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Die Bethel-Mission

Die Bethel-Mission

Umfassende, spannend zu lesende Geschichte der Bethel-Misson in Ostafrika
Menzel, Gustav
oa0419
neu

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Die Bethel-Mission

Untertitel: Aus 100 Jahren Missionsgeschichte
Autor: Gustav Menzel
Neukirchener Verlag des Erziehungsvereins
Verlag der Vereinigten Evangelischen Mission
Verlag v. Bodelschwinghsche Anstalten
Neukirchen-Vluyn, Wuppertal, Bielefeld, 1986
kartoneinband mit Schutzumschlag, 17x24 cm, 625 Seiten, 85 sw-Fotos, 9 Kartenskizzen


Verlagsanküpndigung:

Im Jahr 1886, am 29. März, fand in Berlin die erste Vorstandssitzung der Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika, der späteren Bethel-Mission, statt. 1971 schloß sich die Missionsgesellschaft mit der Rheinischen Mission zur Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) zusammen. Wenn der Name der „Bethel-Mission" auch nicht mehr existiert, so leben doch ihre Tradition, ihr Auftrag und ihr Anliegen in der Arbeit der VEM und gerade auch ihrer ostafrikanischen Partnerkirchen fort. Schon von daher gesehen geht es in dem vorliegenden Buch nicht nur um die historische Darstellung einer Missionsgesellschaft. Anliegen des Verfassers ist es unter anderem, den afrikanischen Kirchen, die durch die Geschichte mit der Bethel-Mission verbunden sind, für ihre eigene Geschichtsschreibung Material aus unseren Archiven zugänglich zu machen. Die Geschichte der Missionsgesellschaft ist von der Geschichte der afrikanischen Kirche nicht zu trennen.

Gleichzeitig erfährt der Leser, daß es sich um eine Geschichte voller Wechsel und Dynamik handelt, voller Überraschungen und Dramatik. Auch menschliche Unzulänglichkeiten werden nicht verschwiegen. Geschichte ist spannend und spannungsreich. Der Leser kann entdecken, daß trotz des bedrohlichen Ablaufs der Weltgeschichte die Missionsgeschichte ihre Erfüllung findet. Aus der Initiative der „Väter" sind Kirchen entstanden, die bereit sind, in ökumenischer Gemeinschaft missionarische Verantwortung zu tragen. Der Wunsch des Verfassers ist es, daß das durch ihn gezeichnete Bild der Geschichte der Bethel-Mission dazu diene, vor allem den ökumenischen Partnern m Afrika einen Beitrag zum Verständnis ihres Ursprungs und ihrer Vergangenheit zu liefern.


Zur Vorgeschichte der Evangelischen Mission für Deutsch-Ostafrika

Aus der Einleitung:

Es konnte nicht ausbleiben, daß sich nach der Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 auch der Wunsch nach äußerer Machtentfaltung und Expansion regte. Zehn Jahre später kam es zu einer kolonialen Bewegung, durch die schließlich das Deutsche Reich zur Kolonialmacht wurde. Dazu trug der Vergleich mit den anderen Großmächten bei, die offensichtlich aus ihren Kolonien große Reichtümer holten und in ihnen selbstverständlich auch Absatzgebiete für ihre Exportartikel fanden. Aus der Fülle der Motive, mit der man sich bemühte, bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts die koloniale Expansion in Deutschland zu rechtfertigen, seien nur einige wenige, soweit sie für die Missionsgeschichte von Bedeutung sind, herausgehoben.

Bismarcks anfängliche Reserve gegenüber den Kolonialenthusiasten ist bekannt. Ohne Unterstützung des Reichskanzlers konnte es im damaligen Reich jedoch keine Erfolgsaussichten für irgendeine Form der Kolonialpolitik geben. Es brauchte seine Zeit, bis er dem Drängen der miteinander konkurrierenden kolonialen Gruppen und dem Lauf der Ereignisse nachgab. Am 6. Dezember 1882 wurde in Frankfurt der Deutsche Kolonialverein gegründet. In seiner Satzung heißt es:

„Der Deutsche Kolonialverein hat sich die Aufgabe gestellt, das Verständnis der Notwendigkeit, die nationale Arbeit dem Gebiet der Kolonisation zuzuwenden, in immer weitere Kreise zu tragen, für die darauf gerichteten, in unserem Vaterlande bisher getrennt auftretenden Bestrebungen einen Mittelpunkt zu bilden und eine praktische Lösung der Kolonisationsfrage anzubahnen. Zunächst wird der Verein die Errichtung von Handelsstationen als Ausgangspunkt für größere Unternehmungen fördern."

Eine gewichtige Stimme in dieser Gründungsversammlung hatte der Frankfurter Oberbürgermeister, der die Debatte über die Konstituierung des neuen Vereins abschloß: „Nicht darin allein liegt die Wirkung unseres Kolonialvereins, daß es vielleicht gelingt, wenn die Gelegenheit einmal günstig ist, auch mit Hilfe der Macht des Deutschen Reiches zu deutschen Kolonien zu gelangen, zu Niederlassungen deutscher Auswanderer, die dauernd wirtschaftlich und ideell mit ihrem Vaterlande in Verbindung bleiben, nicht darin allein, daß wir gute Absatzgebiete bekommen und für unsere überschüssigen Arbeitskräfte Abfluß, nein, die glückliche nationale Wirkung des Vereins wird sein, daß wieder einmal nach Begründung des Deutschen Reichs eine Aufgabe sich gefunden hat, an welcher alle Länder reichen Anteil nehmen, alle Parteien gleiches Interesse haben, an der nicht nagt der Streit der konfessionellen, politischen und sozialen Gegensätze, wo wir Deutschen einig sind dem Ausland gegenüber."

Der Deutsche Kolonialverein zeichnete sich dadurch aus, daß er viele Förderer aus Handel und Industrie, vor allem aber auch aus dem Adel und der höheren Beamtenschaft zu seinen Mitgliedern zählte. Sein Einfluß auf die Werbung und Bewußtseinsbildung für die koloniale Sache ist nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite gelang es ihm nicht, alle konkurrierenden Bestrebungen in sich zu vereinigen. Vor allem mußte sich die zwei Jahre später, im April 1884, gegründete „Gesellschaft für deutsche Kolonisation" den Vorwurf des unbedachten, zu stürmischen Vorgehens und Drängens zur Tat gefallen lassen. Es sind aber gerade diese auf koloniales, unmittelbares Handeln drängenden Enthusiasten gewesen, mit denen sich dann zunächst weitere zwei Jahre später die speziell für Deutsch-Ostafrika gegründete Missionsgesellschaft verbündete.

Die schärfere Tonart, die in der Gesellschaft für deutsche Kolonisation angeschlagen wurde, war unmißverständlich gleich in dem ersten Aufruf zu hören, mit dem ihre Gründer an die Öffentlichkeit traten:

„Deutsche Kolonisation. Die deutsche Nation ist bei der Verteilung der Erde, wie sie vom Ausgang des 15. Jahrhunderts bis auf unsere Tage hin stattgefunden hat, leer ausgegangen. Alle übrigen Kulturvölker Europas besitzen auch außerhalb unseres Erdteils Stätten, wo ihre Sprache und Art feste Wurzeln fassen und sich entfalten kann. Der deutsche Auswanderer, sobald er die Grenzen des Reiches hinter sich gelassen hat, ist ein Fremdling auf ausländischem Grund und Boden. Das Deutsche Reich, groß und stark durch die mit Blut errungene Einheit, steht da als die führende Macht auf dem Kontinent von Europa; seine Söhne in der Fremde müssen sich überall Nationen einfügen, welche der unsrigen entweder gleichgültig oder geradezu feindlich gegenüberstehen.

Der große Strom deutscher Auswanderer taucht seit Jahrhunderten in fremde Rassen ein, um in ihnen zu verschwinden. Das Deutschlandtum außerhalb Europas verfällt fortdauernd nationalem Untergang. In dieser für den Nationalstolz so schmerzlichen Tatsache liegt ein ungeheurer wirtschaftlicher Nachteil für unser Volk! Alljährlich geht die Kraft von etwa 200.000 Deutschen unserem Vaterland verloren! Diese Kraftmasse strömt meistens unmittelbar in das Lager unserer wirtschaftlichen Konkurrenten ab und vermehrt die Stärke unserer Gegner. Der deutsche Import von Produkten tropischer Zonen geht von ausländischen Niederlassungen aus, wodurch alljährlich viele Millionen deutschen Kapitals an fremde Nationen verlorengehen! Der deutsche Export ist abhängig von der Willkür fremdländischer Zollpolitik.

Ein unter allen Umständen sicherer Absatzmarkt fehlt unserer Industrie, weil eigene Kolonien unserem Volke fehlen. Um diesem nationalen Mißstande abzuhelfen, dazu bedarf es praktischen und tatkräftigend Handelns. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, ist in Berlin eine Gesellschaft zusammengetreten, welche die praktische Inangriffnahme solchen Handelns als ihr Ziel sich gestellt hat. Die Gesellschaft für Deutsche Kolonisation will in entschlossener und durchgreifender Weise die Ausrührung von sorgfältig erwogenen Kolonisations-Projekten selbst in die Hand nehmen und somit ergänzend den Bestrebungen von Vereinigungen ähnlicher Tendenzen zur Seite treten.


Als ihre Aufgabe stellt sie sich im besonderen:

1. Beschaffung eines entsprechenden Kolonisationskapitals
2. Auffindung und Erwerbung geeigneter Kolonisationsdistrikte
3. Hinlenkung der deutschen Auswanderung in diese Gebiete

Durchdrungen von der Überzeugung, daß mit der energischen Inangriffnahme dieser großen nationalen Aufgabe nicht länger gezögert werden darf, wagen wir es, mit der Bitte vor das deutsche Volk zu treten, die Bestrebungen unserer Gesellschaft tatkräftig zu fördern! Die deutsche Nation hat wiederholt bewiesen, daß sie bereit ist, für allgemeine patriotische Unternehmungen Opfer zu bringen; sie möge auch der Lösung dieser großen geschichtlichen Aufgabe ihre Beteiligung in tatkräftiger Weise zuwenden. Jeder Deutsche, dem ein Herz für die Größe und die Ehre unserer Nation schlägt, ist aufgefordert, unserer Gesellschaft beizutreten. Es gilt, das Versäumnis von Jahrhunderten gutzumachen; der Welt zu beweisen, daß das deutsche Volk mit der alten Reichsherrlichkeit auch den alten deutschen nationalen Geist der Väter überkommen hat!"

Das Vorgehen des Deutschen Kolonialvereins war den ehrgeizigen, auf Aktion drängenden Männern der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation zu bedächtig. Die treibende Kraft war der 28jährige Dr. Carl Peters, der den Ehrgeiz hatte, schnelle Erfolge aufweisen zu können. Ohne daß der Vorstand der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation genaue Vorstellungen davon hatte, wo nun eigentlich Kolonien zu erwerben seien, ging er an die Vorbereitungen und die Kapitalbeschaffung, wobei kleinere und größere Anteilscheine im Wert von 50.-, 500.- und 5.000.- Mark ausgegeben wurden, die einen Besitzanteil an dem durch die Gesellschaft zu erwerbenden Land darstellen sollten. Bis zum August 1884 waren 65.000.- Mark gesammelt, eine Summe, die man für groß genug hielt, um ein erstes Unternehmen starten zu können. Nachdem man verschiedene andere Projekte aufgegeben hatte - inzwischen war nach zweifachem Wechsel im Amt des Vorsitzenden Peters zum ersten Vorsitzenden bestimmt worden -, faßte der Vorstand in seiner Sitzung vom 18. September einen wichtigen Beschluß:

Drei Mitglieder des Vorstandes, Dr. Peters, Dr. Jühlke, Schriftführer des Vorstandes, und Joachim Graf Pfeil, der bereits zehn Jahre in Südafrika als Farmer und Forschungsreisender gelebt hatte, wurden beauftragt, an der Ostküste Afrikas Land zu erwerben „behufs Anlegung einer deutschen Ackerbau- und Handelskolonie". Es heißt, der Vorstand hätte erwartet, „daß die Herren keinesfalls ohne den Ankauf von geeignetem Land irgendwo vollzogen zu haben, nach Deutschland zurückkehren werden". Friedrich Fabri, von 1857 bis 1884 leitender Inspektor der Rheinischen Missions-Gesellschaft, berichtet in feiner Ironie, daß in dieser Sitzung auf Anregung des Grafen Pfeil der Wahlspruch der Gesellschaft „Kühn und Besonnen" angenommen worden sei.

Die weiteren Unternehmungen, die dann den Grund zur deutschen Kolonie in Ostafrika legten, sollen hier nicht geschildert werden. Es handelte sich dabei, auch dem Auswärtigen Amt gegenüber, um ein eigenmächtiges Vorgehen. Im November und Dezember 1884 wurden sogenannte Verträge mit den Sultanen von Nguru, Usagara, Ukami und Useguha abgeschlossen. Als sich Peters später einmal „der gewaltigen Erwerbungen" in Ostafrika rühmte, konnte Bismarck von diesen Verträgen sagen: „Was heißt Erwerbungen? Ein Stück Papier mit Negerkreuzen darunter." Der Reichskanzler behielt überhaupt „gegenüber Peters' Abenteurernatur mit ihren ausschweifenden Plänen stets eine unüberwindbare Skepsis". [...]