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Das deutsche Fenster in die Welt

Das deutsche Fenster in die Welt

Aufsätze zur Bedeutung der Auslands- und Kolonialdeutschen
Grimm, Hans
0655-14
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Grimm, Hans
Klosterhaus-Verlag
Lippoldsberg, 1977
Broschur, 12x19 cm, 220 Seiten


Aus "Wie englische Südafrikaner Deutsch-Südwestafrika zu gewinnen trachten": (April 1919)

Im August vorigen Jahres wurde dem englischen Parlamente ein Blaubuch vorgelegt, das den Titel „Bericht über die Eingeborenen in Südwestafrika und deren Behandlung durch die Deutschen" trug. Als Erwiderung hat das Reichskolonialamt vor einigen Wochen ein Graubuch herausgegeben, dem allerletzter Tage eine englische Übersetzung folgte (bei Engelmann, Berlin). Für jeden, der irgendwie mit dem Auslande zu tun hat und mit Menschen, die über die Meere kommen und gehen, ist das Lesen des Graubuches eine Notwendigkeit. Aber nicht von der deutschen Antwort soll hier die Rede sein, sondern von der südafrikanischen Schmähschrift, die sie hervorrief und die jetzt im Original zugänglich ist.

Ich behaupte, daß weder im Krieg noch im Frieden bisher gewagt wurde, dem englischen Parlament, in dem trotz allem eine Reihe so äußerlich als innerlich eifersüchtig reinlicher Menschen sitzt, zur Information ein ähnliches Erzeugnis plumper und lumpiger Fälscherkunst zu überreichen.

Zusammengestellt ist das Buch in Windhuk worden von englischen Südafrikanern. Die Vorrede schrieb und verantwortlich zeichnet ein Herr Gorges, Administrator der besetzten deutschen Kolonie. Teil I: "Eingeborene und deutsche Verwaltung", ließ er von "Major" O'Reilly, im bürgerlichen Leben Anwalt beim Höchsten Gerichtshof in Südafrika, derzeitigem militärischen Bezirkschef (magistrate) von Omaruru, verfassen.

Die Pamphletisten müssen also schon durch die Posten, die sie übernahmen, das schönzufärben trachten, was die Resolution des Kongresses der südafrikanischen Nationalisten im August 1915 „die gottlose Expedition gegen Deutsch-Südwestafrika" nannte und von dem am 18. September 1916 der südafrikanische Führer Hertzog sagte:

„Der Feldzug gegen Deutsch-Südwestafrika ist eine der gemeinsten Taten, die je eine Regierung beging." Da sich der bekannte Botha-Trug mit der gefälschten Landkarte nicht aufrechterhalten ließ, wonach die Südafrikanische Union beim Kampfbeginn in der Notwehr gehandelt haben sollte, gehen die Pamphletisten eins weiter und versuchen darzutun (um mit dem deutschen Graubuche zu reden), daß nicht selbstsüchtige Absichten, sondern nur moralische Gründe England (und die derzeitigen Leiter der Südafrikanischen Union) zwangen, die Hand nach dem deutschen Besitze auszustrecken, und daß Deutschland nicht wert sei, seiner Versündigung an den Eingeborenen wegen, die deutscheste Kolonie, sein einziges außereuropäisches Siedlungsland je wiederzubekommen.

Das Material finden die Köche der Giftküche in deutschen Akten, deutschen Büchern, deutschen Statistiken, die sie nach Bedarf und in der Erwartung, daß eine Nachprüfung englischerseits kaum stattfinde, fälschen, sowie in zweckentsprechend veranlaßten und mit Eiden verbrämten Eingeborenenaussagen.

Eine ganz kleine Auslese der Fälschungen, des bewußten Betruges, der niederträchtigen Imputationen, der böswilligen Falschdarstellungen, wie sie sich auf fast jeder Seite der Schrift finden, sei hier wiedergegeben.
In seinem Werke „Mit Schwert und Pflug in Deutsch-Südwestafrika" erzählt Schwabe S. 362/63, wie in den neunziger Jahren von den Händlern (und zwar von den Händlern aller Nationen) der sogenannte Feldhandel im Innern betrieben wurde.

Er schreibt: "Seitwärts aber der großen Heerstraßen - im Felde - ist der Handel geblieben, was er war, und hat mit der Zeit ganz bestimmte Normen angenommen, so daß z. B. für einen dreijährigen mageren Ochsen so viel, für einen vierjährigen fetten so viel, für eine gute Kuh dieser und für eine Ziege oder ein Schaf jener Preis in wollenen Decken, Kleidern, Schuhen, Tabak und ähnlichem mehr gezahlt wird. Diese Preise sind Käufern und Verkäufern gleich gut bekannt, und sie bilden die Grundlage, nach der sich der Händler vor Antritt seines Zuges einen Gewinnüberschlag machen kann.

Ein Beispiel, das ich oft habe erzählen hören, möge zeigen, wie unwissend die im Felde lebenden Herero in bezug auf den Wert des Geldes sind: Ein Händler spannt nahe bei dem Hererodorfe aus. Ein Herero treibt Ochsen zum Verkaufe heran, deren schlechtesten er nach alter, guter Hererositte zunächst zum Kauf anbietet. „Was willst du für den Ochsen?" fragt der Händler. "Fünfzig Pfund Sterling (also 1000 Mark)!" entgegnet der Herero. „Gut", sagt der Händler, „hier hast du einen Rock für zwanzig Pfund Sterling, hier ein Beinkleid für zehn Pfund Sterling, hier einen Hut, Tabak und Kaffee für zwanzig Pfund Sterling, macht zusammen fünfzig Pfund Sterling. [...]


Inhaltsverzeichnis:

- Einleitung
- Deutschland und die Welt
- Von der deutschen Bürde des Auslandsdeutschen
- Neuländer und Heimdeutsche
- Deutsche Kaufleute von 1914
- Politik und Wolle
- Bayer
- Zur Geschichte der größten deutschen Siedlung in Südafrika
- Berlin und Potsdam im Kaffernland
- Auslandserfahrungen
- Kolonialpläne
- Afrika und England am Schreibtisch
- Gerede über Kolonien
- Bedeutung der Kolonien für Deutschland
- Lüderitzland und seine Diamanten
- Missionar Fenchel und der Anfang der deutschen Kolonie Südwest
- Deutsch-Südwestafrika 1918
- Wie englische Südafrikaner Deutsch-Südwestafrika zu gewinnen trachten
- Das Mandat von Deutsch-Südwest und die Südafrikanische Union
- Die neuen Herren Deutsch-Südwests
- Um das Mandatsland Deutschsüdwestafrika
- Unser Anrecht an Südwest und seine
- weltpolitische Bedeutung
- Waterberg
- Zur Lage in Südwestafrika
- Den Jungen und Mädchen der deutschen Schule in Windhuk
- Gruß an Afrika bei Eröffnung des Afrika-Richtstrahlers 1934