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Namibia Episoden - politisch - anekdotisch

Namibia Episoden - politisch - anekdotisch

Erlebnisse und Erfahrungen - spannend, kurzweilig und oft sehr amüsant
Hornhues, Karl-Heinz
13549
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Namibia Episoden - politisch - anekdotisch

Autor: Karl Heiz Hornhues
Klaus Hess Verlag
Göttingen, 2008
ISBN : 978-3-933117-38-0
Broschur, 15x21 cm, 240 Seiten, zahlreiche Fotos, 1 Karte


Beschreibung:

Kaum ein deutscher Politiker war über 30 Jahre lang seit 1974 so mit Namibia und seinem Weg in die Unabhängigkeit verbunden wie Karl-Heinz Hornhues.

Er hatte bereits vor der Unabhängigkeit direkte Kontakte nach allen politischen Seiten (UNO, SWAPO, Südafrika und in Namibia) und unternahm viele Reisen - allein, mit Bundestagskollegen und auch mit der Familie.

In diesem Buch hat er Erlebnisse und Erfahrungen festgehalten - spannend, kurzweilig und oft sehr amüsant erzählt.

Neben den interessanten politischen Gesprächen und Kontakten sind es Geschichten und Anekdoten von unterwegs, Begegnungen mit Menschen, von denen manche Freunde wurden, und auch manch lustige Story, wenn er mit Kollegen oder dem Bundeskanzler Helmut Kohl in Namibia war.

Daneben spiegeln sich die unseligen Zeiten der Apartheid wider und das schwierige Bemühen, letztlich erfolgreich die Unabhängigkeit Namibias zu erlangen. Da bietet das Buch auch einige Blicke hinter die damaligen Kulissen.

Schließlich sind es viele persönliche Momente und auch manche Selbstironie, die auf einer menschlichen Ebene „Namibia Episoden" sehr unterhaltsam machen.


Opas Grab und der Wüstensand:

Angefangen hat alles mit meinem Großvater mütterlicherseits. „Alles", das heißt:

Mein besonderes Interesse an jenem Teil der Erde, der zu Opas Jugendzeiten „Deutsch-Südwest-Afrika" war, als ich hinkam „Süd-West" hieß und den man heute „Namibia" nennt, nach jener Wüste Namib, von der eine Tabakdose voll Sand auf Opas Grab geriet.

Mein Großvater, Karl Ulmicher, war Lehrer an einer jener später so berühmten Zwergschulen einer Bauernschaft im westlichen Münsterland, als mein Vater sich entschloss, um die Hand der ältesten Tochter anzuhalten, die er erhielt.

So kamen er, mein Vater, zu seiner Frau und ich schließlich zu meinem Opa. Aber es hätte auch alles ganz anders kommen können, denn...

Anfang des Jahrhunderts war es für den Sohn eines kleinen Angestellten aus dem Ruhrgebiet nicht leicht, Lehrer zu werden und zu sein.

Für ihn war nur ein Platz an der Lehrer-Präparandie im fernen Posen in Westpreußen zu finden, wo er dann seine Ausbildung machte und Lehrer wurde. Eine Stelle gab es auch nur in einem Dorf bei Posen, wo alle Polnisch sprachen - nur mein Großvater nicht. Das muss nicht ganz leicht gewesen sein. Für ihn, ebenso wie für die (polnischen) Kinder. Also: Alternativen suchen!

Wie allgemein bekannt, war das Deutsche Kaiserreich damals im Besitz einiger „Plätze an der Sonne", wozu auch jenes „Deutsch-Südwest" in Afrika gehörte. Dort suchte man Lehrer für die deutschen Schulen. Also bereitete sich mein Großvater auf diese Alternative vor. Er informierte sich, kaufte Bücher über Land und Leute in Deutsch-Südwest und Afrika allgemein.

Notizen in seinen Afrikabüchern („das gibt es im Lande", „sollte man besser mitbringen") machten deutlich, dass es ziemlich ernst war. Aber es wurde nichts daraus. Der Erste Weltkrieg begann. „Aus der Traum!" (Lieblingssatz meiner Großmutter), Opa kam nie nach Afrika. Wie gesagt: Für mich hätte alles auch ganz anders kommen können.

Es kam dann so: Mein Großvater besaß viele Bücher über Afrika, hatte zu den ersten aus der Kaiserzeit später noch manche hinzugekauft. Als ich des Lesens allmählich kundig wurde, hat mich Opas Bücherschrank mächtig interessiert. Es kam hinzu, dass mein Vater heftig gegen Schundliteratur aller Art kämpfte. Also waren mir zum Beispiel jene unendlichen Bände Karl Mays verboten. Nur aus Opas Bücherschrank, da war alles erlaubt. Opa war ja Lehrer, der musste ja wissen, was dem kindlichen Gemüt zuträglich war.

So hieß mein Winnetou Hendrik Witbooi, statt Sioux und Apatschen waren mir Hereros und Namas so bekannt wie anderen Kindern meines Alters die Interna diverser Indianerstämme. Und als ich dann - Opa war lange tot - 1974 erstmals im Land seiner Träume und Hoffnungen war, habe ich dann den Tabak aus meiner Tabakdose dem Wind anvertraut und das Blechgefäß mit Namib-Sand gefüllt. Zu Hause in Deutschland habe ich den Sand dann klammheimlich auf Opas Grab gestreut.


Anfängererfahrungen:

Der schwarze Tankwart am Ortseingang von Swakopmund war voller Bewunderung: „Mensch Mister, über die Khomaspad von Windhoek ohne Reserverkanister mit einem Tank!" So ein VW-Beetle, das sei doch ein tolles Auto. Woher er überhaupt wisse, dass ich über die Khomaspad gekommen sei, war meine verdutzte Gegenfrage.

Das sähe man doch am Staub auf dem Auto. Wenn ich über die Teerpad von Karibib/Usakos gekommen wäre, wäre da kein Staub auf dem Auto, wenn ich die Gamsbergpad gefahren wäre, hätte ich ein etwas verstaubtes Auto, da ich seit Walvisbay Teerpad gefahren wäre. Aber wenn ein Auto so aussähe wie mein Beetle, dann sei völlig klar, dass ich die Khomaspad gefahren sei. Ich: „Aha!" Ich war tatsächlich über die Khomaspad gekommen.

Ich wollte früh los und war ohne Frühstück mit Sonnenaufgang aus Windhoek losgefahren. Frühstück gab es erst später ab acht. Da ich unterwegs eh noch tanken wollte, machte ich mir darüber auch keine großen Gedanken, denn da gab es doch sicherlich an der Tankstelle einen Snack. Vielleicht schon in Neu-Heusis oder später in Groß Tinkas.

Die Orte waren in der Shell-Tourenkarte besonders groß eingezeichnet. Es war ein wunderbarer früher Morgen. Nur leider entpuppten sich die „Orte" der Karte lediglich als Ölfässer („Groß Tinkas") oder ähnliches, auf denen die Entfernungen (zum Teil noch in Meilen) bis Swakopmund verzeichnet waren.

Am Anfang der Pad gleich hinter Windhoek waren hier und da fernab noch Farmhäuser zu erkennen oder näherbei auch Ruinen wie das Liebig-Haus bei Neu Heusis oder die „Francois Feste", jenes aus rohen Klippen aufgerichtete Konstrukt aus der Anfangszeit des Schutzgebietes Deutsch-Südwest zur Kontrolle des Weges von Walvisbay nach Windhuk.

Spätestens aber, als sich der Ort Groß Tinkas als ein leeres Ölfass mit einer Entfernungsangabe nach Swakopmund entpuppte, wurde mir recht seltsam zumute. Ab jetzt, so war mir klar, gab es bis Swakopmund garantiert nichts mehr als Wüste. Aber ich musste doch tanken! Die Tankanzeige des VW-Beatle zitterte schon gegen Null und etwa hundert Kilometer noch.

Mein Gott! Wieviel Benzin fasste eigentlich der Tank? Zurück, zur letzten nah zur Pad gelegenen Farm? Schon viele Kilometer war da nichts mehr gewesen. Nein, ich entschloss mich weiter zu fahren. Rein in die Wüste Namib gen Swakopmund.

Alle mir bekannten Tricks (leider kannte ich nicht viele), möglichst Benzin sparend zu fahren, setzte ich ein. Ging es mal ein wenig abwärts, schaltete ich den Motor aus, rollte in die Senke. Nur einen Stopp gönnte ich mir noch. Die berühmte „Weltwitschia" musste ich mir noch in Ruhe ansehen und auch noch ein Foto machen. Ansonsten rollte ich ganz sanft und freute mich über jeden erledigten Kilometer.

Immer wieder rechnete ich: Zahl der Kilometer bis Swakopmund geteilt durch 4 ergab die Zahl der Stunden bis Swakopmund. Wenn das Benzin jetzt alle war, wollte ich es zu Fuß weiter versuchen.

Außer einem Kleinlaster (Pick-Up) in aller Frühe bei Windhoek war mir die ganzen Stunden der Fahrt kein anderes Fahrzeug begegnet. Auf Hilfe konnte ich nicht hoffen. Als mein Kopfrechnen mir eine lösbare Marschleistung ergab, begann meine Stimmung sichtlich zu steigen.

Als ich es dann, wohl mit dem letzten Tropfen Benzin, geschafft hatte, den Swakopmunder Ortsrand - und eine Tankstelle - zu erreichen, freute ich mich natürlich über die Reaktion des Tankwarts. Toll, wie er sofort erkannte, wie ich gefahren war. Wie er voller Hochachtung war, über diese Leistung mit einer Tankfüllung von Windhoek bis an die Atlantikküste zu fahren. Denn einen Reservekanister hatte ich nicht in dem Mietwagen gefunden und einen solchen konnte der ungläubige Tankwart aus Ovamboland auch nicht entdecken.

Da musste ich ja eine tolle Leistung vollbracht haben! Das Trinkgeld wurde darauf noch ein bisschen erhöht, was die „Bewunderung" des Tankwarts noch weiter steigen ließ. So fuhr ich mit Stolz geschwellter Brust in Swakopmund ein „Seht her, ich habe die Khomaspad mit einer Tankfüllung geschafft!"

Trotzdem: einen 5-Liter Kanister voll Benzin habe ich mir am nächsten Morgen doch gekauft.


Schlangen-Angst:

Die Schlangen-Angst, genauer gesagt die Angst vor Giftschlangen, hat mir bei meiner ersten Reise nach Südwestafrika (damals von „Namibia" zu reden, hätte fast die „Ausweisung" bedeutet) der damalige Kanzler des 1974 noch existierenden deutschen Konsulats in Windhoek, Rehlen, „beigebracht".

Ich war beim Vizekonsul des deutschen Konsulats Körting in dessen Residenz in Klein-Winhoek zu Gast gewesen und hatte dort einen Nachmittag lang mit jungen Farbigen und Schwarzen über die Situation im Lande diskutiert. Am späten Nachmittag wollte mich der Vizekonsul in mein Hotel, den „Thüringer Hof zurückfahren. Aber ich wollte nicht fahren, sondern bat, mich allein gehen zu lassen.

Ich wollte - erst gerade einige Stunden im Land - zu Fuß gehen und ein wenig Muße haben, dieses Windhoek auf mich wirken lassen. So ließ der Vizekonsul mich dann gehen, leicht stirnrunzelnd, denn welcher Weiße ging denn hier schon einen längeren Weg zu Fuß!

So ging ich dann, Gärten und Häuser betrachtend, kam jedoch nicht allzu weit: Mein Interesse galt einem burgähnlichen Gebäude, wo ein bärtiger Weißer seinen Rasen mit dem Gartenschlauch wässerte. Er bemerkte mein Interesse und ich das seine an dem Phänomen des weißen Spaziergängers. Er grüßte. Ich grüßte. Er erkannte den „Fremdling" in mir. Ob ich vielleicht... Gut geraten! Ich war es: der Abgeordnete des Deutschen Bundestages (die waren damals noch relativ selten in Südwestafrika).

Er stellte sich vor: „Rehlen", er sei der Kanzler des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland. Ich war schon bekannt, schließlich hatte man tagelang schon mein Programm ausgearbeitet. Er lud mich zum „Sundowner" ein. Ich nahm an, obwohl ich damals mehr ahnte als wusste, was das war. Doch was immer es war, die, wie ich hörte „bundeseigene Burg" oberhalb Groß-Windhoeks zu inspizieren, reizte zu sehr. Als sich dann der „Sundowner" als ein bekömmlicher Bourbon mit Eis und Soda herausstellte, war ich froh, nicht im Konsulatswagen ins Hotel fahren gefahren zu sein.

Der Kanzler Rehlen erzählte, dass er vor etwa einem halben Jahr aus Moskau hierher versetzt worden sei. Seine Frau und er hatten sich um Windhoek bemüht, da es hier eine Deutsche Schule, die altehrwürdige DHPS, am Ort gab. Also der Kinder wegen. Ihnen gefiel dieses Land: Groß und unendlich weit. Ich fragte, ob es keine Probleme gegeben habe oder noch gäbe. „So von Moskau nach Windhoek...".

Rehlen antwortete: „An sich nicht. Nur die Schlangen, genauer die Giftschlangen: Mambas, Kobras, Puffottern, Baumschlangen, Vipern und so weiter." Zweiundfünfzig Giftschlangen gebe es im Lande. Furchtbare darunter, die Schwarze Mamba vor allem. Nur fünf bis sieben Minuten lägen zwischen Biss und Tod und es sei praktisch kein Gegenserum bekannt! Aber auch die vielen anderen Schlangen. Das überschatte doch manchen Wochenendausflug und nicht nur dies. Sein kleiner Sohn sei erst kürzlich hier in der Stadt, in seinem Garten, auf eine Puffotter gestoßen...

Eine Geschichte folgte der anderen. Ich begann mich unter dem Tisch umzusehen - und anderswo. Er habe, und er öffnete zum Beweis die Kühlschranktür, alle verfügbaren Schlangenseren da und nehme sie mit, wenn es ins Land ginge. Doch bei der Schwarzen Mamba sei das hoffnungslos.

Angestrengt bemühte ich mich um einen Themenwechsel. Doch es half nichts. Wir landeten immer wieder bei den Schlangen. Ob es zuträfe, dass ich allein über die Khomaspad an die Küste nach Swakopmund fahren wolle? „Ja!" - „Allein?" Ja, ich wolle bei dieser Fahrt allein sein. Nur das Land sehen, riechen, in mich aufnehmen. Er meinte, das sei eine glänzende Idee, eine herrliche, wilde Strecke, sehr zu empfehlen.

Ob ich denn schon Vorsorge getroffen hätte wegen der Schlangen wollte er wissen. Einiges an Seren sollte ich doch mitnehmen. An sich sei es alles nicht so problematisch, aber man wisse doch nie! Er empfahl mir dringend, mich vor der Abfahrt in einer Apotheke zu versorgen. Leider könne er mir nicht von seinen Seren abgeben, da ja selbst hier mitten in Windhoek...

Wir besichtigten die Burg, tranken noch einen Sundowner und da die Sonne sich entschloss unterzugehen, entschloss ich mich aufzubrechen. Herzliche Verabschiedung und noch ein guter Rat: Es werde dunkel sein, ehe ich den „Thüringer Hof erreiche (das Angebot, mich zum Hotel zu fahren, hatte ich „natürlich" abgelehnt). Ich solle acht geben. An den von vertrocknetem Gras bewachsenen Straßenrändern lägen oft Puffottern.

Diese gemeinen Tiere flöhen nicht, wie die meisten anderen Schlangen, vor den Menschen bei Annäherung, sondern rollten sich zusammen und gingen in eine defensive Angriffsposition. Komme man ihnen zu nahe, schlügen sie zu. Die Puffotter sei zwar nicht die giftigste Schlange, bisse aber kräftig zu, habe relativ lange Giftzähne, pumpe viel Gift...

Ich beschloss, die Straßenränder zu meiden. Ich war schon einige Meter weg, als Rehlen mir noch nachrief, dass es mit Sonnenuntergang kühler werde. Schlangen liebten die Wärme, legten sich gerne auf den wärmespeichernden Asphalt - also „Achtung!" Ich begann nichtasphaltierte Straßen zu schätzen!

Von der herrlichen Aussicht über Windhoek bei Sonnenuntergang auf meinem Heimweg von Klein-Windhoek habe ich dann nur noch wenig erhaschen können, denn die permanente Beobachtung von Straßenoberfläche und, wenn ich Autos weichen musste, erst recht des Straßenrandes nahm mich doch sehr in Anspruch. Dennoch erreichte ich wohlbehalten mein Hotel. Die Schlangen-Stories des Herrn Rehlen allerdings hatten ihre Wirkung getan. Ich untersuchte selbst mein Hotelzimmer im ersten Obergeschoss.

Eine Woche lang Gespräche, dann war wieder Sonntag. Der Mietwagen wurde abgeholt. Vorsichtige Probefahrten (Linksverkehr!). Morgen früh sollte meine Überlandtour starten. Nur eine offene Apotheke fand ich nicht.

Am nächsten Morgen weckte mich der Hotelboy mit dem „early morning coffee" um sechs Uhr. Sofort war es wieder da: wo konnte ich um diese Zeit in welcher Apotheke Schlangenseren bekommen? Natürlich nirgends. Ob nicht das Hotel...? „Der Chef kommt erst um acht!". Der habe die Schlüssel! Im übrigen, so der Mann aus Ovambo, gebe es zwar viele Giftschlangen, aber er habe noch nie eine gesehen.

Warten bis acht Uhr? Kostbare Morgenstunden verlieren? Ich fuhr los, ohne Schlangen-Seren! Herr Rehlen hätte wohl die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Ich fuhr in einen wunderbaren Morgen. Kilometer um Kilometer, begann die Weite und Leere des Landes zu ahnen, denn an jenem Montag morgen im Dezember 1974 begegneten mir auf der Khomas-Pad nach Swakopmund Landschaften und nochmals Landschaften, aber sonst eben so gut wie nichts.

Diese Alleinfahrt war faszinierend. So allein zu sein war überraschend, beglückend und beängstigend zugleich. Ich hielt an, genoss die Aussicht, fotografierte und ließ immer, wenn ich anhielt und ausstieg, die Tür des Autos offen, um einer auftauchenden Schlange mit schnellem Sprung ins sichere Gefährt rechtzeitig zu entkommen.

Nach dem vierten, fünften Halt überkam es mich plötzlich mit Schrecken: wenn nun, während ich mich vom Auto entfernte um die Landschaft zu genießen und zu fotografieren, eine Schlange in die offene Tür ins Innere des Wagens gelangt war! Ein Knüppel wurde aufgelesen, vor dem Einsteigen das Auto inspiziert, die Halte seltener. Die „Rehlensche Krankheit" (sprich: Schlangenangst) hatte mich vollständig im Griff.

Trotzdem habe ich Swakopmund sicher erreicht. Und das sogar ohne einen Reservekanister mit Benzin und nur einer Tankfüllung des Beetles. Aber das habe ich ja zuvor schon erzählt. Am Nachmittag dieses Tages meiner ersten Durchquerung des Khomas-Hochlandes und der Namib-Wüste wollte ich die Sanddünen Richtung Walvisbay mit bloßen Füßen erklimmen. Doch halt! Mir fiel Rehlen ein: es könnte Sandvipern geben. Also doch lieber die Schuhe anbehalten und voll Sand laufen lassen.

Tags darauf war ich in Karibib und nach einem Braai noch spätabends bei der Familie Hälbich zu Gast. Viele Geschichten wurden erzählt aus der alten Zeit, als viele Teile des Landes nur mit dem Ochsenwagen erreichbar waren. Von den Vorfahren wurde erzählt, die noch vor der deutschen Zeit mit der Rheinischen Mission ins Land gekommen waren.

Irgendwann war es dann da, das Schlangenthema. Nein, an sich sei das kein Problem mit den Schlangen. Nur unangenehm sei es schon, wenn zum Beispiel eine Schlange im Zimmer sei und man es nicht wisse. Wirklich, das könne schon unangenehm sein. Frage für mich: Woher wissen die denn, dass eben jetzt keine im Zimmer ist? Meine Blicke begannen unwillkürlich den Raum auszuloten.

Um knapp vor Mitternacht brach ich in mein Quartier ins „Hotel Laszig" auf. Nicht einmal ein halber Kilometer war das von den Hälbichs entfernt. Aber nur das Licht des Südwester Sternenhimmels (kein Mond weit und breit) leuchtete mir den Heimweg aus.

Die Alternative zwischen (noch warmer) Teerpad und völlig unübersichtlichem Straßenrand nahm mich völlig ob ihrer „Schlangen-Gefahren" gefangen. Eine Taschenlampe hatte ich auch nicht dabei. Ich darf versichern, die Meter dehnten sich unglaublich. Der wundervolle Sternenhimmel dieser afrikanischen Nacht blieb von mir unentdeckt!