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Japans Außenpolitik in der frühen Meiji-Zeit 1868-1894

Japans Außenpolitik in der frühen Meiji-Zeit 1868-1894

Die ideologische und politische Grundlegung des japanischen Führungsanspruches in Ostasien
Wagner, Wieland
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Untertitel: Die ideologische und politische Grundlegung des japanischen Führungsanspruch in Ostasien
Autor: Wieland Wagner
Beiträge der deutschen Kolonial- und Überseegeschichte, Band 48
Franz Steiner Verlag
Stuttgart, 1990
Broschur, 362 Seiten, 15x23 cm, 3 Karten


Verlagsankündigung:

Japans moderne Außenpolitik entwickelte sich in ihren Grundzügen nach der Restauration der kaiserlichen Herrschaft 1868: Bis zum Sieg über China im Krieg von 1894/95 legte die ehemalige Kriegerkaste der Samurai das Fundament für den Führungsanspruch des Kaiserreiches in Ostasien. Erste expansionistische Schritte gegenüber China, Korea und den Inseln im Süden bildeten die Kehrseite der überhasteten Modernisierung Japans im Inneren. Anhand von japanischem Material zeigt die Studie historische Ursachen und Kontinuitäten der Expansionspolitik des Landes auf, deren Folgen auch heute noch das Verhältnis Japans zu seinen ostasiatischen Nachbarn belasten. Zugleich werden Erkenntnisse über die Gense jenes japanischen Imperialismus vermittelt, der über Pearl Harbor zum japanischen Wirtschaftsexpansionismus unserer Tage führen sollte.


Aus der Einleitung des Autors:

Die westliche Sicht des modernen Japan ist geteilt: Wird einerseits der Aufstieg des fernöstlichen Landes zur zweitgrößten Industriemacht bewundert, so rufen andererseits japanische Außenhandelspraktiken, vor allem gegenüber den asiatischen Nachbarn, Kritik hervor. Verstärkt wird dieses westliche Befremden durch regelmäßige Presseberichte über die Unfähigkeit der Japaner, die Vergangenheit, den Zweiten Weltkrieg, zu bewältigen. Aus der Reihe negativer Schlagzeilen lauten einige der jüngeren Beispiele: Im Sommer des Jahres 1985 stattete das japanische Kabinett dem "Yasukuni-Schrein", in dem die sterblichen Überreste der Hauptkriegsverbrecher des Landes aufbewahrt werden, erstmals einen offiziellen Besuch ab. Ein Jahr später mußte Kultusminister Fujio Masayuki ausländischem Druck weichen, als er behauptete, die Koreaner hätten sich die Invasion und die Besetzung ihres Landes durch Japan selbst zuzuschreiben.

Im Frühjahr 1988 sah sich der Minister für Raumordnung, Okuno Seisuke, wegen einer ähnlichen, diesmal auf China gemünzten Bemerkung gedrängt, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Zu Beginn des Jahres 1989 verweigerte schließlich Ministerpräsident Takeshita Noboru im Parlament das Eingeständnis der japanischen Kriegsschuld im Zweiten Weltkrieg mit dem Hinweis, daß die Historiker über diese Frage noch nicht eindeutig befunden hätten. In allen Fällen riefen sowohl die japanischen Äußerungen als auch die dadurch ausgelösten Proteste insbesondere Chinas und Koreas die Tatsache in Erinnerung, daß das Verhältnis zwischen den ostasiatischen Ländern auch heute noch durch die historische Vergangenheit belastet wird.

Die beiden genannten Aspekte des gegenwärtigen Japan, Exporterfolge und ein Mangel an selbstkritischer Geschichtsbetrachtung, werfen die grundsätzliche Frage nach der Struktur der Beziehungen zwischen dem fernöstlichen Inselland und der Außenwelt auf. Wo liegen die WurzeIn jenes japanischen Expansionismus, der bis 1945 mit militärischen Mitteln erfolgte und in der Gegenwart auf wirtschaftlicher Ebene fortsetzt wird? Fällt der Blick zunächst auf die unmittelbare Vergangenheit und den Zweiten Weltkrieg, so muß der Versuch, die Besonderheiten des außenpolitischen Denkens im modernen Japan zu erkunden und zu analysieren, tiefer greifen. Die Untersuchung der modernen japanischen Außenbeziehungen hat bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts anzusetzen, als das Land sich nach über zweihundertjähriger Abschließung wieder der Außenwelt öffnete und seinen Aufstieg zur Industrienation begann:

Die Geburt des modernen Japan erfolgte mit der Meiji-Restauration von 1868. In dem auch als Revolution bezeichneten Umsturz wurde die Dynastie der Tokugawa-Shögune, eine Art Militärherrschaft, beseitigt und durch eine Zentralregierung mit dem Meiji-Tennö als göttlichem Symbol ersetzt. Das bisherige Regime hatte sich als unfähig erwiesen, die Krise des Landes zu meistern, das 1853 unter dem Druck amerikanischer Kriegsschiffe geöffnet und zu ungleichen Zoll- und Handelsverträgen gezwungen worden war. Im Zeichen äußerer Bedrohung und innerer Zerrüttung ergriffen reformorientierte Vertreter der japanischen Kriegerkaste, der Samurai, und des Hofadels das Ruder des Staatsschiffes. Unter dem Motto "Reiches Land - Starke Armee" öffneten sie das Inselreich, um es durch Reformen nach westlichen Vorbildern zu einer starken Militärmacht zu erheben. Grob vereinfacht lassen sich die Anfänge des modernen Japan sowohl zeitlich als auch inhaltlich mit jener Entwicklung vergleichen, die 1871 mit der Einigung des Deutschen Reiches durch Bismarck begann.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anfänge der modernen japanischen Außenpolitik zwischen der Meiji-Restauration und dem Ausbruch des ersten großen neuzeitlichen Krieges Japans, den das Land 1894/95 siegreich gegen China führte. In dieser Phase wurde das Fundament für die japanische Expansionspolitik in Ostasien gelegt, welche 1941 zum Überfall auf Pearl Harbor führen sollte und nach der katastrophalen Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg mit einer Exportoffensive fortgesetzt wurde. Da es sich bei der frühen Meiji-Zeit um eine Übergangsperiode von der Feudalzeit zur Modernisierung nach westlichen Vorbildern handelt, sollen Kontinuitäten und Wandlungsprozesse der japanischen Außenpolitik am Beispiel jener ostasiatischen Länder aufgezeigt werden, zu denen das Kaiserreich bereits seit Jahrhunderten Beziehungen unterhielt. In diesem Sinne bezieht sich das Thema vornehmlich auf China, Korea, die Ryukyu-Inseln, Taiwan und zum Teil auch die südostasiatische Inselwelt (Nanyo). Die im Norden an Japan angrenzenden Territorien Hokkaido, Sachalin und die Kurilen werden hingegen ausgeklammert, weil sie in den Bereich der russisch-japanischen Beziehungen fallen und somit keinen unmittelbaren Aufschluß über die historischen Veränderungen in den 'innerasiatischen' Beziehungen geben. Diese Vorgehensweise ist schon deshalb geboten, um Japans Beziehungen zu den ostasiatischen Nachbarländern nicht nur als Reflex auf das Vordringen des Westens oder gar als bloße Imitation des Imperialismus der Großmächte zu bewerten.

Die frühe Meiji-Zeit erscheint auf den ersten Blick kaum als ein geeignetes Objekt zur Untersuchung der japanischen Außenpolitik, beginnt doch das spektakuläre Ausgreifen Japans auf dem asiatischen Festland erst mit dem Krieg von 1894. Isoliert betrachtet, wirken die ersten außenpolitischen Schritte der Japaner in der Meiji-Zeit eher nebensächlich, so daß sie im Gegensatz zu den gleichzeitigen Umwälzungen im Inneren des Landes von der Forschung kaum als durchgängige "Außenpolitik" wahrgenommen worden sind. Gleichwohl entwickelten Japans neue Machthaber nach der Meiji-Restauration eine Reihe außenpolitischer Initiativen, die auf das expansionistische Interesse des gerade erst geöffneten Insellandes an seinen Nachbarn hinweisen.

So legen insbesondere die regierungsinterne Auseinandersetzung um einen Feldzug nach Korea (1873), die Invasion Taiwans (1874), die Öffnung Koreas (1876), die 1879 abgeschlossene Annexion der Ryükyü-Inseln und die Stationierung von Truppen auf der koreanischen Halbinsel (1882) die Frage nach den Beweggründen des japanischen Vorgehens in Ostasien nahe. Unter Berücksichtigung der traditionellen Außenbeziehungen Japans sollen daher die spezifischen inneren und äußeren Bedingungen aufgezeigt werden, aufgrund derer das Ausgreifen des Kaiserreiches auf seine Nachbarländer erfolgte. Vor diesem Hintergrund gilt es zu klären, welche Motive die moderne japanische Außenpolitik in ihrer Entstehungsphase prägten: Inwieweit handelte es sich bei den außenpolitischen Unternehmungen des Landes in der frühen Meiji-Zeit um die Fortsetzung bereits vorhandener Denkmuster oder um die Übernahme westlicher Vorbilder? Bis zu welchem Grad war die Politik Japans gegenüber seinen Nachbarn eine unabdingbare Folge des Modernisierungsprozesses?

Vor dem Chinesisch-Japanischen Krieg wurde die Unabhängigkeit Japans durch die ungleichen Verträge, welche die westlichen Großmächte dem Land aufgezwungen hatten, erheblich beeinträchtigt. Da überdies die frühe japanische Außenpolitik wegen der wirtschaftlichen und militärischen Rückständigkeit des Kaiserreiches nur einen begrenzten Spielraum besaß, lassen sich die frühen außenpolitischen Tendenzen Japans gegenüber seinen Nachbarn mit einem rein diplomatiegeschichtlichen Ansatz nur unzureichend erfassen. Die vorliegende Arbeit unterscheidet sich deshalb von herkömmlichen Abhandlungen zur Meiji-Zeit: Untersucht werden auch solche asienpolitischen Denkvorstellungen und Pläne, die infolge innen- und außenpolitischer Sachzwänge nicht von der offiziellen Meiji-Politik realisiert werden konnten. Dabei handelte es sich um außenpolitische Initiativen, die von Einzelpersonen innerhalb der Regierung, vom Militär oder oppositionellen Gruppierungen ausgingen. Diese Strategien, welche auf die Ausweitung des japanischen Einflusses in Ostasien zielten, gingen häufig über bloße Theorien hinaus und mündeten in private - oder mit staatlicher Duldung organisierte - Unternehmungen in den Nachbarländern.

Die Behandlung von Plänen einzelner Regierungsmitglieder außerhalb des Außenministeriums ist auch deshalb geboten, weil der Entscheidungsprozeß innerhalb der Meiji-Oligarchie sich gleichsam kollektiv, auf mehreren Ebenen vollzog. Eine Untersuchung der außenpolitischen Vorstellungen in der Meiji-Zeit erweist sich indes nur als sinnvoll, wenn auch ihre innenpolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen analysiert werden. Desgleichen sind die religiösen und kulturellen Faktoren zu beachten, welche ausgerechnet in Japan einen Herrschaftsanspruch über Ostasien begründen sollten. [...]