| Autor: Joe Pütz Verlag: Peter's Antiques Swakopmund, 2001 Broschur, 22x17 cm, 155 Seiten durchgehend mit Textillustrationen Aus dem Vorwort von Joe Pütz: Schon des öfteren ist die Vermutung geäussert worden, dass die Sprache eines Menschen oder einer Nation einen Einblick in den Charakter des Individuums oder des Kollektivs gewährt - dass der Sprachstil Rückschlüsse auf die Weltanschauung des Sprechenden zulässt. Wenn dem so ist - und der Verdacht scheint gut fundiert zu sein - bieten zuerst die Dickschenäries und jetzt "Das Grosse Dickschenärie" nicht nur eine Einführung in einen "Kolonial-Dialekt" oder "Dritte-Welt-Slang", sondern auch eine Tür zur Seele und Psyche der "Oukies". Die Vokabel-Veränderungen und grammatikalischen Verstümmelungen, die der deutschen Sprache in (vorher) Südwestafrika (und jetzt Namibia) widerfahren sind, können nämlich nicht nur auf Sprechfaulheit und Bildungsmangel abgeschoben werden. Sie reflektieren notwendigerweise auch die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt.Solch eine Wechselbeziehung zwischen alter Sprache und neuer Umwelt muss zu einer dialektischen Verformung der Sprache, des Sprechenden und der Umwelt führen. Eine Sprache, die über Jahrtausende in der Umwelt "Europa" entstanden ist, muss letzten Endes der oft radikal anderen Umwelt "Afrika" gerecht werden. Wenn dies nicht geschehen wäre, käme der Verdacht auf, dass entweder die Menschen oder aber die Sprache erstarrt sind. Bevor sich jedoch jemand an eine Psychoanalyse der "Oukies" wagt, muss die Warnung ausgesprochen werden, dass eine rein oberflächliche, symptomatische Analyse diesem Typ kaum gerecht werden kann. Menschliche und linguistische Erscheinungen sind zumeist beladen mit scheinbaren Widersprüchen und unbekannten Variablen. Auf den ersten Blick mag es deshalb so scheinen, als ob die Oukies ein altmodisches, grobschlächtiges, vulgäres Volk seien, das sich fast ausschliesslich mit Fahrzeugen, Suff, Sex und Gewalt beschäftigt. (Ist der Dscherrie auf der Strasse WIRKLICH so anders?) Selbstverständlich trifft das Obengenannte auch auf die Oukies zu. Gleichzeitig kann diese Einsicht nur einen Bruchteil des Komplexes erfassen (eine ähnliche Aussage kann schliesslich - seien wir ehrlich - über viele andere Stämme, Volksgruppen und Klassen in allen Teilen der Welt gemacht werden). Wer solch ein Urteil fällt, hat metaphorisch von der intellektuellen Hüfte geballert - so einfach ist der "Südwester" (d.h. Namibier deutscher Abstammung) - nicht zu erfassen. Die moderne Versuchung, alle Phänomene mit handlichen Etiketten zu versehen, ist eine armselige Tendenz. Die andere Seite der Münze ist nämlich, dass die Oukies auch weichherzig, grosszügig, hilfsbereit, modern im amerikanischen Sinne des Wortes, unverfälscht und humorvoll sind, und dass diese Charakterzüge nur in einem scheinbaren Widerspruch stehen. Hier ein kleiner Auszug aus dem Kapitel des Buchstaben "O", der Ihnen stellvertretend den Darstellungs- und Erklärstil des Diskschennäries nahebringen soll: oulik: (Afr. "oulik" - nett, niedlich, schön) 1. Wie Afr. 2. Etwas, das Spass macht. Das war nett zu oulik (einfach zu niedlich), wie der Povian (Pavian) mit dem kleinen Brack (Hund) gespielt hat. Ich hab ein wüst oulikkes (nettes) Photo von meinen Leities (Kindern). Ou-maht: s. (Afr. ,ou maat‘ - alter Freund, Mensch, Kerl, mehr gebraucht im Sinne von "pass auf Kerl", hör mal zu") 1. Wie Afr. Ou-maht, hier kommt Kack (Mensch hier gibts jetzt Ärger)! Der Oukie hat gerade bessefft (gezündet), dass WIR seine Teiers (Reifen) papp gelassen haben. Wir besser fokkoffen chou (hauen schnell ab)! Oussie: w. (Nama , oussie" - alte Frau) 1. Alte Eingeborenenfrau 2. Putzfrau - Ich hab da ne Oussie - die macht meinen Pleck schkuon (putzt). Ou-Toppie: m. (Afr. , ou toppie" - alter Mann, Vater) 1. Wie Afr. - Wer hört schon auf seinen Ou-toppie wenn man jung iss. Noit! Erst alle Fehler selber wieder machen und dann hinterher sagen: "Chott der Ou-toppie hatte recht!" Das iss ma nett so! Ouwerteim: w. (Engl. overtime"- Überstunden) 1. Wie Engl. - Wenn die Examen vorbei sind, dann sind die Stifte (Kinder) bläi (froh) und die Pauker dschoppen (arbeiten) Ouwerteim. Jemand hat Ouwerteim gedschobbt (gearbeitet) um dieses Buch für Schpellfoute (Rechtschreibefehler) und andere lellecke (schreckliche) Sachen zu tschecken (durchsuchen). Wenn da noch welche sind, dann iss das mein Fout (Fehler/Schuld). |