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Omulaule heißt Schwarz (DVD)

Omulaule heißt Schwarz (DVD)

Omulaule heißt Schwarz
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Omulaule heißt Schwarz (DVD)

Autorinnen: Beatrice Möller; Nicola Hens; Susanne Radelhof
Omufilm, 2006
DVD, Format 4:3, 66 Min., Farbe, Deutsch, Englische Untertitel


Einleitung:

„Wir sind wenigstens in einem Staat groß geworden, den es nicht mehr gibt“, sinnieren die jungen Namibier. Sie kennen noch den Pioniergruß und erinnern sich an „Leckermäulchen“.

Die mittlerweile erwachsenen „DDR-Kinder von Namibia“ blicken auf 11 Jahre Kindheit in der DDR zurück.

1990 mussten sie zurück in eine ihnen fremde Heimat. Sie nennen sich „Omulaule“. Das ist Oshiwambo und bedeutet schwarz.

Doch von den schwarzen Namibiern werden sie zum Teil noch immer als Deutsche bezeichnet. Für die Weißen sind sie schwarz.

Noch heute suchen sie nach ihrer inneren Heimat – nach einem Halt in ihrer zerrissenen Biografie, die sie selbst als angelegtes Experiment betrachten.

Wie sie heute leben und wo sie ihre Heimat sehen, zeigt die an der Bauhaus-Uni Weimar entstandene Dokumentation.


Intention:

Während unserer Recherche stellte sich die Intension unseres Filmes sehr bald klar heraus. Ging es doch um junge Menschen mit einer ganz einmaligen kulturellen Besonderheit.

Sie blicken zurück auf 11 Jahre Kindheit in einem Land, was nun seit fast 14 Jahren nicht mehr existiert. Sie verbrachten ihre Jugend in Namibia, eine für sie fremde Heimat.

Diese deutsch-namibisch aufgewachsenen Menschen vereinen eine beinahe konträre Mentalität, Denk- und Lebensweise in ihrer Person und Vergangenheit.
Diese spannungsgeladene Symbiose der kulturellen Identität muss zwangsläufig einen persönlichen Identitätskonflikt heraufbeschwören, so dachten wir.

Mit unserer Dokumentation gehen wir der Frage nach, inwieweit bei diesen Personen eine Benennung der eigenen kulturellen Identität erfolgt und auf welche Weise scheinbar gegensätzliche Kulturen wie die Deutsche und Namibische in ihnen koexistieren.

Diese Thematik filmisch zu dokumentieren liegt uns persönlich sehr nahe, da sich die deutschen Namibier in ungefähr unseren Alter befinden und wir uns von vorne herein einen anderen Zugang erhofften, der auch geglückt ist.

Nach den Ereignissen der Rückführung 1990 traten zahlreiche Medienberichte auf, welche oftmals eine sehr einseitige, pauschalisierte und lügengetränkte Geschichte der sogenannten „Ex-DDR-Kinder“ entwarfen. An diese Tatsache lehnt sich eine weitere Zielsetzung unseres Filmprojekts.

Sowohl den namibischen mittlerweile erwachsenen DDR´lern, als auch den deutschen Erzieher/innen soll mittels unserer Dokumentation ein Forum geschaffen werden, um die wahre und ganz persönliche Geschichte zu erzählen, um auf diese Weise das durch etliche Medienberichte verzerrte Bild zu berichtigen.


Kurz zum Begriff „Ex-DDR-Kinder von Namibia“ und „Omulaule“:

Im Zuge der Rückführung nach Namibia wurden die jungen Namibier schnell mit dem Begriff der „Ex-DDR-Kinder“ versehen. Auch sprach man von den „ehemaligen Ossis“, da sie sich selbst gelegentlich als „Ossi“ bezeichneten. Der bis vor wenigen Jahren noch existierende „Ossiclub von Windhoek“, in welchem sie sich regelmäßig trafen, unterstützte ihre Namensgebung zusätzlich.

Was wir bei der Arbeit an unserem Film immer wieder spüren konnten und was sie uns auch immer wieder zu verstehen gaben; Es sind keine Kinder mehr! Jeder von ihnen begeht seinen eigenen Weg, befindet sich in der Ausbildung oder hat diese bereits abgeschlossen. Es ist also an der Zeit sich von dem Begriff „Ex-DDR-Kinder“ zu verabschieden.

Auch reicht die Titulierung als „Ossi“ noch lange nicht aus, um die kulturelle Dimension zu umfassen, welche diese jungen Menschen in sich tragen, ohne ihnen gewisse ostdeutsche Eigenarten absprechen zu wollen.


Omulaule:

Bei der Namensgebung unseres Films landeten wir schnell bei dem Wort „Omulaule“. Dieser aus dem Oshiwambo stammende Begriff wird als „schwarzer Mann“ bzw. „Schwarzer“ übersetzt. Als Schwarze lebten die jungen Namibier in dem ausnahmslos weißen Umfeld DDR. Als Schwarze betraten sie erstmals die deutschen Privatschulen in Windhoek und Swakopmund, die zuvor allein deutschstämmigen weißen Namibiern zugänglich waren.

Sie selbst nannten ihre Gruppe folglich „Omulaule“. Ein Name, der zweideutiger und zugleich widersprüchlicher nicht sein kann. In der ihnen fremden Muttersprache bezeichnen sie sich als Schwarze und bestätigen damit eine afrikanische Identität, die ihnen zwar anzusehen jedoch kaum zueigen ist. Warum sich farbige Afrikaner als „Schwarze“ bezeichnen wird in dem Film bald klar; es ist ein anderes Schwarz, was sie in sich tragen – ein besonderes Schwarz, ein besonderes Stück Afrika.


Rückführung:

Wenige Monate nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 erlangte Namibia seine lang erkämpfte Unabhängigkeit. Die sich überstürzenden Ereignisse in der DDR führten kaum neun Monate später dazu, dass die namibischen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Erzieherinnen sehr kurzfristig – wie manche Leute meinen, sogar überstürzt – die DDR verlassen mussten.

Noch immer gehen die Meinungen über die Ursachen der Rückführung auseinander. Während ehemalige Mitarbeiter und Lehrer die fehlende Bewilligung der Weiterführung des doch sehr kostspieligen Projektes als Grund nennen, beharren vorwiegend die „Ex-DDR-Kinder“ auf der Verantwortlichkeit durch die SWAPO.

Eine damals gebildete Eltern-Kommission habe die Rückführung der Kinder eingefordert, sei es als Symbol der neuen und eigenständigen Regierung Namibias oder als Beweis gegen kursierende Gerüchte der angeblich entführten SWAPO-Kinder. Zwischen dem 26. und 31. August 1990 fand die Rückkehr der Kinder statt.

Als Heimkehrer landeten sie in einem ihnen fremden und unbekannten Land. Ein zweiseitiger Kulturschock war die Folge: Während diese Jugendlichen für die Schwarzen, oft für die eigene Familie, Fremde – „Deutsche“ waren, betrachteten die Deutschstämmigen in Namibia sie zwar als „überraschend deutsch“, aber eben doch als schwarz.

Für die „DDR-Kinder aus Namibia“ bedeutete dies nicht allein einen Konflikt zwischen zwei Heimatländern, zwischen zwei Kulturen – ja zwei Welten, sondern insbesondere einen Kampf zwischen zwei Identitäten, welcher in ihrer eigenen Person ausgetragen wurde.


Über die Autorinnen:

Beatrice Möller – geboren in Düsseldorf – studiert von 2000 bis 2006 Visuelle Kommunikation. Abschluß als Diplom Designerin mit dem Dokumentarfilm »Shalom Salam«

Nicola Hens
– geboren in Düsseldorf – studiert von 2001 bis 2006 Mediengestaltung und Visuelle Kommunikation. Abschluß als Diplom Gestalterin für Medien mit dem Dokumentarfilm »Shalom Salam«

Susanne Radelhof
– geboren in Eisenach – studierte von 2000 bis 2005 Medienkultur und seit 2002 Visuelle Kommunikation. Abschluß als Diplom Kulturwissenschaftlerin mit der Arbeit »Konjunktiv Kino. Die Orte in den Werken von Marguerite Duras«