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Durst und Dornen

Durst und Dornen

victor Stubenrauch - So lebte ein Pionier, Schutztruppler und Südwester
Liepsch, Ilse
13557
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Durst und Dornen

Untertitel: So lebte ein Pionier, Schutztruppler und Südwester
Autorin: Ilse Liepsch
Verlag: Peter's Antiques
Swakopmund, 1997
Broschur, 14x20 cm, 100 Seiten, einige sw-Fotos


Vorwort:

Dieser Biographie liegen hauptsächlich die Aufzeichnungen des Reiters und Unteroffiziers der Kaiserlichen Schutztruppe Victor Stubenrauch zugrunde, aber auch von seinen Erinnerungen ist manches eingeflochten.

Ich lauschte oft und gerne den Erzählungen aus seinem Leben und immer wieder tauchte der Name des des Schutztruppenoffiziers Major Victor Franke auf, dem seine Hochachtung und Vereehrung galt.

Es gab in der Schutztruppe viele großartige Offiziere, Reiter und Soldaten, es gab viele tapfere Männer und Frauen im weiten Südwest, viel bekanntes und unbekanntes, stilles Heldentum.

Es lohnt sich in die frühere, nur kurze Zeit des deutschen Schutzgebietes einzutauchen und besonders die damaligen Gegebenheiten und Umstände näher zu betrachten.


Aus dem Text:

In Deutsch-Südwest gab es mehrere Zeitungen, da waren die „Unabhängige Zeitung Südwest", der „Windhuker Anzeiger", die „Windhuker Nachrichten", die „Lüderitzbuchter Zeitung" und „Der Südwestbote". All diese Zeitungen waren sehr gefragt und auch die Schutztruppler, die ja meistens irgendwo im Land in Einsatz waren, begehrten sie heiß. So fand Vicco einen Bericht über „Den Sieger von Naulila" in der Dienstag Ausgabe vom 12. Januar 1915. Er riß ihn sofort vorsichtig heraus und bewahrte ihn in seiner Liniformtasche auf. Im „Südwester" stand da gedruckt:

Der Sieger von Naulila, Herr Major Franke, ist gestern in Windhuk eingetroffen. Auf Anordnung des Herrn Gouverneurs hatten sämtliche öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck angelegt und in der Stadt liess die schwarz-weiß-roten Farben im Winde flattern, wer da wußte, wem die Ehrung galt. Auch Omaruru und Karibib hatten übrigens zu Ehren Major Frankes geflaggt.

Vicco wurde von Schmerzen gequält, sein zerschossener Fuß ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Er sah, wie die gesunden Kameraden sich in selbstloser Hingabe um die Verwundeten und angeschossenen Reiter kümmerten. Besonders rührend empfand er die Sorge seines Kompanie-Kameraden, des Unteroffiziers Wilhelm Mattenklodt. Vicco konnte ja selbst nicht aufsitzen und so hob der ihn bei jeder Rast aus dem Sattel und dann wieder hinauf. Und dabei oblag ihm auch noch die Sorge um die stark gelichteten Gespanne der Ochsenwagen. Sie mußten durch ungelernte Ovambo-Ochsen ergänzt werden. Eine wahrhaft sehr schwere Aufgabe!

Ab und zu versank Vicco in Ohnmacht. Aber er merkte doch, daß sie zwei bis drei Tage bis nach Okaukuejo treckten. Dort war in einem riesigen Zelt ein richtiges Lazarett aufgebaut. Es stand unter dem Kommando des Stabsarztes Schmid. Viele Kameraden, und auch Vicco, hatten zusätzlich Hungertyphus bekommen. Der Stabsarzt untersuchte Viccos Fuß und erklärte, er müsse unbedingt amputiert werden, er würde sonst Brand im Bein bekommen. Vicco weigerte sich entschieden. Er wollte den Fuß nicht amputieren lassen und dann als Krüppel sein Leben lang herumstolpern.

Die Typhus- und Ruhrkranken durften keine feste Nahrung zu sich nehmen, und so quälten sie sich auch noch mit Hunger ab. Da half Major Franke wieder. Er brachte bei seinen täglichen Besuchen stets Flaschen mit Fruchtsaft und Fruchtkonserven mit. Eines Tages, als Vicco gerade aus dem Fieberdelirium erwachte, aber die Augen noch geschlossen hatte, stand Major Franke mit dem Stabsarzt an seinem Bett. Franke fragte, wie es mit Vicco stünde und der Stabsarzt antwortete, daß Vicco Weihnachten nicht mehr überleben würde. Es war wenige Tage vor Weihnachten.

Wie lange er in Okaukuejo lag, wurde ihm nicht bewußt. Eines Tages fand er sich im rumpelnden Ochsenwagen wieder. Er lag unter dem Zelldach und angenehm weich gebettet auf der Kattel. Er schaute sich um. Vorn, auf der Vorkiste des Wagens, sassen ein leicht verwundeter Unteroffizier und zwei Reiter. Sie droschen Skat. Vicco fiel wieder zurück ins Fieberdelirium und so, im „Sich-nicht-bewußt-sein", stand er auf und sprang aus dem Wagen. Er erlitt keine zusätzlichen Schäden, denn er fiel in weichen, tiefen Sand.

Aber niemand hatte es bemerkt und nun lag er mit weit aufgerissenen Augen in der prallen Sonne. So lag er eine ganze Zeit. Die Skatspieler merkten anfangs nichts. Aber schließlich fiel ihnen doch auf, daß da hinten im Wagen etwas nicht stimmte. Sie erschraken sehr, als der Kranke nicht mehr an Bord war. Sie hatten ihn verloren! Schleunigst kehrten sie um. Ein recht langes Stück mußten sie fahren, bis sie ihn im Sand liegen sahen. Sie sammelten ihn auf und legten ihn wieder auf sein Lager. [...]