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Ein Jahrhundert Tee am Kamerunberg

Ein Jahrhundert Tee am Kamerunberg

Von der deutschkolonialen Versuchspflanzung zur afrikanischen Exportnation für Tee
Belser, Fred
50207
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Ein Jahrhundert Tee am Kamerunberg

Autor: Fred Belser
Verlag: Namibiana Buchdepot
Delmenhorst, 2004
Broschur, 15x22 cm, 112 Seiten, 120 sw-Abbildungen


Verlagsankündigung:

1897 - Kamerun ist eine deutsche Kolonie: Einzel- und Großunternehmungen und die deutsche Administration sind stetig auf der Suche nach lohnenden Geschäftsfeldern und erschließen die geeigneten Regionen des Landes für den Anbau von Plantagen aller Art. In der Hoffnung auf einen erfolgreichen Exportartikel, werden im Botanischen Versuchsgarten von Buea am Kamerunberg, die ersten Teesamen ausgelegt.

Heute, 107 Jahre später, ist Kamerun ein teeproduzierendes Land mit einem Jahresertrag von fast fünf Millionen Kilogramm. Fred Belser beschreibt den langen, beschwerlichen Weg und die Geschichte der Teekultivierung- und Herstellung in Kamerun, insbesondere auf der Pflanzung Tole, der er selbst in den 50er-Jahren als ausgebildeter Tropenpflanzer vorstand und deren Fabrikationsanlagen er damals erstmals errichtete.


Aus „Ein Haus für drei Pflanzergenerationen“:

Das später „Tole-House" genannte, heute noch bewohnte Gebäude, wurde in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut, als auf der Soppo-Pflanzung von Pflanzer Günther (ab 1896) Kakao angepflanzt wurde. Gouverneur von Puttkammer berichtet im Oktober 1898, zusammen mit Dr. Esser, Direktor der WAPV, Günther besucht zu haben.

Ich habe in den fünfziger Jahren, während meiner Tätigkeit auf dieser Pflanzung, mit meiner Familie am Hang des Kamerunberges auf etwa 800m Höhe und 5km von Buea entfernt, in diesem Haus gewohnt. Wir waren nicht die ersten Bewohner und auch nicht die letzten, und von vielen kenne ich nicht einmal die Namen. Ich habe jedoch mit zweien eine Gemeinsamkeit, der erste war auch Niederländer und der zweite auch Deli-Pflanzer.

Ich bin sicher, alle haben während ihrer Zeit auf dieser Pflanzung das Haus und seine Lage geschätzt und geliebt. Ein bißchen feucht war es bestimmt während der großen Regenzeit, wenn Nebel und Wolken zum einen Fenster herein und zum anderen wieder hinauszogen. Nicht umsonst heißt Tole in der lokalen Bakweri-Sprache „träufeln" und Soppo „naß" oder „naß sein". Dagegen gab es auch sonnige Tage, an denen der Vulkanberg klar zu sehen war und man den Atlantischen Ozean und die Insel Fernando Po deutlich erkennen konnte.

Wunderschöne Sonnenaufgänge und -Untergänge und eindrucksvolle Naturerscheinungen gab es zu beobachten, wenn beispielsweise, durch die atmosphärischen Umstände scheinbar vergrößert, der Vollmond so riesig erscheinend aufging, als wolle er die ganze Welt verschlingen. In der Stille der Natur während des Sonnenaufgangs, vor allem zwischen Regen- und Trockenzeit, wenn der Kamerunberg klar und deutlich über alles hinausragte, konnte der Pflanzer, der gerade an die Arbeit ging, sich inmitten der Schöpfung wähnen, ein fast mystisches Gefühl.

Der Niederländer Wilhelm van de Loo war zwar nicht der erste Bewohner, aber doch einer der ersten. Er wurde 1873 in Spijk in den Niederlanden geboren. Nach seinem Abitur ging er nach Surinam, erlernte dort das Handwerk eines Tropenpflanzers und wurde bald nach seiner Hochzeit 1896 Pflanzungsdirektor einer Kakao-Plantage. 1899 bewarb er sich bei der „West Afrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria" (WAPV) als Pflanzungsleiter in Victoria-Kamerun. Im Jahre 1900 reiste er zuerst allein nach Kamerun, seine Frau und drei Kinder blieben noch einige Zeit in Holland, da die Wohnverhältnisse in Kamerun für eine Familie ungeeignet waren. 1902 hatte die WAPV die Kakaopflanzung Soppo von Günther übernommen und das dortige Haus bot für eine europäische Familie mit Kindern wegen des kühleren Klimas ideale Wohnbedingungen.

Das vierte Kind der Familie van de Loo wurde in diesem Haus geboren. 1907 kehrten zuerst die Kinder zum Schulbesuch nach Europa zurück, ein Jahr später folgte die Mutter nach. Wie lange Herr van de Loo noch im Tole-Haus gewohnt hat, ist unbekannt. Es kann sein, daß er nach seiner Beförderung zum Vorstandsmitglied und allgemeinen Pflanzungsdirektor noch ein anderes Domizil in Bota oder Victoria bezogen hat. 1911 wurde Wilhelm van de Loo in Deutschland naturalisiert, 1914 dann als Kriegsgefangener nach England verlegt, wo er 1915 seiner holländischen Herkunft wegen freigelassen wurde. Er kehrte nicht mehr nach Kamerun zurück.

Als die WAPV im Jahre 1925 ihre Pflanzungen wieder zurückkaufen konnte, wurde die Idee einer Teeversuchspflanzung wieder aufgegriffen. Wilhelm Kemner, Vorstand der WAPV, schlug einem Schwager, wahrscheinlich dem Bruder seiner Gattin, vor, in die Dienste der WAPV zu treten. Herr Otto Naumann, 1880 in Deutschland geboren, war nämlich zwanzig Jahre lang als Pflanzer in Deli-Sumatra (Niederländisch-Ost-Indien) in der Tee- und Tabakkultur tätig gewesen, also ein waschechter Deli-Pflanzer. Naumann leitete also die Teeversuchspflanzung bei Soppo, Tole-Vorwerk, ab 1927 und wohnte auch im Tole-Haus bei Soppo, bis er 1934 den Auftrag bekam, sich dem Tabaksversuchsprojekt der WAPV zu widmen.

Ob auch Otto Naumanns Familie im Tole-Haus gewohnt hat, habe ich nicht ermitteln können, leider auch keine weitergehenden Angaben über ihn, nur noch die traurige Mitteilung, daß er Ende 1938, im Alter von 58 Jahren, an einer Lungenentzündung in Ngeme-Bezirk, Kamerun, gestorben ist. […]