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Morenga

Morenga

Roman vor dem Hintergrund der Herero- und Hottentotten-Aufstände
Timm, Uwe
16016
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Autor: Uwe Timm
Deutscher Taschenbuch Verlag
10. Auflage, München 2010
Broschur, 12x19 cm, 444 Seiten


Beschreibung:

Deutsch-Südwestafrika, 1904. Beginn eines erbarmungslosen Kolonialkrieges, den das Deutsche Kaiserreich gegen die aufständischen Herero und Hottentotten führt. An der Spitze der für ihre Freiheit kämpfenden Schwarzen steht Jakob Morenga, ein früherer Minenarbeiter.

Was damals mehr als drei Jahre lang in dem heute unabhängigen Namibia geschah, hat Uwe Timm in einer geschickten Montage von historischen Dokumenten und fiktiven Aufzeichnungen des Oberveterinärs Gottschalk aus Hamburg zu einem grandiosen historischen Roman verdichtet.

»Ich habe das Buch mit zunehmender Bewunderung gelesen. Daß man sich so viel Stoff aneignen und dann so produktiv damit umgehen kann, hatte ich nicht für möglich gehalten.« (Martin Walser)


Das Kapitel „Vorzeichen“:

An einem Nachmittag im April 1904 schickt der Farmer Kaempffer den Hottentottenboy Jakobus, der schon seit zwei Jahren im Haus dient, nach dem jüngsten Sohn Klaus, der seine Schulaufgaben machen soll. Jakobus, der Treue, läuft sofort los. Aber weder er noch Kaempffers Sohn kommen. Das Warten wird Kaempffer schließlich zu dumm. Er geht aus dem Haus, um die beiden zu suchen. Seinen Sohn findet er schnell. Er spielt in der Nähe des Kraals.

Jakobus aber ist verschwunden. Kaempffer sucht, er ruft, er fragt die anderen eingeborenen Farmarbeiter. Niemand will ihn gesehen haben. Kaempffer geht ins Haus und an den Schreibtisch zurück. Beim Hinsetzen hat er das merkwürdige Gefühl, als habe sich etwas verändert. Schon will er sich wieder seinen Abrechnungen zuwenden, als er vor sich auf der Fotografie, die ihn als Reserveleutnant zeigt, das kleine Tintenkreuz entdeckt, direkt über seinem Kopf.

Der Farmer Kruse tritt morgens aus seinem in der Nähe von Warmbad gelegenen Farmhaus, um die Eingeborenen wie gewöhnlich zur Arbeit einzuteilen. Kein Mensch ist zu sehen. Er geht zur Eingeborenenwerft hinüber. Alle Pontoks sind über Nacht abgebrochen worden. Ein Feuer glimmt noch. Plötzlich flattert hinter einer Gruppe von Weißdornbüschen ein Schwärm von Kronenkiebitzen auf. Kruse geht schnell ins Haus, verrammelt Tür und Fenster, nimmt das Gewehr von der Wand, lädt es und legt alle anderen Patronen griffbereit auf den Tisch.

Auf der Farm »Deutsche Erde« wird dem Farmer Strohmeier von einem schwarzen Arbeiter die Peitsche entrissen, mit der Strohmeier die Eingeborenen bei ihrer Arbeit anzutreiben pflegt. Der Eingeborene droht Strohmeier mit der Peitsche. Der Farmer sattelt sofort sein Pferd und reitet zur nächstgelegenen Polizeistation.

Ein Namamädchen sagt zu Frau Krabbenhöft: Wenn jemand nachts an dein Fenster klopft, dann kann nur ich es sein, aber dann mußt du schnell laufen.

In den ersten Junitagen des Jahres 1904 geht ein Telegramm in Windhuk beim kaiserlichen Gouvernement ein: Eine Bande bewaffneter Hottentotten hat im Südosten des Landes vereinzelt liegende Farmen überfallen und weißen Farmern Vieh und Waffen abgenommen. Keiner der Farmer wurde getötet. Der Anführer dieser Bande ist ein gewisser Morenga.


Wer war Morenga?

Auskunft des Bezirksamtmanns von Gibeon: Ein Hottentottenbastard (Vater: Herero, Mutter: Hottentottin). Nennt sich auch Marengo. Beteiligte sich am Bondelzwart-Aufstand 1903. Soll an einer Missionsschule erzogen worden sein. An welcher, konnte nicht ermittelt werden. Zuletzt hat er in den Kupferminen von Ookiep im nördlichen Teil der Kapkolonie gearbeitet.

Morenga reitet einen Schimmel, den er nur alle vier Tage tränken muß. Nur eine Glaskugel, die ein Afrikaner geschliffen hat, kann ihn töten. Er kann in der Nacht sehen wie am Tag. Er schießt auf hundert Meter jemandem ein Hühnerei aus der Hand. Er will die Deutschen vertreiben. Er kann Regen machen. Er verwandelt sich in einen Zebrafinken und belauscht die deutschen Soldaten.

Telegramm: Am 30. August ist es am Schambockberg zu einem Gefecht zwischen der Patrouille Stempel und der Morengabande gekommen. Leutnant Baron v. Stempel und vier Mann gefallen, vier Mann verwundet, einer vermißt. Der Bezirksamtmann von Gibeon, v. Burgsdorff, hat zu Kaufmann Kries gesagt: Wir müssen um jeden Preis einen Aufstand der Hottentotten verhindern, solange die Herero nicht endgültig niedergeworfen sind.Das war am 1. Oktober 1904.

Am Nachmittag des 3. Oktober erscheinen die Witbool-Hottentotten Samuel Isaak und Petrus Jod bei dem Bezirksamtmann v. Burgsdorff und übergeben ihm einen Brief ihres Kapitäns Hendrik Witbooi. Der Brief enthält die Kriegserklärung an die Deutschen.

Burgsdorff beschließt, sofort zu Hendrik Witbooi zu reiten. Er hofft, den Kapitän, den er seit zehn Jahren persönlich kennt, umzustimmen. Er sagt zu seiner Frau, er käme am nächsten Tag zurück. Unbewaffnet reitet er, von den beiden Witbooi-Großleuten begleitet, nach Rietmont ab. Als er indessen am folgenden Tag Mariental erreicht, wird er von den dort versammelten Eingeborenen gefragt, ob er den Brief des Kapitäns erhalten habe, und, als er dies bejaht, von einem Bastardhottentotten namens Salomon Stahl hinterrücks niedergeschossen.
(Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika, hrsg. vom Großen Generalstabe, Bd. 2, Berlin 1907, S. 13)

Am 4. Oktober 1904 bricht im deutschen Schutzgebiet Südwestafrika der Aufstand der Hottentotten (richtig Nama) aus, fast genau acht Monate, nachdem sich die Herero erhoben hatten. Damit herrscht im ganzen Land der Kriegszustand. Der deutsche Generalstab muß abermals Truppenverstärkungen in Marsch setzen. [...]