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Anlässe, Ausklang und Opfer des Hottentottenkrieges

Anlässe, Ausklang und Opfer des Hottentottenkrieges

Befunde und Berichte zur Deutschen Kolonialgeschichte, Band 10
Steffan, A.W, (Hg.)
13009
neu

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Anlässe, Ausklang und Opfer des Hottentottenkrieges

Herausgeber: A.W. Steffan
Schriftenreihe zur Förderung geschichts-, kultur- und naturwissenschaftlicher Forschungim Bereich der ehemaligen deutschen Einfluß- und Schutzgebiete in Übersee
5. Jahrgang - Heft 10 / 2005
Windhoek-GeInhausen 2005
ISBN: 99916-793-5-9
Broschur, 16x23 cm, 86 Seiten, etliche sw-Abbildungen


Inhalt:

Steffan, A. Wilhelm:
Anlässe und Opfer des Hottentotten-Krieges

Steffan, A. Wilhelm:
Geschäfte mit deutscher Kolonialgeschichte

Großer Generalstab
Morengas Ende und Erckerts Kalahari-Zug

Godendorff, Siegfried:
Letztes Bild Friedrich von Erckerts usw.

Beck (Feldwebel) & Godendorff, Siegfried: Tagebuchaufzeichnungen zu den Heldentaten des Kriegsfreiwilligen Prenzlow

Estorff, L. von:
Zum Vorgehen gegen Simon Kopper

Bauzus:
Zum Überfall bei Kowise Kolk

Estorff, L. von:
Zum Überfall auf die Bohrstelle Nanib

Erckert, Fr. von:
Einsatzbefehl zur Verteilung Sanitätspersonal

Tschirnhaus, W. von:
Brief aus dem Lazarett Arahoab

Wülfing, Walter:
20. Wiederkehr des Gefechts von Seatsub

Godendorff et alii:
Grabstätten Seatsub und Friedhof Gochas

Britische Dokumente
Grenzüberschreitung Deutsch Schutztruppe
Britische Dokumente
Ausgang des Seatsub-Gefechtes
Zeitungsmeldung 1908
Zeitgenössische Beurteilung und Anmahnung

Bilder:
Erckert-Foto, Kowisekolk-Grabsteine, Erckert-Gedenkstein

Skizzen:
Aufstandsgebiet, Marschweg Seatsub, Gefechtsfeld


Anlässe und Opfer des Hottentotten-Krieges:

Fast ebenso überraschend wie der Herero-Aufstand brach im Süden des ehemaligen deutschen Schutzgebietes Südwestafrika im Oktober 1904 auch der Hottentotten-Krieg aus. Es gab keinen unmittelbaren Anlaß dafür - wenngleich bereits in den Vorjahren Übergriffe einzelner Stämme auf deutsche Siedlungen und teils heftige ‚Auseinandersetzungen’ mit der deutschen Schutztruppe stattgefunden hatten. Nach dem Friedensvertrag mit den Bondelzwarts am 27. Januar 1904 zu Kalkfontein jedoch wurden viele der getroffenen Vereinbarungen nicht eingehalten: Zu den des Mordes und Raubes beschuldigten und an die Schutztruppe auszuliefernden Stammesangehörigen zählten auch die Brüder Jakob und Eduard Morris so wie der Herero-Bastard Jakob Morenga. Letzterer war es auch, der im Süden des Nama-Landes mit räuberischen Überfällen auf Farmen zum offenen Aufstand aufrief und zahlreichen Zulauf vor allem von jenseits der Südgrenze des Schutzgebietes fand.

Begonnen hatten die Unruhen aber bereits, als im Frühjahr 1904 Berichte über die wenig erfolgreichen Gefechte mit den Herero an den Onjati-Bergen nach Süden drangen, und als der langsame Verlauf des Herero-Krieges erste Zweifel an der bis dahin gefürchteten Macht der Deutschen weckte. Wahrscheinlich trug auch die Kriegshysterie der Deutschen selbst zu den neuen Nama-Aufständen bei: Den geringsten Widersetzlichkeiten nämlich wurde oft leichtfertig mit der Drohung begegnet, man würde mit ihnen genau so verfahren wie mit den Herero: ihnen Waffen, alles Land und Vieh wegnehmen. Dazu kam noch die Argwohn verbreitende Verstärkung der während des Herero-Aufstandes verringerten südlichen Schutztruppen-Abteilungen durch die am 2. Juli in Lüderitzbucht angelandeten 300 Schutztruppen-Reiter zusammen mit einer Geschützbatterie unter dem Befehl des Majors von Lengerke.

Im Norden des Nama-Landes entschloß sich indessen der langjährige Verbündete und Gefolgsmann der Deutschen, Hendrik Witboi, diesen seine Treue aufzukündigen: Sein wohl schon früher gezeigter „religiöser Wahnsinn“ wurde durch einen Wanderapostel der sogenannten Äthiopischen Kirche, den aus der Kapkolonie gekommenen Betschuana-Hottentotten Stürman Skipper, zum Widerstand gegen die Deutschen angestachelt: Mit dem Glaubenssatz „Afrika für die Farbigen" verkündete er von Gott gesandt zu sein, um alle Weißen aus Afrika zu vertreiben. Mit seinen religiös gefärbten Aufrufen war er eine wesentliche Triebfeder für alle kriegerischen, oder zunächst zumindest räuberischen Unternehmungen. Am 3. Oktober überbrachten die Witbois Samuel Isaak und Petrus Jod dem Bezirksamtmann von Burgsdorff die schriftliche Nachricht ihres Kapitäns, daß dieser „. . . jetzt aufhören wolle, der deutschen Regierung zu folgen:"

Um zu versuchen Hendrik Witboi umzustimmen, ritt von Burgsdorff unbewaffnet gen Rietmont, traf am folgenden Tage aber in Mariental auf dessen dort versammelte Anhänger, die ihn nach dem Empfang des Briefes ihres Kapitäns befragten. Auf seine Bejahung hin wurde er hinterrücks von dem Bastard-Hottentotten Salomon Sahl niedergeschossen. Dieser mit einem Mord beginnenden offiziellen Kriegseröffnung schlossen sich noch andere Hottentotten-Stämme an, obgleich nicht alle. Einer der ersten, die seinem Aufruf zur Erhebung folgten, war Simon Kopper, der Kapitän der Fransmann-Hottentotten in Gochas. Andere Stämme, besonders im Westen und Norden, folgten seiner Aufforderung nicht, oder sie wurden durch das schnelle und bedrohliche ,Aufsichaufmerksammachen’ der örtlichen Schutztruppen-Besatzungen von einer Erhebung abgehalten.

Bei den Aufständischen aber waren es ebenso wie im Herero-Aufstand vor allem die Jüngeren, die eine ‚Kriegspartei’ bildeten, und ebenso wie dort, erschöpfte sich zunächst die Kriegsführung in der Niedermetzelung ungeschützt lebender Farmer und ihrer Familien, dem Niederbrennen ihrer Anwesen und dem Raub ihrer Habe und Herden - und dann in der meist aus dem Hinterhalt erfolgenden Vernichtung kleinerer Schutztruppen-Patrouillen. Erst die daraufhin organisierte gezielte Gegenwehr der durch Nachschub aus dem Reich und Verbände aus dem Norden verstärkten Schutztruppe, vor allem unter der Leitung des Obersten Deimling, führte zu größeren Gefechten, die tatsächlich als kriegerische Auseinandersetzungen zu bezeichnen sind.

Hierbei stand der besseren Bewaffnung der Schutztruppe die Bedürfnislosigkeit und Kriegserfahrung der Hottentotten-Krieger und ihre genaue Kenntnis des wildzerklüfteten und wasserarmen Landes gegenüber. Nicht nur, daß es selbst Rückzugsmöglichkeiten bot, von denen aus neue Überfälle zu führen waren, auch das Überschreiten der Grenze des Schutzgebietes und das unbehelligte Ausweichenkönnen auf britisches Territorium verhalf den Hottentotten immer wieder zu Vorteilen. So kann es nicht verwundern, daß dieser sich über etwa 3 Jahre hinziehende Krieg auf beiden Seiten zu großen Verlusten rührte. Hierzu ist die Feststellung kennzeichnend, daß die deutsche Schutztruppe im Hottentotten-Krieg weitaus größere Verluste erlitt als beim Herero-Aufstand. Dies geht auch aus der vom Vorsitzenden der deutschen Kriegsgräberfürsorge in Namibien, Herrn Harald Koch/Windhuk, erstellten und hier dargebotenen Auflistung hervor: […]

[…] Aus der angegebenen Zeitspanne ergibt sich, daß in diese Aufstellung nicht die später bei den (in den nachfolgenden Beiträgen zu besprechenden) Gefechten mit Simon Kopper und Jakob Morenga entstandenen Verluste einbezogen sind; sie müssen noch genau ermittelt werden. Zumindest diese nach dem Tode von Hendrik Witboi (am 22. X. 1905 bei Fahlgras) zu beklagenden Verluste stehen mit den kriegsverlängernden Umständen in Verbindung, die sich durch die Möglichkeiten der von der britischen Kap-Regierung verantwortungslos geduldeten grenzüberschreitenden Waffenversorgung durch dortige gewissenlos profitgierige Händler ergaben.

Als den mehrfachen deutschen Friedensangeboten entgegenwirkend erwies sich auch die einerseits gezeigte Gleichgültigkeit der britischen Kolonialbehörden gegenüber den immer wieder vorübergehend schützende Verstecke im grenznahen Bereich der britischen Kapkolonie oder im britischen Protektorat Betschuanaland aufsuchenden Hottentotten-Gruppen - und andererseits die ablehnende oder argwöhnische Zurückhaltung der ‚Kap-Polizei’ gegenüber der deutschen Schutztruppe, wenn diese zur Aufspürung oder in Verfolgung des Gegners die gemeinsame Grenze überschreiten wollte oder überschritten hatte. Denkwürdig ist, daß dieses britische ,Kontrollverhalten’ gegenüber der deutschen Schutztruppe im ,Generalstabswerk’ übergangen oder schöngeredet wird - aber in zeitgenössischen deutschen und englischen Verlautbarungen immer wieder deutlich zum Ausdruck kommt.