössere weit verstreut liegende Ortschaft, wo wir die Nacht zum 29. April verbrachten. An diesem Tage kamen wir auf gebirgiger Pad über die Farm Okombahe nach der Bahnstation Okasise. Von dort am Nachmittag nach Wilhelmstal aufbrechend, verfehlten wir den rechten Weg im Busch und mussten schliesslich auf der eigenen Spur nach Okasise zurückkehren, wo wir bei Dunkelheit eintrafen. Man hört mitunter sagen, Deutsch-Südwestafrika sei ein ödes Land. Entweder kennen die Leute das Land nicht, oder wenn sie es durchstreift haben sollten, können sie die Augen nicht aufgemacht haben. Welch herrliche, wechselnde Landschaftsbilder geniesst das Auge auf dieser Fahrt von Windhuk nach Swakopmund. Doch nicht nur, dass diesem Lande der landschaftliche Reiz nicht abzusprechen ist, man hat entschieden auch den Eindruck, auf fruchtbarem Boden zu wandeln. Das Vieh ist allerorten gut im Futter und sieht vortrefflich aus. In Wilhelmstal, das inmitten einer imposanten frischgrünen Gebirgslandschaft liegt, begegneten wir einem Eisenbahnzuge, welcher den Kommandeur der Schutztruppe Oberst von Estorff und seinen Stab nach Windhuk brachte. Die Wege besserten sich jetzt zusehends. Über Johann-Albrechts-Höhe, an romantischen Felsenhügeln dahin, erreichten wir gegen mittag Karibib, wo wir in der dortigen Eisenbahnwerkstatt einige Auspuffventile, wovon uns zwei gebrochen waren, drehen Hessen. Karibib ist ebenfalls ein grösserer Platz. Ich verbrachte den Abend in der kleinen Offiziersmesse, während meine beiden Begleiter leider vom Fieber befallen waren. Die starke Regenzeit dieses Jahres hatte sich auch unter den Europäern fieberbringend fühlbar gemacht. Im Gegensatz zu früheren Jahren waren nicht nur die Schwarzen, sondern auch viele Europäer an Malariafieber erkrankt. Am folgenden Morgen des 30. April fühlten sich jedoch beide Herren neugestärkt, um die Fahrt weiter fortsetzen zu können. Wir fuhren jetzt auf guter Pad ohne Störung dahin. Die Vegetation liess mehr und mehr nach. Der Grund wurde steinig. Mehrere Flussriviere machten dem Motor mit ihrem tiefen Sand und steilen Ufern zu schaffen, schliesslich ist auch kein Grashalm mehr zu erspähen. Oede und Leere ringsum. So unmittelbar vor Usakos, wo wir eine neue Stelle zum Erklettern der steilen Uferwand suchen und vorbereiten mussten. In Usakos wurde das Frühstück genommen, bei dem uns die Europäer des Ortes Gesellschaft leisteten. Am Nachmittag, von Usakos aufbrechend, verfuhren, wir uns, da der Zustand unseres vom Fieber arg gepeinigten Landeskundigen tatsächliche jede Orientierung ausschloss. So übernachteten wir programmwidrig auf einer Farm Aukas bei Usakos, wohin wir zurückgekehrt, vom Verwalter der Farm mit offenen Armen aufgenommen. Endlich, am l. Mai, ging die Sonne auf, die uns mit ihrem Abendschein unser Ziel Swakopmund bestrahlen sollte. […] |


