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Widerstand und Gottesfurcht

Widerstand und Gottesfurcht

Widerstand und Gottesfurcht prägten das Weltbild von Hendrik Witbooi. Dies ist seine Biographie aus zeitgenössischen Quellen.
Menzel, Gustav
13813
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Untertitel: Hendrik Witbooi - eine Biographie in zeitgenössischen Quellen
Autor: Menzel, Gustav
Reihe: History, Cultural Traditions and Innovations in Southern Africa, Vol. 10
Rüdiger Köppe Verlag
Köln, 2000
Broschur, 16x24 cm, 259 Seiten, etliche sw-Fotos


Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
Anmerkungen zur Editionspraxis

+ Die ursprüngliche Heimat der Witboois in Pella und ihre Landnahme in Gibeon
+ Hendrik Witbooi und Missionar Johannes Olpp
+ Hendrik Witbooi und Missionar Friedrich Rust
+ Die göttliche Weisung von 1880
+ Der erste Zug von Gibeon nach Norden im Jahre 1884
+ Rückkehr nach Gibeon
+ Hendrik Witbooi plant einen zweiten Zug nach Norden
+ Zweiter Zug nach Norden - Die Schlacht von Osona am 14. Oktober 1885
+ Hendrik Witbooi gibt nicht auf: Sein dritter Zug nach Norden im Jahre 1886
+ Auflösung der Station Gibeon
+ Hendrik Witbooi erringt bis 1892 die Vorherrschaft über die nördlichen Nama
+ Hendrik Witboois Friedensschluß
+ Die Friedensjahre 1894 bis 1904
- Wiedersehen zwischen Johannes Olpp jun. und Hendrik Witbooi
- Neubesetzung Gibeons - Missionar Friedrich Schröder
- Missionar Otto Simon in Gibeon
- Missionar Christian Spellmeyer in Gibeon
+ Der Aufstand im Oktober 1904
+ Hendrik Witboois Tod
+ Epilog von Wilhelm J.G. Möhlig

Anhang l: Krieg und Frieden: Jahresberichte der Rheinischen Mission 1887 bis 1894
Anhang 2: Zwei Briefe Hendrik Witboois
Anhang 3: Äußerungen von Missionaren zum Aufstand
Quellen
Zitierte Literatur


Vorwort:

Diese Monographie handelt von Hendrik Witbooi, dem wohl bekanntesten namibischen Herrscher der frühen Kolonialzeit. Von anderen Monographien und monographischen Skizzen zur Person Hendrik Witboois unterscheidet sie sich wesentlich durch die missionsgeschichtliche Perspektive. Witbooi empfing entscheidende Impulse, die seine ganze Persönlichkeit prägten und damit auch seinen Widerstand gegen die koloniale Vereinnahmung weitgehend erklären, von den Sendboten der Rheinischen Mission. Die Rheinischen Missionare hatten bereits weit vor der deutschen Kolonialzeit das südliche und zentrale Namibia mit einem dichten Netz von Stationen überzogen, aus denen in regelmäßigen Abständen von den Fortschritten und Rückschlägen an die Zentrale in Wuppertal-Bannen berichtet wurde. Außerdem fand eine rege Korrespondenz der in Namibia befindlichen Missionare untereinander sowie zwischen ihnen und der Zentrale statt, in der sie sich über die Tagesereignisse auf ihren Stationen ausließen. Die meisten dieser zeitgenössischen Zeugnisse sind im Missionsarchiv in Wuppertal erhalten. Sie bilden die Quellenbasis für diese Monographie.

Der Autor dieses Werkes, Gustav Menzel (1908-1999), war gegen Ende seiner aktiven Berufszeit Direktor der Rheinischen Mission in Wuppertal. Mit seiner Pensionierung im Jahre 1974 wandte er sich unter Auswertung der reichhaltigen Bestände im Missionsarchiv der Missionsgeschichte zu und leistete im letzten Abschnitt seines Lebens unter Fachleuten hochgeschätzte Beiträge auf diesem Gebiet. So gingen aus seiner Forschungstätigkeit u.a. folgende Werke hervor: 1978, die Rheinische Mission. Aus 150 Jahren Missionsgeschichte", 1986, die Geschichte der Bethel-Mission" und 1992 „C. G. Büttner, Missionar, Sprachforscher und Politiker in der deutschen Kolonialbewegung". Kurz vor Menzels Ableben im September 1999 konnte das Manuskript zu dem vorliegenden Buch noch abgeschlossen werden.

Wie schon in seinen früheren Werken geht Menzel in der vorliegenden Monographie der engen Verflechtung zwischen Mission und Kolonisierung nach, wobei die im Mittelpunkt stehende Person Hendrik Witboois erst mit Hilfe der Missionsquellen richtig faßbar wird. Dieser Umstand ist in der engen Beziehung Witboois zur Mission begründet. Hendrik Witbooi war bis zu seinem Tod ein tief religiöser und gläubiger Mensch. Geprägt auf diesem Lebensweg hatte ihn vor allem der Missionar Johannes Olpp, der von 1868 bis 1879 in Gibeon, dem Wohnsitz der Witboois, wirkte. Von ihm wurde Hendrik 1868 als junger Familienvater getauft und 1876 zum Kirchenältesten berufen. Johannes Olpp hat seiner Freundschaft mit Hendrik Witbooi in einer frühen Monographie ein warmherziges Denkmal gesetzt. Das Buch erschien 1881 in Barmen unter dem Titel „Ein braver Namab. Eine Geschichte aus Afrika für die liebe Jugend". Zu diesem Zeitpunkt hatte sich im Inneren Hendrik Witboois bereits ein Wandel vollzogen, der sich alsbald auch nach außen manifestierte, indem in den folgenden zwanzig Jahren Chaos und Gewalt die gesamte Region des südlichen und zentralen Namibia überziehen sollten.

Auslöser war die „Blutnacht von Okahandja" vom 23. August 1880, in der der Herero-Häuptling Maharero alle in seinem Machtbereich lebenden Nama auszurotten versuchte. Nur wenige entkamen mit Müh und Not dem Massaker, unter ihnen auch Hendrik Witbooi, der sich mehr zufällig bei Maharero aufgehalten hatte. Noch auf der Flucht hatte er die Vision, daß Gott ihn dazu berief, die Übermacht der Herero zu überwinden und sich als Oberhaupt an die Spitze aller Nama und Orlam zu setzen. Davon berichtete er seinen Mitmenschen nur andeutungsweise, bereitete sich aber umso zielstrebiger militärisch darauf vor, die Herero im Norden anzugreifen. Anhand der Missionsquellen arbeitet Menzel heraus, wie die zeitgenössischen Beobachter dieser Verwandlung ihres Kirchenältesten Hendrik Witbooi anfangs mit völligem Unverständnis begegneten.

Sie stuften Witboois Offenbarungen zunächst als religiöses Schwärmertum ein und versuchten, ihn in langen Gesprächen davon abzubringen. Als sich die Walze der Gewalt jedoch unaufhaltsam und unbeirrbar nach Norden in Bewegung setzte, machte sich völlige Ratlosigkeit unter ihnen breit. Da sich die Rheinischen Missionare sowohl diesseits als auch jenseits der feindlichen Linien befanden, wurden die nach-folgenden kriegerischen Ereignisse und ihre Bemühungen, durch Befriedungsaktionen die Situation in den Griff zu bekommen, aus verschiedenen Perspektiven dokumentiert. Zweifel, Skepsis, blanke Existenzangst, aber auch ganz persönliche Überzeugungen kennzeichnen die Zeugnisse der betroffenen Beobachter. Zugleich ergeben ihre Berichte ein Mosaik der persönlichen Entwicklung Hendrik Witbooi, nachdem er sich in den Dienst seiner Visionen gestellt hatte. Gustav Menzel hat das Puzzle zu einem Gesamtbild zusammengefügt und auf induktive Weise die Faktoren und Beweggründe zutage gefördert, die Hendrik Witboois zu seinem Tun veranlaßten. Da Witbooi offenbar ein schreibfreudiger Mensch war, sind uns durch Vermittlung der Rheinischen Missionare auch viele seiner schriftlichen Selbstzeugnisse überliefert worden. [...]