Springe zum Hauptinhalt »

Seiten durchsuchen

0 Artikel, 0,00 €
zum Warenkorb »

Your Shopping cart is empty.

 

Gästefarm - Afrika einmal anders

Gästefarm - Afrika einmal anders

Die Geschichte der Farm Bergquell, gewürzt mit dort erlebten Anekdoten
Wucher, Heide
16018
neu

sofort lieferbar

19,95 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten
Gästefarm - Afrika einmal anders

Autorin: Heide Wucher
Kuiseb-Verlag
Windhoek, 2005
Broschur, 15x21 cm, 136 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Einleitung:

Im Südwesten des afrikanischen Kontinents liegt das heutige Namibia und deshalb wurde es auch bis zum Jahre 1990 Südwestafrika genannt.

Schon seit mehr als einem Jahrhundert gibt es starke Bindungen von Menschen aus Deutschland zu diesem Land. Bis heute zog es immer wieder Touristen und Auswanderer an.

So war es auch mit der Familie Wucher. Der erste Wucher, Joseph, kam im Jahr 1904 als Schutztruppler nach Südwestafrika.

Sein Bruder Fritz folgte ihm 1912 nach. Als dann die damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen vorbei waren, beschlossen die Brüder, hierzu bleiben.

Unter dem Namen „Gebrüder Wucher" gründeten sie eine Firma und hantierten fortan alles, was mit Technik zusammenhing, vor allem im Bereich von Autoreparaturen, Wasserförderungsanlagen, Standmotoren als auch Windmotoren.

Von ihrem Sold hatten sie eine Kleinsiedlung, elf Hektar groß, am Ufer vom Okahandjafluss erworben. Inzwischen lebt nun die vierte Generation der Wucherfamilie hier im Land und es sind einhundert Jahre her, seit der erste Wucher namibischen Boden betrat.

Damit kann man durchaus davon sprechen, dass diese Familie feste Wurzeln hier im Land hat. Möge es auch zukünftigen Generationen möglich sein, eine gesunde und lebenswerte Existenz zu erhalten.

Es gab gute Zeiten und es gab schlechte Zeiten, die meistens von der Güte der Regenmenge abhingen. Bargeld war ständig Mangelware und oftmals konnten die Farmer ihre Rechnungen nicht begleichen; manchmal gab es Außenstände, die sich über Jahre hinstreckten.

Als dann nach einer Verlobungszeit von zwölf Jahren Anna Afra Wucher, geb. Holzmann, ihren Fritz im Jahre 1923 in Deutschland geheiratet hatte und aus München nach hier in den Busch kam, wurde das Junggesellenleben der Gebrüder Wucher beendet und Anna nahm die geschäftlichen Fäden in die Hand.

Bald schon im Jahre 1928 beantragte Anna eine Handelslizenz und damit war der Grundstein für den „Wucher-Store" gelegt. Als Kunden kamen hauptsächlich Menschen aus dem Ovitoto-Reservat, wie auch Mitarbeiter der Liebig-Fabrik, in der schon zu damaliger Zeit Fleischextrakt hergestellt wurde. Diese lag in unmittelbarer Nachbarschaft der Kleinsiedlung.

Das Ladengeschäft erwies sich als finanzielle Rettung, vor allem dann, wenn ausstehende Rechnungen von den Farmern an die Handwerker Wucher nicht bezahlt werden konnten. Anna nahm ja Bargeld ein. Und tüchtig war diese Frau! Ihre Nähmaschine stand im Laden und fleißig ratterte diese, wenn keine Kunden da waren. Hemden für die Männer und Kopftücher für die Frauen kamen aus dieser Produktion heraus und wurden dann verkauft. Noch heute kann ich mich deutlich an die verschiedenen Gerüche erinnern, die von Kaffee, von Petroleum, von Mehl, von Tabak und eben all den Artikeln, die im Lädchen, dem WUCHER-STORE, verkauft wurden, ausströmten.

Dazu hatte Anna Wucher die kaufmännische Ader, die ihren Handwerkermännern fehlte und sorgte dafür, dass Rechnungen geschrieben wurden, was die Männer ausgesprochen lästig fanden. Man kaufte dann im Laufe der Zeit Farmland zusammen, wann immer Geld dazu vorhanden war. Das wirtschaftliche Auf und Ab aber blieb auch in der nächsten Generation gegenwärtig.

Die Folge schlechter Regenzeiten waren Notverkäufe von Rindern. Im Moment hatte man dann Geld auf dem Konto, konnte jedoch in den kommenden Jahren weniger Tiere verkaufen und das zeichnete sich dann auf dem Bankkonto ab. So überlegten nun fast alle Farmer, wie sie sich ein zweites Standbein einrichten könnten, um die Unsicherheit der Regensaison und damit enorme Einnahmeausfälle auszugleichen. Man selber konnte sich immer noch und immer noch ein wenig mehr einschränken.

Die laufenden Kosten aber blieben bestehen als da waren: Löhne und Gehälter für die Mitarbeiter, Deputat für die Angestellten, Kosten für das Auto und die Pumpanlagen, die Schul- und Internatsgelder für die Kinder, Futtermittel und noch vieles mehr.

Durch den zügig vorgenommenen Ausbau unserer Farm Bergquell, die auch auf diesem Sektor spürbare Kostenexplosion und die hinterher hinkenden Erträge aus dem Viehverkauf, hatten wir noch beachtliche Schulden. Und genau zu diesem Zeitpunkt zogen auch wir den Gedanken, zusätzlich zu Rindern mit Gästen zu farmen, ernsthaft in Erwägung. Vorher hatten wir viele Ideen durchdacht und wieder verworfen. Damit waren wir dann die dritte oder vierte Gästefarm im Land. [...]


Von Melle nach Namibia:

Geboren und aufgewachsen bin ich in der Kleinstadt Meile in Niedersachsen in Deutschland. Eigentlich wollte ich Ärztin werden. Dieser Wunsch wurde aber von der Mutter blockiert mit der Begründung, das sei ein so langes Studium, dann wolle man womöglich heiraten und sei nicht fertig ..... und überhaupt. Nun, damals, 1953, fügte man sich noch und es wurde dann die Krankengymnastik daraus. Zuvor aber bestand die Mutter auf einem hauswirtschaftlichen Jahr.

Dieses brachte mich dann zur Landfrauenschule Chattenbühl bei Hannoversch-Münden, deren Träger der Reifensteiner Verband war. Das Motto dieser Schulen hieß: Mut, Ausdauer, Idealismus und Demut, damit wurden wir als MAID bezeichnet. Wenngleich diese Wertmaßstäbe auch heute noch als positiv zu bewerten sind, klingen sie doch eher restlos veraltet.

Doch wird deutlich, dass zusätzlich zu den praktischen Fächern, geistig/seelische Werte in dieser Landfrauenschule vermittelt worden sind, die auch nach fünfzig Jahren noch ihren Platz im Leben einer Altmaid haben, dazu Freundschaften trotz der großen Entfernung zwischen Deutschland und Namibia nach so vielen Jahren noch bestehen. Und nicht jede Lehrerin hat wohl 47 Jahre lang ihrer ehemaligen Schülerin alljährlich zu Weihnachten einen Kalender und eine Kerze auf die Reise nach Namibia geschickt, einfach, um Freude zu machen und Verbundenheit zu zeigen.

Aus der Stadt stammend, waren derlei Erlebnisse wie das Waschen von Kuhschwänzen, am Gummieuter das Melken erlernen, mehr oder weniger unsinnige Lernprozesse in meinen Augen. Auch Hausschlachtung, wobei man die Hände in eine Wanne voller Leberwurstmasse zu stecken hatte .... nun, das würde ich ja alles nie wieder gebrauchen, glaubte ich zu der Zeit sicher zu wissen.

Doch da hatte ich mich gewaltig geirrt! 1955 begegnete ich in der Schweiz meinem späteren Mann, der im damaligen Südwestafrika geboren und aufgewachsen war und nun seine erste Europareise nach dem Krieg machte. Es funkte sehr schnell zwischen uns und am liebsten wäre ich sofort mit ihm in den Busch geeilt. Doch da gab es wieder ein Veto vonseiten der geliebten, wenn auch strengen Mutter. Sie verlangte ein Jahr Bewährungsprobe! Und es war klar, dass ich mich fügte.

So verbrachte ich einen Teil der Zeit mit Vorbereitungen für ein Leben in Afrika. Wie lustig sah das nachher im Rückblick aus, denn nach meiner Einreise im Februar 1957 waren plötzlich so ganz andere Dinge viel wichtiger als ein in Kreuzstich gehandarbeitetes Monogramm im Staubtuch. Doch wer hätte das wissen können, hatte ich doch den Vorschlag der Mutter, erst einmal nach Südwestafrika zu fliegen und mir anzuschauen, ob ich dort wirklich ein Leben lang bleiben wolle, in den Wind geschlagen.

Großspurig hatte ich erklärt, ich wisse, ich käme mit dem Mann zurecht und alles andere sei mir egal. Den Mann, meinen zukünftigen Mann, hatte ich wohl gemerkt ganze 21 Tage in Deutschland erlebt, wenn ich alle Treffen in Stunden zusammen zählte. Nun, ich weiß noch heute, wie mir zu Mute war, als mein Mann mich zum ersten Mal mit in einen „Kral" nahm und ich mich inmitten vieler Rinder wiederfand. Auf dem Chattenbühl gab es derer fünf und die waren so zahm! Doch kneifen gab es nicht und somit bemerkte mein Mann gar nicht, dass seine junge Frau sich im Kral nicht so recht wohl fühlte.

Damit wurde ich sofort ins kalte Wasser geworfen und das war auch gut so. Meine ersten selbst gebackenen Brote wären dazu geeignet ge-wesen, einem Zahnarzt zu Wohlstand zu verhelfen oder zu testen, ob man einen empfindlichen Magen hätte, essen konnte man diese jedenfalls nicht. Und so ging es weiter. Erfahrung im Kochen hatte ich ja auch nicht, wohl aber die vielen, akkurat notierten Rezepte vom Chattenbühl. Allerdings ging es ja nun hier um so vollkommen andere Zutaten im Angebot.

Dadurch gedieh aber sehr schnell die Freude am Improvisieren, wenn aus der Keule einer Antilope etwas zelebriert werden musste, weil kein Kalbfleisch vom Metzger zurecht geschnitten verfügbar war. An Stelle von Johannisbeeren mussten stachelige Kaktusfeigen zu Gelee und Saft verarbeitet werden. Auch der Schinken wurde aus Antilopenfleisch hergestellt.

Natürlich hatte ich auch eine gute Nähmaschine mit in die Aussteuer bekommen. Und damit wurde es dann schon kritischer, hatte ich doch im Nähunterricht mit Erfolg die Flicken aus dem Papierkorb geholt, die eine andere Schülerin dort als nicht perfekt genug hinein getan hatte. Oft genug galt es nun aber Arbeitskleidung des Farmers zu flicken, da in diesem Land kaum ein dornenloser Busch oder Baum existiert.

Und um das Thema abzuschließen: auch auf dem Gebiet habe ich es zu ausreichender Perfektion gebracht, habe sogar später Hunderte von Baumwollröcken für den monatlich in Windhoek stattfindenden Morgenmarkt genäht und dort verkauft. Auch meine vier Kinder wurden bestrickt und benäht wie das damals üblich war. Da es in den Anfangsjahren auch noch keinen Strom gab, wurde die Wäsche auf einem Waschbrett gerubbelt und die Windeln (ja, bitte schön, richtige Mullwindeln!) auf dem Ofen ausgekocht.

Der ganz große Fortschritt auf dem Gebiet des Wäschewaschens stellte sich dann mit einer gebraucht erworbenen „Miele"-Waschmaschine ein. In diese tat man die vorher eingeweichte Wäsche, gab heißes Wasser hinzu und auch Waschpulver. Dann musste ein „Fichtel & Sachs" Motor gestartet werden, was mir nicht immer auf Anhieb gelang ... und so nuddelte eine Art Knetarm in der Maschine die Wäsche hin und her. Es war wirklich noch Afrika pur und manches Mal kommt man heute nicht umhin, sich nach diesem oder jenem zurückzusehnen. [...]


Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
Die ersten Schritte
Warum nicht mal auf eine Gästefarm?
Unsere ersten Gäste
Einfach toll, was alles so am Esstisch geschehen kann!
„Klorollen" haben Hüte auf
Auf unsere Küche sind wir schon ein wenig stolz!
Auf Pad mit unseren Gästen
Zigarrenduft tut Not!
Völkerverständigung
Nächtliche Intermezzi
Abendliche Unterhaltung
Bergquellgäste sind aktiv
Gäste für die Couch
Dienstleistungsberuf
Ein Tag wie jeder andere!
Können Blinde doch sehen?
Suchtgelüste
Vielseitige Gästefarmer
Ahnenforschung in Namibia
„Eduscho" - Pfanne
Reiten auf Bergquell
Unterschiedlichste Vorstellungen von einer Farm in Afrika
Geschichten aus Kiste 64
Kleiner Karl Ja oder nein?
Unsere Mohren
Personelle Engpässe
Schicksalsschlag für Nangolo
Der Farmer und die Jagd
Haustöchter-Hauswirtschaftsleiterinnen und ein Koch!
Dialekte
Von Gästen und ihren Geschichten
Unsere Hunde
Aktive Gäste
Bergquellgäste leisten Entwicklungshilfe
Unsere Mohren bekommen schöne Häuser
Diebe und Wilderer
Und immer wieder Grasbrand
Regen - ein Thema ohne Ende
Das Leben ist mannigfaltig!
Allen Gästen recht getan
Mein Weg von Meile nach Namibia
Pionierarbeit
Harte Burschen an der Bohrmaschine
Feste auf Bergquell
Beruf: Farmersfrau