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Journal 49

Journal 49

Wissenschaftliche Beiträge über Namibia; Scientific contributes about Namibia
Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft
jn49
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Journal 49

Reihe: Journal
Verlag: Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, 2001
Broschur, 17x24 cm, 156 Seiten, etliche sw-Fotos, Abbildungen und Karten

Series: Journal
Publisher: Namibia Scientific Society
Windhoek, 2001
Soft-cover, 17x24 cm, 156 pages

Please find English contributes below


Inhaltsverzeichnis/Content:

- OELOFSEN, BURGER: Managing Diamond Mining and the Lobster Resource in Namibia
- MELBER, HENNING: Minderheitenrechte fur ehemalige Kolonialherren?
- VAN ROOYEN et alt.: Politieke Stereotipering in vooronafhanklikheidse Namibiese Literatuur: Die werk van Doc Immelmann
- VOGT.ANDREAS: Frühneuzeitliche Handelsfestungen an den Küsten Afrikas heute - die Sicht der Denkmalpflege
- STROHBACH, BEN: Preliminary report on the rock engravings of Freiheit Ost (No. 80), Witvlei, Namibia
- STROHBACH, BEN: Vegetation Survey of Namibia Vegetation Degradation of Namibia


Aus: Henning Melber "Minderheitenrechte für ehemalige Kolonialherren?"

"Die 'Eingliederung in das namibische Orchester scheint deutschsprachigen Namibiern akzeptabel, wobei sie allerdings kaum die Rolle des Dirigenten spielen werden, aber doch auf einen Status als Solisten - vielleicht als erste oder zweite Violine - zu hoffen scheinen. Ob deutschsprachige Namibier bereit sein werden, auch verschiedene Instrumente zu spielen, oder in einem Stück mitzuwirken, in dem alle Musiker das gleiche Instrument spielen, dies scheint mir eine wichtige und interessante Fragestellung für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu sein" (Schmidt-Lauber 1991:133)

Diese Schlussüberlegung einer Magisterarbeit wurde während des vergangenen ersten Jahrzehnts der unabhängigen Republik Namibia immer wieder - sowohl von jenen Aussenstehenden mit wissenschaftlichem Interesse wie auch von Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppe selbst - gestellt. Dabei machten schon die Titel der in diesem Zeitraum veröffentlichten bemerkenswertesten akademischen Studien die dem "Untersuchungsgegenstand" innewohnende Widersprüchlichkeit deutlich:

Da war die Rede von den "abhängigen Herren" (Schmidt-Lauber 1993) mit der "verkehrten Hautfarbe" (Schmidt-Lauber 1998) als einer "Nationalität im Werden" (Rüdiger 1993). Diese Analysen tragen der heterogenen Komplexität des "Deutschtums" in Namibia durch entsprechend differenzierte Wahrnehmung und Argumentation Rechnung. Sie widerstehen der Versuchung, zur Charakterisierung dieser Spezies die simplifizierenden Stereotypen der "ewiggestrigen Deutschtümelei" zu bemühen, wie dies noch immer allzu häufig und vereinfachend (nahezu diskriminierend) in populären Medienbetrachtungen geschieht.

Trotzdem suggerieren sie schon durch die Titelwahl - wenngleich ungewollt - eine kategoriale Gemeinsamkeit, die jenseits der muttersprachlichen Bande wohl kaum existiert. So mag die Ein- und Zuordnung der deutschsprachigen Einwohner Namibias mehr in einer unbewußten Wahrnehmung begründet sein, als in der eigentlichen gesellschaftlichen Realität. - Was insofern reicht, als Wahrnehmung und deren Wiedergabe auch Fakten schafft. Aus zugegebenermassen höchst subjektiver Sicht eines unmittelbar Beteiligten wage ich diese kategoriale Vereinfachung hingegen zu hinterfragen.

Identitäten sind in der Regel komplizierter als es die meisten Versuche zu ihrer analytischen Erfassung und Zuordnung nahelegen. Genau besehen ist die im Eingangszitat formulierte Fragestellung deshalb irreführend, weil sie eine kollektive Verhaltensweise impliziert, die es unter den als deutschsprachige Namibier bezeichneten Menschen nicht gibt. In ihren individuellen Optionen haben sie sich z.T. gänzlich unterschiedlich im namibischen Orchester verortet. Ihr Beitrag zur musikalischen Darbietung der Nationalhymne (um im Bild zu bleiben) reicht von virtuosen Soloeinlagen über disziplinierte, gänzlich unspektakuläre aber dem positiven künstlerischen Gesamteindruck dienende Anonymität bis zu kläglichen Dissonanzen.
Die Namibia-Deutschen sind heute weniger denn je eine homogene Einheit und die mühsame Standortsuche von Angehörigen dieser nach sprachlich-kulturellen Kriterien klassifizierten Bevölkerungsgruppe nimmt ganz unterschiedliche Wege und Formen. Sie spiegeln ein breites gesellschaftspolitisches Spektrum wider, das sich der oberflächlichen Verallgemeinerung entzieht (vgl. die diversen Beiträge in Junge u.a. 1993). Mit den neuen gesellschaftspolitischen Realitäten des nachkolonialen Namibia verstärkt sich zumindest unter Teilen jener Gruppe das Bedürfnis, über ihre Rolle und ihr (Selbst-) Verständnis nachzudenken und sich in den übergeordneten Kontext des Staates Namibia entweder bewusster einzuordnen oder gezielter davon abzugrenzen (siehe hierzu die Meinungsvielfalt in Wentenschuh 1995).

Das ist ein mühsamer und beschwerlicher Weg der in erster Linie individuellen Selbstfindung, der zu unterschiedlichsten Ergebnissen führt. Zu diesen gehört in jüngerer Zeit aber auch - in institutionalisierter Form verkörpert durch die Aktivitäten der zur Unabhängigkeit gegründeten Namibisch-Deutschen Stiftung für kulturelle Zusammenarbeit (NaDS) - der Appell zur zielgerichtet und selbstbewusst aktiven zivilgesellschaftlichen Beteiligung im Lande (siehe Melber/ Staby 2000). Es versteht sich von selbst, dass einige Angehörige dieser, einer deutschen Geschichte geschuldeten "Reisegruppe" eine z.T. erhebliche Wegstrecke mit manchmal sehr grossem Gepäck (um nicht zu sagen Ballast) auf dem Buckel zurückgelegt haben.

Dass hierbei die auch innerhalb der Sprachgruppe geführten Diskussionen "das gewandelte Zeitverständnis in einem nun demokratischen Namibia" widerspiegeln, wie von Zeller (1995:792) unter Verweis auf die Initiative zum Reiterdenkmal umschrieben, ist letztlich als eher positive Wahrnehmung zu verstehen. Sie bescheinigt nämlich, dass die Zeichen der Zeit eben doch - und entgegen oft anderslautender Unkenrufe - von den Mitgliedern dieser Sprachgruppe (nicht aber -gemeinschaft) erkannt worden sind. Dennoch bleibt das methodische Problem ungelöst, wer sich denn aufgrund welcher Kriterien zu den Namibia-Deutschen zählen darf. [...]