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Kolonialkrieg in China

Kolonialkrieg in China

Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900–1901
Leutner, M.; Mühlhahn, K. (Hg.)
50403
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Kolonialkrieg in China

Herausgeber: Mechthild Leutner; Klaus Mühlhahn
Reihe: Schlaglichter der Kolonialgeschichte 6
Ch. Links Verlag
Berlin, 2007
Broschur, 16x23 cm, 272 Seiten, 89 Abbildungen


Verlagsankündigung:

Im Juni 1900 begannen chinesische Truppen und Boxerverbände das Gesandtschaftsviertel in Peking zu belagern. Sie wehrten sich gegen den zunehmenden Einfluss westlicher Kolonialmächte in China.

Nach der Ermordung des deutschen Gesandten Clemens von Ketteler hielt Kaiser Wilhelm II. seine berüchtigte „Hunnenrede“, und die westlichen Mächte schickten unter Leitung Graf Waldersees Militär nach China.


Inhalt:

Vorwort

Das Umfeld
Klaus Mühlhahn
China und der westliche Imperialismus
Klaus Mühlhahn
China als Halbkolonie - Die kolonialen Stützpunkte und Pachtgebiete der europäischen Großmächte
Thoralf Klein
Aktion und Reaktion?
Mission und chinesische Gesellschaft
Klaus Mühlhahn
Deutschlands Platz an der Sonne? Die Kolonie »Kiautschou«
Yang Laiqing
Die Ereignisse von Gaomi und der Widerstand der Bevölkerung gegen den deutschen Eisenbahnbau

Die Boxer
Sabine Dabringhaus
Die Boxer: Motivation, Unterstützung und Mobilisierung
Sun Lixin
Die religiösen und sozialen Ursprünge der Boxerbewegung
Kai Filipiak
Geschichtliche Hintergründe und inhaltliche Ausprägung der »Boxer-Kampfkunst«
Mechthild Leutner
Die »Leuchtenden Roten Laternen«
Kämpfende Frauen
Heike Frick
Die Boxer und die kaiserlichen Armeen der Qing-Regierung

Der Krieg
Mechthild Leutner
Die Belagerung der Gesandtschaften oder: Wie der Krieg begann
Dominik Nowak
Der Tod des deutschen Gesandten Clemens von Ketteier
Bernd Sösemann
»Pardon wird nicht gegeben!«
Staatliche Zensur und Presseöffentlichkeit zur »Hunnenrede«
James L. Hevia
Krieg als Expedition
Die alliierten Truppen unter Alfred Graf von Waldersee
Susanne Kuß
Deutsche Strafexpeditionen im Boxerkrieg
James L. Hevia
Ein »Volksfest«
Die Plünderung Pekings und ihre Folgen
Dietlind Wünsche
Feldpostbriefe aus China
»Jeden Zehnten mindestens Kopf ab in den aufrührerischen Gegenden ...«

Die Heimatfront
Ute Wielandt
Die Reichstagsdebatten über den Boxerkrieg
Thoralf Klein
Propaganda und Kritik
Die Rolle der Medien
Joachim Krüger
Propaganda auf deutschen Postkarten
Mechthild Leutner
»Bezopfte Heiden«
Zeitgenössische Bilder von Boxern und Chinesen
Lu Yixu
Die Boxerbewegung in der Popularliteratur

Das Ende
Mechthild Leutner
Das Boxerprotokoll
Klaus Mühlhahn
Kotau vor dem deutschen Kaiser?
Die Sühnemission des Prinzen Chun

Die Erinnerung
Heike Frick
Zwischen Abscheu und Bewunderung
Die Boxer im kulturellen Gedächtnis Chinas
Klaus Mühlhahn
Die Boxer in der Wissenschaft

Anhang
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Zeittafel
Autorinnen und Autoren
Register geographischer Namen und Orte
Personenregister


Vorwort:

Für die Ereignisse in China, die im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes stehen, sind verschiedene Bezeichnungen im Gebrauch. Manche Autoren sprechen vom Boxeraufstand oder von der Boxerrebellion, andere von der Boxerbewegung. In allen Fällen wird suggeriert, es handele sich bei den Boxern eher um einen Aufstand gegen ausländische Unterdrückung, wobei Bewegung eine legitime, Rebellion eine eher illegitime Handlungsweise andeutet.

In der Literatur finden sich jedoch noch weitere Ausdrücke wie Boxerkrieg oder Boxerexpedition, womit vor allem die militärische Konfrontation zwischen China und den europäischen Mächtenhervorgehoben wird. Schließlich beschreiben einige Autoren auch den sogenannten Boxer-Mythos, wobei das bis heute andauernde Nachleben und die symbolische Bedeutung für den chinesischen Nationalismus in den Blickpunkt gerückt werden.

Dabei hat sich die Bezeichnung »Boxer« - in welcher Zusammensetzung auch immer - so im Deutschen eingebürgert, dass die unterschiedlichen Übersetzungen für die chinesischen Bezeichnungen Yihequan (»Vereinigte Fäuste für Gerechtigkeit«, »Faustkämpfer für Gerechtigkeit und Harmonie«, »In Rechenschaft vereinigte Faust«) bzw. Yihetuan (»Vereinigte Milizen für Gerechtigkeit«, »Milizen für Gerechtigkeit und Harmonie«, »In Rechenschaft vereinigte Milizen«) in den folgenden Beiträgen nur ausnahmsweise auftauchen.

Tatsächlich hat sich für die Ereignisse in China in den Jahren 1900/01 bislang keine verbindliche und einheitliche Terminologie durchsetzen können, und zwar weder im Westen noch in China. Dies hängt mit der Komplexität des Themas zusammen, in dem viele Konfliktlagen aufeinandertrafen, ebenso wie mit der polarisierenden Intensität der Auseinandersetzungen.

Zugleich bezweifelt kein Beobachter oder Historiker, dass im Sommer 1900 etwas Außergewöhnliches, Wichtiges und historisch Weitreichendes geschehen ist. Die innere Ordnung des chinesischen Kaiserreichs war davon genauso betroffen wie das Verhältnis Chinas zur westlichen Welt.

In vielerlei Hinsicht war nichts mehr so, wie es vorher bestanden hatte. Der Untergang des chinesischen Kaiserreiches und eine neue Phase und Qualität westlicher Dominanz hatten begonnen. So bieten die Boxer bis heute eine Projektionsfläche für ganz verschiedene Wahrnehmungsweisen und historische Interpretationsmuster.

Wir haben uns für den vorliegenden Band entschieden, den kolonialen Kontext der Ereignisse in den Vordergrund zu stellen, und daher den Titel »Kolonialkrieg in China« gewählt. China war im 19. Jahrhundert zu einer Halbkolonie westlicher imperialistischer Staaten geworden. Der Konflikt in China war unter anderem auch eine Auseinandersetzung um die Beibehaltung und Ausweitung der sich aus dem halbkolonialen Zustand für die europäischen Großmächte ergebenden Vorrechte und Privilegien.

Zugleich macht diese Schwerpunktsetzung einen Vergleich mit anderen Kolonialkriegen möglich. Der Konflikt in China steht in globalhistorischer Perspektive mit anderen Konflikten in Afrika, Indien und Lateinamerika in Verbindung. Die militärische Intervention in China deutet dabei den Beginn einer Entwicklung im 20. Jahrhundert an, die nicht mehr unmittelbar der Errichtung eines Kolonialreiches diente, sondern eher versuchte, westliche Spielregeln und »Standards« durchzusetzen.

Obgleich die Historiker sich immer wieder mit Teilaspekten der Thematik befasst haben, fehlt es doch nach wie vor an einer ordnenden Zusammenschau, die die verschiedenen Aspekte und Perspektiven zusammenbringt und eine differenzierende Gesamtdarstellung ermöglicht.

Zudem sind die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse vielfach nur einem kleinen Spezialistenkreis zugänglich gewesen; populäre westliche Publikationen sind dagegen häufig recht einseitig und stehen so in einer Traditionslinie mit den Schriften, die bereits unmittelbar nach den Ereignissen 1900/01 verfasst wurden.

Der hier vorliegende Band bietet nun zweierlei: Einmal stellt er die neuesten Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen in knappen allgemeinverständlichen Einzelbeiträgen vor. Zum anderen nehmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China, den USA und aus Deutschland sehr unterschiedliche Perspektiven ein und thematisieren die deutsche und vor allem die chinesische Sicht auf die Geschehnisse.

Der Band präsentiert in sechs Kapiteln ein Panorama der Ereignisse, ihres Hintergrundes und ihrer Auswirkungen.

Im ersten Kapitel, das sich mit dem Umfeld beschäftigt, werden die historischen Bedingungen und die deutschen kolonialen Interessen in China skizziert, im zweiten Kapitel die Boxer als Bewegung in ihren verschiedenen religiösen, politischen und Kampf-Aspekten vorgestellt. Der Boxerkrieg selbst, die deutschen Ziele des Feldzuges und ihre Umsetzung in China sind Inhalt des dritten Kapitels: der Krieg.

Die Auswirkungen auf die deutsche innenpolitische Diskussion wie auf die Kolonialpolitik insgesamt werden im Kapitel über die Heimatfront abgehandelt. Zwei Beiträge befassen sich mit dem Ende des Kolonialkrieges und den Konsequenzen für China und Deutschland, während zum Schluss wichtige Aspekte der Erinnerung und der heutigen Wahrnehmung der Boxer geschildert werden. Hier wird nicht zuletzt auch die neuere Literatur zu den Boxern kritisch beleuchtet.

Es geht uns darum, auf der Grundlage der Darlegung der jeweiligen innen- und außenpolitischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen die Interaktionen zwischen den Beteiligten - und jeweils innerhalb der chinesischen und deutschen Akteure - deutlich zu machen.

Es wird so zumindest in Teilen möglich sein, das Spannungsverhältnis aufzuzeigen zwischen Kolonialem und »Modernem«, zwischen kriegerischen Absichten und »menschlichen« Erkenntnissen vor Ort, zwischen sogenannter abgeschlossener kolonialer Vergangenheit und heutiger »nostalgischer« Erinnerung an zivilisatorische und modernisierende »Maßnahmen«. In ihrer Gesamtheit bieten die Beiträge einen umfassenden und differenzierten Überblick über das Gesamtthema »Boxer« und den Kolonialkrieg in China.

Wir danken den Autoren dieses Bandes, die sich bereit erklärt haben, ihre Forschungsergebnisse einem interessierten allgemeinen Leserpublikum zugänglich zu machen. Unser herzlicher Dank gilt darüber hinaus Hauke Neddermann und Ingrid Dammalage-Kirst für ihre Unterstützung bei der Redaktion und der Erstellung des Typoskripts sowie Stephan Lahrem vom Christoph Links Verlag, der den Band mit großem Engagement betreut hat. Berlin und Turku, im Februar 2007 Mechthild Leutner und Klaus Mühlhahn