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Das Bild des Negro-Afrikaners in der Deutschen Kolonialliteratur

Das Bild des Negro-Afrikaners in der Deutschen Kolonialliteratur

Ein Beitrag zur literarischen Imagologie Schwarzafrikas
Booker Sadji, Amadou
50008
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Untertitel: Ein Beitrag zur literarischen Imagologie Schwarzafrikas
Autor: Amadou Booker Sadji
Beiträge zur Kulturanthropologie
Dietrich Reimer Verlag
Berlin 1985
Broschur, 17x24 cm, 367 Seiten


Verlagsankündigung:

In der relativ kurzen deutschen Kolonialzeit in Schwarzafrika entstand eine überraschend umfangreiche und reichhaltige Literatur. In seiner sorgfältig dokumentierten Untersuchung weist Amadou Booker Sadji nach, daß diese deutsche Kolonialliteratur in ihrer Grundstruktur mit anderen europäischen Kolonialliteraturen identisch ist. Die differenzierte Analyse exemplarischer Texte macht die Entwicklungsgeschichte deutscher und europäischer Vorurteile über Schwarzafrika deutlich, wobei der negro-afrikanische Autor seinem Urteil auch eine Position kritischer Selbstreflexion zugrunde legt.


Über den Autoren:

A. Booker Sadji, geboren 1935 in Thies/Senegal (Westafrika). Studium der Germanistik in Paris und Leipzig. Promotion 1963 in Leipzig. Tätigkeit als Lehrer an senegalesischen Gymnasien, dann an der Universität Dakar. Habilitation 1982 in Frankfurt/Main. Leitet heute das Germanistische Institut der Universität Dakar.


Aus der Einleitung:

Zur Wahl und Bedeutung des Themas Seit den fünfziger und sechziger Jahren ist Afrika, und speziell Schwarzafrika, mehr und mehr Gegenstand des Weltinteresses geworden. Dies geschah durch den Eintritt der meisten Länder des schwarzen Kontinents in die Ära der politischen Unabhängigkeit. Bis dahin gab es kaum afrikanische Universitäten oder Forschungsstätten. Die meisten, um nicht zu sagen fast alle, Wissenschaftler und Gelehrten, die sich mit Afrika beschäftigten, waren Nicht-Afrikaner beziehungsweise besonders Europäer. Das galt vor allem für die speziellen Gebiete der Geisteswissenschaften und der Literaturwissenschaft. Die philosophischen Fakultäten waren ausschließlich ein Betätigungsfeld für europäische Wissenschaftler.

Die Erlangung der politischen Unabhängigkeit bewirkte mehr oder weniger eine kulturelle Revolution insofern, als sie die Gründung selbständiger afrikanischer beziehungsweise negro-afrikanischer Universitäten und Forschungsinstitute mit sich brachte. In diesem Zusammenhang fingen afrikanische Wissenschaftler allmählich selbst an, sich mit ihrer eigenen Geschichte, Erdkunde, Philosophie, Musik, Literatur und Kunst zu beschäftigen. Besonders an den philosophischen Fakultäten wurde diese Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, mit den eigenen Traditionen, mit dem eigenen Kulturerbe sehr rege. Die Hauptkolonialmächte waren bekanntlich England und Frankreich.

Daher war es kein Wunder, daß die Pionierarbeiten, die geleistet wurden, fast ausschließlich anglophonen oder frankophonen Charakter in jeder Hinsicht hatten. Deutschland ist nicht lange Kolonialmacht gewesen. Es ist also nur zu selbstverständlich, daß es in einer ersten Phase von den meisten afrikanischen Forschern ignoriert oder vernachlässigt wurde. An fast allen philosophischen Fakultäten der jungen afrikanischen Universitäten gab es bis vor kurzem keine Abteilung für Germanistik, und an den Oberschulen wurde Deutsch kaum gelehrt.

Man fand zum Beispiel ganz normal, daß es an solchen Universitäten wie der senegalesischen in Dakar jeweils eine Abteilung für französische, englische, arabische Literatur und Sprache gab. Man lächelte aber spöttisch, wenn von Deutschunterricht und prospektiv von Germanistik in Schwarzafrika die Rede war. Und als es doch gelungen war, die deutschen Kulturverantwortlichen von der Wichtigkeit dieser Disziplin zu überzeugen, rebellierten die deutschen Steuerzahler: Was, Germanistik, deutsche Literatur in Afrika? So ein Unsinn! Die sollen Mathematik, Geographie, Physik, Landwirtschaft, das heißt Fächer der Naturwissenschaften und der exakten Wissenschaften, studieren, um ihre Länder zu entwickeln!

Das schien auch einleuchtend und unbestreitbar. Man übersah aber eines: daß keine Entwicklung stattfinden kann ohne eine vorausgehende Bewältigung der Vergangenheit in Form einer Auseinandersetzung mit dem Bild, das sich andere Völker beziehungsweise die Vertreter von anderen Völkern von Afrika gemacht haben. Diese Auseinandersetzung muß selbstverständlich so nüchtern und distanziert wie möglich geschehen, um ihr Ziel zu erreichen. Im Hinblick auf die deutsche Kolonialliteratur über Schwarzafrika sollte man sich nicht durch die begrenzte Zeit der deutschen Kolonisation irreleiten lassen. Die direkte deutsche Kolonisation in Schwarzafrika hat lediglich von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gedauert.

Ausgehend von dieser kurzen Periode im Vergleich zu der langen Kolonisationsära der Franzosen, Engländer und Portugiesen, glaubt man im allgemeinen, die deutsche Kolonialliteratur über Schwarzafrika sei ein Tropfen im Meer, und es lohne sich überhaupt nicht, sich mit ihr in einer umfangreichen Forschungsarbeit auseinanderzusetzen. Dieser Standpunkt ist einer der geläufigsten und gröbsten Irrtümer, dem sogar manche sonst ernstzunehmenden Spezialisten zum Opfer gefallen sind, weil sie es nicht für notwendig erachtet haben, diese nur scheinbare Selbstverständlichkeit zu überprüfen. Das ist zum Beispiel der Fall bei Martin Steins, der in seinem sonst so bedeutsamen und interessanten Buch über „Das Bild des Schwarzen in der europäischen Kolonialliteratur 1870-1918" die Rolle der deutschen Kolonialliteratur bagatellisieren zu dürfen meint, indem er folgenderweise argumentiert:

„Die deutsche Kolonialbewegung, die verspätet einsetzte, brach nach 1914 frühzeitig ab, und die weitere Beschäftigung mit Afrika stand danach meist unter dem polemischen Vorzeichen von „Deutschlands Recht auf Kolonien". Um diese seine Behauptung zu untermauern, stützt sich Steins lediglich auf zwei tatsächlich für seine These willkommene, aber ausgesprochen propagandistische Veröffentlichungen aus den Anfängen der Nazi-Zeit: „Deutschtum in Übersee und in den Kolonien", herausgegeben vom Deutschen Auslandsinstitut, und das Werk von Paul Ritter „Kolonien im deutschen Schrifttum". Dabei begeht Steins nicht nur einen Irrtum, sondern gleich zwei.

Erstens nimmt er, anstatt sich auf Primärveröffentlichungen der deutschen Kolonialliteratur zu stützen, das, was die tendenziöse Sekundärliteratur schreibt, für bare Münze. Zweitens wird noch zu zeigen sein, daß er weit davon entfernt ist, recht zu haben, wenn er erklärt, die deutsche Kolonialbewegung ende unmittelbar nach 1914. Wenn man sich eingehend und ohne Voreingenommenheit mit der deutschen Kolonialliteratur über Schwarzafrika beschäftigt, wird man erst während der Forschungsarbeiten die Bedeutung der Themawahl einschätzen können. Anders als bei sonstigen Themen erscheint sie hier a posteriori.

Am Anfang kommt man wie Steins in Versuchung, den Umfang und die Vielfalt dieser Literatur sehr zu unterschätzen. Je mehr man sich aber dann einarbeitet, desto mehr entdeckt man ihren quantitativen und ihren qualitativen Reichtum. Man möchte am Ende sogar meinen, daß - im Verhältnis zur kurzen Dauer der deutschen Kolonialära in Afrika - die deutsche Kolonialliteratur über diesen Erdteil viel reicher als die französische oder die englische sei. Die Bibliographie am Ende dieser Arbeit gibt einen Eindruck von ihrer Fülle. [...]