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C.G. Büttner

C.G. Büttner

Biographie des Herero-Missionars, Sprachforschers und Politikers in der deutschen Kolonialbewegung
Menzel, Gustav
13092
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Untertitel: Missionar, Sprachforscher und Politiker in der deutschen Kolonialbewegung
Autor: Gustav Menzel
Verlag der Vereinigten Evangelischen Mission
2. Auflage, Wuppertal 1995
Broschur, 15x21 cm, 232 Seiten, 1 sw-Foto, 1 sw- Abbildung, 1 Karte


Aus der Einleitung:

Im vorigen Jahrhundert entsandte die Rheinische Mission nur wenige Mitarbeiter nach Übersee, die nicht am Missionsseminar ausgebildet wurden. Die meisten waren junge Handwerker, die seit 1826 in Barmen die Elementarfächer, die Sprachen und die grundlegenden theologischen Disziplinen wie Bibelkunde, Heils- sowie Kirchengeschichte und Praktische Theologie studierten.

Erst 1860 wurde ein Pfarrer ausgesandt, der die Universität besucht hatte. Es handelte sich um Adam Krolczyk (1826 -1872), der nach China ging und dort nach zwölfjährigem Dienst starb. Wenige Jahre später bestimmte die Missionsleitung August Schreiber für den Dienst auf Sumatra. Der bekannte Afrikamissionar Carl Hugo Hahn hatte ihn für die Missionsarbeit gewonnen. Für Namibia oder das Damaraland, wie man damals sagte, wurde - wiederum einige Jahre danach - Carl Gotthilf Büttner ausgewählt. Auch er war kein Missionar im herkömmlichen Sinn, sondern durch die Universitätstheologie der Professoren in Königsberg geprägt.

Was ihre Position betraf, nahmen diese akademisch gebildeten Pfarrer keine besondere Stellung ein: Sie waren Missionare wie die anderen. Mit den wenigen Ärzten, die im vorigen Jahrhundert für die Rheinische Mission in China und Indonesien arbeiteten, verhielten sie sich gegenüber der Missionsleitung jedoch etwas freier. Obwohl sie die gleiche Instruktion empfingen, wie ihre am Seminar ausgebildeten Kollegen, die „Zöglinge", standen sie doch nicht in gleichem Maß unter der ständigen Aufsicht ihrer Lehrer und der patriarchalischen Führung der Missionsleitung.

Aber nicht nur die andere geistige Herkunft und anders geprägte Ausbildung machen das Leben und Wirken Büttners so interessant, sondern auch die Tatsache, daß er in seinem kurzen Leben - er ist nur knapp 45 Jahre alt geworden - in vielen Bereichen tätig war. Nach seiner Rückkehr aus Afrika wirkte er zunächst als Gemeindepfarrer in Ostpreußen. Nach einer kurzen Tätigkeit als Kolonialbeamter in Südwestafrika wurde er als Leitender Inspektor in die kurz zuvor gegründete „Evangelische Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika" berufen. Dieses Amt mußte er jedoch nach zwei Jahren wieder aufgeben. Schließlich übernahm er -sprachbegabt wie er war - den Posten eines Mitarbeiters am Institut für Orientalische Sprachen in Berlin.

Innerhalb der Missionarsschaft der früheren Rheinischen Missionsgesellschaft (heute: Vereinigte Evangelische Mission) bildete Carl Gotthilf Büttner ein unregelmäßiges Verb. Er war gegenüber der Missionsleitung aufsässig und ein „Aussteiger", d. h. er hielt nicht unbedingt an dem Grundsatz fest, daß der Missionarsberuf nur nach der Weise der Väter zu handhaben sei. Er legte eine große Vielseitigkeit an den Tag, zeigte Interesse an politischen Fragen, stieg selbst aktiv in die Politik ein, als er im Auftrag des Deutschen Reiches im heutigen Namibia Schutzverträge abschloß (oder auch nicht, wo man sich ihm verweigerte).

Er wurde Leiter einer Kolonialmission, allerdings nicht im Gleichschritt mit seinem Vorstand. Er war ein bekannter Publizist in den Anfängen der Kolonialperiode, der Zustimmung, bei gewissen Themen auch Widerspruch von seiten der Traditionalisten in der Mission fand. Der schließlich als Linguist tätige Büttner kann mit Recht als erster Afrikanist deutscher Zunge bezeichnet werden.

Es ist nicht einfach, mit den verschiedenen Leben Büttners fertig zu werden. Archivmaterial, vor allem über seine „rheinische" Periode, d.h. über den Missionar der Rheinischen Mission, der gut sieben Jahre unter den Herero wirksam war, ist reichlich vorhanden. Viele Unterlagen existieren auch über den ersten Inspektor der Evangelischen Mission für Deutsch-Ostafrika, der späteren Bethel-Mission.

Über den Pfarrer in Wormditt/Ostpreußen „zwischen den Zeiten" bei der Rheinischen und der Bethel-Mission fehlen die nötigen Angaben. In dieser Epoche wurde er durch seine mannigfachen literarischen Beiträge auch über die Missionskreise hinaus bekannt, nicht zuletzt durch seine provozierenden Ansichten. Die Wissenschaft interessierte sich besonders für den Linguisten und Afrikanisten Büttner. Dieser, sein letzter Lebensabschnitt, war besonders fruchtbar.

In einer Zeit, die den Aufbruch des Deutschen Reiches zur Kolonialmacht vor mehr als 100 Jahren kritisch betrachtet, wird auch Büttner -selbst als Reichsbevollmächtigter - keine ungeteilte Zustimmung finden. Sein Persönlichkeitsbild leidet unter dem Vorwurf, daß er ein „Kolonialenthusiast" gewesen sei. Wie er mit der dadurch entstehenden Problematik umging, sollte man von ihm selbst hören. [...]