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Gemeinschaft - Gleichheit – Mobilität

Gemeinschaft - Gleichheit – Mobilität

Felsbilder im Brandberg und ihre Bedeutung. Grundlagen einer textuellen Felsbildarchäologie
Lenssen-Erz, Tilman
13860
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Gemeinschaft - Gleichheit – Mobilität

Untertitel: Felsbilder im Brandberg/ Namibia, und ihre Bedeutung. Grundlagen einer textuellen Felsbildarchäologie
Autor: Tilman Lenssen-Erz
Monographien zur Archäologie und Umwelt Afrikas
Universität Köln, Heinrich-Barth-Institut für Archäologie und Geschichte Afrikas
Köln, 2001
Kartoneinband, 21x28 cm, 430 Seiten, zahllose Illustrationen, Tabellen und Karten


Vorwort von Rudolph Kuper:

Im Juli 1985, im selben Monat, in dem sich Harald Pagers Lebensweg im Brandberg vollendete, lenkten Tilman Lenssen und Marie-Theres Erz den ihren nach Köln.

Ein Zufall.

Einer von denen, die viel häufiger als man denkt den Gang der Wissenschaft bestimmen.

Mit dem von Harald Pager im Rahmen der Kölner Projekte zur Felskunst des südlichen Afrika geschaffenen Fundus an Malereien gelangte noch im Herbst desselben Jahres die wohl weltweit umfassendste Felsbild-Dokumentation an die Universität zu Köln.

Dabei lag weder vom Antragsteller noch von Harald Pager selbst ein Konzept zur Auswertung und Publikation einer solchen, in achtjähriger Kopierarbeit entstandenen Datenfülle vor. Obwohl im Rahmen von DFG-Begutachtungen wiederholt Fragen zu Inhalt und Deutung der Bilder angesprochen worden waren, hatten - ganz im Sinne des Initiators des Projektes, Hermann Schwabedissen - immer Erfassung und Erhalt der Felskunst im Vordergrund gestanden.

Und auch als es nun darum ging, ob und wie 43000 einzelne Figuren zu veröffentlichen seien, setzten die DFG und ihre Gutachter zuvorderst auf den Eigenwert der Daten und bewilligten die Mittel für den Versuch, einen ersten, katalogartigen Band zu erstellen. Daß Tilman Lenssen-Erz dieses Vertrauen einmal so rechtfertigen und welche wissenschaftlichen Früchte es tragen würde, war damals allerdings noch nicht abzusehen.

Tilman Lenssen hatte sein breit angelegtes Studium in Afrikanistik und Vor- und Frühgeschichte in Marburg 1981 mit einer sprachwissenschaftlichen Magisterarbeit aus dem Tschad-Gebiet abgeschlossen. Vorauf gegangen waren u.a. eine Schlosser-Ausbildung und Reisen durch Marokko, Ägypten und den Sudan. Es folgten Jahre intensiver Ausgrabungstätigkeit in Deutschland, Tunesien und Ägypten, die ihn zu dem Archäologen werden ließen, der mit einem durch reiche Felderfahrung geschärften kritischen Blick auf Aussagekraft und Grenzen empirischer Daten die Brücke zu Theorie und 'kognitiver Archäologie' zu schlagen vermochte.

Zunächst aber wollte er vor Ort in Afrika arbeiten und dachte kaum daran, seine wissenschaftliche Zukunft einmal sechs Kilometern Kunststoff-Folie voller Figuren zu widmen. Einmal damit konfrontiert, erkannte er allerdings rasch deren kulturgeschichtliche Bedeutung sowie die Möglichkeiten für seinen wissenschaftlichen wie persönlichen Dialog mit Afrika und sagte zu, Harald Pager seine Feder zu leihen.

Daß er sich damit nicht zufrieden geben würde, erscheint heute klar. "Inveniam viam aut faciam. - Finde den Weg oder schaffe ihn Dir!" Dieses Wort ist wohl geeignet, sein wissenschaftliches wie praktisches Vorgehen zu charakterisieren. Einen vorgezeichneten Weg zur Bearbeitung archäologischer Quellen dieser Art gab es nicht und so galt es, einen neuen methodischen Ansatz zu finden.

Indem er Felsbilder wie Sprache als Mittel der Kommunikation betrachtete, lag es nahe, daß er sich dazu des vertrauten Handwerkzeugs der Sprachwissenschaft bediente. Das von ihm entwickelte textuelle Konzept, Felsbilder zu "lesen" lieferte ein Ordnungssystem, das sowohl die katalogmäßige Erfassung der großen Datenmengen durch Hilfskräfte möglich machte als auch feste, vergleichbare Strukturen als Voraussetzung für empirische Analysen schuf.

Im Jahr 1989 war der erste Doppelband fertig: 'Amis Gorge', als Band l der Reihe AFRICA PRAEHISTORICA ein Meilenstein für das gerade gegründete Heinrich-Barth-Institut, den der deutsche Außenminister dem Präsidenten des jungen Staates Namibia 1990 bei dessen Unabhängigkeitsfeier überreichte - besonders aber ein Meilenstein für die Felsbildforschung. Weltweit fand der Band große Anerkennung, u.a. 1990 als "Book of the Year" des Verbandes der australischen Felsbildforscher.

Aber es gab auch harsche Kritik, geboren aus der gerade im Aufwind stehenden Schule der "kognitiven Archäologie" von David Lewis-Williams, die jeden empirischen Ansatz ablehnt, da Daten an sich nicht objektiv seien und ihre Aussage durch die kulturelle und soziale Prägung des Bearbeiters bestimmt würde, so daß sie einer Sinndeutung eher im Wege ständen. Ja, der Vorwurf ging so weit, daß infolge einer unvermeidlich eurozentrischen Sichtweise empirischer Forschung Inhalt und Wert der Felskunst verfälscht und herabgemindert würden.

Tilman Lenssen-Erz ist seinen Weg weiter gegangen, hat Konfrontation durch Integration abgebaut und liefert mit diesem Buch den Beweis, daß es wohl möglich ist, über empirische Daten zu kognitiven Resultaten zu kommen. In den "Bildern, die die Welt deuten" werden dabei u.a. kognitive Muster eines "dritten Geschlechts" sichtbar, die zeigen, daß nicht Status und Rollenzwänge, sondern gemeinsames Handeln das Wesen dieser "Kunst des sozialen Menschen" ausmachte, die in ihrer überzeugend dargestellten "ökologischen Glaubwürdigkeit" vor allem wohl dazu diente, die fast alltäglichen Krisen einer instabilen Umwelt zu bewältigen.

Man möchte meinen, Tilman Lenssen-Erz habe bei den Brandberg-Malern Züge seiner eigenen Grundhaltung, die ihn im Alltag des Instituts leiten, wiedergefunden: Gemeinschaft, Gleichheit - nur die Mobilität hat er zu dessen Gunsten aufgegeben.


Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkung

Einleitung

+ Kontextualisierung der Felsmalereien
Der natürliche Kontext
- Topographie und Geologie
- Klima und Paläoklima
- Pflanzenwelt
- Tierwelt
Der kulturelle Kontext
- Archäologie
- Ethnographie
Der wissenschaftliche Kontext
- Forschungsgeschichte
- Das Spannungsfeld empirischer und hermeneutischer Felsbildforschung

+ Einzelmotive
Das Einzelmotiv - Implikationen einer Selbstverständlichkeit
- Exkurs l: Über die Kategorien-Bildung in der menschlichen Kognition
- Exkurs 2: Über die ökologische Kompetenz der südafrikanischen Jäger und Sammler

+ "Text" als Konzept der Untersuchung - Theoretische und praktische Modelle aus Analysen von Sprachen und materieller Kultur
Textualisierung von Felsbildern
- Die Einzelfigur als Elementarer Datensatz (EDS)
- Der Aktionsindex (AI)
Quantitative Daten zu den Einzelmotiven
- Katalog der Einzelmotive
- Formenkundliche Ansprache
- Die Motive und ihre Verbreitung
- Quantitative Vergleiche mit anderen Regionen
Handlungsbezogene Analysen
- Korrelation formenkundlicher Gruppen und Aktionsindex
- "Homo"
- Das Tierreich
- Nutzungsmuster von materieller Kultur in den Malereien am Beispiel der Bögen
- Das Ziel gerichteter Handlungen
Zusammenfassende Interpretationen
- Menschliche Figuren
- Materielle Kultur in den Malereien
- Das Tierreich

+ Szenen
Das Konzept der Szene - Theoretische Aspekte
- Das terminologische Problem "Komposition" vs. "Szene"
- Szene vs. Komposition - ein Abgrenzungsversuch
- Szenen als strukturelle Ordnungsgröße
- "Kohärenz" als essentielle Konstituente von Szenen
- Das Meßsystem zur Feststellung von "Kohärenz"
- Das Gewicht der "Kohärenz" in der Analyse
Das Konzept der Szene - Praktische Aspekte: Die Triade struktureller szenischer Grundkomponenten "Thema - Fokus - Setting"
- Das Thema
- Der Fokus
- Das Setting
- Zusammenfassung
Analyse von Szenen
- Die Themen der Szenen
- Die Foki der Szenen
- Die Settings der Szenen
Interpretation der Daten von Szenen
- Themen
- Die Foki
- Die Settings
Zusammenfassung

Überlagerungen
Überblick und Forschungsstand
Systematische Arbeiten
Analytische Darstellungsweisen von Überlagerungen
- Die isometrische Schichtendarstellung
- Die Darstellung in Form einer Harris-Matrix
- Datenbank und tabellarische Einzelanalysen
Auswertung der Überlagerungen
- Grundlegende Daten
- Überlagerungen und der Faktor Zeit
Interpretationen der Daten
- Generelle Übersicht
- Argumente für eine zeitliche Ordnung der Überlagerungen
- Argumente für eine sinnbezogene Ordnung der Überlagerungen
- Fazit

Fundstellen
Einführung
Stand der Forschung
Ordnungssystematiken für Felsbildstellen
- Rangordnung der Fundstellen
- Felsbildstellen-Merkmale
- "Infrastrukturelle" Felsbildstellen-Merkmale
- Gestaltete Felsbildstellen-Merkmale
- Präsentation der Malereien
- Funktionsbereiche der Felsbildstellen
- Das Ideale Merkmalsprofil der Fundstellen-Klassen
Der Bestand der Felsbildstellen im Untersuchungsgebiet
Analyse der Felsbildstellen
Komplexität der Felsbildstellen
Räumliche Verteilungsmuster der Fundstellen-Klassen
Nutzungsstruktur der Neugruppierungen
Primär- und Sekundärfunktionen der Felsbildstellen
Unmittelbare Nachbarn der Fundstellen-Klassen
Interpretation der Daten und Zusammenfassung
- Klasse A - "Markierungspunkt"
- Klasse B - "Kurzzeit-Wohnplatz"
- Klasse C - "Dauerwohnplatz" und Klasse D - "Versammlungslager"
- Klasse E - "Ritueller Ort bei Gelegenheit"
- Klasse F - "Planmäßiger ritueller Ort"
- Klasse G - "Sanktuarium, Eremitage"
- Zusammenfassung

Synopsen
- Synopsis (deutsch)
- Synopsis (English)
- Resume (francais)

Glossar

Literatur

Anhänge A - C
- Anhang A - Tafeln (Taf. l - 23)
- Anhang B - Tabellen (Tab. I - XXI)
- Anhang C - Karten (Abb. I - XXIX)

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