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Ein Werk deutscher Kolonisation auf Fernando Poo

Ein Werk deutscher Kolonisation auf Fernando Poo

Auszug aus dem 30. Jahrgang des Deutschen Kolonialblattes 1919
Traditionsverband (Hg.)
50209
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Ein Werk deutscher Kolonisation auf Fernando Poo

Herausgeber: Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen
Beiträge zur deutschen Kolonialgeschichte, Band 2
Sonderdruck, 1983
Broschur, 15x21 cm, 32 Seiten, 6 sw-Fotos


Vorbemerkung des Herausgebers:

Den nachstehenden Bericht entnehmen wir dem 30. Jahrgang des Deutschen Kolonialblattes aus dem Jahre 1919. Es handelt sich um die Übersetzung einer spanischen Schrift, die Anfang 1919 in Madrid erschienen ist und zum erstenmal die Schicksale der bei dem Rückzug der Deutschen aus Kamerun im Februar 1916 auf das spanische Mum-Gebiet übergetretenen Schutztruppe und der den Deutschen freiwillig gefolgten Kamerun-Eingeborenen behandelt. Die Unterbringung, Verpflegung und sonstige Versorgung der über 17.000 Menschen auf der Insel Fernando Poo stellte eine organisatorische Leistung ersten Ranges dar, so daß dieser Bericht seinerzeit weit über die Grenzen Spaniens in der neutralen Presse gebührende Beachtung fand.

Die Schriftleitung des Deutschen Kolonialblattes hielt es daher für angebracht, diese deutsche Übersetzung im nichtamtlichen Teil zu veröffentlichen, "...überzeugt, daß ihr Inhalt in Deutschland um so mehr großes Interesse wachrufen wird, als über die hier geschilderten Vorgänge bei uns noch wenig bekannt geworden ist". Da auch heute noch in den Massenmedien vielfach die Meinung vertreten wird, daß Deutschland unfähig gewesen sei, zu kolonisieren und das Hauptziel der deutschen Kolonialpolitik die Ausbeutung der Eingeborenen gewesen sei, scheint es auch uns erforderlich, die damaligen Ereignisse, die ja ein Teil der deutschen Kolonialgeschichte sind, ins Gedächtnis zurückzurufen. Dabei verweisen wir auf den Bericht des damals auf Fernando Poo als Kompaniechef eingesetzten Leutnants Max Köhn in Nr. 44 des Mitteilungsblattes "Der letzte Geschichtsabschnitt der deutschen Schutztruppe in Kamerun". Wir geben den sehr ausführlichen spanischen Bericht etwas gekürzt wieder.


Auszug aus dem "Deutschen Kolonialblatt" 1919:

[...] Nach dem Rückzuge der Deutschen aus Kamerun, hatten ihre 6000 farbigen Soldaten mit doppelt so großem Anhang an Frauen und Kindern, sowie 3000 anderen Eingeborenen des Landes auf Fernando Po eine gastfreundliche Aufnahme gefunden. Sie haben dort unter Anleitung und Aufsicht ihrer wenigen deutschen Herren und unter der fürsorglichen Unterstützung der spanischen Regierung Dörfer, Europäerniederlassungen, Farmen, Wege, Brücken und alle möglichen anderen Einrichtungen angelegt, die das beste und beredtste Zeugnis ablegen von der langjährigen, verständnisvollen Erziehung der deutschen Eingeborenen zur Arbeit, Ordnung und Sauberkeit; sie haben dort während ihres fast dreijährigen Aufenthalts, fern ihrer Heimat, getrennt auch von den meisten ihrer alten deutschen Herren, sich mit Würde in ihre Lage gefügt, sich willig den Anordnungen der spanischen Regierung unterworfen und doch die Treue und Anhänglichkeit an die deutsche Verwaltung sich bewahrt.

Daß die farbigen Soldaten, von verhältnismäßig wenigen ängstlichen, meist jüngeren Leuten abgesehen, ihren Herren beim Grenzübertritt in ihren bisherigen Verbänden geschlossen und geordnet freiwillig auf spanisches Gebiet folgten, das bleibt immerhin ein bemerkenswertes Zeichen der deutschen Manneszucht; daß aber außerdem mit ihnen viele Tausende anderer Eingeborener Kameruns, darunter mehrere hundert der bedeutendsten Häuptlinge des Waldlandes das gleiche Schicksal teilen wollten und zumeist mit Gewalt zurückgehalten werden mußten, das ist die ehrendste Anerkennung, die dem deutschen Wirken in Kamerun überhaupt zuteil werden konnte. Die überwiegende Mehrzahl dieser Eingeborenen waren Jaundes.

Da der Hauptangriff der verbündeten Feinde gegen Jaunde gerichtet war, als den eigentlichen Mittelpunkt und Kern der Kolonie, den Standort der obersten Kommandostelle und den Sitz der Schutzgebietsverwaltung, so hatten während des Krieges die Einwohner dieses Bezirks ganz wesentlich die Lasten der Landesverteidigung und der Verwaltung aufzubringen und zu tragen gehabt. Sie waren bis zum letzten Tage all den harten Anforderungen zur Gestellung von Leuten, zur Lieferung von Verpflegung, zur Zahlung von Geld, ja selbst zur Beschaffung von Soldatenkleidung in unübertrefflicher Opferwilligkeit und Treue nachgekommen. Um so mehr glaubten sie, besonders ihre einflußreichen Häuptlinge, den Zorn der Eroberer fürchten zu müssen.

Sie richteten deshalb bei der Räumung Jaundes an die deutsche Verwaltung die flehentliche Bitte, ihr auf das spanische Gebiet folgen zu dürfen. Da es ganz unmöglich war, die Hunderttausende im fremden Lande, ja auch nur auf dem Marsche dorthin zu verpflegen, so konnte nur den einflußreichen Häuptlingen, die am ersten der Berührung mit dem Feinde ausgesetzt waren, ihre Bitte gewährt werden, und von ihnen auch nur denen, die sich verpflichten wollten, allein oder nur mit wenigen Begleitern, nicht mit allen ihren Leuten sich den Deutschen anzuschließen. So traten Ende Januar 1916 etwa 100 Häuptlinge Kameruns mit 1500 Köpfen Anhang auf spanisches Gebiet über und fanden zunächst am Batastrand ein vorläufiges Unterkommen unter Aufsicht des Bezirksleiters von Jaunde.

Wenn man berücksichtigt, daß nach spanischer amtlicher Schätzung an 60 000 farbige Kameruner die Grenze überschritten hatten, von denen 40 000 der Verpflegungsschwierigkeiten halber und aus sonstigen Rücksichten wieder zurückgesandt wurden, so ist ohne weiteres klar, daß Hunderttausende ihren Herren gefolgt wären, hätte es allein von dem Willen der Eingeborenen abgehangen. Dabei bleibt zu bedenken, daß die mehr der Grenze zu wohnenden Neger des südlichen Kamerun, wie die Bulus, bei all ihrer Anhänglichkeit an die deutsche Verwaltung leichter in ihren Dörfern zurückblieben, weil ihnen im schlimmsten Falle der Weg nach der benachbarten Kolonie immer offen stand, ohne daß sie darum erst weite Märsche durch fremdes Stammesgebiet zu machen brauchten, wie die Jaundes und ihre Weggenossen aus dem Norden und Osten.

Ebenso verständlich war es, daß ungezählte deutschgesinnte Eingeborene in allen Teilen des Schutzgebiets zurückblieben, weil sie ihre Heimat nicht verlassen mochten, die aber mit Wehmut ihre alten Herren scheiden sahen und sich nur durch die Hoffnung auf ihre Wiederkehr trösten ließen. Nicht hoch genug kann, die Treue der Farbigen bewertet werden, die auch im Unglück zu ihren Herren stehen und mit ihnen alle Leiden der Verbannung gern und willig teilen wollen. [...]