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Eine Reise in die Vergangenheit

Eine Reise in die Vergangenheit

Eine "Heimwehreise" einer Deutsch-Ostafrikanerin nach Tanganijka in 1961
Haberland, Herta
43005
neu

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10,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Autorin: Herta Haberland
Privatdruck
Ohne Orts- und Jahresangabe
Broschur, 15x21 cm, 87 Seiten


Unsere Beschreibung:

Herta Haberland, geb. 1901, lebte von 1908-1920 im damaligen Deutsch-Ostafrika und noch unter britischer Mandatsverwaltung. Sie schildert in den hier vorliegenden Tagebuchaufzeichnungen recht anschaulich eine Reise zu den Stätten Ihrer Kindheit und Jugend, die sie 40 Jahre später, 1961, mit Ihrem Mann unternahm. Was bewegte Herta Haberland, als sie nach vier Jahrzehnten die nun „Tanganjika“ genannte Heimat betrat.


Auszug aus dem Text:

Ev. Missionsstation Mialo, 28.8.61

Nun sind wir schon 4 1/2 Tage in Afrika, und ich habe sehr viel nachzuholen. Nachdem wir das Kap Guardafui in der Nacht vom Sonnabend (19./8.) zum Sonntag (20./8.) umschifft hatten, empfing uns eine vom Südwest-Monsun wild bewegte See, "a heavy rough sea", wie es im Tagesbericht hieß; der Sturm verstärkte sich während des folgenden Tages, und gegen Mittag erreichte uns die Nachricht, daß am Kap Guardafui ein englischer Frachter im Sinken begriffen sei; die Warwick-Castle bot daraufhin sofort ihre Hilfe an, die aber nicht angenommen wurde, weil ein näher befindliches Schiff bereits herbeieilte.

Wir schrieben an diesem Montag Tagebuch und Briefe für Mombasa. Am Dienstag flaute der Monsun etwas ab, und ich war fast den ganzen Tag damit beschäftigt, alle Koffer bis auf einen umzupacken, weil wir zwei Koffer mit dem Schiff direkt bis Daressalam durchgehen lassen wollten. Abends gab es einen Film in der Lounge, dessen militärischer Inhalt uns nach deutschen militärischen Begriffen recht seltsam anmutete. Vom Schlußbild eines jeden Films, der Queen hoch zu Roß, bei dem die Nationalhymne gesungen wird, war diesmal nichts zu sehen, weil die Zuschauer vorzeitig die Lounge verliessen und dabei die Leinwand verdunkelten. Otto sagte mir nachher, daß ein Teil des Pferdes sich auf meiner Bluse befunden hätte.

Am Mittwoch, dem 23.8. früh, unserem Ankunftstag in Mombasa, war mir recht seltsam zumute, und es dauerte einige Zeit, ehe ich darüber hinweg war. Vormittags packte ich die letzten Sachen und ging dann noch einmal zum Friseur. Zwischen Mittagessen und Kaffee kam die Küste in Sicht, aber es dauerte bis 5 Uhr p.m., ehe wir am Kai angelegt hatten. Die Einfahrt nach Mombasa-Kilindini war sehr reizvoll; die alte heimatliche ostafrikanische Küstenlandschaft mit ihren Kokospalmen, Eingeborenenhütten und Affenbrotbäumen umgab mich plötzlich wieder, als lägen nicht 40 Jahre dazwischen.

Die Gangway wurde am Schiff montiert aber abgesperrt; die Passagiere durften noch nicht an Land, bis sämtliches Gepäck derjenigen, die hier das Schiff verliessen, aus dem Hold und dem anderen Gepäckraum ans Tageslicht befördert war. Inzwischen hatten die Behördenvertreter sich im Salon der l. Klasse niedergelassen und kontrollierten die Papiere der Passagiere, die in Mombasa einreisen wollten; jeder bekam einen Visumstempel in seinen Pass. Im Rauchsalon hatten inzwischen Vertreter der Zollbehörde, der Banken, der Reisebüros und der Omnibuslinien Posten bezogen. Wir erkundigten uns, ob der Weg von Mombasa nach Tanga trotz der Regenfälle befahrbar sei und liessen für den nächsten Vormittag drei Omnibusplätze buchen. Sicherheitshalber schlossen wir uns mit unserem Gepäck bereits an diesem Abend den Passagieren an, die ihr Gepäck im Zoll kontrollieren liessen weil sie sofort nach Beendigung dieser Prozedur mit dem Sonderzug, der schon auf sie wartete, nach Nairobi und in das weitere Hinterland fuhren.

Das Gepäck wurde direkt in den Zollschuppen befördert, die Passagiere mußten von der letzten Stufe der Gangway direkt in einen Omnibus steigen, der uns ebendahin brachte, ein Schmuggel war ausgeschlossen; man durfte den kurzen Weg nicht zu Fuß zurücklegen. Im Zollschuppen war alles erstklassig organisiert: das Gepäck der Passagiere war nach den Anfangsbuchstaben sortiert, jeder fand das Seine fein säuberlich auf einem Haufen vor der Stelle des langen Kontrolltisches, die seinem Anfangsbuchstaben zugeteilt war. Ein halbuniformierter Eingeborener ergriff unsere Gepäckstücke und stellte sie auf den Tisch, sobald eine Lücke frei war. Unsere englische Nachbarin, eine unserer Tischgenossen vom Schiff, die in Nairobi angestellt war, mußte sämtliche Koffer öffnen und durchwühlen lassen. Bei uns wurde nichts aufgemacht. Wir erhielten an allen Gepäckstücken das Kontrollzeichen und waren in Gnaden entlassen. Das Gepäck wurde auf einen Karren geladen und zur Gepäckaufbewahrung gefahren, wo wir es am nächsten Morgen abholten. Mit einer Tasche, in der sich unser Nachtzeug befand, kehrten wir an Bord zurück, diesmal zu Fuß, und schliefen noch einmal in unserer Koje.

Am 24.8. früh nach dem Kaffee nahmen wir Abschied von unserem Schiff und gingen an Land. Wir gingen zum Zollschuppen, empfingen dort unser Gepäck und nahmen uns eine Taxe zur Omnibushaltestelle. Zunächst suchten wir das Büro der "Kenia Bus Services Ltd." um zu fragen, wo der Bus stünde, in dem wir Plätze gebucht hatten. Nach längeren Schwierigkeiten fanden wir ein Büro, in dem niemand von uns etwas wußte; der Bus nach Tanga war um 8 Uhr bereits gefahren, um 9 Uhr ging kein Bus dieser Gesellschaft, sondern nur ein anderer "out of syndicate", der also nicht dazugehörte, der unweit unserer Taxe stand und mit Einheimischen bereits gefüllt war. Kurz entschlossen, nahmen wir das Angebot unseres Taxifahrers an, uns für 200 ostafr. Shilling nach Tanga zu fahren. Wir setzten mit einer Fähre über einen Wasserarm und tankten zunächst, ehe wir die 111 Meilen weite Fahrt (etwa 190 km) antraten.

Die Fahrt ging zunächst durch Buschland bergauf, bergab, ringsumher bewachsene Bodenerhebungen und hin und wieder Ausblicke auf den Indischen Ozean. Unterwegs lief zweimal ein Hundsaffe über den Weg. Das Bild änderte sich fast schlagartig, nachdem wir die Grenze zu Tanganyika überschritten hatten. Der Weg ging nun durch Kokospalmenschamben der Eingeborenen mit freundlichen Dörfern, die vor Tanga in große Sisalplantagen übergingen, die früher einmal Deutschen gehört hatten. Und dann waren wir in Tanga, dem nördlichsten Hafen des ehemaligen Deutsch-Ostafrika. Vor dem Park-Hotel am früheren Bismarckplatz, das der Schweizer Familie Ochsner gehört, machten wir halt. Wir begrüßten Frau Ochsner und liessen uns die Zimmer zeigen, die Herr Scheel für uns bestellt hatte. Das unsrige ging auf den Garten hinaus, in dem Bougainvilla und fast alle heimatlichen Sträucher um die Wette blühten. [...]