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Das Leben der !Kung-Buschleute aus heutiger Sicht

Das Leben der !Kung-Buschleute aus heutiger Sicht

Sehr interessante, intensive Studie der !Kung-Buschleute und ihrer Lebensumstände
Nadler, Oskar
13822
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Das Leben der !Kung-Buschleute aus heutiger Sicht

Autor: Oskar Nadler
OSERNA - africana - VERLAG
Heidelberg, 2004
Broschur, 21x30 cm, 131 Seiten, 187 Fotos, 16 Planskizzen


Aus "Die geistige Leistungsfähigkeit der !Kung Buschleute":

Es ist schwer, eine Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit über eine ethnische Gruppe abzugeben, wenn diese keine, zumindest über Jahrhunderte hinausgehende Hinterlassenschaft aufweisen kann, die das beweist.

Allein die Lebensweise der Buschleute ist nicht gerade prädestiniert, Spuren großer geistiger Errungenschaften zu hinterlassen. Wo und wie sollten diese über längere Zeiträume konserviert werden?

Ihr tägliches Trachten nach dem Lebensnotwendigsten ließ ihnen keinen Raum für kulturelle Entwicklung.

Die Felszeichnungen im südafrikanischen Raum, die den Buschmännern zugeschrieben werden (diese sind meiner Meinung nach nur zum Teil auf Buschmänner zurückzuführen), sind Selbstdarstellungen alltäglichen Lebens ohne einen intelligenten geistigen Hintergrund, wie beispielsweise einen einfachen philosophischen Gedanken zu verraten. Allenfalls ist einmal ein magischer Gedanken zu verraten.

Es ist der Wunsch zu sehen, künstlerisch aktiv zu werden, was Intelligenz verrät. Das aber kann man bei jüngeren Völkern auf der ganzen Welt sehen, ohne dass der Status eines Sammler- und Jägervolkes bis in die heutige Zeit beibehalten wurde (bis auf wenige Ausnahmen).

Nie hat der Buschmann erkannt, dass er durch Bildung einer größeren Volkseinheit an Macht und damit an eigener Sicherheit gewinnen könnte. Er hat eine Anzahl von Fabeln und Geschichten erfunden, die Bleek in einem Buch festgehalten hat. Wahrscheinlich sind sie nur deshalb noch nicht verloren gegangen.

Er hat seine Waffen nie wesentlich verbessert. Für die Jagd hat er sich der Art und Weise des Tieres angepasst, anstatt seine Überlegenheit zu entwickeln. Er ist nicht der treffsichere Schütze, für den ihn mancher hält. Dazu sind Pfeilkonstruktion und Schießtechnik zu ungeeignet.  Seine Fähigkeiten Fährten zu erkennen und zu verfolgen sind unübertroffen, wenngleich ich nicht sicher bin, ob ein Prärie-Indianer nicht gleich gute Ergebnisse erzielt hätte.

Möglicherweise sind viele ihm zugesprochene Fähigkeiten auf einen hoch entwickelten Instinkt zurückzuführen. Veränderungen kamen fast immer von Außen. Der Buschmann ist ein perfektes Teil seiner Umgebung gewesen. Ein guter Beobachter und Nachahmer.

Sein Freiheitsdrang hat ihn immer gehindert wirklich sesshaft zu werden, was die Voraussetzung für geistige Entwicklung und Bildung von Kultur gewesen wäre. Ich habe im Nyae Nyae selbst die Erfahrung gemacht, dass der Wille zur Bildung nur sehr gering ist. Der Sohn von Kha//an (+ 2003) aus Xamsa, sein Name heißt Boo, ging eine kurze Zeit zur Schule. Er erlernte die englische Sprache ein wenig, genug um bei einfachen Gesprächen zwischen Kha//an und mir zu dolmetschen. Er konnte mit der Zeit sogar schreiben und machte mir manchen Vermerk in meine „Südafrikanischen Reisetagebücher".

Als ich eines Tages wiederkam, war Boo in der Werft und nicht mehr in der Schule in Tsumkwe. Er sprach nur noch ganz wenig Englisch und konnte das, was er mir zuvor aufgeschrieben hatte nicht einmal mehr lesen. Binnen eines Jahres ist er wieder auf den alten Stand der Unwissenheit zurückgefallen, den er zuvor eingenommen hatte. Er lungert nur noch herum.

Das Tragische an solchen Schicksalen ist, dass auch das traditionelle Wissen der Buschleute während einer Generation verloren geht. Die ganzen jungen Leute wissen nicht mehr wie Pfeilgift zubereitet wird. Bräuche und Sitten werden sie aus Büchern, wie diesem einmal nachlesen müssen.

Zusammenfassend ist zu bemerken, dass die Buschleute, insbesondere die !Kung Buschleute, die sich weitgehend am reinsten erhalten haben, sich keiner anderen Lebensform anschließen wollen, die einen mühsamen Weg der Ausbildung beinhaltet. Sie verdingen sich lieber für niedrigste Dienste, als dass sie die Einsicht gewinnen würden und den Drang dazu hätten, sich durch Weiterbildung in die Lage zu versetzen, höhere Positionen einzunehmen.

Dazu kommt, dass der Buschmann leicht dem Alkohol verfällt. Er hat früher schon Dacha geraucht und seine alkoholischen Getränke selbst gebraut. Durch sein unstetes Leben war das Ausleben dieser Süchte jedoch auf seltene Male beschränkt. Durch die zwangsweise Halb-Sesshaftwerdung jedoch ist er in der Lage, diesen Lastern ungehemmt nachzugehen.

Jene ethnische Taxa der Saniden, die ausgeprägte pädomorphe Züge aufweist, hat nie eine eigene Zivilisation zustande gebracht. Daraus ist der Schluss zulässig, dass eine über ein bestimmtes Maß hinausgehende Pädomorphose, dem intellektuellen Fortschritt hemmend im Wege steht. Zu dieser Auffassung kommt John R. Baker in seinem Buch „Die Rassen der Menschheit" Seite 213. Die einzig bemerkenswerte Schöpfung der Buschmänner, die Jahrhunderte überdauert zu haben scheint, sind nach seiner Beurteilung die Felsmalereien.


Aus "Die physische Leistungsfähigkeit der Buschmänner":

Die körperliche Leistungsfähigkeit ist auf dem Gebiet der Ausdauer zu suchen. Über große Kräfte verfügt der Buschmann nicht. Als Jäger verfolgt er das mit dem leichten Giftpfeil angeschossene Tier, wenn es sein muss, tagelang. Danach trägt er das Fleisch genau so weit zurück zum Lager.

Seine Zähigkeit zeigt sich auch in der Fähigkeit, länger als es wohl andere Menschen vermögen, Hunger und Durst zu erdulden. Krankheit und Schmerzen erduldet er fatalistisch. Ein mir bekannter G/wi Buschmann aus Molapo in der Zentral Kalahari - Gwa/nxkae - war bei meinem letzten Besuch im letzten Stadium an Lungentuberkulose erkrankt. Er spuckte nur noch Blut. Zur Eindämmung seiner Schmerzen hatte er sich ein Tuch um die Brust geschnürt. Es kam kein Klagelaut über seine Lippen.

Die !Kung Buschleute leben im Grenzgebiet zwischen Namibia und Botswana. Der Lebensraum, der durch die Administration beider Länder immer weiter eingeengt und verkleinert wird, ist hauptsächlich das Nyae Nyae in Namibia und das Dobe/ Aha Hills Gebiet in Botswana. Die !Kung haben sich bis heute als ethnische Gruppe unter den Buschleuten am reinsten erhalten.

Dies ändert sich jedoch durch vermehrte Zuwanderung von Hereros und anderer Hirtengruppen, die Buschmanns Frauen selten heiraten aber ihnen häufig die Funktion als Zweitfrauen zuweisen und Kinder mit ihnen zeugen. Das Leben der Buschleute ändert sich rapide. Durch Erschließung von Verkehrswegen wird dem Massentourismus Tür und Tor in die bisher unwegsamen Lebensräume der Buschleute erleichtert.

Die negativen Folgen sind noch nicht zu überschauen. Krankheiten und zunehmender Alkoholismus breiten sich immer mehr aus und führen zur Verelendung der Buschleute. Viel Wissen um Traditionen und Bräuche wird mit den Alten endgültig zu Grabe getragen.

Beispielsweise wissen junge Buschmänner oft nicht mehr wie das Pfeilgift hergestellt wird. Der Verfasser hat bereits früher eine Arbeit über die Pfeilgifte der !Kung veröffentlicht. Dieses Buch soll dem ethnologisch interessierten Leser nahe bringen, wie das Leben der !Kung Buschleute heute noch abläuft. Aber auch das wird bald der Vergangenheit angehören.


Inhaltsverzeichnis:

Die besonderen körperlichen Merkmale der !Kung Buschleute
Der Penis rectus Die Labia minora und die Macronymphie
Die Steatopygie uns Steatomerie
Die Brüste der Sanidenfrauen
Der verlängerte Steiß
Die Besonderheiten des Saniden Gehirns
Die Haare
Das Ohr
Die Kopfform, das Gesicht, der Mund
Die Haut
Der Körperbau
Die geistige Leistungsfähigkeit der !Kung Buschmänner
Die physische Leistungsfähigkeit der !Kung Buschmänner
Die Musikalität Das Kunstempfinden
Die Sehleistungen der !Kung Buschmänner
Die Religion
Die Waffen
Die Gebrauchsgegenstände
Die Magischen Dinge
Die Bekleidung
Die Spielsachen
Musikinstrumente
Der Schmuck
Das Tabakrauchen der !Kung Buschmänner
Die Veränderungen in Buschmannsiedlungen von 1994-2000
1. Xamsa Nyae Nyae Namibia
2. Makuri Nyae Nyae Namibia
3. !Ukoarama Nyae Nyae Namibia (seit 1999 Tjokwe und verlegt)
4. /'Ana G!U/00 Camp (seit 1998 verlassen)
5. Mahopa Dobe - Aha - Hills, Botswana
6. Molapo Zentral Kalahari (G/wi Buschleute)
Die Pfeilgifte der !Kung Buschleute (Der lange Weg zu Ergebnissen)
Tätowierung Bao's und Kha//an's
Geschichte
Tod und Beerdigung

ANHANG
Karte Nyae Nyae
Karte Dobe-Aha-HiUs, Karte Zentral Kalahari
Die Pfeilgiftkäfer
Die Pfeilgiftlarven Literatur: Siehe Anmerkungen im Text Fotos und Bilder: 187 Planskizzen von Buschmannsansiedlungen: 16