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Kalulu und andere afrikanische Märchen

Kalulu und andere afrikanische Märchen

Diese Märchensammlung ist ein Lesevergnügen für jung und alt
Siege, Nasrin
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Kalulu und andere afrikanische Märchen

Autorin: Nasrin Siege
Verlag: Brandes & Apsel
2. Auflage, Frankfurt 2002
Broschur, 14x21 cm, 144 Seiten


Verlagsankündigung:

Ich weiß noch, wie wir Kinder am Abend Feuerholz gesucht haben, um mit unseren Müttern das 77 Abendessen zu kochen.

Danach haben wir dann zusammengesessen, und Großmutter hat uns im Schein des Feuers Geschichten erzählt.

Schöne und grausige Geschichten, solche, die unsere Herzen erfreuten und uns lachen ließen, und andere, die uns das Einschlafen schwer machten.

Ja, Großmutter kann viele Geschichten erzählen. Viele der von Nasrin Siege gesammelten Märchen handeln vom Hasen Kalulu, der sich mit List und Schläue gegen die größeren und stärkeren Tiere durchsetzt.

So sind sie nicht immer lustig, die Kalulu-Märchen, erzählen sie doch von Leben und Tod, Kampf und Unterwerfung, Liebe und Haß, und überraschen uns mit plötzlichen Wendungen und witzigen Bildern, europäischen Einflüssen und afrikanischen Weisheiten.


Vorwort von Volkhard Brandes:

»Es war einmal...« - mit diesen Worten beginnen viele unserer Märchen. Und schon geht es auf die Reise in ferne Zeiten. Anders afrikanische Märchen. Sie sind nichts Abgeschlossenes wie unsere Volksmärchen, die vor fast zwei Jahrhunderten zu Beginn der Industrialisierung aufgezeichnet wurden. Afrikanische Märchen sind noch etwas Lebendiges. Nasrin Siege hat sie sich erzählen oder aufschreiben lassen. Es sind Märchen, die sich - so wie einst auch bei uns - mit jedem, der sie erzählt, verwandeln.

Diese Märchen haben noch einen unmittelbaren Bezug zum Alltag. Sie spiegeln praktische Lebenserfahrungen wider und enthalten Botschaften zur Bewältigung der großen Probleme, vor denen die Menschen in Afrika Tag für Tag stehen. Selten siegt da »der Gute«, erfolgreich ist der Listige, Trickreiche, Durchtriebene, Skrupellose - manchmal sogar der, der im wahrsten Sinne des Wortes »über Leichen geht«.

Doch ist das nichts anderes als das, was die Menschen im schwarzen Afrika seit Beginn der kolonialen Unterwerfung des Kontinents tagtäglich erleben. So entführen uns diese Märchen nicht nur wie alle Märchen in das Phantastische, sondern lassen uns auch die rauhe Wirklichkeit Afrikas spüren.

Daß diese Märchen von Nasrin Siege gesammelt wurden, die im Iran zur Welt kam, als Kind mit ihren Eltern in die Bundesrepublik zog, als erwachsene Frau lange in Afrika lebte und zur Zeit wieder in Deutschland wohnt, ist in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall. Aufgewachsen in verschiedenen Kulturen ist sie beim Sammeln der Märchen behutsam und einfühlend vorgegangen.

Sie erweist sich als äußerst sensibilisiert für das Fremde, das ihr begegnet, und entdeckt darin zugleich Vertrautes: Erinnerungen an ihre Kindheit im Iran werden mit den Märchen ebenso wach, wie sie daran den Bogen von Afrika zu ihrer zweiten Heimat Europa spannt.

So begegnen wir beim Lesen dieser Märchen nicht nur einem Stück lebendiger, wenn auch bedrohter und im Wandel begriffener ländlicher afrikanischer Tradition, sondern lernen sie auch als Teil einer Kontinente übergreifenden Kultur von unten kennen. Und das ist wichtig in einer Zeit, in der Kunst und Kultur vielerorts wieder eher als ethnisch exklusiv und damit Grenzen ziehend denn als Grenzen überwindend gesehen werden.

Nasrin Sieges Märchensammlung ist ein Lesevergnügen für jung und alt. Sie bietet die Möglichkeit, ein wenig von einer bei uns bislang kaum wahrgenommenen Tradition kennenzulernen. In den Märchen vom Hasen Kalulu und dem Ungeheuer Chikishikishi, von Hippo und Hyäne, Löwe und Leopard lebt noch eine Kultur, die es schon bald nicht mehr geben mag.

Vieles an diesen Märchen wird uns zunächst sperrig erscheinen, öffnet sich uns in seinem ganzen Reichtum vielleicht erst beim zweiten Lesen - oder beim Vorlesen oder beim Nacherzählen. So einfach die Erzählweise, so gradlinig und schnörkellos die Handlung, läßt man sich erst einmal darauf ein, findet man sich schnell wieder in einer Welt voll bitterbösem Humor, deftigem Realismus und einer manchmal unterkühlt daherkommenden Phantastik, die sich nahe an den Erfahrungen derer bewegt, die diese Märchen erzählen.

Hierin liegt vielleicht ihr subversives Element. Es sind Volksmärchen fern der Tradition des raffinierten Kunstmärchens höfischer oder bürgerlicher Herkunft, Märchen aus Gesellschaften, die noch in ländlichen Traditionen wurzeln und doch schon den Umbruch erkennen lassen. Kleine poetische Kunstwerke sind dabei entstanden, die in ihrer klanglichen Schönheit auf der Zunge zergehen: Chikishikishi, das wohl rhythmisch vollendetste. Andere Kunstwerke sind die Zeichnungen von Barbara Rieder, die sich sensibel in diese Märchen einfühlte und damit viel von Afrika auszudrücken vermochte.


Trockenzeit:

Ich weiß noch, wie wir Kinder am Abend Feuerholz gesucht haben, um mit unseren Müttern das Abendessen zu kochen. Danach haben wir dann zusammen gesessen, und Großmutter hat uns im Schein des Feuers Geschichten erzählt. Schöne und grausige Geschichten, solche, die unsere Herzen erfreuten und uns lachen ließen, und andere, die uns das Einschlafen schwer machten.

Ja, Großmutter kannte viele Geschichten. Die Geschichte, die ich euch heute erzähle, stammt auch von ihr, und sie wiederum hat sie von ihrer Großmutter.

Es ist eine alte Geschichte, und sie hat sich vor vielen Jahren zugetragen. Zu jener Zeit gab es zwei große Dörfer, in dem die verschiedenen Tiere lebten. In dem einen Dorf wohnten der Elefant, das Nashorn, der Büffel, die Hyäne, die Schildkröte und die Antilope. In dem anderen Dorf wohnten der Hase Kalulu, die Giraffe und das Zebra. Sie lebten in Frieden miteinander, und es gab keine Zwietracht zwischen ihnen.

In dem Jahr, in dem das geschah, worüber ich euch erzählen will, aber herrschte Dürre im Land. Die Bewohner beider Dörfer litten große Not. Viele von ihnen waren verdurstet, andere waren dem Tod nahe. So sammelten sie sich alle unter einem schattenspendenden Baum und berieten sich.

»Wir müssen uns zusammentun und gemeinsam ein großes Loch graben. Solange, bis wir auf Wasser stoßen«, sagte eines der Tiere.
»Das ist gut«, riefen sogleich alle anderen Tiere.
Zu jener Zeit waren alle Tiere dem Stande nach gleich. Kein Tier hatte das größere Sagen, und alle Tiere waren geachtet.

Sie suchten eine geeignete Stelle und fingen sogleich an, das große Loch zu graben. Da sie viele waren, dauerte es nicht lange, und bald hatten sie das Wasser erreicht, das tief unter der Erde begraben liegt. Wir alle kennen den peinigenden Durst der Trockenzeit, und so können wir uns die Freude der Tiere vorstellen, als sie auf das Wasser trafen. Sie lachten und schrieen, tanzten und umarmten sich und wußten, daß sie gerettet waren. Nachdem jedes Tier seinen Durst gelöscht hatte, gingen sie in ihre Dörfer zurück. Am nächsten Morgen jedoch sahen sie, daß jemand das Wasser im Brunnen verschmutzt hatte. Eine große Aufregung breitete sich unter ihnen aus.

»Wir müssen den Brunnen bewachen«, sagten sie schließlich, und nachdem die Tiere in ihre Dörfer zurückgegangen waren, blieb der Elefant als Brunnenwächter zurück.
Es dauerte nicht lange, und ein Mensch kam zu ihm. »Ich habe Durst«, sagte er, »kann ich etwas Wasser von eurem Brunnen haben?«


»Du bist willkommen«, sagte der Elefant, »paß aber auf, daß du das Wasser nicht beschmutzt!«
Der Mensch trank und achtete darauf, daß kein Schmutz in den Brunnen hineinfiel, bedankte sich und ging. Dann kam Kalulu, der Hase.
»Herr Elefant, Herr Elefant«, sagte er, »wir alle verehren dich. Du bist das stärkste Tier weit und breit. Mit deiner Kraft konnten wir den Brunnen ausgraben. Laß mich nun etwas Wasser holen für mich und meine Familie.«
»Du bist willkommen«, sagte der Elefant, »paß aber auf, daß du den Brunnen wieder sauber verläßt!«
Nachdem Kalulu sich Wasser genommen hatte, sprang er in den Brunnen, wusch sich, schwamm und hüpfte in ihm herum. Als er wieder herauskam, versuchte er den Elefanten erneut zu hintergehen: »Oh, mein Freund!« rief er, »das Wasser ist sauberer als vorher. Ich habe nämlich all das Gras und die Blätter entfernt, die in den Brunnen gefallen waren. Komm und überzeuge dich selbst!«

Der Elefant beugte seinen Kopf über den Brunnen und erschrak. Das Wasser war nur noch eine schmutzigbraune, dicke Masse.
»Was hast du getan?« schrie er, »ich versprach unseren Leuten auf das Trinkwasser aufzupassen. Und dann kommst du und spielst uns allen einen solch schlimmen Streich! Was werden meine Leute jetzt mit mir tun? Sie werden mich bestrafen. Aber vorher werde ich dich bestrafen!«

Voll Zorn wollte sich der Elefant auf Kalulu stürzen.
»Halt!« rief da der Hase, »schau hinter dich, da kommt jemand!«
Natürlich war dies nur ein Trick des Hasen, denn als der Elefant sich umdrehte, lief Kalulu schnell weg. Der Elefant lief mit hängendem Kopf nach Hause und erzählte seinen Freunden von dem Vorfall. Die Tiere wurden sehr böse auf Kalulu.


»Der Büffel soll von jetzt an den Brunnen bewachen«, sagten sie.
Aber auch der Büffel fiel auf Kalulus Tricks herein und nach ihm alle anderen Tiere. Zum Schluß war nur noch die Schildkröte übriggeblieben.
»Streicht Baumgummi auf meinen Panzer«, sagte die Schildkröte, »und legt mich in den Brunnen. Kalulu wird denken, daß ich ein Stein bin, auf meinen Rücken treten und dann festkleben.«

Als Kalulu das nächste Mal in den Brunnen hineinstieg, trat er mit dem einen Fuß auf die Schildkröte. »Nanu?« rief er, als er bemerkte, daß er festgeklebt war. Doch je mehr er versuchte, sich zu lösen, desto stärker klebte er fest. Inzwischen hatten sich alle Tiere um den Brunnen versammelt und schauten ihm zu.
»Ja, nun habt ihr mich!« rief er den Tieren zu.
»Ja, nun haben wir dich«, riefen ihm die Tiere zu.
»Was, meinst du, sollen wir mit dir jetzt machen?« fragten sie ihn.
»Ihr müßt mich töten. Denn was ich getan habe, war schlecht!«
Die Tiere berieten sich lange. Immer noch klebte Kalulu mit allen Vieren auf der Schildkröte fest. Der Elefant hob ihn schließlich mitsamt der Schildkröte aus dem Brunnen, und der Leopard löste ihn mit seinen scharfen Zähnen von dem klebrigen Panzer. Die Tiere schauten ihn an.

»Dieses Wasser gehört uns allen«, sagte die Antilope. »Du aber hast es jeden Tag beschmutzt.«
»Du mußt bestraft werden«, drohte ihm der Löwe, und Kalulu bekam Angst um sein Leben. Die Tiere standen um ihn herum, und er sah keine Lücke, durch die er hätte schlüpfen können.
»Was sollen wir nun mit dir tun?« fragten die Tiere.
»Rasiert mir den Schwanz und schleudert mich davon, so daß ich sterbe«, schlug Kalulu ihnen vor.

Das taten sie auch. Doch als der Elefant ihn mit seinem Rüssel packte, um ihn von sich zu schleudern, entglitt ihm der Hase, dessen Schwanz durch die Rasur glatt und glibberig geworden war, und Kalulu rannte davon. Zornig liefen die Tiere in alle Richtungen und suchten ihn. Als sie ihn nicht mehr fänden, schnitzte der Leopard die Gestalt einer schönen Frau aus Holz, und die Tiere bestrichen sie mit Baumgummi.

Als Kalulu die Schöne sah, hoppelte er neugierig näher. Er grüßte sie, und als sie nicht antwortete, faßte er sie an ihre eine Brust. Dann streichelte er ihr über die andere Brust. Zu spät bemerkte er, daß er mit allen Vieren an der Figur festgeklebt war. Wieder befreite ihn der Leopard mit seinen scharfen Zähnen, und die Tiere überlegten, wie sie nun den Hasen bestrafen könnten.

»Am besten werfen wir ihn auf diese Steine dort«, schlug die Antilope vor.
»Oh, nein! Tut das nicht! Denn dann werde ich nicht sterben«, rief Kalulu, »werft mich lieber in diese sandige Ebene dort hinten!«
Die Tiere waren dümmer als Kalulu, und wieder fielen sie aufseinen Trick herein. Mit aller Kraft schleuderte der Elefant den Hasen in den Sand, von wo dieser fröhlich lachend davonhoppelte. Da haben die Tiere aber ganz schön dumm geguckt!


Inhalt:

Vorwort
Trockenzeit
Warum das Huhn im Sand scharrt
Die Hyäne und der Hase
Kalulu und Hippo
Warum Schlange und Chamäleon Feinde sind
Warum Kalulu eine gespaltene Oberlippe hat
Kalulu und der kleine Elefant
Chikishikishi
Kalulu, die Hyäne und ihre Mütter
Der König und seine zwei Söhne
Der Faule und gerissene Kalulu
Wie Kalulu die Tochter des Königs heiratete
Kalulu als Diener
Das Mädchen und ihr Bräutigam
Kalulu und Schildkröte
Schlauer Kalulu und dummer Fuchs
Mangel an Wasser
Kalulu und Hippo, das Flußpferd
Die Frau aus dem Ei
Ärger im Dorf
Warum der Mann den Bart außerhalb seines Mundes hat
Wie König Löwe seine Tochter verheiratete
Der Ringkampf
Kalulu, der Fischer
Kalulu und der Löwe
Mahongo und Jungo
Der Jäger und seine drei Frauen
Liebe kann töten
Wie Kalulu sich aus der Falle befreite
Kalulu und Löwe
»Vorwärts immer, zurück nimmer«
Ein Leopardenjunges ist auch ein Leopard
Die Frau, die ein Ei legte
Warum die Hand immer den Mund säubert
Die drei Jungen, die den Tod suchten
Kalulu, der Elefant und das Flußpferd
Kalulu und die Löwenfalle
Kalulu und der König
Der kleine Junge und das Ungeheuer
Der Jäger und die Schildkröte
Kalulu und die Hyäne
Der trickreiche Kalulu
Der verbrannte Fisch
Der König und seine schöne Tochter
Die Hyäne und der Affe
Die Frau und das Ungeheuer
Der Löwe und sein Maisfeld
Die drei Jungen und die Bienen
Der kluge Jäger
Das Fest
Warum der Löwe brüllt
Chikishikishi und der Menschenfresser
Wie Sumba zum Chief wurde
Nasrin Siege
Nachwort
Die Erzählerinnen und Erzähler