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Namibia 1990-2000

Namibia 1990-2000

Licht und Schatten einer jungen Demokratie. Eine analytische Chronologie
Melber, Hennig
14025
neu

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Namibia 1990-2000

Untertitel: Licht und Schatten einer jungen Demokratie. Eine analytische Chronologie
Autor: Hennig Melber
Verlag: Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, 2002
Broschur, 15x21 cm, 158 Seiten, einige sw-Fotos


Das Vorwort:

Seit 1990 sind Jahresrückblicke zu Namibia in dem vom Institut für Afrika-Kunde in Hamburg seit 1987 herausgegebenen „Afrika Jahrbuch" enthalten, das im Verlag Leske + Budrich erscheint und alle völkerrechtlich souveränen Staaten des Kontinents berücksichtigt. Übersichten dieser Art stellen in ihrer Regelmäßigkeit eine Verbindlichkeit her, die es jenseits ihrer Aktualität ermöglicht, in der Rückschau Ereignisse auch unter Berücksichtigung von Kontinuitäten oder Veränderungen analytisch zu bewerten und (selbst-)kritisch zu reflektieren. Über einen Zeitraum von elf Jahren hinweg ergeben sich damit nicht nur hilfreiche Indizien bezüglich langfristiger Trends, sondern auch erkennbare Verschiebungen in der Akzentsetzung, die Rückschlüsse sowohl auf gesellschaftliche Entwicklungen als auch auf den Standort des Betrachtenden zulassen.

Angesichts räumlich begrenzter Vorgaben und einer einheitlichen Untergliederung in Aspekte der Innenpolitik, der Außenpolitik und der sozioökonomischen Entwicklung (die ihrerseits nicht immer trennscharf zu unterscheiden sind und zu mitunter willkürlichen Zuordnungen führen), müssen solche Jahresrückblicke zwangsläufig subjektive Schwerpunkte setzen. Sie ergeben ein Mosaik, das sich zwar von objektiven Geschehnissen ableitet und auf einer faktischen, nachprüfbaren Grundlage basiert, aber dennoch nicht frei von persönlichen Interessen und Präferenzen in der thematischen Auswahl sowie deren Darstellung ist. So besehen spiegelt eine Chronologie dieses Zuschnitts zwangsläufig eine von Parteinahme charakterisierte Schilderung von Ausschnitten gesellschaftlicher Wirklichkeit dar.

Sie beansprucht deshalb auch ausdrücklich weder vordergründige Neutralität noch Ausgewogenheit, und reklamiert schon gar nicht eine empirische Vollständigkeit. Insbesondere die Darstellung von Aspekten der sozioökonomischen Entwicklung ist sich ihrer Beschränktheit angesichts der komplexen Vielfältigkeit gesellschaftlicher Wirklichkeiten durchaus bewusst. Die vorliegende Chronologie kann so auch nicht die Lektüre von einschlägigen, detaillierter angelegten Fachbüchern und schon gar nicht die Gewinnung eigener Eindrücke vor Ort ersetzen. Sie vermag hingegen zumindest selektive, aber dennoch signifikante Einblicke in die Prozesse gesellschaftlicher Entwicklung Namibias seit dem Übergang zur Unabhängigkeit zu erschließen, die sich in dieser komprimierten Form bisher in der vorhandenen Literatur für den fraglichen Zeitraum nicht finden.

Der Verlag Leske+Budrich hat dankenswerterweise die Weiterverwendung der Beiträge für diese Monographie erlaubt. Der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft möchte ich dafür danken, dass sie sich zur Veröffentlichung dieser Textsammlung entschieden hat und damit die Jahresberichte einem speziell an Namibia interessierten Kreis gesammelt zur Verfügung stellt. Ingrid Demasius hat sich um die Betreuung der Publikation in jeder Hinsicht professionell und zuverlässig gekümmert. Werner Hillebrecht, Weggefährte seit fast zwanzigjähriger inhaltlicher Zusammenarbeit und mittlerweile an der namibischen Nationalbibliothek beschäftigt, hat den Gebrauchswert der Chronologie durch die Erstellung eines Registers erhöht und an der technischen Endphase zur Drucklegung des Manuskriptes unter Berücksichtigung ausgewählter Bilddokumente vor Ort mitgewirkt.

Guy Lamb stellte mir am Centre for Conflict Resolution der University of Cape Town eine Arbeitsgelegenheit zur Verfügung, die mir die Korrekturen am Manuskript während eines einwöchigen Aufenthaltes am Fusse des Tafelbergs ermöglichten. Ich danke auch dem Institut für Afrika-Kunde, das mich während all der Jahre für kompetent genug erachtete, um mir die Abfassung dieser Texte zu übertragen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit meinem dortigen Ansprechpartner Goswin Baumhögger hat ein Verhältnis vertrauensvoller, nachgerade freundschaftlicher Zusammenarbeit geschaffen. Seiner stets gründlichen redaktionellen Überarbeitung ist es zu danken, dass die hier vorliegenden Jahresberichte mit den im „Afrika Jahrbuch" veröffentlichten Kapiteln seit dem Zeitpunkt meines Wechsels von der Schreibmaschine zur elektronischen Textverarbeitung nicht mehr ganz identisch sind.

Da die Erstfassungen oft gekürzt werden mussten, sind dem vorliegenden Band die elektronisch abgespeicherten Originaltexte zugrunde gelegt worden, die sich zwar nicht in wesentlichen Aussagen, wohl aber mitunter in Details von den veröffentlichten Jahrbuch-Fassungen unterscheiden. Demgegenüber wurden an den Texten bis 1995 allenfalls minimale stilistische Korrekturen vorgenommen, deren grundsätzlicher Charakter einer jeweiligen Momentaufnahme hingegen auch in puncto Diktion nicht nachträglich abgeändert. Die Kontinuität in der Berichterstattung fand eine unerwartete Unterbrechung durch die langwierigen Folgen eines schweren Autounfalls zum Jahresende 1994. Der fast einjährigen Rekonvaleszenzphase war es zu zu schreiben, dass der Jahresrückblick 1994 statt meiner von Colin Gleichmann verfasst wurde.

Jahre zuvor hatte er als Student während meiner Lehrtätigkeit an der Gesamthochschule Kassel jenseits seiner intellektuellen Neugierde für und emotionalen Verbundenheit zu Afrika sein auch wissenschaftliches Interesse an Namibia entdeckt. Es ist so eine passende Koinzidenz, dass er zu meinem Stellvertreter für den fraglichen Bericht avancierte, der hier unter seiner ungeschmälerten Verantwortung erscheint. Der Zeitraum der Berichterstattung umfasst auch wesentliche biographische Zäsuren. Die Unabhängigkeit Namibias eröffnete mir Mitte 1992 die - seinerzeit vermeintlich dauerhafte - langersehnte Rückkehr in dieses Land. Die Geburt meiner Tochter Tulinawa („Wir sind zufrieden") ein Jahr danach schien fast eine symbolische Besiegelung der Reintegration zu sein.

Als ich im Verlauf eines schmerzlichen Prozesses persönlicher Ernüchterung schließlich nach einem Jahrzehnt nachkolonialer Entwicklung Namibia erneut verließ, begleitete sie mich als das kostbarste Gut, das mir mein Aufenthalt bescherte. Namibia wird für uns dennoch (und auch deshalb) ein dauerhafter Bezugspunkt bleiben. Zur väterlichen Verantwortung für ein neues Leben und zur Grenzerfahrung des eigenen Überlebens gesellte sich als unerwartete Folge meiner medizinischen Betreuung in Kapstadt ab Mitte der 1990er Jahre die (Wieder) Entdeckung eines Jugendschwarms meiner DHPS-Schulzeit der 1960er Jahre. Drei Jahrzehnte danach erbaten Susan und ich den Segen für unsere Ehe in der Windhoeker Christuskirche. Da ihr öffentliches Interesse und Publizität ganz im Unterschied zu mir ein Greuel sind, werde ich ihr als Zeichen meiner Liebe dieses Buch nicht widmen ... Statt dessen eigne ich es den Menschen Namibias und deren Hoffnungen und Wünschen für eine bessere Zukunft zu.