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Der Kalahari abgerungen

Der Kalahari abgerungen

Von Hases Leben in Namibia als Farmeleve, Karakulzüchter und Politiker
von Hase, Hans Jürgen
13520
neu

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Der Kalahari abgerungen

Untertitel: Mein Leben in Namibia als Farmeleve - Karakulzüchter - Politiker
Hans Jürgen von Hase
Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, 2006
ISBN 3-936858-05-05
Broschur, 15x21 cm, 152 Seiten, 23 sw-Fotos


Verlagsankündigung:

Ob als unerfahrener Farmeleve oder als Aufkäufer von Karakulfellen, Hans Jürgen von Hase stellt sich den neuen Herausforderungen mit Energie und Enthusiasmus. Lebendig und anschaulich, mit sicherem Gespür für heitere Episoden am Rande, weiß er darüber zu berichten.

Ein schwerer Rückschlag sind die Jahre im Internierungslager, aber sie tragen zur Formung seiner starken Persönlichkeit bei. Nach der Entlassung arbeitet er zunächst als Pachtfarmer und erwirbt dann die Farm Jena in der Kalahari. Seine unorthodoxen und zunächst von vielen Karakulfarmern angezweifelten Zuchtmethoden erweisen sich als sehr erfolgreich. Er wird erster Vorsitzender des Karakulzuchtvereins.

Unermüdlich setzt er sich für die Interessen der Farmer ein – lange Zeit arbeitete er in verschiedenen Kommissionen und Vereinen mit, und entdeckte sein Interesse für die Politik. Die Krönung dieser Laufbahn: Minister für Landwirtschaft, Wasser- Verkehrs- und Postwesen im Interims-Kabinett von Dirk Mudge (1981-83). Hans Jürgen von Hase gibt interessante Einblicke in sein langes Leben und zugleich in die Geschichte der Landwirtschaft in Südwestafrika.


Inhalt:

Vorwort
Meine Kindheit und Jugend in Kiel
1911-1929
Kolonialhochschule Witzenhausen
1930-1933
Ausreise nach Südwestafrika und erste Erfahrungen als Farmeleve auf Krumhuk
Verwalter auf Okosongomingo
1933-1934
Pelzfachausbildung in Leipzig und London
1934-1935
Handel mit Persianerfellen
1935-1940
Verhaftung und Internierung im Lager Andalusia/Südafrika
1940-1946
Entlassung aus der Internierung und Exil in Pretoria/Südafrika
1946-1947
Pachtfarmer- Farm Wiese
1947-1950
Eigener Grund und Boden - Farm Jena
1950-1975
Umfangreiche öffentliche Aufgaben
1952-1984
Politik in meinem Leben
1977-1984
Ruhestand am Kap der Guten Hoffnung


Aus „Ausreise nach Südwestafrika und erste Erfahrungen als Farmeleve auf Krumhuk“:

[…] Am 15. Januar 1933 begann also meine Reise auf der „Watussi“. Omi Heygster begleitete mich an diesem dunklen Winterabend aufs Schiff. Wir nahmen einen Abschiedstrunk, dann heulte die Schiffssirene und los ging die Fahrt. Sofort fühlte ich mich eigentümlich erwachsen und selbstständig. Vater hatte mir die Reise bezahlt, mir 200 Reichsmark für Unkosten mitgegeben und, ich glaube, zehn Pfund für die erste Zeit in Südwest. Ich kam mir wie ein Fürst vor! Mein Kabinengenosse auf der „Watussi“ war Karli von Hoensbroeck, mit dem ich mich rasch anfreundete. Im Jahr 1941 ist er als Offizier in Russland gefallen. Wir waren gleich alt, tatendurstig und beide noch nie in Afrika gewesen.

Wir genossen die Reise. Ich lebte selig in all dem Neuen und Überraschenden, das auf mich zukam. Das irgendwie aufregende Leben auf dem Schiff, die vielen interessanten Menschen aller Nationen, neue Bekanntschaften und Flirts, Sport, die herrlichen Getränke und das Essen imponierten mir sehr. Man lebte in jeder Beziehung aus dem Vollen und das war ein Beginn der Afrikazeit, wie ich ihn mir gern gefallen ließ und wie ich ihn erträumt hatte. Was scherte mich die Zukunft und die Arbeit, die vor mir lag. Ich lebte! Nichts band mich! Die Seereise war überwiegend ruhig. Wir genossen jeden Landgang, stromerten herum, fanden alles interessant und kehrten todmüde an Bord zurück. Es war ein herrliches Gefühl, dort alles sauber und frisch vorzufinden. Wie auf einem Stück Heimat kamen wir uns dann vor und das gleiche Gefühl hatte ich auch später immer wieder, wenn ich ein deutsches Schiff betrat - was noch häufig vorkommen sollte.

Inzwischen hatte sich in Deutschland Großes ereignet. Ich war Mitte Januar ausgefahren, als die politische und wirtschaftliche Not kaum noch zu ertragen war. Am 30. Januar, als wir uns südlich von Las Palmas befanden, war nun in Deutschland der große Wandel eingetreten. Adolf Hitler wurde Reichskanzler und es war dies, auch für uns draußen, der Beginn einer neuen Zeit. Wir hörten all die sich überstürzenden Nachrichten an Bord durch einen telegraphischen Dienst. Es herrschte eine Riesenfreude auf der „Watussi“. Als die letzten Tage der 32-tägigen Schiffsreise begannen, fühlte ich mich ziemlich angespannt. Bisher hatte die Umsiedlung nach Afrika mehr oder weniger nur aus dem Gedanken an die Reise bestanden. Nun wurde es langsam Ernst mit dem Südwester-Land, von dem ich bisher nur die Küste gesehen hatte und dessen Inneres mir noch ein völliges Rätsel war.

An einem leicht nebeligen Morgen fuhren wir Mitte Februar an der nördlichen Küste Südwestafrikas entlang. Der Nebel hob sich, und vor unseren Augen lag die gelbrote Namib und bald, wie ein unwirkliches Traumbild, Swakopmund. Der anheimelnde Ort zeigte sich uns in hellem Sonnenschein. Welch ein Unterschied zu Walfischbucht! Schon beim Einlaufen in den Hafen sah ich nur Sand und einige öde Häuser. Kein Baum, kein Strauch wuchs dort, alles war grau. Ich nahm es nicht so tragisch, denn wir hatten am Abend vorher im großen Kreis Abschied gefeiert. Es war wie immer riesig interessant, die Menschen auf dem Kai zu beobachten. Man kennt ja fast nie ein Gesicht. Dieses Mal war es aber anders. Mir winkte jemand auffällig zu und bei genauerem Hinsehen bemerkte ich, dass es Adze von Hardenberg war. Unsere gute alte Adze, die in Ermschwed als Gutssekretärin arbeitete, während wir in Witzenhausen studierten.

Wie oft hatten wir sie damals besucht und die herrlichsten Geschichten zusammen erlebt. Zu meinem größten Erstaunen hatte sie einen Blumenstrauß in der Hand. „Holt sie noch jemanden ab?“, dachte ich. Sobald die Gäste an Bord durften, stieg sie den Laufsteg hinauf, stürzte sich auf mich, gab mir einen freundschaftlichen Kuß und sagte: „Den Strauß habe ich nicht für dich mitgebracht, den sollst du deiner Schiffsfreundin schenken.“ Wirklich eine Pfundsidee! Ich führte ihren Plan sofort aus und erregte natürlich größte Bewunderung mit entsprechender Belohnung! Die Zollfragen waren schnell erledigt und bald saßen wir in einer der sogenannten „Trolleys“, einem Motortriebwagen, der uns in zweistündiger Fahrt nach Swakopmund brachte. Dort kamen die Koffer auf einen Pferdewagen, und wir „stappten“ zum Hotel Bismarck. Der Zug ins Inland sollte erst zwei Tage später abfahren, denn er ging nur zweimal in der Woche. Das gab uns Zeit, am Strand zu liegen und herumzutoben. Wie wohl habe ich mich gefühlt!

Am dritten Abend begann die Zugfahrt ins Inland. Ich war erstaunt, wie tadellos die Eisenbahnwaggons eingerichtet waren. Da man immer lange Strecken fahren musste, hatte jeder ein Bett für sich; sechs waren in einem Abteil der zweiten Klasse. Während des Tages saßen alle auf den untersten Bänken. Ganz neu für mich war, dass Männer und Frauen nicht gemeinsam in einem Abteil fahren durften. Der Grund: Man war fast immer auch über Nacht unterwegs und zu dieser Zeit sollten Männlein und Weiblein fein säuberlich getrennt sein!

Ich schlief wunderbar auf dieser ersten Fahrt ins Land und wachte morgens kurz vor Wilhelmstal auf. In Swakopmund hatte man mir von der furchtbaren Trockenheit im Land erzählt. Deshalb war ich erstaunt, dort viele grüne Büsche und Bäume zu sehen. Ich hatte damals - wie konnte es anders sein - noch keinerlei Blick für Graswuchs und Weide. Darum täuschte mich das schöne Baumgrün. Die Fahrt ging weiter nach Okahandja. Zum ersten Male verspürte ich etwas von der afrikanischen Hitze, denn in Swakopmund war es kühl und so wie im angenehmsten deutschen Sommer gewesen. Entlang der Bahnlinie waren nun immer mehr Bäume und Büsche zu sehen. Mir gefiel das Ganze recht gut. Dann ertönte der sich immer wiederholende Pfiff der Lokomotive und vor uns lag der kleine Ort Okahandja, vorläufiges Ziel meiner Reise. Er ist landschaftlich herrlich gelegen durch die Nachbarschaft zum Kaiser-Wilhelm-Berg und zum Galeriewald des Okahandja-Riviers, einem Nebenfluss des nahen Swakopriviers.

Auf dem Bahnsteig stand mein Freund Harald Voigts. Herzliche Begrüßung! Wir hatten uns neun Monate nicht gesehen. Harald war mit einem 1929er Buick gekommen. Mein Gepäck wurde eingeladen - die Koffer befestigte man auf den Trittbrettern - und wir fuhren die 500 Meter zu seines Vaters Haus. Es ist der alte ehemalige „Store“ der Firma Wecke & Voigts, der vor 1890 aus Lehmsteinen gebaut worden war. Daneben liegt der Garten mit hohem Baumbestand. Ich wohnte in einem Nebengebäude. Oubaas Richard Voigts, damals Ende 50, hieß mich sehr herzlich willkommen. Er flößte mir höchsten Respekt ein, war er doch schon fast vierzig Jahre im Land, hatte enorm viel geschafft und dazu lag mein künftiges Schicksal weitgehend in seiner Hand. Man war außerordentlich gastfrei zu mir, ich durfte an allem teilnehmen, nur musste ich mich daran gewöhnen, dass vorläufig gar nicht über das gesprochen wurde, was mich am meisten bewegte: Meine Zukunft.

Mehr als drei Wochen blieb ich Gast im Hause Voigts. Harald arbeitete im Store, ich hatte nichts zu tun, langweilte mich aber gar nicht, weil ich unerhört viel zu sehen bekam. Alles war mir ja fremd und jeder einzelne Eingeborene erregte mein Interesse. Okahandja ist der Hauptsitz der Hereros. Die Menschen sehen edel aus, haben meist schöne, schmale Glieder und schöne Hände. Bei den riesengroßen Frauen ist das besonders auffällig. Ihre Tracht, das bodenlange Kleid mit eng anliegendem Mieder, dazu das besonders geschlungene Kopftuch, machte großen Eindruck auf mich. Diese Tracht wirkt äußerst kleidsam, da die Frauen sich sauber halten. Die Männer tragen europäische Kleidung.

Nach einigen Tagen besuchten der Oubaas, Harald und ich die Großvieh-Farmen Otukaru und Otjisongati. Nirgends gab es Gras, die Tiere waren mager, aber für mein Auge nicht allzusehr. Alles klagte über die Trockenheit, denn obwohl es dem Ende der Regenzeit zuging, hatte es praktisch noch nicht geregnet. [...]