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Aus meinem Afrika-Tagebuch

Aus meinem Afrika-Tagebuch

Sieben Berichte einer Missions-Besuchsreise 1954 in Südwestafrika
Sundermeier, Fritz
05-0229
gebraucht

sofort lieferbar

15,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten
Autor: Fritz Sundermeier
Verlag der Rheinischen Missions-Gesellschaft
Wuppertal-Barmen, 1956
Originalbroschur, 13x16 cm, 36 Seiten, 7 sw-Fotos


Zustand:

2, leichte Altersbräune, sauber, sehr selten

Inhalt:

Missionar Sundermeier machte 1954 im Auftrag der Rheinischen Missons-Gesellschaft eine Besuchsreise ins damalige Südwestafrika und berichtet in mehreren sehr interessanten Episoden in dieser kleinen und seltenen Missionsschrift:

Mitte Dezember 1954 bin ich wohlbehalten von meiner siebenmonatigen Besuchsreise durch Südwest- und Südafrika zurückgekehrt. Unterwegs in Afrika wurden mir immer wieder Grüße für die Heimat aufgetragen. Am Rande der Kalahari-Wüste fertigte mir jemand von heute auf morgen ein Kreuz an. Dies sollte ein Geschenk sein und zugleich mir und allen Missionsfreunden den Dank dafür bekundenden, daß 90 000 schwarze und braune Menschen durch die Sendboten der Rheinischen Mission das Evangelium erhalten haben. Gern gebe ich diesen Dank und auch die Grüße der vielen anderen weiter.

Ein herzliches Anliegen ist es mir, allen denen zu danken, die während meiner Reise mich mit ihrer Fürbitte umgäben. Von verschiedenen. Erwachsenen und Kindern, besonders in meiner Heimatgemeinde Mennighüffen, weiß ich; daß sie treu für mich gebetet haben. Und nicht vergessen sei der herzliche Dank an alle die, die mich in Afrika so freundlich aufnahmen, versorgten und in vielen Stücken halfen. Ich grüße alle, die sich meiner erinnern, mit herzlichen Segenswünschen für unser aller Dienst.

Man hat mich nach den entscheidenden Eindrücken gefragt, die ich in Süd-West gewonnen habe. Zu antworten fällt mir nicht schwer. Vom ersten Tage an habe ich mich gewundert und gefreut über die vielfache Tatsache: Es wird gepredigt und gehört! Weiße Missionare predigen in verschiedenen Sprachen. Schwarze Pastoren, Evangelisten und Helfer tun dasselbe. Und die Menschen kommen und hören!
Wo immer wir auch gewesen sind - auf den Farmen, in den Reservaten, im äußersten Norden, wohin man nur mit dem zuverlässigen, starken Wüstenbus fahren kann; oder bei den Buschmännern - überall wurden wir nicht nur freundlich aufgenommen, sondern durchweg erschienen die Leute zahlreich, um wieder einmal Gottes Wort zu hören. Ich weiß keine Macht, die in Süd-West einen so großen und so guten Einfluß ausübt wie die Bibel. Diese Tatsache ist sehr bedeutsam.

Gewiß müßte mehr im Lande getan werden. Gewiß sollten die Nama und Herero, die Bergdama und Kleurlinge und die Buschmänner mehr besucht und gelehrt werden. Aber Süd-West ist anderthalb mal so groß wie das alte Deutschland. Bei den riesigen Entfernungen und der heißen Sonne können wir von unseren zwei Dutzend Missionaren und den Schwestern unmöglich mehr erwarten. Soll das Werk intensiviert werden - und das ist sehr nötig -, so setzt das größere Opfer der Heimat voraus. Eine Reihe Missionare mehr in Süd-West wären nur gut am Platze! Denn es muß mehr gepredigt werden, damit mehr gehört werden kann. Noch besitzt die Rheinische Mission viel Vertrauen im Lande. Zweidrittel aller Eingeborenen sind uns zugetan. Noch haben wir große Gelegenheiten, wenn wir den verschiedenen Stämmen helfen wollen, bis sie am Ende vielleicht nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen sein mögen.


"Pastoren-Examen in Karibib":

Vom 5. bis 7. Juli 1954 hat das Pastorenexamen im Paulinum zu Karibib stattgefunden. Daß ich dabei sein konnte, war mir eine große Freude. Es handelte sich um 7 Kandidaten. Einer von ihnen ist allerdings nur Gasthörer gewesen, denn er hat zu wenig Vorbildung mitgebracht. Zweifellos war es für sie alle eine ernste Angelegenheit, wenn sie nun nach eineinhalbjährigem ernstem Studium zeigen sollten, was sie zu leisten im Stande sind.

Zu Beginn der Prüfung trug nur ein einziger von ihnen keine Brille. Ob nur er allein gesunde Augen hat? Vielleicht brauchen die anderen wirklich eine Brille, denn sie sind meist an die Vierzig oder älter. Josef Hanse zählt 61 Jahre. Und der Herero Bernhard Kahiiko ist sogar 63 Jahre alt. In dem Alter noch stramm studieren zu müssen, ist sicher keine Kleinigkeit, zumal diese Männer aus Völkerstämmen kommen, die Lesen. und Schreiben durchaus nicht schätzen und seit Jahrhunderten am liebsten in ihren einfachen Pontoks hausen.

So bin ich über ihre Leistungen wohl mit gutem Recht erstaunt gewesen. Den Inhalt dessen, was sie vorgetragen haben, konnte ich allerdings nur dann begreifen, wenn sie Afrikaans sprachen. Aber auch dann, wenn sie in ihrer Muttersprache über ein Stück der Glaubenslehre Auskunft gaben oder eine Katechese lieferten, hat mich ihre Haltung und ihr ganzes Auftreten doch oft richtig gefesselt. Offenbar können diese Herero und Nama, diese Bergdama und Ovambo spannend erzählen. Und mit welchem Ernst hat uns Daniel Mutumbulua (aus Windhoek) die Versuchungsgeschichte Jesu vorgetragen! Und daß sie doch allerlei von Augustin und anderen Kirchenvätern und von Dr. Martin Luther gewußt haben, hat mich sehr beeindruckt.

In aller Ruhe habe ich bei dieser Gelegenheit den Unterschied zwischen Herero- und Namasprache verfolgen können. Vier Schnalzlaute, die man unmöglich überhören kann, kennzeichnen das Nama. Natürlich ist es für alle Lehrer und Schüler in Südwest ein schweres Hindernis, daß etwa ein halbes Dutzend verschiedener Sprachen üblich ist. Die Völkerstämme, zu denen unsere Paulinums Männer gehören, haben im vorigen Jahrhundert noch blutige Kriege gegeneinander ausgefochten. Wenn sie heute miteinander Gottes Wort lernen, so ist das ja doch etwas Großes und ein Zeichen für die friedenstiftende Macht des Evangeliums. Vielleicht war es den sieben Kandidaten eine Freude, als ich sie am Abend des zweiten Examenstages in ihren bescheidenen Pontoks auf der nahegelegenen Werft besucht habe.

Josef Hanse, der 61 jährige, hat nur ein eigenes Kind, aber außerdem noch sieben andere, für die er die Verantwortung übernommen hat. Vier dieser Kinder stammen von der Schwester seiner dritten (!) Frau. Wiederholt habe ich bei meinem Besuch meine persönlichen Fotos gezeigt, die ich mir vor Antritt meiner Reise zu Hause in die Brieftasche gesteckt hatte. Mancher hätte gern das eine oder andere Bild geschenkt genommen.

Am Abend des dritten Examenstages fand zum Schluß ein feierlicher Gottesdienst in der großen Kirche statt, die schon an die vierzig Jahre steht. Sie ist bei weitem das größte Gebäude der Stadt. Einige Posaunen spielten schon vor Beginn des Gottesdienstes. Der große Chor, der zwischen den verschiedenen Ansprachen sang, hat seine Sache besonders gut gemacht. Ich werde es wohl kaum vergessen, mit welcher Inbrunst Männer, Frauen und Kinder etwa den Bachschen Satz gesungen haben: „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr!" Der mehrstimmige Schluß des „Vater-Unser" wird mir auch im Gedächtnis bleiben. Wo Menschen mit einer solchen Hingabe zum Lobe Gottes singen, da ist das Evangelium sicherlich nicht umsonst verkündigt worden.

Der Sprecher Josef Hanse verglich in seiner Ansprache das Paulinum mit einer Henne, die in Geduld ihre Eier ausbrütet. Nun seien die „Küken", so fuhr er fort, „flügge" geworden. Und in Zukunft würden sie als Hirten der Gemeinde „Gluckendienst" tun. — Mit diesem anschaulichen Bilde sehen wir uns erinnert an Jesu Wort im Blick auf Jerusalem: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel. Und ihr habt nicht gewollt!" (Matth.23,37b.) Möchten sich die Völker in Südwest hinfort doch nicht umsonst durch ihre jungen Pastoren zur Umkehr und zum Reich Gottes rufen lassen!

Mir war es eine liebe Aufgabe, ihnen an jenem Abend auch ein Wort zu sagen. Bewußt habe ich sie hingewiesen auf den Tod unseres Heilandes und auf die Vergebung unserer Sünde, die vom Kreuz Jesu Christi kommt. Vor allem im Blick auf die anwesenden schwarzen Kinder und jungen Leute habe ich ihnen von jenem indischen Räuberhauptmann erzählt. Dieser hatte 30 Leute umgebracht und kam ins Gefängnis. Er wurde als Sklave verkauft und ging in den Besitz eines weißen Mannes über, eines Missionars. Der erzählte ihm die Leidensgeschichte Jesu. Da fing der böse Räuberhauptmann an zu zittern und zu schreien. Unter furchtbarem Schrecken machte er seinem sündig gen Herzen Luft und schrie zu Gott. Hernach aber kam Ruhe in sein Herz, weil das Kreuz Jesu ihm Vergebung zusagte. Und schließlich wurde aus diesem vielfachen Mörder ein fröhlicher und fleißiger Bote Jesu, der später Hunderte aus den Heiden zur Taufe führen durfte.

Als ich beim Ausgang allen Leuten die Hand gab, meinte Josef Hanse, er werde die Geschichte vom Räuberhauptmann nicht wieder vergessen. Gut, wenn er und alle anderen Gott dem Herrn treu dienen werden in ihrem Amt der Verkündigung. „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!" Es muß gepredigt werden, damit die Frohe Botschaft alle erreicht!

Bild oben:

Drei afrikanische Mitarbeiter fuhren mit zur Afrika-Konferenz nach Marangu. Vordere Reihe von l. n. r. die Pastoren H. Isaak, D. Strydom, A. Kukun und Missionspräses H. K. Diehl.