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Treibholz. Geschichte einer Freundschaft und einer Liebe
| Autor: Piet van Rooyen
Unterwegs auf einer dem Leser anmutenden Personenverfolgung, erzählt der spurenlesende Buschmann den begleitenden Sergeanten und Journalisten Episoden aus seinem Leben, zeigt seine überlegenen Überlebensstrategien und -künste während der Tage und Nächte des Unterwegsseins in lebensfeindlicher Umgebung irgendwo in Namibia. Der Leser erfährt viel über das Leben und -denken der zwischen Buren und auf deren Farmen aufgewachsenen Hauptperson, einem Buschmann.
[...] Der ältere Mann, der Schamane, war bereits in die erste Phase der Halluzination eingetreten. Da waren die gleichen Schlangenlinien, Linien, die daliegen wie die von Elefanten gezogenen Spuren, wenn sie nachts über die Wege laufen und mit Stöcken in ihren Rüsselenden die Erde ritzen. Die Nase des Schamanen hatte noch nicht zu bluten begonnen, das sollte erst später kommen. Aber seine Oberschenkel waren schon mit Gänsehaut bedeckt, seine Achselhöhlen und die Vertiefungen zwischen den Schulterblättern schweißgetränkt. Paul, etwa hundert Meter weiter im Dunkeln, dachte, daß man noch eine Weile liegenbleiben müßte, bevor man näher heranlaufen könnte. Sie waren doch von so weither gekommen und hatten große Schwierigkeiten überwunden, weshalb sollten sie nun alles zunichte machen? Der Sergeant hatte es dagegen eilig, denn seine Zunge war von der Reibung an der aufgesprungenen Unterlippe schon ganz rauh geworden; an der Oberlippe hing ein ornamentaler Schnurrbart. Er fühlte sich so weit von der Sicherheit seines Kleinlasters entfernt, so nahe am Unheil. Tagelang schon sind sie der Spur nachgetrottet, die Augen gebannt auf die von Hacken, Ballen und zu fünfen geordneten Zehen hinterlassenen Kuhlen gerichtet. So ist es nun einmal mit dem irdischen Leib: wo er sich mit seinem dünnsten Ende in den Boden bohrt, hinterläßt er unbestreitbar Zeichen seines Unvermögens, sich in die Luft zu erheben. Nun gibt der Schamane Schnarch- und Belltöne von sich: "Kaat! Kai! Kech-ch-ch!". So äfft der alte Schurke die Geister nach. Die anderen, die beiden jungen Frauen, die beinahe noch Kinder sind, und der Mann mit der Schnittwunde an der Stirn, beugen sich ernsthaft nach vom und machen nium. Sie können sie nicht erfassen, das kann nur der alte Mann, aber sie können doch helfen, sie aus der Nacht heraus näher heranzulocken. Sie locken sie an, indem sie die Glut des Feuers richtig im Gange halten, und sich niemals umsehen, auch wenn irgend etwas, sei es lebend oder tot, ihnen über die Schultern blicken sollte. Dazu gehört auch, sie die ganze Nacht hindurch mit Gesang zu unterhalten, das Beben ihrer Körper und die leisen Explosionen ihres Händeklatschens. Jetzt, am Ende ihrer Reise, brauchen sie diese Kraft, die nIum, die kochende Energie, die alles wieder neu macht. [...] |

