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Afrikanischer Heimatkalender 2007

Afrikanischer Heimatkalender 2007

Seit 1930 Botschafter christlicher Werte mit vielen interessanten landeskundlichen Beiträgen
DELK
ah07

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24,95 €
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Afrikanischer Heimatkalender 2007

Autoren: Siehe Inhaltsverzeichnis
Herausgeber: DELK/Informationsausschuss der Ev.-Luth. Kirche in Namibia
Verlag: Afrikanischer Heimatkalender
Windhoek, 2007
ISBN: 99916-774-7-X (Namibia)
ISBN: 3-936858-95-0 (Deutschland)
Broschur, 17x24 cm, 132 Seiten, zahlreiche sw- und Farbfotos


Hinweis des Namibiana Buchdepot:

Schon seit 1930 erscheint der Afrikanische Heimatkalender jährlich ohne Unterbrechung und ist, abgesehen von einer relativ kurzen Phase äußerlicher Änderung, sich selber treu geblieben und versteht sich als ein Träger der christlichen Botschaft in Namibia und nahm zeitgeistliche Strömungen bislang ausgewogen auf.

Der Afrikanische Heimatkalender bietet seinen Lesern, traditionell den Deutschsprachigen im Lande, Erbauendes und Besinnliches als Lebenshilfe im Alltag, aber auch seit eh und je interessante und oft nur dort erschienene historische und aktuelle Beiträge zu Land und Leuten.

Wir haben viele der letzten, aber auch seltenen frühen Jahrgänge auf Lager und würden uns freuen, wenn Sie den Afrikanischen Heimatkalender einmal kennenlernen wollten.

Es ist kein Geheimnis, daß auch eine Institution wie der Afrikanische Heimatkalender die Existenz seinen regelmäßigen Lesern und Anzeigenkunden verdankt und wir hoffen sehr, daß uns dieses so weit in die Geschichte zurück reichende Periodikum noch lange erhalten bleibt.


Zum Geleit:

Erich Hertel Bischof der ELKIN (DELK)

Ein gutes Stück Redaktionsarbeit liegt hinter uns, und nun freuen wir uns, Ihnen den Afrikanischen Heimatkalender 2007 pünktlich präsentieren zu können. Für mich als Neuling in Namibia bedeutete dies eine wertvolle Lernerfahrung gleich am Anfang meiner Tätigkeit.

„Umgang mit der Vergangenheit“ ist diesmal das Rahmenthema, unter dem die verschiedenen Beiträge zu sehen sind. Zu diesem Umgang gehört die Erinnerung, die uns hilft, uns der Vergangenheit zu stellen und uns gleichzeitig frei macht sowohl für heilende Kräfte als auch für neue Erfahrungen. Wie Vergangenheit und Erinnerung in biblischer Sicht zusammenfinden, versuche ich in meinem Leitartikel zu erläutern.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Pastor Harald Klöpper mit der Korrespondenz zwischen Landespropst A. Wackwitz und Pastor F. Rust in der Zeit von 1933-39. Warum Pastor Eliphas Eiseb ein Mittler zwischen den Welten war, bringt uns Dr. Wilfrid Haacke in seinem Artikel nahe. Die deutsch-namibischen Beziehungen sind nicht erst seit dem Jahrestag des Hereroaufstandes 2004 ein Thema. Wie sie sich seit der Unabhängigkeit gestalten, weist Dr. Henning Melber auf. Woher kommt eigentlich der Name Namibia? Und seit wann wird er benutzt? Diese und andere Fragen beantwortet Georgios Chatzoudis in seinem Beitrag.

Wie ein Mensch mit seinen Erinnerungen und Gedanken umgeht und diese in Kunst umsetzt, wird in dem Artikel von Ute Fischer über den namibischen Künstler Ismael Wallo Tjijenda deutlich. Der Frage nach der territorialen Selbstverwaltung in „Deutsch-Südwest-Afrika“ geht Wolfgang Reith in seinem historischen Beitrag nach. Kirchen gehören neben Wohnhäusern und Wehrbauten zu den ältesten Architekturformen in Namibia. Sie erinnern an die Ursprünge der christlichen Mission in Namibia und weisen darüber hinaus auf die Bedeutung derselben in der Gegenwart hin. Dr. Andreas Vogt geht diesen Spuren nach.

Die Einsamkeit der Wüste ermöglicht es immer wieder, sich zu erinnern, bei sich selbst zu sein und mit Gott darüber in Kontakt zu treten. Mögen dazu die Bilder und Gedanken von Dieter und Adelheid Esslinger beitragen.

Das Sammeln der Artikel und das Zustandekommen des Afrikanischen Heimatkalenders wäre nicht möglich ohne den unermüdlichen Einsatz von Frau Christiane Berger, die immer wieder einen sanften Druck auf die Autoren und das Redaktionsteam ausübte, um den Kalender rechtzeitig herausgeben zu können. Vielen Dank für alle Mühe und Beharrlichkeit!

Dieter Esslinger möchte ich für seine Beratungen, Anregungen und Mitarbeit im Redaktionsteam danken. Frau Manuela Schmid hat sich um die Schreibarbeit und den Vertrieb verdient gemacht. Die Beschaffung der Anzeigen braucht viel Zeit - dafür sei Frau Uschi Preuer gedankt. Ohne die Bereitschaft der Autorinnen und Autoren, Beiträge zur Verfügung zu stellen, könnten wir uns nicht erinnern - auch dafür herzlichen Dank. Ich wünsche Ihnen nun viel Gewinn und Freude beim Lesen des Afrikanischen Heimatkalenders 2007.


Dr. Andreas Vogt: Die ältesten Kirchen in Namibia (Teil 1)

Einführung:

Neben einfachen Wohnhäusern und Wehrbauten zählen Kirchengebäude mit zu den ältesten Architekturformen in Namibia. Während Wohnhäuser in der Regel eine kürzere Lebensdauer als Kirchen haben und Wehrbauten eine reine Zweckfunktion besitzen und nach ihrem ursprünglichen Verwendungszweck oftmals geschleift oder umgenutzt werden, genießen Sakralbauten in der Regel eine fortgesetzte, ihrem ursprünglichen Zweck entsprechende Nutzung, und daher werden sie auch eher gepflegt und erhalten.

Es gibt dabei auch Ausnahmen, so sind z.B. die Ruinen von //Khau!xanas (Schans VIakte) aus der Jahrhundertwende des 18. und 19. Jh. sowie einige Wohnhäuser, wie z.B. das Schmelenhaus in Bethanien (1814), das alte Pfarrhaus in Warmbad (1867) und das Joseph Frederickshaus in Bethanien (1883) erhalten geblieben und zählen zu den wenigen erhaltenen Baudenkmälern aus dem 18. und 19. Jahrhundert in Namibia.

Namibia ist ein Land mit einer heterogenen, jedoch durchgehend von christlichen Traditionen und Werten geprägten Gesellschaft. Diese Tatsache zeichnet sich deutlich im historischen Bauerbe Namibias ab; in manchen Ortschaften (z.B. in Gobabis) befinden sich, gemessen an der Anzahl der Dorfbewohner, auffällig viele verschiedene Kirchenbauten.

Nichtchristliche Sakralbauten in Namibia beschränken sich bislang auf eine Moschee (eher bescheidenen Ausmaßes) in Windhoek. Eine (sehr wünschenswerte) Inventarisierung aller Sakralbauten in Namibia ist bislang noch nicht erstellt worden und würde eine interessante denkmalpflegerische oder kunsthistorische Forschungsarbeit größeren Umfangs darstellen.

Überschlägt man nämlich die A-zahl der in Namibia aktiven Konfessionen sowie die Anzahl der Städte, Ortschaften, Dörfer und Siedlungen, die über Kirchengebäude der einen oder anderen Art verfügen, wird man dabei auf eine beachtliche Anzahl von Sakralbauten kommen. Diese würden bei genauerem Studium nicht nur ein reges religiöses Gemeindeleben belegen, sondern sie spiegeln als Teil des historischen Bauerbes ebenfalls die dynamischen historischen Prozesse wider, denen dieses Land in den letzten zweihundert Jahren ausgesetzt war.

Eine Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist die, welches wohl die ältesten, noch erhaltenen Kirchenbauten in Namibia sind? Eine weitere Frage wäre, ob die ältesten Kirchen im Lande auch die ersten vor Ort waren? Um diese Fragen zu beantworten, muss auf die Anfänge der christlichen Missionierung zurückgegangen werden. Diesen Fragen soll in dieser Beitragsreihe nachgegangen werden.

Der Einfachheit und der Systematik wegen werden im ersten Beitrag die Kirchen im Süden Namibias untersucht, im zweiten die Kirchen in Zentralnamibia und im dritten Beitrag die Kirchen im Norden Namibias. Da die englischen Missionsgesellschaften (Londoner und Wesleyanischen) und die Rheinische Missionsgesellschaft die ersten waren, die in Namibia missionierten, muss hier auch die Suche nach den ältesten Kirchen in Namibia ansetzen, nicht jedoch ohne erst einen Blick auf die diesbezüglichen kirchenbaulichen Aktivitäten der Oorlam, das sind europäisierte Mischlinge, die am Ende des 18. Jh. und zu Beginn des 19.Jh. aus der Kapkolonie einwanderten, zu werfen.

Die ersten Kirchen im Süden Namibias Die Siedlungskultur Namibias moderner und europäischer Prägung begann sich im Süden Namibias zu entfalten, einem Gebiet, das ganz früher als Groß-Namaqualand bekannt war. Im Jahre 1796 errichteten Oorlams östlich von den großen Karasbergen die Felsenfestung //Khau!xanas (Schans Vlakte). Als Benjamin Ridsdale diese Schans Vlakte im April 1847 besuchte, berichtete er über einen Kirchenbau dort wie folgt:

„I next inspected the new stone chapel in course of erection. The walls, in nearly their entire length, are raised to the height of six feet, and are two feet thick, and when the building is completed, it will hold about three hundred hearers.“

Von den Kirchenbauten bei Schans VIakte sind nur noch Reste übriggeblieben.

„All of the original Oorlam Afrikaner town, encircled by the protective wall, lies on the crest of the //Khauxa!anas mountain. The Veldschoendrager village which Ridsdale and Bailey witnessed in the 1840 's was situated at the foot of this hill. The remains of what could have been the //Hawoben church mentioned by Ridsdale can still be seen.

It is also masterly built from flat slabs of rock, with a kind of mortar still intact and clearly visible between the rock layers in places. Another ruin near the remains of this building is accounted for by the local farmer Mr HJK Smith from Gugunas, as being the old „Hottentot Kerk“. The actual location of the old Veldschoendrager church has not been established.“

Die genauen Angaben zu diesen Kirchenbauten wären noch archäologisch zu erstellen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der Kirchenbau nicht nur direkt von Europa aus nach Namibia gelangte, sondern bereits durch die Oorlam-Stämme, die im späten 18. Jh. nach Namibia einzuwandern begannen. Die Kirchenbauten in Schans VIakte gingen daher nicht von den Bemühungen der Londoner oder Wesleyanischen Missionsgesellschaft aus, sondern von den aus der Kapkolonie stammenden Afrikaner-Oorlam selber. Deren Kirchen sind im Laufe der Jahre jedoch verfallen und das historische Wissen um diese Kirchenbauten ist erloschen.

Die Londoner, Wesleyanischen und Rheinischen Missionsgesellschaften:

Warmbad: In Warmbad, im tiefen Süden Namibias, das im vergangenen Jahr 200jähriges Jubiläum feierte, steht ein kleines Denkmal. Es ist in drei Teile untergliedert, die darauf hinweisen sollen, dass die Londoner, die Wesleyanischen und die Rheinischen Missionsgesellschaften den Grundstock zum Gemeindeleben Warmbads und im Süden Namibias gelegt haben. Eine Bronzetafel am Denkmal enthält die Namen der Missionare, die zwischen 1805 und 1955 in Warmbad tätig waren.

Die Brüder Christian und Abraham Albrecht, die zwischen 1805 und 1810 in Warmbad arbeiteten, errichteten hier eine erste Schule und begannen mit dem Taufunterricht. Im Jahre 1834 errichtete der Wesleyanische Missionar Edward Boyer Cook ein Pfarrhaus und eine Kirche in Warmbad. Sie besteht nicht mehr. Die Rheinischen Missionare bauten schließlich im Jahre 1877 die alte Missionskirche in Warmbad, die heute noch besteht und am 21. November 1877 eingeweiht wurde. Sie ist die älteste Kirche in Warmbad.

Bethanien: Die älteste Missionsstation im Süden Namibias mit ununterbrochener Missionsgeschichte ist Bethanien. Obwohl Heinrich Schmelen bereits im Jahre 1814 in Bethanien tätig war, waren Heinrich Kleinschmidt, der Katechet Jan Barn und schließlich Missionar Hans Knudsen diejenigen, die die Mission in Bethanien begründeten. Knudsen restaurierte die Ruine des Hauses, in dem Schmelen ehemals gewohnt hatte, und bezog es danach selber. Es ist das Schmelenhaus, eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude in Namibia.

Im Jahre 1846 legte Knudsen den Grundstein zu einem neuen Kirchengebäude in Bethanien. Nach knapp fünfzehn Jahren war diese Kirche jedoch bereits wieder zu klein, und Missionar Kreft erbaute daher in den Jahren 1858-1859 die kleine Missionskirche mit den beiden Türmen in Bethanien, die am 16. Juni 1859 eingeweiht wurde. Sie blieb die einzige zweitürmige Rheinische Missionskirche in Namibia und wurde 1998/99 restauriert. Als im Jahre 1899 eine dritte Kirche aus Naturstein, die sog. Klip-kerk errichtet wurde, wurde die alte Zweitürmige Missionskirche fortan als Schule verwendet.

Berseba: Die Missionsstation Berseba entwickelte sich aus „Gulbrandsdalen“, der Außenstelle von Bethanien, die von Missionar Knudsen geleitet wurde. Im Jahre 1850 wurde die ehemalige Wasserstelle „Outsawisis“ in Berseba umbenannt, der erste Missionar dort war Samuel Hahn, der anfangs in einer Binsenmattenhütte wohnte. Die erste Missionskirche dort wurde am Pfingstsonntag 1857 eingeweiht.

Mit dem Verkauf der Farm Bysteek um die Jahrhundertwende herum wurde ein Teil des Ertrags zur Verbesserung der Kirche verwendet. Nachdem Missionar H. Hegner am 3. August 1900 von einem Heimaturlaub nach Berseba zurückkehrte, wurde die alte Kirche restauriert und bekam dazu noch einen hübschen Kirchturm. Dem Missionar Hegner stand der Baumeister Ludwig Holzapfel bei der Erneuerung zur Seite. Die Kirche ist seitdem bis auf den heutigen Tag in Gebrauch. Sie ist die älteste noch bestehende Kirche im Lande, die gemäß ihrer ursprünglichen Funktion bis auf den heutigen Tag durchgehend genutzt wurde. Es bestand auch kein Kirchbau, der dieser Kirche an diesem Platz voran ging.

Keetmanshoop: Mit der Ortschaft Keetmanshoop, benannt nach dem Präses der Rheinischen Missionsgesellschaft Johann Keetman, verbindet sich der ehemalige Name der Ortschaft „!Nutgoais“ (Swartmodder), Wohnsitz des Häuptlings Tseib und des Missionars J.G. Schroeder, der dort vom 14. April 1866 an missionierte. Die erste Kirche in Keetmanshoop wurde am 18. Juli 1869 eingeweiht, sie wurde jedoch während einer Flut am 26. Oktober 1890 weggespült. Danach wurde eine neue Missionskirche aus Naturstein erbaut, die am 8. Mai 1895 eingeweiht wurde. Sie wird heute als Museum von Keetmanshoop genutzt.

Gibeon: Missionskirche Gibeon, erbaut 1913 Foto: A. Vogt Die Entstehung der Missionsgemeinde von Gibeon war eher dynamisch und sah sich zahlreichen Rückschlägen ausgesetzt. Am 10. April 1863 ließ sich Missionar J. Knauer permanent in Gibeon nieder, was als Beginn der Mission in Gibeon betrachtet wird.

Epidemien, Überfälle, Viehraub, Plünderungen und andere Missstände erschwerten die Arbeit der Mission. Die erste Kirche in Gibeon muss um 1866 erbaut worden sein, denn zehn Jahre später wurde sie durch eine neue Kirche ersetzt, die am 16. Juli 1876 eingeweiht wurde. Zu jenem Zeitpunkt war Missionar J. OIpp in Gibeon tätig. Diese Kirche wurde im Witbooi-Aufstand am 7. Oktober 1904 von der Schutztruppe gesprengt, da sie das Schussfeld der Feste in Gibeon beeinträchtigte. Eine neue Missionskirche in Gibeon, die heute noch besteht, wurde 1913 erbaut und am 14. Juni 1914 eingeweiht.

Kirchen der Außenstationen von Gibeon: Vor 1900 gab es nur die Außenstation Rietmond, ab 1907 Außenstation Kub; Maltahöhe bekam 1913 eine kleine Holzkirche und eine größere feste Kirche, deren Grundstein am 21. September 1923 gelegt wurde und die dann am 10. Januar 1926 eingeweiht wurde.

Hoachanas wurde 1922 Außenstation von Gibeon, doch hatte dort die Missionsarbeit bereits im Jahre 1853 unter Missionar Friedrich Vollmer begonnen. Im Jahre 1857 wurde dort der Grundstein zu einer Kirche gelegt, die jedoch erst im Jahre 1862 eingeweiht wurde. Sie besteht noch heute und wurde im Laufe der Jahre immer mal wieder liebevoll restauriert. Sie wird heute als Schule verwendet und kann ebenfalls als eine der ältesten Kirchen in Namibia gelten.

Der Grundstein zur Missionskirche in Mariental wurde am 21. Juni 1931 gelegt, sie wurde am 17. Dezember 1933 eingeweiht. Der erste Gottesdienst in der Kirche in Stampriet wurde am 7.Okto-ber 1930 gehalten. Die Kirche in Gochas wurde am 11. Dezember 1938 eingeweiht. Auf der Außenstation Kranzplatz bei Gibeon gab es eine Handwerksschule.

Gobabis: Die Mission in Gobabis entwickelte sich aus der Wesleyanischen Missionsstation Wesleyvale (Naosanabis - heute Leonardville), deren Missionar Tindall von 1844 an den Oorlamkapitän Amraal Lamberts seelsorgerisch betreute. Ein Pfarrhaus und eine Kirche wurden damals dort errichtet, doch verließen die Wesleyaner Naosanabis bereits im Jahre 1851 wieder.

1855 übernahm der Rheinische Missionar Simon Eggert die Missionsstation mitsamt den bestehenden Gebäuden. Um 1856 zogen Amraal Lamberts und sein Volk nach Gobabis um, wohin ihnen die Rheinische Mission folgte. Eggert errichtete dort eine kleine Kirche, bei deren Bau ihn Kapitän Amraal Lamberts tatkräftig unterstützte. In den Jahren 1860-1863 wurde eine neue Kirche erbaut, die im Juni 1863 während einer Missionarskonferenz eingeweiht wurde. Sie wurde als „die weiße Kirche auf dem Hügel“ bekannt.

Von 1867 bis 1878 war die Missionsstation verlassen; Kirche, Missionshaus und Schule waren zerstört oder beschädigt. In den Jahren zwischen 1877 und 1880 wurde die Missionsarbeit eine kurze Zeit lang fortgesetzt, doch ruhte die Missionsarbeit während der Wirren im Osten des Landes von 1880 bis 1908. Erst am 24. Juli 1908 begann die Missionsarbeit in Gobabis erneut mit Missionar Jakob Irle und seiner Frau. Ein neues Missionarshaus und eine neue Kirche wurden erbaut, die Ostern 1910 eingeweiht wurden. Bei der Außenstation Leonardville wurde 1950 eine Kirche gebaut, die ebenfalls als Schule diente.

Rehoboth: Die Aktivitäten der Rheinischen Mission unter den Swartbooi in Rehoboth gehen auf das Jahr 1845 zurück. Am 13. Oktober 1845 begannen die Missionare F.H. Kleinschmidt und J.H. Scheppmann mit dem Bau einer Kirche in Rehoboth, deren Mauern aus Backsteinen bestanden. Da die Kirche auf einer Klippenbank erbaut wurde, war es nicht nötig, ein Fundament zu graben. Nachdem sich die Baster von De Tuine im Kap 1870 in Rehoboth angesiedelt hatten, wurde diese Kirche unter Missionar Heidmann erneuert.

Sie besteht noch heute in renoviertem Zustand, ist von eher bescheidenen Ausmaßen und verfügt über einen interessanten Gedenkstein, der darauf hinweist, dass hier die alte Kirche von 1870 stand. Die neue Missionskirche („Pauluskirche“) wurde 1907/08 erbaut und am 14. November 1908 eingeweiht.

Windhoek: Jonker Afrikaner ließ sich um 1840 im heutigen Klein-Windhoek nieder. Er baute unter anderem „eine steinerne Kirche in Form einer Fluchtburg mit Schießscharten und hielt darin Gottesdienste ab.“ Um die Missionsarbeit stritten sich um 1844 die Rheinischen Missionare Hahn und Kleinschmidt von der Rheinischen Mission und Haddy und Tindall von der Wesleyanischen Mission. Die Wesleyaner gewannen die Auseinandersetzung und missionierten in der Zeit Jonker Afrikaners in Windhoek. In der Zeit Jan Jonker Afrikaners war wieder die Rheinische Mission aktiv. Zu jenem Zeitpunkt fehlte das Geld für eine neue Kirche, und die Gottesdienste wurden in einer Riedkirche abgehalten.

Jonker Afrikaners Kirche besteht nicht mehr. Es ist unbekannt, wo genau sich diese ersten Kirchengebäude in Windhoek befanden. Die alte Missionskirche in Windhoek auf dem Gelände der ELCRN gegenüber der DHPS wurde 1902/03 erbaut. Ihr Grundstein wurde am 2. März 1902 gelegt; sie wurde am 10. Mai 1903 eingeweiht und bekam den Namen „Friedenskirche“.

Rooibank-Walfischbucht: Rooibank war für die Mission insofern interessant, als es am Kuiseb mit seinem Frischwasser lag und in unmittelbarer Nähe des Hafens von Walvis Bay. Missionar Scheppmann begann hier im Jahre 1845 mit der Missionsarbeit und dem Bau einer kleinen Kirche, die nach sechs Monaten fertiggestellt war. Nach seinem Tode im Jahre 1847 errichtete Missionar Barn eine weitere Kirche, die am 9. Dezember 1849 eingeweiht wurde.

Nach wechselnden Geschicken der Gemeinde Scheppmannsdorf wurde von Missionar Johann Philipp Baumann eine Kirche aus Holzpfählen erbaut, die am 15. Juni 1879 eingeweiht wurde. Rooibank wurde später Außenstation von Walvis Bay, das seine erste Kirche 1880 bekam. Diese war ein in Hamburg aus Holz vorgefertigtes Gebäude, das 1881 errichtet und eingeweiht wurde. Es ist die älteste Kirche in Walvis Bay und besteht heute noch.

Die alten Missionskirchen in Rooibank sind nach und nach verschwunden und bestehen nicht mehr. Mit dem Bau einer neuen Missionskirche in Rooibank wurde am 1. September 1969 begonnen. Am 30. August 1970 wurde die Kirche eingeweiht und zu Ehren des Missionspioniers und Gründers von Rooibank „Scheppmannskirche“ genannt. An die alte Pfahlkirche von Baumann erinnert die Ostseite der Missionskirche neueren Datums, die mit Holzpfählen beschichtet ist.

Abschluss: Aus dem Vorhergehenden ergibt sich ein interessanter Befund hinsichtlich der ältesten Kirchen im Lande: In der Regel errichteten die Missionare zunächst provisorische, behelfsmäßige Schulen und Kirchen, denen dann die eine oder andere größere Kirche folgte, die oftmals bautechnisch minderwertig war und nach kurzer Zeit ersetzt wurde. Diese können als Kirchen der ersten Generation gelten. Ca. 20 Jahre danach wurden bessere und größere Kirchen erbaut, die, gemessen an späteren Kirchenbauten, jedoch noch immer winzig waren.

Einige dieser Kirchen der ersten Generation sind noch erhalten (z.B. in Berseba, Hoachanas, Bethanien-Zweiturmkirche), andere wurden im Laufe der Jahre zerstört und vernichtet (z.B. Gobabis - abgebrannt, Keetmanshoop - weggespült und Gibeon - von den Deutschen gesprengt). In der Regel wurden diese dann wiederum von den Missionskirchen der zweiten Generation ersetzt, die, sofern erhalten, heutzutage oftmals als die ältesten Kirchen im Lande betrachtet werden, doch von der Geschichte her, wie erläutert, bereits Kirchen der zweiten Generation sind (z.B. Bethanien - Klipkerk, Rehoboth - Pauluskirche, die Missionskirche in Keetmanshoop und die Missionskirche Gibeon).

Die Missionskirche in Berseba, erbaut 1857, ist eine Kirche der ersten Generation und wird bis auf den heutigen Tag ihrer ursprünglichen Funktion entsprechend genutzt. Sie kann demnach als die älteste Kirche im Lande betrachtet werden. Ihr folgt zeitmäßig kurz darauf die Zweiturmkirche in Bethanien (erbaut 1859) und die Kirche in Hoachanas (erbaut 1857 - eingeweiht 1862). Die beiden letzteren werden nicht mehr gemäß ihrer ursprünglichen Nutzung verwendet, sind aber mit die ältesten Kirchen im Lande.

Bibliographie: Baumann, J. (Red.) Van Sending tot Kerk. 125 Jaar Rynse Sendingarbeid in Suidwes-Afrika. ELKSWA, Karibib 1967. Berger, C. 1987. „Die Rheinische Missionskirche in Keetmanshoop: Heute Denkmal und Museum“. Afrikanischer Heimatkalender 1987. Windhoek: Deutsche Evangelische Lutherische Kirche. Buys, G.L. & Nambala, S.W. History of the Church in Namibia - An Introduction. Gamsberg Macmillan, Windhoek 2003.


Inhaltsverzeichnis:

Impressum /Autorenverzeichnis
Zum Geleit
Kalendarium

Adelheid und Dieter Esslinger, Windhoek:
Fotos und Meditationen zum Thema Wüste

Erich Hertel, Windhoek:
„Siehe, ich will ein Neues schaffen“ - Warum Erinnerung Not tut

Harald Klöpper, Windhoek:
Die briefliche Korrespondenz zwischen Landespropst A Wackwitz und Pastor F Rust 1933-39

Wilfrid Haacke, Windhoek:
Mittler zwischen zwei Welten - Im Gedenken an Pastor Eliphas Eiseb

Henning Melber, Uppsala:
Die Mühen der Ebene: Namibisch-deutsche Beziehungen seit der Unabhängigkeit

Georgios Chatzoudis, Köln:
Die Geschichte des Namens „Namibia“

Ute Fischer, Windhoek:
Ismael Wallo Tjijenda, „Lecturer of Cardboard printing“

Wolfgang Reith, Neuss:
Territoriale Selbstverwaltung in Deutsch-Südwestafrika

Andreas Vogt, Windhoek:
Die ältesten Kirchen in Namibia (Teil1)

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