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Zweitausend Tage des Haimbodi ya Haufiku. Autobiographischer Roman aus Namibia

Zweitausend Tage des Haimbodi ya Haufiku. Autobiographischer Roman aus Namibia

Der Roman greift hauptsächlich auf Ereignisse in Namibia in den Jahren 1960-1975 zurück
Kangulohi Angula, Helmut
14008

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Autor: Helmut Kangulohi Angula
Herausgeber:
Reihe: edition südliches afrika 23
Verlag:
Bonn 1988
Broschur, 15x21 cm, 210 Seiten


Vorwort:

Seit 1966, dem Jahr, in dem die Befreiungsbewegung SWAPO den bewaffneten Kampf erklärt hat, befindet sich das namibische Volk in erbitterter Auseinandersetzung mit dem rassistischen südafrikanischen Besatzungsregime.

Das Ausmaß der Kämpfe ist der Weltöffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben. Der Grund liegt in den vielfach verzerrenden Darstellungen der Medien, der Zensur und in anderen repressiven Methoden, die die Kolonialmacht Südafrika benutzt, um objektive Informationen zu unterdrücken.

Das Ziel dieses Buches ist bescheiden: es will die täglichen Erfahrungen eines ganz normalen Namibiers wiedergeben. Es will zeigen, wie das Volk dieses Landes trotz aller Widrigkeiten nicht aufgehört hat, die faschistische Staatsmaschinerie herauszufordern.

Die Geschichte dieses Buches greift hauptsächlich auf Ereignisse aus den Jahren 1960-1975 zurück. Die Hauptperson Haimbodi ya Haufiku hat niemals wirklich existiert, und die Namen, die in diesem Buch auftauchen, stehen in keiner Weise mit wirklichen oder lebenden Personen im Zusammenhang.

Dennoch könnten sich die meisten der niedergeschriebenen Ereignisse so zugetragen haben. Ich habe versucht, das Bild eines Namibiers vom Lande, seiner Lebensweise und den dort herrschenden Traditionen zu zeichnen. Gleichzeitig möchte ich zeigen, wie sehr dieser alltägliche Namibier den Brutalitäten des bestehenden kapitalistischen Systems, wie es sich vor allem in den Städten entwickelt hat, ausgeliefert ist.

Dabei sollte der Leser beachten, daß eine Herausbildung von Klassen in der namibischen Gesellschaft im eigentlichen Sinne bisher noch nicht stattgefunden hat. Wegen des Kontraktarbeitersystems, das besser als Wanderarbeit bekannt ist, gibt es keine bäuerliche Gemeinschaft mehr, die vom industriellen Sektor unabhängig wäre. Und wegen der Wanderarbeit gibt es, gemessen an europäischen Maßstäben, auch keine feste Arbeiterklasse. Die gleichzeitig mit Stadt und Land verbundene Arbeit erleichterte es den nationalen antikolonialen Kräften, eine einzige nationale Befreiungsbewegung zu organisieren.

Ohne eine genaue Beschreibung der Leiden eines namibischen politischen Gefangenen und ohne zu zeigen, wie Folter ihn schließlich radikalisiert, also das Gegenteil dessen bewirkt, was der Feind will, wäre dieses Werk unvollständig. Ein Namibier verläßt das Gefängnis mit größter Entschlossenheit, den Kampf als bewaffneten Kampf zu führen. In den Kampfhandlungen haben sich diejenigen, die im Gefängnis mit Elektroschocks gefoltert, öffentlich ausgepeitscht wurden oder dem Galgen nur durch ein Wunder entgangen waren, als die Tapfersten gezeigt. [...]


Aus dem Text:

[...] Kurz vor Mittag flog ein Aufklärer über das Lager. Jeder wußte nun, daß die Südafrikaner kommen würden. Ein Hinterhalt wurde etwa 500 Meter vom Lager entfernt angelegt. Ungefähr zwei Stunden nach dem Aulklärungsflugzeug kamen zehn Hubschrauber aus der Richtung der Straße und begannen das Lager zu bombardieren. Drei kamen von der anderen Seite und setzte Landetruppen ab. Sie landeten mitten im Hinterhalt. Eine Flugabwehrrakete schoß einen Hubschrauber ab. Ein weiterer wurde am Boden zerstört, während er die Militärs absetzte.

Der dritte, der das Lager bombardierte, entfernte sich, offensichtlich, um zu vermeiden, daß die eigenen Leute getroffen wurden oder um dem Bodenfeuer der leichten Maschinengewehre zu entgehen. Zwei weitere Hubschrauber bombardierten die abgeschossenen, um zu verhindern, daß die Ausrüstung den SWAPO-Kämpfern in die Hände fiel. Die SWAPO-Kämpfer zogen sich zurück, nachden sie den gefallenen Feinden die Gewehre abgenommen hatten.

Am nächsten Morgen stellte ein Aufklärungstrupp der SWAPO fest, daß Südafrikaner alle Spuren verwischt hatten. Der Feind hatte sogar die Scherben der zerborstenen Fenster der Hubschrauber entfernt, damit es keinerlei Beweis für den Abschuß gab.

In Oshimpolo zeigt sich der Kommandeur verärgert darüber, daß Shikololo den Lastwagen kampflos der UNITA überlassen hatte. Auf der anderen Seite war allerdings durch die erbeuteten Granatwerfer der Waffenbestand insgesamt etwas besser geworden. Inzwischen kamen Berichte von daheim, in denen von heftigen Feuergefechten die Rede war, die sich über das gesamte Gebiet östlich von Ovamboland erstreckten.

Eines Abends berichtete Radio Ovambo, daß den SWAPO-Terroristen in Efitu am folgenden Tage das letzte Stündchen schlagen würde. Der Radiosprecher zitierte eine Rede von Pastor Ndjoba, dem Chef der „Ovamboland-Regierung". Niemand nahm die Nachricht ernst, weil einerseits Efitu ziemlich weit vom Kriegsschauplatz entfernt lag, und sich die Kämpfer andererseits erst seit etwa zwei Wochen dort befanden. Der Feind drohte im übrigen oft. Nur Haimbodi interessierte sich für die Ankündigung. Er versuchte, die Angelegenheit in der folgenden Morgenbesprechung einzubringen... [...]